Wie sollte die Mäßigkeit (mittlerer Weg) im Glauben sein?
Gespeichert von am Sa., 02/01/2021 - 14:19
Liebe Leserin, lieber Leser,
das Glaubensbekenntnis bzw. der Glaube jedes Menschen ist eine tiefe „Herzensangelegenheit“ oder ein starker Gewissenszustand. Die Grundlage dieser Überzeugung ist der Glaube an Gott und andere Glaubenswahrheiten. In der jüdischen Religion glaubt man eher an ein "bestrafenden Gott". Im Christentum, durch die vermittelnde Hilfestellung Jesu, ist der Glaube an Gott eher im Stil eines "vergebenden Gottes". Im Koran heißt es, dass Gott sowohl der „Erhabene Rächer“ als auch der Barmherzigste im Dies- sowie Jenseits ist.
Imam Ghazali schrieb genau hierzu ein Werk mit dem Namen "al-iktisad fi'l İtikad", "Der mittlere Weg (Mäßigkeit) im Glauben". Heute zeichnet sich die Notwendigkeit solcher Werke dadurch ab, dass viele (Gelehrte, Akademiker) die eigentlich in der Lage sind über den Islam reichlich Wissen zu haben ebenso in den Grundfragen des Glaubens wackeln bzw. zerstreut handeln.
Der mittlere, besonnene Weg im Glauben sollte sich in erster Linie nach den heiligen Worten Gottes und den Überlieferungen seiner Gesandten richten. Im Islam richtet es sich erstens nach den Grundlagen und Vorgaben Allahs, welche im Koran verkündet wurden. Die Auslegung und die Praktizierung (Sunna) dessen wurde durch den Propheten Mohammed (s.a.s.) an die Muslime mit Worten erklärt, in Taten umgesetzt und/oder mit Handlungen und Haltungen vorgelebt.
Nach dem Tod des Propheten Muhammad (a.s.m.) und mit der Zeit traten neue Ereignisse in der Lebenswelt der Muslime auf. Hierzu wurden zwei weitere Beweisführungen zur Ausübung des Glaubens, die Analogie (Vergleich) und Ijma (Konsens) eingeführt. Die Erneuerung der Zeit und die Differenzierung der Ereignisse machten dies notwendig. Ist ein Dekret eindeutig im Koran vorhanden wird dies in der Tat entsprechend ausgeführt. Wird es nicht eindeutig im Koran erwähnt, so wird auf die Sunna verwiesen. Wenn sie dort nicht gefunden werden, werden Analogie und Ijma angewendet.
Um den mittleren, besonnenen Weg im Glauben zu gehen sollte ein Gläubiger sein Glaubensbekenntnis, welches eine verfestigte, tiefe „Herzensangelegenheit“ und ein starker Gewissenszustand ist, nicht nach eigenem Ermessen und Verständnis bewerten, sondern mit soliden Beweisen untermauern und ablegen.
Man sollte Mäßigkeit eher als eine Sache der Haltung und als Sensibilität betrachten, vielleicht ist es auch eine Leitfrage für das Leben. Der mittlere Weg bedeutet daher auch nicht, dass man niemals Fehltritte macht. Wer aber in der Mitte eines Raumes steht, hat einen guten Blick in alle Richtungen. Wer aber nur auf einer Seite der Waage steht und schlimmer noch, das Recht nur bei sich sieht, der läuft Gefahr nur einen Bruchteil der Wahrheit sehen zu können. Außerdem verleitet ein parteiisches Denken jemanden dazu, Andersdenkende pauschal als Feinde zu betrachten, selbst wenn sie Recht haben und im Umkehrschluss Leute als Freunde zu sehen, nur weil sie einem Recht geben obwohl man falsch liegt. Daher sollte Mäßigkeit für uns immer die Erinnerung sein, zu fragen; Was würde mein Schöpfer von mir erwarten? Gibt es eine andere Sichtweise auf dieses Thema? Habe ich zu vorschnell geurteilt?
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