1-)
wann oder woher weiß man, dass man auf den richtigen Weg ist
der Hinweis darauf, dass eine Person auf dem rechten Weg ist, hängt davon ab, ob sie in Übereinstimmung mit Allahs Wohlgefallen ist und ob sie dem Weg des Propheten (Friede sei mit ihm) und der Gläubigen folgt.
Die Bedeutung eines der Verse, der uns über dieses Maß informiert, ist folgende:
"Wer auch immer den Propheten (Friede sei mit ihm) verlässt und einem anderen Weg als dem der Gläubigen folgt, nachdem ihm der rechte Weg klar geworden ist, den werden Wir dorthin zurückbringen, wohin er unterwegs war, und Wir werden ihn an die Hölle lehnen lassen. Welch ein böser Ort der Rückkehr. " (4/115)
Daher wird ein Mensch, nachdem er sein Leben mit dem Glauben geehrt hat, es nähren und verschönern, indem er die verpflichtenden Pflichten, Wajibs und Sunnahs nach besten Kräften erfüllt. Er wird auch sein Leben schützen und bewahren, indem er das Verbotene so weit wie möglich meidet.
Die wichtigste Maßnahme, die hier zu beachten ist, ist, dass es notwendig ist, dem Weg der Gläubigen zu folgen, zusammen mit dem Gehorsam gegenüber Allah und Seinem Gesandten. Dies ist die Linie der Ahl al-Sunnah, die der Weg der Muslime in der Welt ist.
Wenn wir also diesem Kriterium entsprechen, befinden wir uns auf dem richtigen Weg.
Natürlich gibt es keine "Bestätigung" oder "Zertifikat" dafür. Man sollte auch nicht denken, dass man als gläubiger Muslim immer alles geschenkt bekommt im Leben und nie schwere Prüfungen hat. Denn der Fokus als Muslim liegt auf das Jenseits. Alles was im Diesseits passiert, ist eine Gelegenheit sich zu beweisen und für das Jenseits zu investieren. Die Leben derjenigen, die auf dem richtigen Weg sind, können sehr unterschiedlich aussehen. Daher sollte man nicht im Leben selbst nach klaren Beweisen suchen. Stattdessen sollte man sich mit diesen Leitfragen regelmäßig überprüfen;
1. Kann ich meine Pflichten ordentlich erfüllen?
2. Schaffe ich es die Verbote zu beachten?
3. Welche Menschen ziehe ich an bzw. wie sieht mein Umfeld aus?
4. Wie würde der Prophet (Friede sei mit Ihm) mein Verhalten bewerten?
5. Fühle ich eine Nähe zu Gott?
6. Ist mein Herz eher von Wünschen und Träumen für das Diesseits oder das Jenseits gefüllt?
7. Habe ich einen positiven Einfluss auf meine Mitmenschen bzw. bin ich ein gern gesehener Mensch?
Das könnten einige Fragen sein, die einen dabei helfen, das eigene Leben kritisch zu reflektieren.
2-)
Wie geht man mit homosexuellen Neigungen um? Ist eine Geschlechtsumwandlung die Lösung?
bevor man sinnvoll über Neigungen und Gelüste aus einem religiösen Blickwinkel sprechen kann, müssen gewisse Grundbegriffe und theologische Positionen etabliert werden. Erst auf dieser Basis kann man solche Themen wie etwa Homosexualität in den korrekten Kontext einbetten. Zunächst muss klargestellt werden, warum wir überhaupt existieren auf dieser Welt.
