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Risale-i Nur Erstes Wort
Erstes Wort - Bismillah (Im Namen Allahs)
Bediüzzaman Said Nursi.
„Bismillah“[1] ist der Beginn alles Guten.[2] Auch wir beginnen mit ihm.
Wisse, oh meine Seele! So wie dieses gesegnete Wort ein Symbol des Islam ist, so ist es unausgesprochen auch ein immerwährendes Gebet der gesamten Schöpfung.
Willst du verstehen, was für eine unerschöpfliche Kraft und welch ein nicht enden wollender Segen Bismillah ist, so betrachte und höre dieses Gleichnis. So ist es: Wenn ein Beduine eine Reise durch die Sahara unternehmen will, so tut er gut daran, sich unter den Schutz eines Stammesfürsten zu begeben, und die Fahrt in dessen Namen zu beginnen, damit er vor den Nachstellungen der Räuber bewahrt seine Angelegenheiten regeln kann. Ansonsten, wird er alleine, angesichts unzähliger Feinde und Bedürfnisse völlig durcheinander geraten.
Nun zogen einmal zwei Männer zu einer Reise in die Sahara hinaus. Der eine von ihnen war ein bescheidener Mann, der andere aber hochmütig... Der Bescheidene erbat den Schutz eines Fürsten und reiste unter dessen Namen, der Stolze aber nicht... Der Erste bewegte sich überall in Sicherheit. Begegnete ihm ein Straßenräuber, so sagte er nur: „Ich reise unter dem Namen des Fürsten von Soundso.“ So lässt ihn der Räuber weiterziehen und geht. Trat er in ein Zelt ein, ward er unter diesem Namen in Ehren aufgenommen. Der andere aber in seinem Stolz geriet auf der ganzen Reise in solche Schwierigkeiten, wie man sie kaum beschreiben kann. Er zitterte und bettelte jederzeit. Er wurde verachtet und lächerlich gemacht.
Wohlan denn, oh meine hochmütige Seele! Dieser Reisende bist du. Was aber diese Welt betrifft, so gleicht sie einer Wüste. Deine Schwäche und Armseligkeit sind grenzenlos. Deine Feinde sind zahllos und deine Bedürfnisse unendlich. Weil das aber so ist, unterstelle dich dem Namen des Ewigen Besitzers (al-Malik al-Abadî) und Herrschers von Ewigkeit zu Ewigkeit (al-Hâkim al-Azalî) dieser Wüste, damit du davor bewahrt bleibst, in aller Welt betteln zu müssen und vor jedem Ereignis zu zittern...
In der Tat ist dieses Wort Bismillah ein so gesegneter Schatz, dass es für dich eine Beziehung zur unendlichen Macht und Barmherzigkeit herstellt und deine grenzenlose Schwäche und Armseligkeit am Hofe des allbarmherzigen Allmächtigen (Kadîr-i Rahîm) zu einem hochachtbaren Fürsprecher werden lässt. Wer nach diesem Wort handelt, gleicht einem Mann, der sich als Soldat rekrutieren lässt. Er handelt im Namen des Staates. Er braucht niemanden zu fürchten. »Im Namen des Gesetzes, im Namen der Regierung«, spricht er. Er erledigt jede Arbeit und überwindet jede Schwierigkeit.
Wie spricht die ganze Schöpfung Bismillah?
Wir haben am Anfang gesagt: Die ganze Schöpfung spricht ohne Worte Bismillah. Ist es so?
Ja. So wie du siehst, dass ein einziger Mann kommt, und die ganze Bevölkerung einer Stadt gewaltsam an einen Ort führt, und sie zur Arbeit zwingt. So weißt du mit Gewissheit: dieser Mann handelt nicht in eigenem Namen selbstständig und nicht mit seiner eigenen Macht. Er ist vielmehr ein Soldat, handelt im Namen des Staates, stützt sich auf die Macht eines Königs.
Genauso handeln alle Dinge im Namen Gottes, sodass Samenkerne und Körner, winzig klein wie Staubkörner, riesige Bäume auf ihrem Haupt tragen, Lasten gleich Berge emporheben. Das heißt also: Jeder Baum spricht Bismillah; er füllt seine Hände aus der Schatzkammer der Allbarmherzigkeit mit Früchten, streckt sie uns entgegen, bietet sie uns an.
Jeder Garten spricht Bismillah, er wird zu einem Kessel in der Küche der Macht, worin die verschiedensten Arten köstlicher Speisen gleichzeitig zubereitet werden.
