Wie ist die Metaphorik im Koran zu verstehen?
Gibt es eine Metapher im Koran? Wenn ja, welche Arten von Metaphern gibt es dann?
Gespeichert von am Fr., 04/01/2013 - 15:34
Liebe Leserin, lieber Leser,
der Begriff Mecâzu’l-Kur’an bezeichnet sowohl die Wissenschaft, die sich mit der Auslegung metaphorischer Ausdrücke im Koran befasst, als auch die Werke, die zu diesem Thema verfasst wurden.
Nach Rhetorikgelehrten (Belâgat) spricht man von Mecaz (Metapher), wenn ein Wort oder eine Wendung aufgrund eines Hinweises (karîne) und einer inhaltlichen Beziehung nicht in seiner wörtlichen, sondern in einer übertragenen Bedeutung verwendet wird. Metaphern können einzelne Wörter, Wortverbindungen oder ganze Sätze betreffen. Unter islamischen Gelehrten besteht Einigkeit darüber, dass die Sprache – und damit auch der Koran – zahlreiche solche Ausdrucksformen enthält. Viele koranische Aussagen beruhen auf sprachlichen Formen, die über den rein wörtlichen Sinn hinausgehen. (Süyûtî, el-İtkân (Bugâ), II, 753; Ebu’l-beka, el-Külliyyât, s. 361)
Obwohl die Existenz von Metaphern in der Sprache unbestritten ist, wurde ihre Existenz im Koran diskutiert. Da der Koran jedoch gemäß den Regeln und Stilmitteln der arabischen Sprache offenbart wurde, ist es naheliegend, dass sprachliche Mittel wie Metapher, Allegorie, Anspielung, Vergleich oder Auslassung auch im Koran vorkommen. Deshalb akzeptiert die Mehrheit der Sprach- und Islamgelehrten die Existenz von Mecaz im Koran.
Auch Aussagen und Handlungen des Propheten Muhammad (s.a.s.) gelten als Belege für die Verwendung von Metaphern. So erklärte er etwa den Ausdruck „weißer und schwarzer Faden“ (Bakara, 2/187), den Adî b. Hâtim wörtlich verstanden hatte, als Sinnbild für die Helligkeit des Tages und die Dunkelheit der Nacht (Buhârî, Tefsir, 2, Savm, 16). Ebenso ist seine Antwort auf die Frage seiner Ehefrauen, wer ihm zuerst folgen werde – „die mit dem längsten Arm“ –, eindeutig metaphorisch und meinte Großzügigkeit (Buhârî, Zekât, 11).
Einige frühe Gelehrte lehnten jedoch die Existenz von Metaphern im Koran ab, darunter Dâvûd ez-Zahirî, İbn Huveyzmindâd und Abû Müslim al-İsfahânî. Sie betrachteten Metaphern als mit Unwahrheit verwandt und hielten es für unvereinbar mit dem göttlichen Wort, dass Gott sich metaphorischer Ausdrucksweisen bediene. (Zerkeşî, el-Burhân, II, 377; Süyûtî, II, 703) Auch Ibnü’l-Arabî und Ibn Teymiyye vertraten die Ansicht, dass die als metaphorisch verstandenen Aussagen im Koran tatsächlich wörtlich zu nehmen seien.
Diese Diskussionen beschränkten sich nicht auf die Frühzeit, sondern setzten sich bis in die Gegenwart fort. Gegner der Metapher lehnten meist auch indirekte Ausdrucksformen (Kinâya) ab.
Die Mehrheit der Rhetoriker betonte jedoch, dass Metaphern und Umschreibungen oft wirkungsvoller seien als wörtliche Aussagen. Würde man Metaphern im Koran ablehnen, müssten konsequenterweise auch andere stilistische Mittel wie Auslassung, Bekräftigung oder Wiederholung von Erzählungen abgelehnt werden. Tatsächlich enthalten selbst einfache Aussagen wie „Zeyd stand auf“ bereits eine gewisse Übertragung. (İbn Cinnî, el-Hasâis, II, 447–448)
Tahânavî bezeichnete die Argumente der Metapherngegner als schwächer „als das Haus einer Spinne“. (Keşşaf, I, 223) Auch İbn Kutayba kritisierte diese Position scharf und erklärte, würde man Metaphern als Lüge ansehen, sei ein Großteil menschlicher Sprache fehlerhaft.
Auf Grundlage des Korans als frühester schriftlicher Quelle des Arabischen untersuchten Sprachwissenschaftler metaphorische Ausdrucksformen systematisch und unterteilten sie in Kategorien wie Mecaz, Mecâz-ı mürsel, İstiare oder Mecâz-ı aklî, die sowohl sprachlich als auch exegetisch analysiert wurden. (bk. TDV İslam Ansiklopedisi, Mecazu’l-Kur’an md.)
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