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1-) Dschihad im Koran & Hadithen

der Begriff Djihad kann im Deutschem mit dem Begriff Anstrengung übersetzt werden. Jede Tat, welche im Namen Allahs ausgeübt wird, jede kleinste Anstrengung gutes zu verrichten ist eine Art Djihad. Der Djihad ist viel umfangreicher und besteht nicht nur aus dem Krieg, welcher wenn überhaupt nur zu Verteidigungszwecken zulässig ist.

Weitere Details befinden sich in den unten aufgeführten Links:

http://www.fragenandenislam.com/soru/was-bedeutet-eigentlich-%E2%80%9Ecihad%E2%80%9C-warum-erkl%C3%A4ren-einige-leute-den-%E2%80%9Ecihad%E2%80%9C-als-heiligen-krieg

http://www.fragenandenislam.com/soru/was-ist-der-unterschied-zwischen-djihad-und-krieg

http://www.fragenandenislam.com/soru/ist-frieden-oder-krieg-die-grundlage-des-islam


2-) Was ist Idjtihad, wer sind Mudjtehids, was sind die "Tore des Idjtihad" und sind diese offen oder geschlossen?

IǧtihādSeine ganze Kraft aufbieten. In einer Rechtsfrage zu der kein eindeutiges Urteil besteht, unter Heranziehen der Rechtsquellen (Qurʾān und Sunna des Propheten (s.a.s.) ein Urteil herbeizuführen.

Iǧtihād, Disziplin und Anstrengung aufbieten. In einer Sache seine Kraft und Ausdauer verwenden. Wird in der Rechtslehre auch beschrieben als das Bemühen und Arbeiten um der 'Istinbāṭ al-Aḥkām' willen, sprich aus den Versen des Qurʾān und den Überlieferungen des Propheten (s.a.s.) verborgene Gesetze, Urteile und Weisheiten zu entschlüsseln. Personen die das hierfür nötige Wissen erlangt haben und mit diesem göttlichen Geschenk ausgestattet sind, werden als Muǧtahid bezeichnet.

Istinbāṭ, bedeutet unter Anstrengung einem Brunnen Wasser zu entnehmen.
Sowie das Buch der Schöpfung das Werk Allāh's ist, so ist auch der Qurʾān sein Erlass und Dekret. Ein jeder ist sich solcher Dinge aus dem Buch der Schöpfung wie Wasser, Luft und Erde mehr oder weniger bewusst und zieht seinen Nutzen aus diesem. Im selben Buch der Schöpfung gibt es aber darüber hinaus eine Vielzahl von verborgenen Dingen wie z.B. Physik, Naturgesetze, elektromagnetische Wellen, Atome und Gene die der Erforschung durch Wissenschaftler überlassen sind. Diese haben den endlosen Schatz des Wissens unter großer Anstrengung unermüdlich erforscht und im Zuge dessen eine Vielzahl von faszinierenden Entdeckungen gemacht.

Eine ähnliche Situation ist auch in Bezug auf den weisen Qurʾān gültig. Die grundlegenden Richtlinien sind im weisen Qurʾān für jedermann kenntlich gemacht und diese fundamentalen Themen werden durch „Bediüzzaman“ Said Nursi  als 'diamantene Pfeiler' bezeichnet und umfassen 90% der Šarīʿa. Die Erschließung von Urteilen die im Vergleich zu den oben genannten als Detail zu betrachten wären, wird in dem Feld der Rechtslehre, der Disziplin und Anstrengung von qualifizierten Gelehrten überlassen.

Und so steht im Band 'Briefe' folgendes geschrieben:
"Jede qualifizierte Person kann für sich selbst, sprich Subjektiv, Iǧtihād betreiben, dies aber nicht als allgemein gültiges Gesetz verkünden". D.h. das befugte Personen um in einer Angelegenheit das rechte Urteil zu finden und nach diesem zu leben Iǧtihād betreiben. Ein Urteil, zu welchem diese gekommen sind, können sie aber nicht als einzige Wahrheit darstellen indem sie sagen: "Dies allein ist die Wahrheit und die Šarīʿa gilt so wie ich sie verstehe"

Aus nachfolgendem Vers im Qurʾān wird deutlich, dass Allah erwartet das die dazu qualifizierten Gelehrten Iǧtihād betreiben, und die anderen Menschen sich an diesen orientieren:

Und wenn zu ihnen etwas durchdringt, das Sicherheit oder Angst hervorruft, verbreiten sie es. Würden sie es aber vor den Gesandten und die Zuständigen unter ihnen bringen, so würden es diejenigen von ihnen, die es herauszubekommen verstehen, (zu beurteilen) wissen.  (4/83)

Mit der Erlaubnis die dieser Vers erteilt, hat der Prophet (s.a.s.), bei Sachverhalten zu denen im Qurʾān kein eindeutiges Urteil geschrieben steht, Iǧtihād betrieben. Des weiteren haben Gelehrte unter den Gefährten des Propheten (s.a.s.) ebenfalls Iǧtihād betrieben.

Da kein Urteil existiert welches den Iǧtihād für die Zeit nach der glorreichen Zeit verbietet, haben verschiedene 'Muǧtahid' (s.o.) bei neuen Sachverhalten Iǧtihād betrieben und durch die Zunahme derer die sich diesen untergeordnet haben bzw. die diesen gefolgt sind, haben sich die verschiedenen Rechtsschulen (Maḏhab) gebildet.

(übersetzt aus dem 27. Wort von Said Nursi)

Das Tor der Iǧtihād ist zwar offen, aber es gibt in dieser Zeit 'sechs Hindernisse' um hindurch zu gehen.

Erstens: So wie im Winter, einer Zeit heftiger Stürme, auch die kleinsten Löcher abgedichtet werden, wäre es keineswegs vernünftig, neue Tore zu öffnen. Ferner bestünde die Gefahr, zu ertrinken, schlüge man Löcher in die Wände, während draußen eine gewaltige Sturmflut wütet, um sie zu reparieren. Genauso ist es ein Verbrechen am Islam, in dieser Zeit, wo die Gebote Gottes unbeachtet bleiben, in der Ära, wo unislamische Gebräuche eindringen, in der Periode, wo abzulehnende Erneuerungen im Übermaß auftreten und Irrlehren Zerstörungen anrichten, unter der Bezeichnung 'Iǧtihād' aus dem Schloss 'Islam' heraus neue Tore nach draußen zu öffnen, und in seine Wände Löcher zu schlagen, die den Zerstörern Einlass gewähren.