Und Ich habe die Ğinn und die Menschen nur (dazu) erschaffen, damit sie Mir dienen. (51/56)
Meint ihr denn, daß Wir euch zum sinnlosen Spiel erschaffen hätten und daß ihr nicht zu Uns zurückgebracht würdet?“ (23/115)
Und Wir haben den Himmel und die Erde und was dazwischen ist, nicht zum Spiel erschaffen. (21/16)
Diese Koranstellen sollten ausreichen, um festzuhalten, dass alles Geschaffene einen Zweck hat. Bei Tieren und Pflanzen lässt sich das vielleicht einfacher feststellen. Denn Tiere und Pflanzen geben mehr als das sie nehmen und wenn man den Menschen mal außer Acht lässt, kann man ein wunderbar geschlossenes ökologisches System in der Welt erkennen, worin Tiere und Pflanzen einen spezifischen Beitrag leisten. Was ist aber mit den Menschen? Wie leisten sie ihren Dienst und wozu sind sie gut? Hierzu bieten sich folgende Stellen aus dem Gesamtwerk der Risale-i Nur an:
Oh du Kranker ohne Ausdauer! Der Mensch ist nicht in die Welt gekommen, um nach seiner Lust und Laune zu leben. Zeugnis dafür gibt das ständige Kommen und Gehen der Menschen. Die jungen werden alt, und sie alle werden zwischen Tod und Trennung ständig umhergetrieben. Und obwohl der Mensch unter den Lebewesen das vollkommenste, höchste, hinsichtlich seiner Anlagen reichste, ja, sogar der König aller Lebewesen ist, verbringt er dennoch, verglichen mit den Tieren, nur ein trauriges und kummervolles Leben auf der untersten Stufe, weil er ständig über vergangenes Glück und kommendes Unheil nachdenkt. Das heißt, dass der Mensch nicht in diese Welt gekommen ist, nur um sich ein schönes Leben zu machen und ruhig und unbeschwert seine Zeit zu verbringen. Er ist vielmehr hierher gekommen als ein Mensch, in dessen Händen sich ein gewaltiges Kapital befindet, um Handel zu treiben und zu arbeiten für ein immer und ewig glückseliges Leben. Das Kapital, das ihm an die Hand gegeben wurde, ist die Spanne seines Lebens. (25. Blitz, drittes Heilmittel)
Durch das Licht des Glaubens steigt der Mensch zur höchsten Höhe auf und erreicht einen Wert, der ihn für das Paradies qualifiziert. In der Dunkelheit des Unglaubens steigt er hinab zum Niedrigsten der Niedrigen und nimmt eine Form an, die ihn für die Hölle geeignet macht. Denn Glaube ist eine Beziehung, die den Menschen mit seinem erhabenen Meister verbindet. Der Wert des Menschen entsteht aus der göttlichen Kunst und den Ornamenten der Gottesnamen, die an ihm im Lichte des Glaubens beobachtet werden. Unglaube trennt diese Verbindung, sodass die Kunst des Herrn nicht mehr sichtbar ist und der Wert des Menschen reduziert wird auf den Preis seiner bloßen physischen Existenz, wobei diese physische Existenz des Menschen fast keinen Wert hat, denn sie besteht nur aus einem zeitlichen, vergänglichen und sterblichen tierischen Leben. (23. Wort, erster Punkt)
(…) das heißt, die natürliche Aufgabe des Menschen besteht darin, sich durch Lernen zu vervollkommnen, durch Gebet zu dienen und anzubeten. Nämlich: »Durch wessen Barmherzigkeit werde ich mit solcher Weisheit geleitet? Durch wessen Großmut werde ich mit solcher Güte erzogen? Wessen Wohlwollen ist es, durch das ich mit solch einem Feingefühl ernährt und versorgt werde?« Dies gilt es zu wissen, und der, welcher unter tausenden seiner Bedürfnisse nicht eines zu befriedigen vermag, sollte in der Sprache seiner Schwäche und Armut zu dem Herrn und Richter über seine Bedürfnisse zu flehen, zu Ihm bitten und beten, das heißt sich mit den Flügeln seiner Schwäche und Armut zu den höchsten Stufen des Dienens und der Anbetung emporschwingen. Der Mensch ist in die Welt gekommen, um sich mit den Mitteln der Wissenschaft und des Gebetes zu vervollkommnen, entsprechend seinem Wesen und seinen Anlagen hängt alles von der Wissenschaft ab. Einer jeden wahren Wissenschaft Basis, Quelle, Licht und Geist ist die Erkenntnis Allahs und das Fundament dieser Basis ist der Glaube an Allah. (23. Wort, vierter Punkt)
Wir sehen also, dass unser Dasein einer Reise gleicht, mit dem Ziel näher zu unserem Schöpfer zu gelangen. Das Streben nach Wissen und Tugend sind vielleicht die Verkehrsschilder und unsere Gottesdienste in jeglicher Form sind vielleicht die Transportmittel. Je näher wir unserem Schöpfer stehen, desto besser geht es und je weiter wir uns von unserem Schöpfer entfernen desto schlechter ist es um uns bestellt. Das ist unsere Prüfung im Diesseits.
