Ich habe immer Zweifel über die Gültigkeit meiner Waschung (Abdest/Wudu) was kann ich dagegen tun?
Oft denke ich, ich habe ein Gebet falsch rezitiert, die Reihenfolge der Schritte falsch gemacht oder... also ständig kommen mir Zweifel über die Korrektheit meiner Waschung
Liebe Leserin, lieber Leser,
wir sprechen in solchen Fällen von "waswasa" bzw. "awham" was sich etwa als eine Art der - je nach Fall teilweise - krankhaften Einbildung übersetzen lässt. In milderen Fällen würde man eher von einer überflüssigen Grübelei sprechen, die einen davon abhält, aktiv zu werden.
Dies ist die Art von Zweifeln, mit der Menschen, die unter Zweifeln leiden, am häufigsten konfrontiert sind. Im Idealfall besteht der Gedanke, den vollkommensten Gottesdienst zu verrichten. Man ist der Vorstellung verfallen, die besten Taten und Dienste fehlerfrei und lückenlos zu vollbringen. Kommt dann noch der Gedanke der Gottesfurcht hinzu, spitzt sich die Angelegenheit weiter zu. Die Intensität der Zweifel nimmt dabei immer mehr zu. Mit der Zeit erreicht dies einen solchen Grad, dass man, während man versucht, die besten Taten und Gottesdienste zu vollbringen, in etwas Verbotenes verfallen oder seine Pflichten vernachlässigen kann. So gibt es z.B. Fälle wo Leute davon berichten, dass sie das Gebet nicht verrichten, weil sie immer beim Versuch zu beten, sich als abgelenkt, unkonzentriert oder Ähnliches wahrnehmen und sich denken, dass sie das Gebet falsch machen. Sie erfüllen also die Pflicht nicht, weil sie in ihrem Kopf ein unrealistisches Ideal haben, was sie schlichtweg nicht erreichen können.
Ein Mensch, der solchen Zweifeln verfällt, beginnt mit der Waschung, wird in diesem Moment von den Zweifeln erfasst, kehrt beim Waschen der Arme wieder zum Anfang zurück, kehrt erneut zum Anfang zurück, obwohl er eigentlich seine Füße waschen und die Waschung beenden müsste, oder vollzieht nach der Waschung unter Vorwänden wie „Ich habe wohl meinen rechten Arm nicht gewaschen, meinen Kopf nicht abgetupft …“ drei- bis fünfmal hintereinander die Waschung. Genau hier hat der Pfeil der Zweifel, den der Satan abgeschossen hat, sein Ziel getroffen. Diese Situation ist für diesen Menschen nun zu einer Krankheit geworden.
Wichtig ist zu verstehen, dass eben solche Gedanken einen teuflischen Ursprung haben und als List des Teufels zu verstehen sind. Denn sie sorgen dafür, dass wir von unseren Pflichten und GOttesdiensten abgehalten werden. Gerade bezüglich der Waschung gibt es eine Überlieferung;
„Es gibt einen Teufel, der sich bei der Waschung einschleicht; man nennt ihn ‚Welehan‘ (der Verwirrende). Hütet euch daher bei der Waschung und der Ganzkörperwaschung (Gusl) vor seinen Einflüsterungen.“ (Tirmizi, Taharet: 43; İbni Mâce, Taharet: 48)
Ein Prophetengefährte überliefert, dass sie beobachten konnten, wie manche Leute ihr Gesicht unzählige Male gewaschen hatten aus Sorge und Panik darüber, dass ihre Waschung nicht komplett ist. In diesem Kontext wird folgende Szene überliefert;
Ein Beduine kam zum Gesandten Allahs (Friede sei mit ihm) und fragte ihn, wie man die Waschung (Wudu) vollzieht. Der Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) zeigte ihm, wie man die Waschung vollzieht, indem er seine Gliedmaßen dreimal gewaschen hatte. Dann sagte er:
„Das ist die Waschung. Wer mehr tut, hat die Sunna aufgegeben, einen Fehler begangen, die Grenze überschritten und seinem Selbst Unrecht getan.“ (İbni Mâce, İkame: 48)
Wir sehen also, dass selbst der Prophet (Friede sei mit ihm) die Waschung nicht verkomplizierte und keinen Anlass sah, seine Körperteile wieder und wieder zu waschen, weil sonst die Waschung ungültig wäre.
Bei den Gebetsritualen, vor allem beim Waschen und beim Gebet, kann es vorkommen, dass wir vergessen, was wir gerade lesen, wie viel wir gelesen haben oder wie viele Rak’aat wir verrichtet haben, und dass wir dies für einen Moment nicht im Kopf behalten können. In solchen Situationen sollten wir nicht sofort in Panik geraten, sondern die Lösung wieder im Gebet selbst suchen. So wie kein Mensch vor Vergesslichkeit gefeit ist, war auch unser Prophet (Friede sei mit ihm), der vollkommenste Mensch, in sehr geringem Maße davon betroffen. Denn so groß und vollkommen er auch war, in seinen menschlichen Eigenschaften war er wie einer von uns und teilte daher auch menschliche Erfahrungen, so wie alle anderen. So wie er Hunger und Durst verspürte, krank war und in Schwierigkeiten geriet, so kam es auch vor, dass er etwas vergaß. Diese Angelegenheit wird im Hadith wie folgt beschrieben:
Der Gesandte Allahs (Friede und Segen seien auf ihm) leitete das Gebet. Entweder hatte er etwas hinzugefügt oder etwas ausgelassen. Daraufhin wurde gefragt: „O Gesandter Allahs! Wurde dem Gebet etwas hinzugefügt?“ Der Gesandte Allahs (Friede sei mit ihm) sagte:
„Ich bin nur ein Mensch. So wie ihr vergesst, vergesse auch ich. Wenn einer von euch etwas vergisst, soll er, während er sitzt, zwei Niederwerfungen machen.“
sagte er. Dann wandte sich der Gesandte Allahs der Qibla zu und machte zwei Niederwerfungen. (ibni Mâce, ikame: 129)
Der Satan hat nur einen einzigen Wunsch und eine einzige Aufgabe: den Menschen vom Gottesdienst, insbesondere vom Gebet, abzuhalten; so wie er selbst des Gebets und der Niederwerfung beraubt ist, will er auch die Menschheit dieser Gnade berauben und von ihr fernhalten. Zweifel und Verwirrung sind zwei wirksame Werkzeuge dafür. Die beste Waffe dagegen ist es, vielleicht auch gerade als Trotz dem Teufel gegenüber, unbeirrt und sturr seine Gottesdienste zu verrichten, selbst wenn man der Meinung ist, diese nicht ideal zu verrichten. Denn in wahrhaftiger Weise können wir als Diener Allah sowieso nicht huldigen. Das bedeutet, kein Mensch kann Allah "ausreichend", "vollständig" oder "zu Ende" anbeten. Daher sollten wir auch vom Gedanken ablassen, dass unsere Gebete nicht wertvoll genug sind, weil wir vielleicht nicht das beste arabisch rezitieren oder in dem Moment gähnen. Die Ehrfurcht gegenüber Allah ist eher so zu verstehen, dass wir stets nach Verbesserung streben und uns nicht auf unseren bisherigen Gottesdiensten ausruhen. Nicht aber als fiktive Messlatte für perfekte Dienerschaft.
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