Zweitens: Was die beiden unabänderlichen Rechtsquellen (Qurʾān und Sunna) im Glauben betrifft, so kann die Iǧtihād sie nicht berühren. Denn sie sind endgültig und festgesetzt. Ferner sind die Grundlagen lebensnotwendig wie Nahrungsmittel und Nährstoffe. Sie bleiben heute unbeachtet und werden erschüttert. Man soll heute die ganze Begeisterung und Anstrengung für deren Aufrichtung und Belebung aufwenden. Darüber hinaus sind die Lehrmeinungen aus den beiden anderen Rechtsquellen (Iǧmāʿ und Qiyās = Übereinstimmung der islamischen Gemeinde und Analogieschluss der Rechtsgelehrten) des Islam bekannt, die die vorherigen Rechtsgelehrten durch ihre reine und aufrichtige Iǧtihād erstellt hatten und die für die Bedürfnisse jeder Zeit nicht begrenzt sind. Sie zu übersehen und sich nach Lust und Laune neue Iǧtihād zu bilden, ist ein ketzerisches Verbrechen.

Drittens: Je nach Jahreszeit ist auf dem Markt das Verlangen nach einer bestimmten Sache groß. Von Zeit zu Zeit wird je eine Ware marktgängig. Genauso findet in dem Ausstellungsort der Welt, auf dem Markt des gesellschaftlichen Lebens und der Zivilisation der Menschen in jedem Jahrhundert je eine Sache ihren Anklang. Auf den Straßen, das heißt, auf den Märkten werden diese Dinge ausgestellt und das Interesse daran geweckt. Die Augen wenden sich ihnen zu und die Gedanken beschäftigen sich mit ihnen. Zum Beispiel stehen in dieser Zeit politische Dinge, die Absicherung des weltlichen Lebens und das Interesse für Naturwissenschaft und Philosophie im Vordergrund. In dem vorausgegangenen Zeitalter der 'Reinen' ( as-Salafu s-Ṣāliḥīn = die erste und zweite Schülergeneration) und auf dem Markt jener Zeit war die beliebteste Sache das, womit der Schöpfer der Himmel und der Erde mit uns zufrieden wird, und was Er von uns verlangt, aus Seinen Worten herauszufinden und die Mittel zu beschaffen, die die ewige Glückseligkeit in der jenseitigen Welt erwerben lassen, welche durch das Licht des Prophetentums und des Qurʾān dermaßen weit geöffnet wurden, um sie niemals mehr wieder zu schließen.

Da in jener Zeit die Gedanken, Herzen und Gemüter mit all ihrer Kraft daraufhin ausgerichtet waren, Wünsche des Herrn der Erde und des Himmels zu erkennen, waren auch die Unterhaltungen, Gespräche, Geschehnisse und Zustände im Alltagsleben der Menschen dementsprechend. Und da alle Dinge in dieser Richtung ihren Lauf nahmen, konnte jeder, der dafür empfänglich war, auf schönste Weise in seinem Herzen und seiner Natur entsprechend von jedem Ding unbewusst eine Lehre, die ihm Erkenntnis brachte, empfangen. Er bildete sich durch die Zustände, Ereignisse und Gespräche, die in jener Zeit abliefen. Als wäre jedes Ding ein Lehrer für ihn, dient alles durch seine Beschaffenheit und seine Natur als Vorbereitung für seine Iǧtihād. Dieser natürliche Unterricht war sogar ein solches Licht, dass jeder fast ohne Anstrengung die Fähigkeit zu seiner Iǧtihād besaß, gleich einem Licht, das sich beinahe wie von selbst entzündete.

So erlebte, wer dafür empfänglich war und auf diese Weise einen natürlichen Unterricht empfangen hatte, das Geheimnis des 'Licht über Licht' und konnte schnell und in kurzer Zeit einen eigenen Kommentar finden, sobald er begann, sich seine Iǧtihād zu erarbeiten, da seine Fähigkeiten schon gleichsam der Bereitschaft eines Streichholzes entsprach.

In dieser Zeit sind aber infolge der Vorherrschaft der europäischen Kultur, ihrer Naturwissenschaften mit ihrer Aufdringlichkeit und die erschwerten Lebensbedingungen auf Erden die Herzen und Gedanken (der Menschen) zerstreut, ihre Opferbereitschaft und Güte gespalten. Der spirituelle Bereich ist in ihrer Gedankenwelt zu einem Fremdkörper geworden.

Aus diesem Grund braucht jemand in unserer Zeit zehnfach mehr Zeit, um zu seiner Iǧtihād zu gelangen, als zum Beispiel Sufyān ibn ʿUyayna, ein Exeget, der schon in seinem vierten Lebensjahr den ganzen Qurʾān auswendig konnte und mit Gelehrten wissenschaftliche Dispute führte, und das selbst bei einer in etwa vergleichbaren Intelligenz! Benötigte also Sufyān noch zehn Jahre, um zu seiner Iǧtihād zu gelangen, so benötigt dieser Mann nun hundert Jahre, um (die gleiche innere Reife) zu erlangen. Denn für Sufyān begann der Prozess der Selbstfindung ganz natürlich bereits im frühesten Alter der Selbstentdeckung. Allmählich entwickelten sich seine Fähigkeiten, entfaltete sich ein inneres Licht, begann er von all überall seine Lehren zu empfangen und (in der steten Bereitschaft und Entflammbarkeit seines Geistes) einem Streichholz gleich zu werden.

Was aber seinen Vetter in heutiger Zeit betrifft, so ertrinken seine Gedanken in der Philosophie, verliert sich sein Verstand in der Politik, berauscht sich sein Herz im irdischen Leben und er verliert die natürliche Fähigkeit zur Iǧtihād. Er hat im Grade seiner intensiven Beschäftigung mit den modernen Wissenschaftler mit Sicherheit die Fähigkeit zu der Iǧtihād, Gesetze (aus dem Qurʾān ableiten zu können) verloren und bleibt im Grade seiner vielseitigen Bildung in den weltlichen Wissenschaften hinter der Annahme der Iǧtihād (eines aus dem Qurʾān abgeleiteten Gesetzes) zurück. Deswegen kann er nicht sagen: „Ich bin genauso klug wie er. Warum sollte ich ihm nicht gleich sein.“ Er hat kein Recht so zu sagen und er kann ihm auch nicht gleich kommen.