Nun hat der Mensch auch Triebe und Gelüste und die Religion kennzeichnet dies. Es gibt neben dem Erlaubten auch das Verbotene und neben der Verkündigung des Paradieses auch die Androhung der Hölle. Wie gehen wir also mit unseren Trieben und Gelüsten um, wo wir doch nach unserem Schöpfer streben und ihm versuchen zu dienen? Gibt es einen Platz für Triebe und Gelüste? Ist man schon vom Weg abgekommen, wenn man überhaupt Triebe und Gelüste in sich trägt?
durch die Neigung selbst hat man noch nicht gesündigt. Diese Neigung soll aber nicht in Taten umgesetzt werden. Eine Sünde ist zugleich auch eine Tat. Für Gedanken, Träume oder Ähnliches wird man nicht verurteilt.
Vor allem durch die populäre Inszenierung solcher Themen wie Homosexualität kommen wir gesellschaftlich immer häufiger auf dieses Thema zu sprechen. Das bedeutet aber nicht, dass es solche Diskussionen oder Neigungen erst seit heute gibt. Eigentlich gibt es solche Neigungen schon seit jeher. So sehen wir an der geschichtlichen Analyse der Religion, dass mindestens seit Sodom und Gomorra solches Verhalten dem Menschen bekannt ist und ihn in dem Fall auch ins Verderben gestürzt hat. Interessanterweise adressiert die Religion recht offen diese Thematik, wobei wir oft eher beschämt und verlegen darüber reden. An diversen Versen können wir dies sehen (Vgl. 7/80-84). Wenn in der göttlichen Offenbarung diese Thematik explizit angesprochen und offengelegt wird, so wäre es töricht zu denken, dies sei ein eher nebensächliches Thema und man könnte es auch totschweigen.
Jeder Mensch hat gewisse Neigungen, die ihn zur Sünde treiben können, denn sie sind mitunter die Prüfung des Menschen. Die Neigung der Homosexualität ist in dem Sinne nicht anders zu verstehen. Jeder Mensch hat Neigungen, daher kann es auch sein, dass z.B. ein Mann solche homosexuelle Neigungen empfindet. So wie die Nähe zum anderen Geschlecht, ohne den Bund der Ehe untersagt wird, wird auch die Nähe zum gleichen Geschlecht untersagt.
Die häufigen Anreize und Verführungen im Thema Geschlecht führen bei einigen Leuten zu einem Gefühlsschwanken. Somit gibt es Männer die nicht zu Frauen, sondern zu ihrem eigenen Geschlecht und genauso auch Frauen die nicht zu Männern, sondern ihrem eigenen Geschlecht hin gereizt sind.
Wie soll man auf dieses Verlangen schauen und was dazu sagen? Sollen sie, ohne auf ihre Schöpfung zu achten, ihren später erschienenen blinden Trieben folgen? Oder sollen sie den Gefühlen, die ihrer Schöpfung entsprechen treu bleiben und diese stärken?
Es kann unterschiedliche Annäherungen zu diesem Thema geben, jedoch ist uns klar, dass blinden Trieben die widersprüchlich und schädlich zur Schöpfung des Menschen sind, nicht gefolgt werden und sie nicht als akzeptabel gezählt werden dürfen.
Die Geschöpfe Gottes müssen also ihrer Schöpfung gemäß und zum Zweck des Gottesdienstes handeln. Der Mensch bildet darin keine Ausnahme, auch wenn er dazu fähig ist, neuartige Gelüste und Neigungen zu entwickeln. Gerade die biologischen Merkmale der Menschen geben unmissverständlich Auskunft darüber, ob man Mann oder Frau ist.
Falls wirklich ein Mann die Triebe einer Frau oder eine Frau die Triebe eines Mannes empfindet, ist die Lösung nicht den blinden Trieben zu verfallen, sondern die erlaubten und dem Lebenssinn entsprechende Gefühle zu erlangen. Ein simpel gedachter „Wechsel“ des Geschlechtes ist nicht die Lösung.
Zusammenfassung: Die Schöpfung ist das Wesentliche. Blinde Triebhaftigkeit muss angegangen werden und man darf nicht der Normalität seines Wesens abweichen. Leuten die meinen blind den Trieben zu folgen sei richtig, darf man nicht folgen. Gleichermaßen tut man sich keinen Gefallen zu den grundlegenden Fragen des Lebens schweigsam zu werden aufgrund falscher Scham und Scheu oder aus Sorge, was das Umfeld sagen würde. Mit seinen Fragen und Zweifeln sollte man sich nicht in ein Exil begeben und alleine damit bleiben wollen, weil der Teufel und die eigenen Triebe einen nie alleine lassen.
