Was bedeutet I'tikaf und kann man das zuhause auch machen?

Antwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

Zunächst wollen wir aufklären, was sich hinter dem Begriff „I’tikaf“ überhaupt verbirgt. Generell versteht man darunter eine gängige und wertgeschätzte religiöse Praxis in der man sich für einen Zeitraum zwecks spiritueller Reinigung und Besinnung zurückzieht. In aller Regel macht man dies in einer Moschee. Man verbringt also eine gewisse Zeit abgeschieden in einer Moschee und konzentriert sich auf Gottesdienste und meidet alle möglichen weltlichen Ablenkungen. Man kann es also auch als „Verbleiben an einem Ort zur spirituellen Besinnung und Zurückgezogenheit“ definieren oder übersetzen. Man könnte auch das Wort „Klausur“ bzw. „in Klausur gehen zur Andacht Gottes“ dafür nehmen. Es muss aber auch klargestellt werden, dass mit dem I’tikaf durchaus ein spezifischer Gottesdienst gemeint ist, während die oben genutzten Beschreibungen auch allgemeiner/abstrakter gelesen oder verstanden werden könnten. Nicht jede Form von spirituellem Rückzug erfüllt also auch die Bedingungen eines I’tikaf, wo es mitunter ja auch um den Verbleib an einem Ort extra für diesen Zweck geht.

Häufig wird der I’tikaf mit dem Ramadan in Verbindung gebracht und viele Menschen nutzen gerne die letzten 10 Tage des Ramadan dafür. Dies geht auch auf die Sunna des ehrenwerten Propheten (s.a.s.) zurück. Der I’tikaf ist aber nicht mit dem Ramadan begrenzt und kann auch außerhalb des Ramadan durchgeführt werden.

Frauen können sich ebenso in eine Moschee zurückziehen, sofern sie nicht verhindert sind für Gottesdienste (z.B. durch die Periode). Es gibt aber einige hanafitische Meinungen, demnach die Frau sich eher zuhause zurückziehen sollte.

Als Ort wird gemeinhin eine Moschee empfohlen und spezifischer auch eine Mosche, die eine Gemeinde zum Freitagsgebet hat. Wenn aber aus bestimmten Gründen (wie durch die derzeitige Pandemie) es nicht möglich ist, in eine Moschee zu gehen, kann man auch zuhause in einem entsprechenden Zimmer den I’tikaf vollziehen. 

Die Person, die sich in eine Moschee zurückzieht, lebt für diesen Zeitraum auch dort. Das heißt, sie isst, trinkt und schläft an diesem Ort. Es empfiehlt sich, an einem passenden Ort der Moschee so etwas wie ein kleines Zelt oder Vergleichbares aufzuschlagen. Man geht nur gezwungenermaßen (z.B. für die Körperhygiene) raus, aber sonst bleibt man in der Moschee. Man geht also für keine anderen Zwecke raus.  

Man kann auf verschiedene Art die Zeit im I’tikaf nutzen. Neben den üblichen Gottesdiensten, Rezitationen und der Huldigung Gottes („Dhikr“) kann man auch bildende religiöse Werke lesen zur geistigen Entfaltung. Es braucht keinen strengen und durchgeplanten Ablauf der einzelnen Tage, solange man die verbrachte Zeit dem ursprünglichen Ziel gemäß für die spirituelle Reinigung und Entwicklung nutzt.

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