Viertens: Jedem Ding wohnt eine Tendenz inne, sich zu entfalten, damit es wachsen und gedeihen kann. Diese Tendenz, sich zu entfalteten, dient, da sie von innen heraus wächst, der Vervollkommnung dieses Dinges und seiner Anlagen. Wenn aber diese Tendenz, sich zu entfalten, von außen angreifen würde, so hieße das, die Haut des Körpers zu zerreißen und zu zerstören und wäre dies keine Entfaltung. Ebenso entspricht es der Vervollkommnung, ist es Vollkommenheit, wenn solche, die, die wie die as-Salafu s-Ṣāliḥīn durch die Türe der vollkommenen Gottesfurcht und auf dem Weg der Befolgung Pflichten des Glaubens in das Gebäude des Islam eingetreten sind, die Neigung in sich verspüren, sich zu entfalten und den Willen zur Iǧtihād haben.


Wenn aber anderenfalls dieses Bedürfnis, sich zu entfalten und dieser Wille, seinen eigenen Platz (im Leben) zu finden, von Leuten kommt, die aufgegeben haben, ihren Verpflichtungen nachzukommen, die das irdische Leben dem jenseitigen Leben vorziehen und von der materialistischen Philosophie besudelt sind, so heißt das, den Islamkörper zu zerstören und ist ein Mittel, die Kette des Gesetzes von ihrem Hals zu streifen.

Fünftens: Die drei (nachstehenden) Standpunkte verkehren die Iǧtihād in heutiger Zeit ins Irdische, lösen sie aus ihrer himmlischen (Verankerung) heraus. Es ist aber die Scharia vom Himmel (herabgekommen) und auch die Iǧtihād des Gesetzes ist im Himmel (verankert), da sie die verborgenen Gesetze des Himmels entschleiert.

Erstens: Die Weisheit hinter einer Bestimmung ist das eine, ihre Begründung das andere. Was die Weisheit und Zweckmäßigkeit betrifft, so begründen sie die Prioritäten, sind aber nicht der eigentliche Anlass zu einem Tun oder einem Unterlassen. Was aber die Begründung betrifft, so ist sie der eigentliche Anlass zu der Inkraftsetzung dieser Prioritäten. Zum Beispiel wird das Gebet auf Reisen gekürzt und werden nur zwei Raqāt verrichtet. Die Begründung für diese Erlaubnis im Gesetz ist die Reise, die Weisheit dahinter aber liegt in den Anstrengungen (der Reise). Wird eine Reise unternommen und ist diese mit gar keiner Anstrengung verbunden, wird trotzdem das Gebet verkürzt. Denn die Begründung dafür ist gegeben. Wird jedoch keine Reise unternommen, sind aber hundertlei Anstrengungen gegeben, fehlt eine Begründung für die Verkürzung des Gebetes. Nun stellt die Betrachtungsweise dieser Zeit aber, im Gegensatz zu dieser Tatsache, Zweckmäßigkeit und Weisheit an die Stelle einer (stichhaltigen) Begründung und bestimmt dementsprechend. Eine solche Iǧtihād entspringt mit Sicherheit einer diesseitigen (weltlichen Gesinnung) und ist nicht jenseitig (himmlisch begründet).

Zweitens: Das Auge unserer Zeit ist hauptsächlich und vor allem auf irdisches Glück gerichtet. Auf dieses hin sind die Gesetze (unserer Zeit) ausgerichtet. Was hingegen das Auge der Šarīʿa betrifft, so ist es hauptsächlich und vor allem auf das jenseitigen Glück gerichtet. Erst in zweiter Linie betrachtet es das irdische Glück und zwar als Mittel zum jenseitigen Glück. Das heißt, dass der Geist der Scharia dem Auge dieser Zeit fremd ist. Weil dies aber so ist, kann (sein Blick) nicht im Namen der Šarīʿa zu einer Iǧtihād hin führen.

Drittens: Folgender Grundsatz: »Eine Zwangslage hebt, was Ḥarām ist, auf die Stufe des Ḥalāl.« Dieser Grundsatz ist aber nicht allgemeingültig. Wenn eine Zwangslage nicht durch einen verbotenen (Ḥarām) Weg zu Stande gekommen ist, so kann sie der Grund dazu sein, etwas Ḥalāl zu machen, was Ḥarām ist. Wenn eine Zwangslage aber durch den Missbrauch der Handlungsfreiheit, durch (islamisch) illegale Gründe zu Stande gekommen ist, kann sie, was Ḥarām ist, nicht Ḥalāl machen. Sie kann nicht zum Anlass dafür dienen, etwas rechtlich zu genehmigen, eine Entschuldigung darzustellen. Wenn zum Beispiel ein Mann seine Handlungsfreiheit missbraucht und sich in verbotener (Ḥarām) Weise betrinkt, so wird ihm alles Schlechte,
das er in diesem Zustand begeht, nach (Meinung) der islamischen Rechtsgelehrten zur Last gelegt. Er wird
nicht entschuldigt. Wenn er sich (in diesem Zustand) scheidet, gilt diese Scheidung und wenn er ein Verbrechen begeht, so wird er bestraft. Aber wenn sein Rauschzustand nicht durch den Missbrauch seiner Handlungsfreiheit zu Stande gekommen ist, so wird die Scheidung nicht rechtskräftig, bzw. er wird nicht bestraft.

