Warum gibt es verschiedene Religionen, wenn Gott doch dafür sorgen könnte, dass alle Menschen Muslime wären?

Details der Frage

Es gibt Menschen die aufgrund ihres Glaubens (wenn sie z.B. dem Christentum usw. Angehören) in die Hölle kommen oder Sünden begehen. Warum hat Gott nicht jeden als muslimen erschaffen oder dafür gesorgt dass nur der Islam auf der Welt existiert.

Antwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Begriff „Islam“ wird in vielen Bedeutungen verwendet. Allerdings ist „Islam“ auch der spezifische Name der Religion, die unserem Propheten (s.a.s.) offenbart wurde. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Name der Religion, die unserem Propheten (s.a.s.) offenbart wurde, von dem der Religion des Propheten Ibrahim (s.a.s.). Auch wenn sich die Namen dieser Religionen unterscheiden, sind sie in den grundlegenden Punkten identisch. In den Einzelheiten können sie jedoch voneinander abweichen.

Von Adam (as) bis zu unserem Propheten (s.a.s.) haben alle Propheten die wahre Religion verkündet. Die Grundsätze des Glaubens, die das Fundament der Religion bilden, sind stets dieselben geblieben. Was jedoch die Scharia betrifft – also die Vorschriften für den Gottesdienst und weltliche Angelegenheiten –, so haben sich einige Bestimmungen von Adam (as) bis zu unserem Propheten (s.a.s.) entsprechend den Erfordernissen der jeweiligen Epoche und den Bedürfnissen der Menschen gewandelt. Der Allmächtige hat jeder Gemeinschaft eine eigene Scharia gesandt, wobei Er die Lebensweise und das Wohl der Menschen jeder Epoche berücksichtigt hat. Im 48. Vers der Sure „Al-Ma’ida“ heißt es hierzu:

„Für jeden von euch haben Wir eine Scharia und einen klaren Weg festgelegt.“

"Bediüzzaman" Said Nursi behandelt das in seinem Werk "Worte" ebenfalls mit diesen Worten;

Die Scharia ändert sich je nach Jahrhundert. Vielleicht können in einem Jahrhundert je nach Volk unterschiedliche Scharia-Vorschriften gelten, und Propheten können kommen – und sind auch gekommen. Da die große Scharia nach dem „Siegel der Propheten“ (also Muhammad s.a.s.) in jedem Jahrhundert für jedes Volk ausreichend war, besteht kein Bedarf mehr an verschiedenen Ausführungen der Scharia. In den Einzelheiten besteht jedoch bis zu einem gewissen Grad weiterhin Bedarf an verschiedenen Rechtsschulen.“

Die Welt ist allerdings ein Ort der Prüfungen. Im Laufe der Geschichte ist es keiner Religion gelungen, alle Menschen der Welt für sich zu gewinnen. Würde man diesen Umstand berücksichtigen, müsste man an die Richtigkeit keiner Religion glauben. Die Unrichtigkeit einer solchen Überlegung liegt auf der Hand. Eine Sache wird nicht richtig oder falsch, weil die als richtig empfundene Menge an Leuten ihr folgen. Ebenso sei angemerkt, dass eine riesige Zahl an Menschen global dem Islam folgen. 

Grundsätzlich gibt es zwei Gruppen von Leugnern. 

Es gibt Menschen, die einfach nur ihren Gelüsten folgen und sich in keiner Weise fügen wollen oder ihre Bequemlichkeit aufgeben möchten. Der Gedanke der Religion ist ihnen primär deswegen ein Dorn im Auge, denn das würde Regeln und Grenzen in ihr Leben bringen. Sie akzeptieren daher wohlwollend das "Nichts" also die Idee, dass es nach dem Tod nichts gibt und die Existenz einfach endet. 

 Die andere Gruppe von Menschen haben schwere Vorbehalte und Vorurteile gegenüber dem Islam. Sie haben also nicht zwingend ein Problem mit dem Gedanken der Religion sondern sind spezifisch dem Islam gegenüber abgeneigt. Das rührt vor allem von Fehlinformationen oder bewussten Falschinformationen, denen sie zum Opfer gefallen sind.

Generell muss man sich auch immer vergegenwärtigen, dass Menschen primär nach Gewohnheiten handeln und sich gerne ihrem Umfeld anpassen. Wenn also Menschen als Nichtmuslim geboren werden und keinen sozialen Kontakt zu Muslimen haben, ist es tendenziell auch eher unwahrscheinlich, dass sie einfach von sich aus eine Hinwendung zum Islam durchleben. Wenn dann noch negative Vorurteile dazukommen erklärt sich leicht, warum Menschen dem Islam fernbleiben. Aber auch hier muss man nachfassen und erwähnen, dass der Islam die am schnellsten wachsende Religionsgemeinde ist und entsprechend auch viele Menschen zum islam konvertieren. 

Neben diesen Punkten gibt es auch wichtige Koranstellen diesbezüglich:

Denken sie denn nicht sorgfältig über den Qurʾān nach? Oder sind an (diesen) Herzen deren Verriegelungen (angebracht)? (47:24)

Taub, stumm und blind: So werden sie nicht umkehren. (02:18)

Hier werden Menschen angesprochen, die durch ihren sündhaften Lebensstil sowie ihre innere Verweigerung es schlicht nicht zulassen, dass der Islam sie überhaupt erreichen kann. Ähnlich wie jemand, der die Sonne meidet, indem er einfach ein Vorhang davor hängt, verschließen diese Menschen sich einfach gegenüber dem Islam. Aber so wie die Sonne wegen des Vorhangs nicht einfach verschwindet, so kann man auch nicht sagen, dass der Unglauben dieser Menschen ein Indiz sein kann für eine vermeintliche Schwäche des Islams.

Fragen an den islam

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