Manche Aleviten behaupten, dass ihre Pflichtgebete schon von Ali (r.a.) verrichtet worden seien und sie deshalb nicht mehr beten bräuchten. Stimmt das?

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Manche Aleviten behaupten, dass ihre Pflichtgebete schon von Ali (r.a.) verrichtet worden seien und sie deshalb nicht mehr beten bräuchten. Stimmt das?
Antwort

Dear Brother / Sister,

Liebe Leserin, lieber Leser


Aleviten sind die Anhänger des 4. Kalifen Ali (auch Imam Ali genannt), welcher zugleich Cousin und Schwiegersohn des ehrenwerten Propheten Muhammad (sav) war. Imam Ali (r.a.) war mit der Tochter Fatima (r.a.) des ehrenwerten Propheten (sav) verheiratet und sie hatten gemeinsam viele Kinder, unter anderen Hasan und Hussein (r.a.). In Angesicht der Tatsache, dass seitens der leibeigenen Kinder (Hasan & Hussein) in keiner Weise solch eine oder ähnliche Behauptung aufgestellt wurde, liegt der Gedanke nahe, dass solche Überzeugungen absolut unsinnig sind. Sie haben somit aus religiöser und rationaler Betrachtungsweise keinerlei ernsthafte Grundlage. Sicheren Überlieferungen zufolge haben der Imam Ali selbst, seine Frau sowie seine Kinder nicht nur die Pflichtgebete verrichtet, sondern sie haben alle erdenklichen zusätzlichen freiwilligen (nafile) Gebete und Gottesdienste die es gibt in exakter Interpretation und Ausführung vorbildlich gelebt. Es gibt keinen Zweifel daran, dass sie die Sunnah des ehrenwerten Propheten Muhammad (sav) in Perfektion praktiziert haben.

Die Behauptung, dass Imam Ali (.r.a) bereits die Gebete derer die ihn lieben gebetet habe kommt folgender Auffassung gleich. Irgendwelche Anhänger irgendeines Mannes behaupten, sie bräuchten nichts mehr essen und nichts mehr trinken, da ihr Vorbild ja bereits damals für sie schon mitgegessen und mitgetrunken habe. Er habe durch seine eigene Nahrungsaufnahme und Sättigung seine Kinder, Enkelkinder und alle anderen seiner Anhängerschaft gleichermaßen gesättigt, so dass sie nie mehr wieder etwas essen und trinken bräuchten. Ebenfalls würde es bedeuten, dass die Kinder, Enkelkinder und Anhänger usw. eines Mannes, der sich sehr viel Wissen angeeignet hat ebenfalls dieses Wissen besäßen würden und sie nie mehr etwas lesen und lernen bräuchten, da ja ihr Vorfahre sich bereits sehr viel Wissen angeeignet hatte.

Nehmen wir doch paradoxer Weise einmal an, dass das stimmen würde und tatsächlich alle Muslime durch die bereits verrichteten Gebete Ali’s (r.a.) von ihrer Gebetspflicht befreit wären, dann würde sich folgende unsinnige Situation begeben. Wenn ein Muslim durch seine Liebe zu Imam Ali (r.a.) von seinen Pflichtgebeten befreit wäre, dann wären alle Verse aus dem edlen Qur´an und alle Überlieferungen vom ehrenwerten Propheten Muhammad (sav), die das Thema Pflichtgebet beinhalten nur bis zur Lebzeit Ali´s (r.a.) gültig und für alle nach Ali (r.a.) folgenden Muslime besäßen sie keinerlei Bedeutung mehr. Darüber hinaus wären alle nach dem Ableben Ali´s (r.a.) erbauten Moscheen und Gebetsstätten doch vollkommen umsonst gebaut worden. Alle literarischen Schriftwerke, die das Thema der Pflichtgebete beinhalten und nach dem Tode Ali´s (r.a.) verfasst worden sind, wären absolut überflüssig und ohne jegliche Bedeutung. Des Weiteren ist es offensichtlich, dass Ali (r.a.) es in seinem kurzen irdischen Leben nie geschafft hätte für jeden einzelnen Muslim der ihn liebt und einst lieben wird, dessen Pflichtgebete schon im Voraus zu verrichten. Momentan gibt es bereits weit über eine Milliarde Muslime und davon sind etwa 20 Millionen Aleviten. Selbst wenn wir nur von den Pflichtgebeten aller derzeitigen Aleviten ausgehen würden bräuchte Imam Ali (r.a.) ein unendliches Erdenleben um die Verrichtung der Pflichtgebete seiner Anhängerschaft zu verrichten. Betrachten wir zusätzlich die Tatsache, dass die Gebetspflicht ein ganzes Leben lang andauert, so wird jedem klar, dass es sich hierbei um keine rational nachvollziehbare Angelegenheit handelt. Zumal Imam Ali (r.a.) nur 62 Jahre alt geworden ist. Jeder Muslim weiß um die Mühe fünf Mal am Tag seine eigenen Pflichtgebete zu verrichten. Darüber hinaus kann keiner einem anderen die ihm von Gott auferlegten Pflichtgebete abnehmen und sie an seiner stelle beten. Sämtliche Verse aus dem Qur´an sowie alle Überlieferungen des ehrenwerten Propheten Muhammad (sav) haben ihre Gültigkeit bis zum jüngsten Tag. Nach dem wir die Absurdität dieser Behauptung festgestellt haben, möchten wir folgendes noch einmal offenkundig zum Ausdruck bringen.