Zum Beispiel kann einer, der von der Trunksucht befallen ist, nicht sagen »Es ist eine Zwangslage, es ist mir
gebilligt,« auch wenn er im Grade einer Zwangslage davon abhängig ist. So gibt es denn in heutiger Zeit viele Situationen, die bereits den Grad einer Zwangslage erreicht zu haben scheinen, in der die Menschen gefangen sind und ihnen wie ein allgemeines Unglück vorkommen. Da diese durch den Missbrauch der Entscheidungsfreiheit aus (im Islam) nicht erlaubten Neigungen und aus verbotenen  Handlungen (Ḥarām) herrühren, können sie kein Anlass zur Billigung (der Ausnahmezustände im islamischen Gesetz) sein und das Verbotene (Ḥarām) nicht als Erlaubtes (Ḥalāl) geltend machen. Weil aber dahingegen die Leute (Ahl al-Iǧtihād) ihre Zwangslage zur Basis (ihrer Auslegung) der islamischen Gesetze machen, ist ihre Iǧtihād erdgebunden, willkürlich, philosophisch, kann nicht himmlischen (Ursprungs) sein und entspricht nicht
dem islamischen Recht. Indessen handelt es sich in Wirklichkeit um die Verfügung über die Gesetze Gottes,
des Schöpfers der Himmel und der Erde und um eine Einmischung in Glaube und Gottesdienst Seiner Anbeter. Dergleichen Verfügungen und Einmischungen sind abzulehnen, insoweit es dazu keine vom Schöpfer autorisierte Erlaubnis gibt.

Aus zwei Gründen halten es manche Gottvergessenen für schön, wenn einige Kennzeichen des Islam, wie die Freitagspredigt (Ḫuṭba) vom Arabischen gelöst und in der Sprache jedes Volkes gehalten wird.

Erster Grund: »Durch diese Weise soll die heutige Politik auch dem muslimischen Volk verständlich gemacht  werden.« Was aber die heutige Politik betrifft, so ist in sie so viel Lug und Trug und Teufelswerk hineingeraten, dass sie bereits als Einflüsterung des Teufels gelten kann. Weil jedoch die Kanzel („Minbar“) in der Tat ein Platz (Maqām) ist, welcher der Verkündigung der göttlichen Offenbarungen (= Qurʾān) geweiht ist, haben jene Einflüsterungen der Politiker kein Recht, zu diesen hohen Maqām emporzusteigen.

Zweiter Grund: »Die Freitagspredigt (Ḫuṭba) ist dazu da, aus einigen Qurʾānischen Suren Rat zu geben und
auszulegen.« Wenn das islamische Volk In der Tat die Pflichten, die allgemein bekannten Gesetze und Gebote des Islam in Mehrheit befolgt und in die Praxis umgesetzt hätte, dann könnte man vielleicht die Ḫuṭba in der geläufigen Sprache halten und die Übersetzungen der Qurʾānischen Suren (wenn es möglich wäre*) gutheißen, sodass die Theorien in der islamischen Gesetzgebung und die feinsinnigen Themen und verborgenen Ratschläge (noch besser) verstanden würden.

Aber heutzutage werden Pflichten, wie das Gebet (Ṣalā bzw. Namaz), die Almosensteuer (Zakāt), und das Fasten und Verbote wie Mord, Unzucht und Alkohol, die allbekannten feststehenden Gesetze des Islam, vernachlässigt. Das einfache Volk braucht keinen Unterrichtet über die Gebote und Verbote (Gottes). Es braucht vielmehr die Ermunterung und Ermahnung, die sie an diese heiligen Gesetze wieder erinnert. Die Menschen haben eine Ader für den Islam und ein Gefühl für den Glauben und bedürfen der Anregung, der Erinnerung und der Ermunterung zu ihrer Beobachtung. Ein ungebildeter Mensch kann, wie unwissend er auch sein mag, aus dem Qurʾān und der arabisch gehaltenen Predigt folgende kurze Bedeutung entnehmen. »Der Prediger und der Ḫāfiẓ (Qurʾān-Rezitator) gemahnt an die Pfeiler des Glaubens und die Grundlagen des Islam, welche allen und so auch mir bekannt sind, unterrichtet sie uns und trägt sie uns vor.« So sagt er und es entsteht in seinem Herzen eine Begeisterung für sie. Welche Worte gibt es etwa im Kosmos, die den wunderbaren und allgemeinverständlichen Ermahnungen, Wiederholungen und Ermunterungen des Weisen
Qurʾān, der von dem gewaltigen Thron Gottes herabgekommen
ist, gleichwertig sein könnten?

Sechstens: Die großen Exegeten unter den as-Salafu s-Ṣāliḥīn lebten noch kurz nach dem Zeitalter der Gefährten des Propheten Muḥ ammad (S.A.S.), dem Zeitalter des Lichtes und dem Zeitalter der Wahrheit, konnten reines Licht empfangen und sich in Aufrichtigkeit ihre Iǧtihād bilden. Was die Leute (Ahl al-Iǧtihād) heutiger Zeit betrifft, so schauen sie hinter dermaßen vielen Schleiern und aus einer weiten Entfernung in das Buch der Wahrheit, sodass sie selbst noch den am deutlichsten (sichtbaren) Buchstaben kaum mehr erkennen können.

Wenn du sagst: Die Prophetengefährten sind auch nur Menschen und können nicht frei von Fehlern und Gegensätzen sein. Die Quelle ihrer Iǧtihād und der Urteile über die islamischen Gesetze sind die Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit der Gefährten des Propheten, sodass die Umma (islamische Gemeinde) übereinstimmend sagt: »Die Prophetengefährten sind in allen Dingen rechtschaffen und sprechen die Wahrheit.«

Antwort: In der Tat liebten die Prophetengefährten in vollkommener Übereinstimmung das Recht, verlangten nach Aufrichtigkeit und sehnten sich nach Gerechtigkeit. Denn die Hässlichkeit allen Luges und Truges wurde in all ihrer Hässlichkeit und die Schönheit der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit in all ihrer Schönheit so deutlich gezeigt, dass die Entfernung zwischen ihnen so groß war wie die zwischen dem Thron Gottes und der Erde. Zwischen ihnen erkannte man einen so großen Unterschied wie den, welcher zwischen der Stufe eines Musaylima al-Kaḏḏāb (diese Person ging in die islamische Literatur als Nachahmer des Propheten, Lügner und falscher Prophet ein), jener aller untersten Stufe (Asfal as-Sāfilīn) und der Stufe der Aufrichtigkeit des verehrten Propheten, mit dem Friede und Segen sei, jener höchsten Stufe besteht. In der Tat war das, was Musaylima zum Niedrigsten aller Niedrigen hinab stürzen ließ, die Lüge, wohingegen die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit Mohammeds den Vertrauten, mit dem Friede und Segen sei, zum Ehrenwertesten aller Ehrenwerten emporsteigen ließ.