3-)
Was ist mit dem Menschen, der nicht glaubt, weil er ein schwieriges Leben führt?
Geduld, innere Stärke und standhafter Widerstand – diese Eigenschaften sind nicht nur menschliche Tugenden, sondern göttlich inspirierte Mittel, um Prüfungen im Leben zu meistern.
Im Islam wird das Leben als ein Weg voller Prüfungen verstanden – mal leicht, mal schwer, aber niemals sinnlos. Wenn wir uns in schwierigen Situationen wiederfinden, in Momenten der Erschöpfung, der Traurigkeit oder der Unsicherheit, dann ist es wichtig, zu wissen: Diese Zeiten sind keine Zeichen von Ablehnung durch Allah, sondern können Zeichen Seiner besonderen Zuwendung sein.
Schwierigkeiten haben im Islam verschiedene Bedeutungen:
Manchmal sind sie eine weltliche Strafe, ein Weckruf, um uns zur Umkehr zu bewegen.
Manchmal dienen sie als Prüfung unserer Standhaftigkeit, und wer sie mit Geduld besteht, wird mit unvorstellbarem Lohn belohnt.
Und manchmal sind sie eine Sühne für unsere vergangenen Sünden, eine Reinigung, damit wir vor Allah mit einem leichteren Herzen stehen können.
Der Prophet Muhammad (s.a.s.) sagte:
„Kein Muslim wird von einem Unglück, einer Sorge, einem Kummer, einem Schmerz oder auch nur einem Dorn getroffen, ohne dass Allah ihm damit Sünden vergibt.“ (Bukhari & Muslim)
Emotionale Schmerzen, Trauer und sogar der Zweifel gehören zu menschlichen Reaktionen. Im Koran finden wir viele Geschichten von Propheten, die schwere Prüfungen durchlebt haben: Prophet Ayyub (Hiob) verlor alles – seine Gesundheit, seinen Besitz, seine Familie – und dennoch hielt er an seinem Vertrauen zu Allah fest. Und Prophet Yaqub (Jakob) weinte vor Trauer über den Verlust seines Sohnes, bis seine Augen erblindeten. Und dennoch war seine Zunge nicht klagend, sondern vertrauend:
„Ich klage meinen Kummer und meine Trauer nur Allah.“ (12/86)
Prüfungen bedeuten nicht, dass Allah uns verlassen hat – vielmehr sind sie oft ein Zeichen Seiner besonderen Aufmerksamkeit. Die härtesten Prüfungen trafen diejenigen, die Allah am meisten liebt. Der Prophet (s.a.s.) sagte:
„Die Menschen, die am stärksten geprüft werden, sind die Propheten, dann (je nach ihrem Rang) diejenigen, die ihnen folgen und dann diejenigen, die ihnen folgen.“ (Münâvî, Feyzü’l-Kadîr, 1:519; Hâkim, el-Müstedrek, 3/343; Müsned, 1/172, 174, 180, 185, 6:369)
Daher ist es weder vernünftig noch theologisch haltbar, in der Not Allah zu verleugnen. Denn gerade in diesen Momenten ist Er uns näher, als wir es vielleicht spüren. Die Dunkelheit der Prüfung kann ein Schleier sein, hinter dem sich das Licht Seiner Barmherzigkeit verbirgt.
Geduld in der Prüfung ist ein Akt des Glaubens, also an und für sich bereits ein Gottesdienst.
Und wer standhaft bleibt, darf hoffen auf Allahs Versprechen:
„Wahrlich, mit der Erschwernis kommt Erleichterung.“ (94/6)
4-)
Sind neuere Behandlungsmethoden wie NLP (neurolinguistische Programmierung) oder Visualisierung bzw. Selbsthypnose zulässig?
zunächst einmal möchten wir feststellen, dass ein Gläubiger, der daran glaubt, dass es im Universum keinen Zufall gibt, dass das Schicksal, das Gute und das Böse von Allah kommen, dass in jedem Unglück, das uns widerfährt, eine Weisheit steckt, dass diese Unglücke uns in unserem ewigen Leben zahllose Segnungen bringen werden, wenn wir ihnen mit Geduld, Tawakkul und Zustimmung begegnen, und dass die Welt ebenso wie die Unglücke vorübergehend sind, langfristig mehr davon profitieren wird als von einer NLP-Therapie.