Der Allgnädige Allah hat die Verrichtung der Pflichtgebete allen Gläubigen, die Propheten (a.s.) inbegriffen, zur Pflicht erklärt. Keiner kann anstelle eines anderen diese Pflichtgebete verrichten, auch wenn örtliche, zeitliche, körperliche wie auch geistige Hinderungen gegeben sind. Selbst wenn einer schwer erkrankt ist, so dass er selbst nicht mehr im Stande ist seine Pflichtgebete einzuhalten, darf und kann niemand anderes an Seinerstelle beten.

In der Sure Baqarah, Vers 286 heißt es: „Allah belastet niemand über Vermögen. Jedem wird zuteil, was er verdient hat, und über jeden kommt nach seinem Verschulden.“ Somit ist jeder Mensch einzig und allein für seine Belobigung und oder Verdammung (Taten) verantwortlich. Es gibt weit über einhundert Verse im Qur´an, die die Pflichtgebete thematisieren und der folgende Vers ist nur einer davon: „Und wenn ihr das Gebet beendet habt, dann gedenkt Allahs, sei es stehend, sitzend oder liegend. Doch wenn ihr in Sicherheit seid, verrichtet das Gebet (auf normale Weise). Siehe, das Gebet ist für die Gläubigen für bestimmte Zeiten vorgeschrieben.“ (Sure Nisa, Vers 103) Unser ehrenwerte Prophet Muhammad (sav) sagte einst: „Das Gebet ist die Säule der Religion (bzw. die Säule der Religiosität und des Glaubens).“ In weiteren Überlieferungen verkündet er die hohe Bedeutsamkeit des Gebetes. Der ehrenwerte Prophet (sav) hatte nicht einmal in den heftigsten (schlimmsten) Kriegen die Verrichtung der Pflichtgebete vernachlässigt. Selbst in den herbsten Momenten einer Schlacht vollzog er das Gebet mit seinen Gefährten, indem sie sich in zwei (oder mehrere) Gruppen aufteilten und so nacheinander auch im Krieg ihre Pflichtgebete in der Gemeinschaft verrichteten. Neben den Pflichtgebeten hatte unser ehrenwerte Prophet (sav) auch den freiwilligen Gebeten einen hohen Stellenwert beigemessen und manchmal hatte er sogar bis in die Morgenstunden freiwillige Gebete verrichtet. In einer weiteren Überlieferung fragte der Prophet (sav) seine Gefährten: „Sagt mir mal, wenn einer von euch vor seiner Haustüre ein fließendes Gewässer hätte und er sich in dem Fluss fünfmal am Tag wäschen würde, bliebe dann noch Schmutz auf seinem Leib? Und die Gefährten antworteten: „Nein, oh Gesandter Gottes, es bliebe kein Schmutz mehr übrig.“

Worauf der Prophet (sav) folgendes äußerte: „Nun, das Gebet zu fünf Zeiten (am Tag) ist genauso. Der Allgnädige Allah bereinigt die Gläubigen durch diese Gebete von ihren sündhaften Entgleisungen.“

Er sagte einst zu seiner Tochter Fatima: „Oh Fatima, denke ja nicht dass du das Gebet vernachlässigen könntest, nur weil du die Tochter von Muhammad Mustafa bist. Ich schwöre auf den erhabenen Allah, falls ihr die Verrichtung der Gebete zur rechten Zeit nicht einhaltet, so werdet ihr keinesfalls ins Paradies eingehen.“ (Abdüllâtif, Meclisü’l-Envâri’l-Muhammediye, s. 26)

Wenn die Fakten so sind, dann sollte mal überlegt werden, wie denkwidrig es ist (blind) seiner Liebe und Leidenschaft gegenüber dem Imam Ali und dessen Familie zu vertrauen und allein aus dieser so genannten „Liebe“ das Gebet zu unterlassen. Die Familie des Imam Ali (r.a.) ist auch zugleich die Familie und Nachkommenschaft unseres ehrenwerten Propheten Muhammad (sav). Wir wissen alle, das der Prophet selbst, sein Cousin und Schwiegersohn Ali (r.a.), seine Kinder und auch die Kinder des Imam Ali (r.a.), sowie alle seine Gefährten immer bemüht waren die Gebete (Pflicht & freiwilligen Gebete) zur Rechten Zeit zu verrichten. Möge Allah uns allen den Wirklichkeitssinn geben und uns vor dem Irregehen bewahren.


Selam & Dua

Fragenandenislam - Team


Fragen an den islam

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