So ist es denn sicher und gewiss, zwangsläufig und ohne Zweifel, dass die Prophetengefährten in der Erhabenheit ihrer
Gefühle und ihrer Hochachtung ethischer Schönheit, erleuchtet durch die lichtvolle Unterhaltung mit der Sonne des Prophetentums, ihre Hände bewusst nicht nach dem Müllhandel mit der Lüge und Musaylimas Täuschung ausstreckten, welche so hässlich und der Grund zu seinem Sturz war. Sie schreckten vor der Lüge, einem Freund des Unglaubens, zurück, so wie sie vor dem Unglauben zurückschreckten und verlangten mit Bestimmtheit nach Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Rechtmäßigkeit, die so schön sind, (ein Grundstein) für Stolz und Ruhm und eine Leiter, um darauf emporzusteigen, fortzuschreiten, und die unter den hohen Schätzen, die der Stolz des Prophetentums sind, am meisten gefragt sind und durch den Glanz ihrer Schönheit dem menschlichen Zusammenleben ihr Licht verleihen, insbesondere bei der Überlieferung
und Verkündigung der Bestimmungen der islamischen Gesetzgebung. Daran hielten sie sich von ganzem
Herzen. Im Gegensatz dazu hat sich der Abstand zwischen Lüge und Recht in dieser Zeit so sehr verkürzt,
dass sie nun sozusagen Schulter an Schulter stehen. Man geht ganz leicht von der Wahrheit zur Unwahrheit

hinüber. Selbst in der Politik gibt man einer verlogenen Propaganda vor der Aufrichtigkeit den Vorzug. Wenn also nun in einem Laden minderwertige Ware zusammen mit erlesenstem Schmuck zum selben Preis verkauft wird, so wird sicherlich der Brillant der Aufrichtigkeit und Rechtmäßigkeit, ein Juwel der Wahrheit von sehr hohem Wert, im Vertrauen auf die Kenntnis und das Wort des Verkäufers blindlings nicht gekauft.


3-) Fragen rund um das Martyrium

Was bedeutet eigentlich Schahīd wortwörtlich?

Das Wortshahīd“ wird üblicherweise mit Martyrium bzw. Märtyrer übersetzt. Der Begriff taucht im Koran auf und könnte auch vom Wortstamm her mit „Zeuge“ übersetzt werden. Das inhaltliche Verständnis vom Martyrium im Islam wird nun hier dargestellt.

 

Wer ist ein Märtyrer?

Generell kann man jeden Muslim der sein Leben für Allah ließ, als Märtyrer betrachten.

Das Martyrium ist die höchste Stufe im Islam. Bei Allah haben die Märtyrer einen besonders hohen Stellenwert. Es wird besagt, dass nur noch die Propheten über den Märtyrern stehen im Rang im Jenseits. Daher vergibt Allah den Märtyrern ihre Sünden und Fehltritte im Diesseits.

Eine besondere Qualität der Muslime ihren Feinden gegenüber war stets der feste Glaube daran, dass man entweder als Märtyrer stirbt oder als Veteran geehrt wird. Das wird auch koranisch als „eines von zwei schönen Dingen“ beschrieben (9/52) also gibt es für die Muslime im Kampf/Krieg zwei schöne Ausgänge; man zieht siegreich davon oder man steigt in das Martyrium auf. (İbnu Kesir, IV/102; Nesefi, II/130)

Die Worte von Khalid ibn al-Walid gegenüber dem iranischen Kommandaten darüber was das Martyrium den Muslimen bringt, sind ein schönes Beispiel;

Mit einer Armee bin ich zu euch gekommen die den Tod genauso sehr liebt wie ihr euer Leben und euren Wein. (Abdürabbih, s. 387)

Das Leben im Martyrium ist ein spirituelles, genauer gesagt wahrhaftiges Leben (Yazır, I/547). Der Märtyrer empfindet sich als lebend (Nursi, Hutbe-i Şamiye, s. 122). Er findet sich in einer schöneren Welt bzw. Existenz wieder ohne den Schmerz des Todes zu erfahren.

Der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) berichtet über die 70 Märtyrer aus der Schlacht von Uhud Folgendes:

Als unsere Brüder in Uhut ins Martyrium aufgestiegen sind, hat Allah ihre Seelen in eine Leere/Grube mit grünen Vögeln getan. Sie trinken aus den Bächern des Paradieses und essen dort Früchte. Sie lassen sich nieder im Schatten des Thrones unter goldenen Öllampen. Als sie Speise und Trank sehen sowie die Schönheit ihrer Niederlassung sagen sie „wenn doch nur einer unseren Brüdern im Diesseits sagen würde, dass wir im Paradies leben und versorgt werden“. Damit sie nicht vom Djihad abschrecken und vom Kampf wegrennen. Allah spricht zu ihnen „ich werde sie über euren Zustand in Kenntnis setzen“ und verkündet dies mit den volgenden Versen. (Ebu Davud, Cihad, 25)

Und meine ja nicht, diejenigen, die auf Allahs Weg getötet worden sind, seien (wirklich) tot. Nein! Vielmehr sind sie lebendig bei ihrem Herrn und werden versorgt und sind froh über das, was Allah ihnen von Seiner Huld gewährt hat, und sind glückselig über diejenigen, die sich nach ihnen noch nicht angeschlossen haben, daß keine Furcht über sie kommen soll, noch sie traurig sein sollen. Sie sind glückselig über eine Gunst von Allah und eine Huld und (darüber), daß Allah den Lohn der Gläubigen nicht verlorengehen läßt. (3/169-171)

 

Wen nennt man „vollkommener Märtyrer“?

