1-)
Welche Beziehung besteht zwischen der Seele und dem Körper?
Liebe leserin, lieber Leser
Die Beziehung zwischen der Seele und dem Körper, ähnelt der Beziehung zwischen dem Laut und dessen Bedeutung. Der Laut ist dabei die Verkörperung der Bedeutung, die Bedeutung ist die Seele des Lautes. Diese Seele ist weder rechts, links, innerhalb, noch außerhalb…. dieses Körpers. Die Bedeutung ist für seine beständige Existenz nicht vom Laut abhängig. Sie ist lautlos im Gedächtnis, nimmt still ihren Platz im Gehirn ein, befindet sich ohne Worte im Herzen. Wenn es jedoch gehört und erkannt werden will, wird diese Aufgabe dem Laut übertragen. Sobald der Laut sein Gegenüber erreicht, endet seine Gegenwart. Jedoch besteht die Existenz der Bedeutung weiterhin.
Die Bedeutung war vor dem Laut vorhanden, mit dem Laut kam sie zum Vorschein, nach dem Laut wird sie auch weiterhin bestehen. Die Seele ist eine Bestimmung von Allah, der Körper dessen Wesensbeschaffenheit. Mit dieser Bestimmung wird der Körper erstellt und verwaltet. Obwohl Allah nicht mit den erschaffenen Existenzen zu vergleichen ist, kann der Mensch in den Eigenschaften seiner Seele viele Zeichen der göttlichen Wahrheiten erkennen. Beim Verständnis dieser Zeichen muss man sehr vorsichtig sein. Der Punkt in einer Landkarte ist ein Hinweis auf eine Stadt, jedoch wäre ein Vergleich zwischen diesem Punkt und der Stadt töricht. So wie ein Essay auf einen Schriftsteller hinweist, ist dieser auch ein Beweis seiner Kunstfertigkeit; aber den Aufsatz mit dem Autoren gleichzustellen oder an den Besonderheiten der Schrift die Veranlagungen des Textverfassers zu suchen, ist absurd. Wenn wir uns mit unserem Verstand diesem Thema in dieser Weise nähern, können wir an den Eigentümlichkeiten der Seele einige Wahrheiten verstehen.
Die Seele ist die alleinige Herrscherin über das Land des Körpers; sie ist eins und hat keinen Partner.
Weder ein Teilbereich noch ein Organ des Körpers ähnelt der Seele.
Beschaffenheit und Eigenschaften der Seele sind mit denen des Körpers nicht zu vergleichen.
Gedankliche Empfindungen der Seele können nicht mit dem Verarbeiten der Nahrung im Magen gleichgesetzt werden.
Die Seele ist weder geboren noch gebärt sie, noch hat sie eine Wohnstätte im Körper. Diese Besonderheiten sind Eigenschaften des Körperlichen und des Materiellen.
Wesensart der Seele zu erfassen und zu begreifen ist unmöglich. Unsere Gedanken über deren wahre Beschaffenheit wäre gleichzusetzen mit der Anbetung von Götzenbildern.
Wären in einem Körper zwei Seelen vorhanden, würde der Körper in Unstimmigkeiten und Zwietracht verfallen.
Dank der Steuerungsfunktion der Seele nehmen wir mit unseren Händen Gaben entgegen.
Die Leistungen der Seele im Körper sind wie die der Sonne, welche ohne Berührung das Umkreisen der Planeten bewirkt.
Administration einer Zelle ist im Vergleich zur Verwaltung aller Zellen für die Seele gleichbedeutend; das Erste ist für sie noch leichter, das Zweite ist aber nicht schwerer…..
Unter einem anderen Gesichtspunkt:
Der Körper wird mit einem Käfig und die Seele mit einem Vogel verglichen. Von diesem schönen Gleichnis können wir viele Lehren herausleiten.
Einige davon:
Der Körper dient der Seele und nicht umgekehrt.
Durch das Dekorieren des Käfigs wird der Vogel nicht schöner. Genauso ist die Gesundheit des Körpers kein Hinweis auf die Vollkommenheit der Seele.
Das Ausdehnen des Käfigs bewirkt nicht das Wachsen des Vogels. Entfaltung dessen erfolgt auf eine andere Weise.