Manchmal braucht ein Mensch jedoch einen Experten, der ihm hilft, sich selbst besser kennen zu lernen und fester zu denken und zu handeln. Dazu gehören auch erfahrene NLP-Therapeuten.
Diese Therapeuten können Menschen bei Problemen wie Angst, Stress und Unruhe helfen.
Der Ausgangspunkt der NLP-Therapie ist der folgende: Die Überzeugung, dass Ängste, Befürchtungen und negatives Denken durch falsche Sprache und Denkmuster verursacht werden.
Ähnlich funktionieren auch Visualisierungstechniken. Insbesondere Sportler benutzen diese Strategie oft um durch die ständige, plastische Vorstellung von Erfolgsmomenten einen psychologischen Vorteil zu erlangen und die Motivation hoch zu halten.
Die Experten wollen den Menschen helfen, die gewünschten Veränderungen zu erreichen, indem sie ihre Denk-, Sprach- und Verhaltensmuster untersuchen. Bei diesen Therapien versuchen sie zu verstehen, wie Menschen denken, kommunizieren und lernen, um sie zu verändern. NLP, das sich mit Denk- und Sprachprozessen befasst, um die Kraft des Geistes voll auszuschöpfen, geht davon aus, dass das Gehirn mit Worten in die gewünschte Richtung programmiert werden kann, um so die Wahrnehmung zu verändern.
Die NLP-Therapie wird zwar von einigen Kreisen kritisiert, weil sie nicht auf wissenschaftlichen Grundlagen beruht und nicht ausreichend erforscht ist. Einige Menschen berichten jedoch von positiven Ergebnissen bei der Anwendung von NLP-Techniken.
Die NLP-Therapie ist ein Instrument, das Menschen helfen kann, ihre eigenen Gedanken und ihr Verhalten besser zu verstehen und gewünschte Veränderungen vorzunehmen. Wie bei jeder Therapiemethode hängt die Wirksamkeit jedoch von den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben ab.
Grundsätzlich muss man sich nicht „zwischen Religion und Wissenschaft“ entscheiden, denn es gibt keinen wirklichen Konflikt. Religion negiert keineswegs die materielle Welt und die Natur- und Geisteswissenschaften. So finden wir in der großen Geschichte des Islam immer wieder Universalgelehrte, die neben ihrer religiösen Forschung auch in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen geforscht und Wissen produziert haben.
Die materielle Welt und alles, was sich in ihr befindet, sind Zeichen Allahs und unterliegen Seiner Überlieferung. Das bedeutet, dass das Universum und alles, was sich darin befindet, von Naturgesetzen geprägt ist. Durch die Beobachtung dieser Gesetze und ihrer Wirkungen können wir Muster erkennen, die es uns - mit Allahs Erlaubnis - ermöglichen, wissenschaftlich haltbare und allgemeingültige Aussagen über die Beschaffenheit der Dinge zu machen.
Auf dieser Grundlage spezialisieren sich Menschen in der modernen Welt auf bestimmte Gebiete und vertiefen ihr Wissen. So gibt es Experten, die sich auf das menschliche Verhalten und die menschliche Psyche spezialisiert haben. Dieses vertiefte Wissen und die Einsicht in die Natur der Dinge ist letztlich auch ein Geschenk Allahs. So liegt z.B. die heilende Wirkung einer Pille in ihren von Allah geschenkten Wirkstoffen. Der Mensch hat jedoch mit viel Mühe herausgefunden, wie er diese Wirkstoffe richtig anordnen und dosieren muss. Aber auch dieses Sehen und Denken ist nicht möglich ohne die Gnade Allahs, der uns Menschen das Sehen und Denken als Eigenschaft verliehen hat. Es wäre also eine Verschwendung und Beleidigung dieses Geschenkes, wenn wir therapeutische und beratende Hilfsmittel von vornherein ablehnen würden, weil wir meinen, dass „der Glaube allein genügt“. Dem kann man entgegenhalten, dass die Suche nach geeigneten Mitteln eigentlich ein Ausdruck des Glaubens ist. Denn der Gläubige ist immer auch ein Suchender, der nach der Kunst und dem Werk Allahs Ausschau hält und immer nach den Eigenschaften Allahs in den Dingen sucht, statt sich zurückzulehnen und einfach auf ein Wunder zu warten, als wäre die Religion ein Wunschkonzert und Allah ein Flaschengeist.