So werden diejenigen genannt die sowohl im Diesseits als auch im Jenseits als Märtyrer gesehen werden. Diejenigen also, die im Kampf getötet werden oder durch Kriminelle, Terroristen und Vergleichbares ungerecht umgebracht werden. Für diesen Status gibt es außerdem 6 Bedingungen;

1. Muslim sein.

2. Geistige Gesundheit haben.

3. Geschlechtsreife haben.

4. Nicht im Zustand der Unreinheit sein. Nach vielen Gelehrten wird der Märtyrer der unrein war in dem Moment auch nicht gewaschen. Nach manchen wichtigen Gelehrten wie z.B. Abu Hanifa wird der Märtyrer gewaschen, auch wenn er im Zustand der Unreinheit gestorben ist. Als Argument dafür nehmen sie die Überlieferung demnach einer der Gefallenen in Uhud, Hanzala ibn Abu Amir im Zustand der Unreinheit verstorben ist und Engel haben ihn gewaschen.  

5. Der Tod muss sofort nach der Gewalteinwirkung an Ort und Stelle stattfinden. Wenn jemand also verletzt wurde aber danach behandelt wurde und somit genug Zeit verging, so dass man zwischenzeitlich Bewusstsein erlangt hat, gegessen und getrunken hat oder alternativ eine Gebetszeit verstrichen ist, dann ist man kein vollkommener Märtyrer mehr. Dann gilt man als Märtyrer im Jenseits. Das gilt auch wenn die Person vom Ort des Geschehens transportiert wird z.B. in ein Krankenhaus und erst dort verstirbt.

6. Man muss gezielt das Opfer einer Gewalttat werden. Man darf also nicht durch einen unvorhersehbaren Unfall getötet werden.

Die vollkommenen Märtyrer werden nicht gewaschen und mit ihrer blutigen Bekleidung begraben. Als Ali ibn Abu Talib gestorben ist waren einer dieser 6 Bedingungen nicht erfüllt und er wurde daher gewaschen. Als Uthman ibn al Affan begraben wurde, waren alle 6 Bedingungen erfüllt und er wurde daher nicht gewaschen.

 

Wenn nennt man jenseitigen Märtyrer?

So werden die genannt, die im Jenseits als Märtyrer behandelt werden, aber im Diesseits nicht als Märtyrer gezählt werden und daher gewaschen und mit einem Leichentuch begraben werden. Jene fallen unter diese Kategorie, die eines der Kriterien nicht erfüllen damit sie zu vollkommenen Märtyrern gezählt werden können.

Darüber hinaus fallen auch diese Menschen unter diese Kategorie:

Ertrunkene

Verbrannte (Ibnu Mace, Cihad, 17)

Vergrabene (z.B. durch ein Erdbeben)

Aufgrund von Infektion Verstorbene

Durch Fieberkrankheit Verstorbene

Jene die auf dem Weg zum Wissenserwerb (bzw. dafür) sterben.

Frauen, die in und durch die Geburt sterben oder nach der Geburt sterben.

Durch massive Kopfschmerzen Verstorbene.

Durch massive Bauchschmerzen Verstorbene.

Wer für den Unterhalt und für die Versorgung der Familie arbeitet und während der Arbeit durch einen Arbeitsunfall verstirbt.

Wer an einem Freitag stirbt.

Wer in der Diaspora stirbt.

Wer durch eine vergiftete Wunde (z.B. durch einen Schlangenbiss) stirbt.

(Für die Märtyrer, die außerhalb des Krieges fallen möge man folgende Überlieferungen betrachten: Müslim, İmâre, 164; Tirmizî, Cenâiz, 65, Fedâilu'l-Cihâd, 14; Ahmed b. Hanbel, I/22, 23, II/323, 325).

 

Wenn nent man diesseitigen Märtyrer?

Das sind die Heuchler (munafiq). Dadurch, dass nur Allah die Täuschung in ihren Herzen sehen kann, werden diese von normalen Menschen wie Märytrer behandelt sofern sie einen entsprechenden Tod sterben. Sie werden also in dem Fall wie Märtyrer behandelt von den Menschen im Diesseits, weil man sie für Muslime hält, während sie in Wahrheit keinen Glauben im Herzen tragen und das im Jenseits aufgedeckt wird.

 

Warum wird er dann überhaupt als Märtyrer bezeichnet?

Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Person eigentlich auch gar kein Märtyrer ist. Er wird also nicht dementsprechend im Jenseits behandelt. Da die Person aber als Munafiq die Menschen im Umfeld täuscht und man nicht in die Herzen der Menschen gucken kann, kann es eben sein, dass die Person z.B. im Wehrdienst stirbt und vom Umfeld als Märtyrer gesehen wird. Im Jenseits wird die Täuschung aber aufgedeckt. Die Menschen werden aber diese Täuschung nicht erkennen können und darum geht es den Munafiq; von den Menschen als Muslim wahrgenommen zu werden, während man im Herzen keiner ist. Der Begriff des diesseitigen Märtyrers soll also diesen Umstand und diese Kategorie klar benennen und den Unterschied erklärbar machen.

 

Gibt es Überlieferungen des Propheten (s.a.s.) zum Thema Märtyrertum?

„Wer beim Versuch sein Hab und Gut zu verteidigen getötet wird, gilt als Märtyrer. Wer beim Versuch seine Unbescholtenheit und Ehre zu verteidigen zu Tode kommt, gilt als Märtyrer. Wer beim Versuch sich selbst zu verteidigen getötet wird, gilt als Märtyrer…“

„Beerdigt Märtyrer in ihren blutigen Gewändern. Denn eine Verletzung, die um Allahs willen erlitten wurde, wird am Tage des Jüngsten Gerichts, rot wie Blut, bluten und wie Moschus duften…“

„Märtyrer sind am Tor zum Paradies, bei der funkelnden Schönheit eines Flusses und in grünen Zelten. Von morgens bis abends werden Ihnen Speisen aus dem Paradies dargeboten werden.“

„Wer getötet wird, weil er das Gute predigt und das Böse versucht zu verhindern, gilt als ein Märtyrer.“

„Wer an einem Freitag verstirbt, gilt als ein Märtyrer.“

„Wer von seinem Reittier fällt und verstirbt, gilt als ein Märtyrer.“

„Jemand der ertrinkt, gilt als Märtyrer. Jemand der verbrennt gilt als Märtyrer. Jemand der in der Fremde vereinsamt stirbt, gilt als Märtyrer. Jemand der durch ein giftiges Tier zu Tode kommt, gilt als Märtyrer. Wer an starken Bauchschmerzen stirbt, gilt als Märtyrer. Wer unter den Trümmern eines einstürzenden Hauses stirbt, gilt als Märtyrer. Wer vom Dach seines Hauses fällt, sich das Genick bricht und stirbt, gilt als Märtyrer. Wenn auf jemanden ein großer Stein fällt und er dadurch zu Tode kommt, gilt er als Märtyrer…“

