Wird mein ein Ungläubiger/Kafir wenn man bei einem Unrecht hilft?

Details der Frage

Ich habe eine Hadith gehört die das sagt: „Wer, obwohl er weiß, dass jemand grausam ist, mit diesem Grausamen zusammengeht, um ihm zu helfen (ihn unterstützt), der hat sich vom Islam losgesagt.“

Antwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

die besagte Hadith (Vgl. Mecmau’z-Zevaid, no: 7064.) gibt es, allerdings wird sie als schwach eingestuft. In der Überliefererkette ist ein Name unbekannt und über andere Namen gibt es Kritikpunkte.

Aus den Glauben zu treten ist keine leichtfertige Sache. Nach der Glaubenslehre der Sunna gilt selbst die größte Sünde nicht als Unglaube. Nach Maturidi führt das Unterlassen von guten Taten oder das Begehen von Sünden nicht zum Austritt aus der Religion, aber etwas, das nach eindeutigen Vorschriften verboten ist, für erlaubt zu erklären oder seine Verbotenheit zu leugnen, führt zum Austritt aus der Religion. Man kann es möglicherweise auch so formulieren; Der Muslim kann für sich genommen Fehler machen indem er die Sharia nicht befolgt. Das macht ihn zum Sünder, nicht aber zum Ungläubigen. Aber erst wenn er tatsächlich die Sharia selbst angreift, ablehnt und zu verändern versucht, wird er zum Ungläubigen.

Bei Maturidi gibt es eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Glauben und Praxis. Hier wird ein Sultan, der Unrecht begeht, nicht wegen seiner Sünden als Ungläubiger verurteilt, sondern diejenigen, die sein Unrecht als Gerechtigkeit anerkennen und den tyrannischen Sultan als gerecht bezeichnen, werden als Ungläubige verurteilt. Nach Maturidi führt das Unterlassen von guten Taten oder das Begehen von Sünden nicht zum Austritt aus der Religion, aber etwas, das nach eindeutigen Texten verboten ist, für erlaubt zu erklären oder seine Verbotenheit zu leugnen, führt zum Austritt aus der Religion. Denn hier geht es darum, die verbotene Tyrannei als Gerechtigkeit anzuerkennen und sie für erlaubt zu erklären.  Denn keine Sünde, egal welcher Art, macht einen Muslim zum Ungläubigen oder führt zum Austritt aus dem Glauben, sondern macht ihn nur zu einem Frevler und Sünder. Tatsächlich heißt es an derselben Stelle: „Wenn jemand innerlich etwas anderes denkt, aber mit seiner Zunge etwas anderes sagt, so ist zu hoffen, dass dieser Mensch von Allah vergeben wird.“ (Vgl.  Ebû İshâk İbrâhîm b. İsmâîl b Ebî Nasr es-Saffâr el-Ensârî (534/1139), Mesâil, Bibliotheque Nationale de France, Arabe Nu: 4808, v. 70b-71a; bk. Sönmez KÜTLU*, Bilinmeyen Yönleriyle Türk Din Bilgini: İmam Mâturîdî, Dinî Araştırmalar, Ocak-Nisan 2003, c. 5, s. 15, ss.5-28.)

Eine Lesart der Hadith könnte so aussehen, dass mit dem Austritt aus dem Islam nicht der Status des Unglaubens gemeint ist, sondern die Verletzung der Grundprinzipien des Islam. Demnach würde es bedeuten, jemand der sich bewusst oder unbewusst mit den Ungerechten zusammentut und so schließlich ein Teil der Ungerechtigkeit wird, der entfernt sich zunehmend von den grundlegenden Lehren der Religion und nähert sich zunehmend dem Teufel.

Fragen an den islam

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