5-)
Muss ich mit meiner Familie zusammenleben und mit ihr kommunizieren?
Verwandtschaftsbeziehungen haben im Islam große Bedeutung, und Sila-i Rahim bezeichnet die Aufrechterhaltung der Bindungen zu den Verwandten. Es gibt jedoch einige sensible Punkte bezüglich der Art und Weise, wie diese Bindungen gepflegt werden sollten, und unter welchen Bedingungen Distanz erlaubt ist.
Im Islam gilt es als verpflichtend, die familiären Bindungen aufrechtzuerhalten. Die Beziehung zu den Eltern abzubrechen, ist nach islamischer Auffassung nicht richtig. Selbst wenn es innerhalb der Familie Probleme gibt, ist es die Pflicht der Kinder, das Wohlwollen der Eltern zu wahren und den Kontakt aufrechtzuerhalten. In manchen Fällen jedoch, wenn eine Person wirklich materiellen oder seelischen Schaden erleidet, kann es notwendig werden, sich zeitweise zu distanzieren.
Besonders wenn Familienmitglieder die psychische Gesundheit eines Menschen ernsthaft beeinträchtigen, kann es sinnvoll sein, Abstand zu ihnen zu halten. Dieser Abstand sollte jedoch nicht bedeuten, den Kontakt vollständig abzubrechen. Die islamische Ethik verlangt, verzeihend zu sein und den Kontakt aufrechtzuerhalten.
Wenn das Zusammenleben mit Ihrer Familie Sie jedoch ernsthaft negativ beeinflusst, kann es sinnvoll sein, diese Situation mit einer Fachperson zu besprechen. Die psychische Gesundheit der Familienmitglieder ist ebenfalls wichtig, um ihr eigenes Wohlbefinden zu gewährleisten.
Daher kann es in solchen Situationen eine Lösung sein, Abstand zu halten, doch es ist in jedem Fall wichtig, die familiären Bindungen so weit wie möglich nicht abzubrechen, zu vergeben und den Kontakt aufrechtzuerhalten.
6-)
Begehe ich eine Sünde wenn ich auf Distanz mit meiner Schwiegermutter gehe?
Sie können sich eine Zeit lang fernhalten. Was Sie in dieser Zeit tun, entspricht einem Prinzip des Islams, unmittelbaren Schaden abzuwenden.
Nein, es ist keine Sünde, sich fernzuhalten, wenn dieser Mensch tatsächlich solche Konflikte regelmäßig herbeiruft, die ihr Familienleben bedrohen.
Im Islam ist es erlaubt, sich vor Menschen zu schützen, die einem selbst und der Familie Schaden zufügen. Das ist keine Sünde, sondern das Recht, Grenzen zu setzen.
Man vermeidet am besten direkte Konflikte oder Streitgespräche und minimiert den Kontakt auf das Nötigste und ist dabei respektvoll, ohne größere Nähe herzustellen.
Es kann sein, dass genau diese Distanz mit der Zeit für ein Umdenken sorgt und die Situation sich dadurch verbessert. Dann kann der Kontakt schrittweise verbessert werden.
Nicht gleich sind die gute Tat und die schlechte Tat. Wehre mit einer Tat, die besser ist, (die schlechte) ab, dann wird derjenige, zwischen dem und dir Feindschaft besteht, so, als wäre er ein warmherziger Freund. (41/35)
Der Koranvers ermahnt uns, nach bester Möglichkeit sanftmütig zu reagieren, also Schlechtes nicht mit Schlechtem zu beantworten. Es geht dabei auch hervor, dass wir die Menschen nicht hassen und Rache üben. Die Distanz dient lediglich dem Selbstschutz, ist aber nicht Ergebnis von Verachtung und Hass. Diese Gefühle wollen wir nicht bewusst nähren. Während wir uns selbst schützen, beachten wir dennoch die Gebote unserer Religion und beten dafür, dass dieser Mensch auf den Pfad der Tugend findet.