„Wer bei der Verteidigung eines Glaubensbruders stirbt, gilt als Märtyrer. Wer bei der Verteidigung eines unschuldigen Nachbars stirbt, gilt als Märtyrer...“

„Mit Ausnahme von Schulden werden jegliche Sünden eines Märtyrers vergeben.“ (Müslim)

„Ein Muslim der an einem Freitag, tagsüber oder in der Nacht stirbt, den befreit Allah von den Strapazen des Grabes (das Verhör durch die Engel und etwaige Qualen).“ (Tirmizî, Cenâiz: 73; Müsned, II/176)

Einige Gelehrte sind der Auffassung, dass ein Märtyrertod auf dem Meer, sogar Sühne für Sünden gegenüber Mitmenschen sei.

„Ein Märtyrer darf aus seiner Familie und Verwandtschaft für 70 Personen Fürsprache zu halten. Und seine Fürsprache wird angenommen werden.“ (Ebu Davud, Cihad 26)

„Am Tag des Jüngsten Gerichts werden diese Gruppen Fürsprache/Fürbitte halten dürfen: Propheten, anschließend Gelehrte und anschließend Märtyrer…“ (İbni Mace, Zühd 37)

Einem Märtyrer werden jegliche Sünden, außer den ‚Schulden‘ gegenüber den Mitmenschen, vergeben. Als Märtyrer zu sterben ist für einen Gläubigen eine große Ehre und ein großes Geschenk Gottes. Ein gottgefälliges Leben zu führen und anschließend im Dienste Gottes um sein Wohlwollen willens als Märtyrer zu sterben, ist für jeden Gläubigen ein ersehntes Glück. Gläubige die in diesem Bewusstsein und mit dieser Überzeugung leben, wurden seitens des Propheten Hz. Muhammad (s.a.s) in sehr schöner Form gelobt.

Wer sich seitens Allah aufrichtig wünscht als Märtyrer zu sterben, dem wird Allah, selbst wenn er friedlich in seinem Bett verstirbt, denn Rang eines Märtyrers gewähren. (Müslim, İmâre, 156, 157; Ebû Davud, İstigfâr, 26; Neseî, Cihâd, 36; ibn Mâce, Cihâd, 15).

 

Ist ein Soldat der im Kampf für seine Nation gefallen ist auch ein vollkommener Märtyrer selbst wenn er seine Pflichtgebete nicht verrichtet oder nur teilweise verrichtet hat?

Sofern die besprochenen Kriterien für den Status des vollkommenen Märtyrers erfüllt werden, kann man davon ausgehen. Sämtliche Sünden und Fehltritte werden vergeben bis auf die Rechtsverletzungen gegenüber anderen Menschen, die nur von diesen Menschen selber vergeben werden können. Daher kann man auch hoffen, dass die versäumten Gebete des Märtyrers vergeben werden. 

 

Wie verhält es sich dann mit Polizisten und Soldaten, die im Dienst sterben also nicht im Krieg gegen äußere Feinde?

Genauso wie bei Soldaten, die im Kampf gegen die äußeren Feinde sterben das Martyrium vergeben wird, verhält es sich auch mit Polizisten und Soldaten, die im Dienst sterben. Wenn Polizisten oder Soldaten z.B. auf Befehl hin auf einen Einsatz gehen und dort erfrieren, sind sie Märtyrer. Selbiges gilt, wenn sie auf Befehl hin zu einem Ort gehen mit dem Ziel die dortigen Menschen zu beschützen und bei diesem Einsatz sterben.

 

Wie verhält es sich, wenn es einen Bürgerkrieg oder einen inneren Konflikt in einem muslimischen Land gibt? Wer hat Recht?

Es gibt wesentliche Faktoren, auf die man schauen muss:

Gibt es einen aus islamischer Sicht legitimen Grund weshalb es verpflichtend ist die Regierung zu stürzen bzw. abzusetzen? Das ist eine islamrechtliche Frage und dazu gibt es relativ klare Perspektiven und Kriterien. Wenn man von dem Fall ausgehen würde, dass das auch so ist, dann wären die Regierungsanhänger im Unrecht und die Soldaten, die die Regierung absetzen wollen im Recht. Im umgekehrten Fall, also wenn der Umsturz islamisch gesehen illegitim ist, dann wären die Regierungsanhänger im Recht und die Soldaten, die einen Umsturz erreichen wollen im Unrecht.

Nur diejenigen Soldaten, die auch für eine rechte Sache sterben werden als Märtyrer angesehen. Der Soldat muss also im jeweiligen Konflikt aus islamischer Sicht auf der Seite des Rechts stehen damit er den Tod eines Märtyrers sterben kann.

Der bewaffnete Kampf ist idealerweise zu vermeiden. Wenn aber alle diplomatischen Versuche zur Konfliktlösung scheitern ist der Kampf manchmal unausweichlich. Wenn die Seite die Unrecht hat, vom Unrecht nicht abweicht und zur Waffe greift wird sich die Seite die Recht hat zwangsweise wehren müssen und die auf dieser Seite sterbenden Soldaten sind ebenso Märtyrer.

 

Ist es zulässig für den Tod als Märtyrer zu beten also sich so einen Tod zu wünschen?

Zwischen dem Beten für den Tod und dem Wunsch nach einem Tod als Märtyrer gibt es einen wichtigen Unterschied. Man darf sich nämlich keinen Schaden wünschen bzw. dafür beten. Es ist aber zulässig sich zu wünschen, dass man zum Martyrium aufsteigt und ein entsprechendes Leben als Gläubiger lebt. Mit anderen Worten; Man kann nicht in den Krieg ziehen mit dem Ziel im Schlachtfeld zu sterben aber man kann dafür beten, dass wenn man im Krieg im Einsatz ist und dort der Tod einen ereilen würde, dann als Märtyrer von der Welt gehen darf. Dazu sollte folgende Überlieferung erwähnt werden:

Keiner von euch soll sich den Tod herbeiwünschen aufgrund eines Schadens, den man hatte. Wenn jemand dennoch unbedingt meint so handeln zu müssen, soll er wenigstens so beten: „Ya Rabb! Lass mich leben wenn es besser für mich ist und nimm mir das Leben wenn es besser für mich ist. (Buhari, merda,19)

 

Können Frauen auch zu Märtyrern werden und wenn ja, werden diese gleichbehandelt wie Männer?