Vom Käfig aus beobachtet der Vogel seine Umwelt, jedoch sieht nicht der Käfig. „Das Auge ist ein Sinnesorgan, durch das die Seele die Welt wie durch ein Fenster betrachtet.“(Worte)
Niemand würde einen Käfig ohne Vogel in seiner Wohnung unterbringen. Wie lange würden wir unsere Nächsten beherbergen nachdem sie gestorben sind?
Der Vogel existierte vor dem Käfig und wird seine Existenz weiterhin führen nachdem er aus dem Käfig geflogen ist.
Dieses prächtige Weltenschloss ist für die Seele wie ein Zimmer. So wie die Seele aus diesem Käfig fliegt, verlässt sie diesen Palast, um an noch größere Welten zurückzukehren.
Alaaddin Basar (Prof. Dr.)
Selam & Dua
Fragenandenislam - Team
2-)
Wie ist das Verhältnis zwischen der Seele und dem Gehirn?
Liebe Leserin, lieber Leser
Obwohl die Atome in ihrer Anordnung und ihrem Aufbau perfekt sind, besitzen sie keine Kenntnis. Das Gehirn, welches aus diesen Atomen zusammengesetzt ist, kann Wissen übertragen und speichern, vollzieht diese Vorgänge aber unbewusst.
Folglich ist es zu vergleichen mit einem Speichermedium, wie z.B. einer Computerdiskette, die im Auftrag der Seele handelt.
Der Wille ist ein wichtiger Tatbestand, der Sehnsüchte, Absichten, Begierden, Wünsche oder bewusste Entscheidungen für bzw. gegen etwas, bearbeitet und veranlasst. Selbstverständlich können diese Eigenschaften nicht von einer Substanz, die weder Wissen noch Bewusstsein hat, durchgeführt werden. Dem entsprechend hat das Gehirn keinen Willen, sondern erwidert die Instruktionen der Seele.
Ein Gehirn, welches aus Milliarden Zellen erschaffen wurde, ist ein außerordentlich bewundernswerter Computer. Jedoch muss er wie jeder Computer von jemandem programmiert werden. Daher kann ein Gehirn, welches nicht die Initiative für neue Wege und Möglichkeiten besitzt, mit einer Zentrale verglichen werden, welche die von der Seele programmierten Anwendungen an die anderen Körperteile weiterleitet.
Quelle: Zeitschrift Zafer
Selam & Dua
Fragenandenislam - Team
3-)
Kann die Seele einer Rasse zugeordnet werden?
Liebe Leserin, lieber Leser
Die Seele ist Gast in unserem Körper, wie der Tourist in der Herberge eines fremden Landes. Der Mensch erlebt als Embryo (und später als Fötus) in den ersten vier Monaten der Schwangerschaft verschiedene Phasen, wobei sein Entwicklungsgang von einer ausgewogenen Nahrung bestimmt wird. Dabei hat es seinen Ausgangspunkt im Vater, der in irgendeinem Land lebt, und wird als befruchtete Eizelle im Uterus der Mutter, die auch irgendwo Staatsangehörige ist, heranwachsen.
Mit der Güte des alles umfassenden Herrn (Rab), der ihn im Körper des Vaters zuvor als Samen hervorbrachte und die Gebärmutter als Quartier einrichtete, wird seine Entwicklung in dieser dunklen Residenz aufrechterhalten.
Das Rasseverständnis kann nur auf diese körperliche Wohnstätte bezogen werden. Demnach kann ihrem Gast keine Rassenzugehörigkeit zugewiesen werden. Die Seele besitzt keine Rasse. Und der Mensch ist in seiner vollkommensten Bedeutung bzw. Auslegung die Zusammensetzung der Seele. Folglich dient der Körper ihr in seiner Bestimmung als Domizil (Wohnsitz).
Alaaddin Basar (Prof.Dr.)
Selam & Dua
Fragenandenislam - Team
4-)
Können Engel und Dschinn in ihrer wahren Gestalt von normalen Menschen gesehen werden?
Engel und Dschinn erscheinen normalen Menschen in der Regel nicht in ihrer eigentlichen, ursprünglichen Gestalt (also ohne Verkleidung oder Erscheinung).