7-)
darf ich dafür beten, dass ich ein Kind kriege?
es ist von essentieller Bedeutung, dass das Gebet in reiner und aufrichtiger Absicht erfolgt und die daraus resultierenden Ereignisse mit Demut akzeptiert werden. Es ist möglich, dass der Allmächtige, in Kenntnis der Umstände, die Bitte um etwas als unvorteilhaft für den Bittenden erachtet, ohne dass dem Bittenden diese Erkenntnis zur Verfügung steht. Da Allah die Konsequenzen im Vorweld sieht, wir aber nicht, wählt er eine alternative Art der Beantwortung. Gemäß der Überlieferung wurde unsere ehrwürdige Mutter Maryam in der Moschee durch ihre Mutter eingeweiht, unmittelbar nach ihrer Geburt. Ihre Überraschung und Trauer waren signifikant, als sie die Erkenntnis gewann, dass es sich nicht um einen männlichen, sondern um einen weiblichen Fötus handelte.
In der islamischen Theologie wird diese Situation von den Gelehrten als exemplarisch angeführt. Gemäß dieser Exegese wird die Erhörung der Gebete durch Allah mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen. In einigen Fällen erfolgt eine Akzeptanz auf eine alternative und als schöner empfundene Weise. Ein Beispiel ist die Schenkung eines Mädchens wie Maria an eine Person, die sich einen Sohn wünscht. Es wurde argumentiert, dass die Annahme, Allah habe das Gebet der Mutter nicht erhört, nicht korrekt sei. Im Gegenteil, es sollte festgestellt werden, dass Er es auf eine schönere Art und Weise angenommen hat. In einigen Fällen entsteht der Eindruck, dass eine Akzeptanz in dieser Welt nicht erfolgt ist. Im Jenseits wird diese Annahme jedoch auf eine erhabenere und ästhetisch ansprechendere Weise erfolgen. Mit anderen WOrten: Wie ein Elternteil sein Kind vor einer Dummheit schützt, so schützt uns Allah auch, indem er eben nicht all unsere Wünsche direkt erfüllt.
Allah gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde. Er erschafft, was Er will. Er schenkt, wem Er will, (nur) weibliche, und Er schenkt, wem Er will, (nur) männliche (Nachkommen). Oder (Er schenkt) beides zusammen, männliche und weibliche (Nachkommen). Und Er macht, wen Er will, unfruchtbar. Gewiß, Er ist Allwissend und Allmächtig. (42/49-50)
Die Akzeptanz von Gebeten sollte in einem angemessenen Verhältnis zu den zugrunde liegenden Ursachen stehen. In dieser Hinsicht ist es selbstverständlich unsinnig, Gebete zu realisieren, die im Widerspruch zu den Ursachen stehen. Ein Beispiel für ein derartiges Vorgehen wäre das Beten um Schnee in der Sommerzeit.
Das Gebet ist ein Akt der Anbetung. Mit anderen Worten, wenn wir beten, tun wir es nicht nur, um unsere Wünsche zu erfüllen, sondern auch, weil es ein Akt der Anbetung ist. Selbst wenn die Gebete scheinbar gegensätzlich sind, wird Allah die Wünsche dieses Dieners aus verschiedenen Gründen erfüllen, wenn es gut für ihn ist.
8-)
Ist es haram sich einer Nasen OP zu unterziehen ?
grundsätzlich wird unterschieden zwischen Schönheitsoperationen und Gesundheitsoperationen bzw. korrigierenden Operationen. Diese sind unkritisch. Wenn z.B. eine Hautkrankheit vorliegt oder jemand in einem Unfall körperlich beschädigt wurde, kann dies mit operativen Mitteln behoben oder bestmöglich wiederhergestellt werden.
Schönheitsoperationen hingegen nicht erlaubt. Denn wenn kein medizinischer Zwang vorliegt, muss man sich fragen, was denn die Motivation dahinter ist. Zwangsläufig kommen wir irgendwann auf das Ergebnis, dass man scheinbar nicht ganz mit der Schöpfung der Schöpfers einverstanden ist, und es "besser machen will".