Die besprochenen Kriterien für das Martyrium gelten allgemein also sowohl für Mann als auch für Frau. Daher gibt es keine Perspektive demnach eine Frau keine Märtyrerin werden kann oder als Märtyrer aus irgendeinem Grund niedriger als ein Mann eingestuft wird. Mann und Frau sind rein faktisch unterschiedlich aber deswegen nicht auch unterschiedlich wertvoll bzw. wertlos. Vor Allah gibt es keine Stufen oder Klassen von Menschen. Es gibt nur den Glauben mitsamt der Glaubenspraxis als Bewertungskriterium.  

 

Wird man auch zum Märtyrer, wenn man in der Ausbildung (zum Polizisten oder zum Soldaten) stirbt also nicht im Krieg bzw. Kampf?

Man kann diese Menschen als Märtyrer bezeichnen aber im Zweifelsfall passen möglicherweise nicht alle Kriterien für den Status des vollkommenen Märtyrers. Das muss dann im Einzelfall erörtert werden.

 

Ist jeder verstorbene Soldat ein Märtyrer, auch wenn er z.B. ein sündhafter Mensch war?

Gemäß der Kategorie des diesseitigen Märtyrers und der Erläuterung dazu kann man nicht mit Sicherheit sagen, wer nun ein echter Märtyrer ist und wer nicht. Die verstorbenen Soldaten werden aber augenscheinlich erstmal als Märtyrer angesehen und entsprechend behandelt. Nur Allah weiß um das Verborgene. Wichtig ist aber zu verstehen, dass es beim Martyrium nicht um eine Art „perfekten Menschen“ geht. Der Mensch kann sündigen und Fehltritte machen. Es ist also absolut möglich, dass jemand in die Stufe des Martyriums aufsteigen kann, auch wenn das gelebte Leben nicht von Anfang bis Ende fehlerfrei war. 

 

Wie sieht es damit aus, Leute mit dem Martyrium dazu zu motivieren, Gewalt auszuüben?

Das ist eine Fragestellung, die in europäischen Kontexten sicherlich mit terroristischen Erscheinungen und Gruppierungen eine Besonderheit und Aktualität trägt. An sich gibt es auf der Seite einen Artikel, wo es allgemeiner um das Thema geht, ob der Islam für Kriegsführung ist und daher als kriegerische Religion gesehen werden kann: https://fragenandenislam.com/content/ist-der-islam-fur-kriegsfuhrung

Außerdem haben wir einen längeren Artikel zum Thema Terrorismus: https://fragenandenislam.com/article/islamischer-terrorismus-eine-abartige-scharade

https://fragenandenislam.com/question/wie-kann-man-sich-als-muslim-anhand-koran-und-sunna-von-terrorismus-distanzieren

Wichtig ist zu unterscheiden, worum es beim Martyrium eigentlich geht und worum es vergleichsweise den Personen geht, die zum Martyrium aufrufen. Beim Martyrium geht es um ein gottgefälliges Leben und ein gottgefälliger Tod. Das Martyrium ist eine islamische Wahrheit. Wie kann man aber eine islamische Wahrheit und z.B. das Ermorden von Unschuldigen oder gar von Glaubensgeschwistern zusammen denken? Wie kann man behaupten etwas was Allah hassen und verurteilen würde, für Allah getan zu haben? Es ist unzulässig und moralisch äußerst fragwürdig, das Martyrium als eine Art Sprungbrett zu benutzen, um schließlich seinen eigenen Willen durchzusetzen. Das Martyrium ist eigentlich der Ausdruck davon, dass man sich gänzlich im Dienst von Allah stellt. Das schließt auch ein, dass man sich um den Willen von Allah bewegt und nicht umgekehrt. Wir können also keine islamischen Prinzipien oder Glaubenswahrheiten dafür missbrauchen, uns selbst zu bereichern oder unsere eigenen Ziele zu verfolgen. Aus dieser Perspektive kann es nicht zulässig sein, dass man den Status des Martyriums gezielt nutzen will um Leute zur Gewaltausübung zu bringen. Terroristen und Terrorismus kann nicht mit dem Martyrium zusammengebracht werden. Terroristen sind Straftäter und Kriminelle.  


4-) Märtyrer sterben nicht, wie sollen wir dies verstehen? Sterben Märtyrer wirklich nicht?

Märtyrer sind tot, aber sie wissen nicht, dass sie tot sind. Märtyrer wandern frei im Jenseits. Sie wissen nicht, dass sie tot sind. Es scheint, dass sie sich als lebend empfinden. Sie wissen nur, dass sie ein besseres Leben führen. Unser Prophet (s.a.s.)

sagte: "Der Märtyrer fühlt den Schmerz des Todes nicht." (Tirmidhi, Jihad, 6; Nesai, Jihad, 35; Ibn Maje, Jihad, 16; Dârimî, Jihad, 7) 

Es wird im Koran berichtet, dass Märtyrer nicht sterben. Sie merken also nicht, dass sie tot sind.

Denken Sie zum Beispiel an zwei Männer. Gemeinsam sind sie in ihren Träumen in einem sehr schönen Garten. Einer weiß, dass es ein Traum ist. Der andere merkt nicht, dass es ein Traum ist. Für welchen ist nun der Moment köstlicher? Natürlich für denjenigen, der nicht weiß, dass es ein Traum ist. Derjenige, der weiß, dass es ein Traum ist, würde denken, dass der Genuss verschwindet, sobald er aufwacht. Der Andere bekommt einen Genuss, der an Intensität nichts verliert.

Deshalb fehlt den normalen Toten der Genuss, weil sie sich bewusst über ihren Tod sind. Da die Märtyrer jedoch nicht wissen, dass sie tot sind, ist ihre Wahrnehmung anders. Dies wird im Koran berichtet.