„…Denn der Satan und seine Nachkommenschaft schauen euch von einem Ort aus zu, den ihr nicht sehen könnt.“ (7:27)
Das bedeutet, dass normale Menschen die Dschinnwelt und deren Wesen normalerweise nicht wahrnehmen können.
Es gibt überlieferte Ausnahmen, in denen sich Engel den Menschen offenbart haben, allerdings in vermenschlichter Gestalt.
Sie nahm sich einen Vorhang vor ihnen. Da sandten Wir Unseren Geist zu ihr. Er stellte sich ihr als wohlgestaltetes menschliches Wesen dar. Sie sagte: „Ich suche beim Allerbarmer Schutz vor dir, wenn du gottesfürchtig bist.“ Er sagte: „Ich bin nur der Gesandte deines Herrn, um dir einen lauteren Jungen zu schenken.“ (17/17-19)
Engel und Dschinn werden ohne eine solche „Verkleidung“ oder Erscheinungsform (Tamssul) normalerweise von Menschen nicht gesehen.
5-)
Im Marifetname von Erzurumlu İbrahim Hakkı wird von einem Dschinn namens Mearic und dessen Nachkommen berichtet, die vor den Menschen lebten und viele Stämme bildeten. Ist diese Überlieferung glaubwürdig?
im Koran und in authentischen Hadithen gibt es keinen Hinweis auf einen Dschinn mit dem Namen „Mearic“ oder auf dessen Nachkommen. Die im Koran erwähnte Sure „AlMa’aridsch“ (Sure 70) hat nichts mit einem Dschinn zu tun. Das arabische Wort „Ma’aridsch“ bedeutet vielmehr: Aufstiege, Ränge oder Stufen, Wege zum Himmel, oder auch spirituelle Entwicklungsstufen.
In Vers 4 dieser Sure heißt es:
Es steigen die Engel und der Geist zu Ihm auf an einem Tag, dessen (Aus)maß fünfzigtausend Jahre ist. (70/4)
Dies zeigt, dass es in dieser Sure um die himmlischen Ebenen und nicht um ein Wesen namens „Ma’aridsch“ geht.
İbrahim Hakkı war zweifellos ein großer Gelehrter. Doch sein Werk "Marifetname" enthält neben religiösem Wissen auch viele Informationen aus der damaligen Astronomie, Philosophie und Naturlehre. Die Geschichte über den „Mearic-Dschinn“ ist nicht durch Koran oder gesicherte Hadithe belegt. Sie könnte symbolisch oder aus älteren mystischen oder kulturellen Überlieferungen stammen. Deshalb sind solche Aussagen nicht als gesicherte islamische Lehre zu verstehen.
Haben Dschinn vor den Menschen auf der Erde gelebt?
Darauf gibt es Hinweise;
Und Er hat die Jinn aus einer unruhigen Feuerflamme erschaffen. (55/15)
„Und als Wir zu den Engeln sprachen: ‚Werft euch vor Adam nieder!‘ da warfen sie sich nieder – außer Iblis. Er war von den Dschinn …“ (18/50)
Es ist also möglich, dass Zeugnisse darüber mit der Zeit in die Folklore und das traditionelle Gedächtnis der Menschen eingegangen ist. darauf bezieht sich der Gelehrte Ibrahim Hakki möglicherweise. Nur kann man das nicht als gesicherte islamische Lehre ansehen.
6-)
Man sagt, dass Khalid ibn al-Walid, nachdem er das Götzenbild „al-Uzza“ zerstört hatte, einen weiblichen Dschinn tötete, der sich darin befand. Was ist die Geschichte dahinter?
als Khalid ibn al-Walid den Götzen „al-Uzza“ zerstörte, erschien daraus eine weibliche Gestalt mit offenem, zerzaustem Haar. Sie schrie laut, schlug sich an den Kopf und fluchte. Khalid ibn al-Walid tötete diese Erscheinung. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) sagte daraufhin: „Dieser weibliche Dämon war es, dem im Inneren des Götzenbildes al-Uzza gedient wurde. Nun wird ihr nicht mehr gedient.“