So wissen wir, dass der Prophet (s.a.s.) gesagt hat, dass Modifikationen am Körper (Haut, Haare, Zähne etc.) zum Zweck der Verschönderung, einen Eingriff in die Schöpfung darstellen und dafür sorgen, dass man fern bleibt von der Barmherzigkeit Allahs (Müslim, Libas: 119-120; Buhârî, Libas: 82, 85)
wahrlich, ich werde ihnen befehlen, und da werden sie ganz gewiß Allahs Schöpfung ändern.“ Wer sich den Satan außer Allah zum Schutzherrn nimmt, der hat fürwahr einen offenkundigen Verlust erlitten. (4/119)
Dieser Vers zeigt auch, dass Veränderungen an der Schöpfung das Resultat teuflischer Einflüsterungen ist.
Ein weiteres Problem ist, dass (insbesondere ästhetische) Operationen teilweise erhebliche und traumatische Eingriffe in den Körper darstellen. Nicht selten verlaufen sie mit Komplikationen, die sogar tödlich enden können aber mindestens erwartet den Betroffenen eine Genesung mit vielen körperlichen Strapazen und Beschwerden. Diese Operationen sind auch noch sehr teuer und in manchen Fällen können sie geradezu einer Sucht ausarten. Schnell können sich insbesondere jüngere Menschen, getrieben von einem Schönheitswahn, in den finanziellen Ruin treiben. Auch hierzu sagt der Koran:
Und gebt auf Allahs Weg aus und stürzt euch nicht mit eigener Hand ins Verderben. Und tut Gutes. Allah liebt die Gutes Tuenden. (2/195)
Wenn hingegen an einem beliebigen Körperteil eine Anomalie oder ein Übermaß vorliegt, das von anderen Menschen als störend empfunden wird und zu psychischen Beeinträchtigungen führen kann, stellt die chirurgische Korrektur dieser Fehlbildung keine Verletzung der natürlichen Schöpfung dar, sondern ist ein therapeutischer Eingriff. Ästhetische Eingriffe, die zu therapeutischen Zwecken vorgenommen werden, sind in unserer Religion erlaubt. Tatsächlich ließ sich der Sahabi Arfaja, nachdem ihm in einer Schlacht die Nase abgerissen worden war, eine Nase aus Silber anfertigen; als diese jedoch einen Geruch verursachte, erteilte der Prophet (Friede sei mit ihm) die Erlaubnis, eine Nase aus Gold anfertigen zu lassen.(Ebû Dâvûd, Hatem, 7; Tirmizî, Libâs, 31)
Im Lichte der oben genannten Ausführungen gilt für Schönheitsoperationen, dass sie zulässig sind unter folgenden Kriterien:
a) keine Absicht besteht, die natürliche Beschaffenheit zu beeinträchtigen,
b) ein Nutzen in der Durchführung oder ein Schaden in der Nichtdurchführung vorliegt,
c) keine Absicht vorliegt, zu täuschen, zu betrügen oder dem anderen Geschlecht zu ähneln,
d) keine rechtlichen Unklarheiten oder Missverständnisse hervorgerufen werden,
Als letzter Punkt muss gesagt sein, dass es vor allem auch wichtig ist zu hinterfragen, warum man eigentlich das Bedürfnis der Veränderung verspürt. Wenn es keinen medizinischen Grund gibt und jemand sich, einzig und allein wegen einem Schönheitsideal verändern möchte, liegt die Vermutung nahe, dass dieser Impuls eigentlich von außen kommt. Irgendjemand hat also einem das Gefühl gegeben, nicht schön genug zu sein. Dabei sind alle Schönheitsideale letztlich Fiktion, das bedeutet, sie sind komplett ausgedacht. Folglich unterliegem sie auch einem Wandel, je nachdem wer gerade spricht. Das macht es eigentlich unmöglich, schön für alle sein zu wollen, da jeder Mensch ein anderes Empfinden von Ästhetik hat. Im Islam gilt daher stets die Regel, auf die Befehle Allahs zu achten und sie als Kompass für die eigene Lebensführung zu nehmen, da Menschen keine verlässlichen Wegweiser sind; sie können einen anlügen, in Eigennutz manipulieren, aus Schadenfreude betroffen machen oder aber einfach aus Desinteresse auf die falsche Bahn lenken. Man sollte sich daher davor hüten, den Meinungen anderer so viel Macht über das eigene Leben zu geben. Schließlich gilt zu sagen, der Zweck unserer Schöpfung und unseres Daseins auf dieser Welt ist:
Und Ich habe die Djinn und die Menschen nur (dazu) erschaffen, damit sie Mir dienen (51/56)