All die segensreichen Tiere[3] wie Kuh und Kamel, Ziege und Schaf, sprechen Bismillah. Aus der Fülle des Erbarmens entsteht ein Brunnen von Milch. Sie bieten uns im Namen des Versorgers die feinste und reinste Nahrung gleich dem Wasser des Lebens an.
All die Pflanzen, Bäume und Kräuter sprechen mit ihren seidenweichen Wurzeln und Adern Bismillah. Sie durchdringen harte Steine und feste Erde. Sie sprechen »Im Namen Allahs, im Namen des Barmherzigen« und es unterwerfen sich ihnen alle Dinge.
In der Tat breiten sich ihre Äste in der Luft aus und tragen Früchte und ihre Wurzeln breiten sich mit der gleichen Leichtigkeit in der Erde aus, durchdringen den harten Stein und bringen unter der Erde ihren Ertrag hervor. Zudem bleiben ihre empfindlichen grünen Blätter auch noch in sengender Hitze monatelang frisch. Das alles ist den Naturalisten[4] wie ein Schlag ins Gesicht und bringt sie zum Verstummen, steckt ihnen den Finger zur Strafe in ihre verblendeten Augen und spricht zu ihnen: Auch die Härte und die Hitze, der du eine so große Macht zuschreibst, handeln unter göttlichem Auftrag, sodass diese seidenweichen Adern gleich dem Stab Moses dem Befehl „Schlage mit deinem Stab den Felsen!“ (Sure 2:60) gehorcht und die Felsen spalten. Und diese zarten Blätter, dünn wie Zigarettenpapier, gleichen jedes den Gliedern Abrahams (as)[5] als der Befehl Gottes gegen die glühende, sengende Hitze erging „Oh Feuer, sei kühl und friedlich!« (Sure 21:69)[6]
Da nun einmal jedes Ding dem Sinne nach Bismillah sagt und uns im Namen Allahs die Gnadengaben Gottes entgegenbringt und anbietet, müssen auch wir Bismillah sagen.
Im Namen Allahs müssen wir geben. Im Namen Allahs müssen wir entgegennehmen. Wenn dies aber so ist, dürfen wir von gottvergessenen Menschen, die nicht im Namen Allahs geben, auch nichts annehmen.
Was verlangt Allah für all Seine Gaben?
Wir bezahlen den Menschen, die uns ihre Waren anbieten, einen Preis. Doch welchen Preis verlangt Allah von uns, Der doch Der Wahre Eigentümer der Ware ist?
Es sind drei Dinge, die der Wahre Geber (al-Mun’im al-Hakikî) für Seine Gnadengaben als Preis von uns fordert. Erstens: Gottesgedenken (Dhikr), zweitens: Gott-Danken (Schukr), drittens: Reflexion (Fikr).[7]
Am Anfang steht das Gottesgedenken (dhikr) im Bismillah.[8] Am Ende steht das Danken (schukr) im Alhamdulillah.[9] Zwischen den beiden stehen Nachdenken und Begreifen, dass diese kostbaren Gnadengaben, die wunderbare Kunstwerke sind, Geschenke des Erbarmens, und Wunderwerke der Macht des Einen (Ahad) und Absoluten (as-Samad[10]) sind, bedeutet Reflexion (fikr).[11]
Jedoch einem Habenichts die Füße zu küssen, wenn er dir ein kostbares Geschenk eines Königs überbringt und dabei den Eigentümer des Geschenkes nicht zur Kenntnis zu nehmen, was für eine Dummheit wäre das!? Genauso wäre es, die äußerlich sichtbaren Spender zu loben und zu lieben, den wahren Geber aber zu vergessen, noch tausendmal törichter als dies.
Oh du meine Seele! Wenn du nicht so töricht sein willst, dann gib im Namen Allahs, nimm im Namen Allahs. Im Namen Allahs fange an. Im Namen Allahs führe zu Ende.
Und somit ist Frieden (Wassalam).[12]
[1] Bismillah bedeutet: „Im Namen Gottes“, steht aber als Kurzformel für Bismillahirrahmanirrahim (Im Namen Gottes des Allerbarmers des Allbarmherzigen [Sure 1:1]) (IAD)
[2] Viele Aussagen wie diese in diesem Wort basieren auf Hadithen wie: „Jede Angelegenheit, die nicht mit Gottesgedenken / Bismillahirrahmanirrahim begonnen wurde, ist unfruchtbar/ohne Ergebnis.“ (bei Ahmad/Rahawî); Hanbel, Musnad, 2:359; Tuhfat al-Ahwazî Scharh al-Dschamî al-Tirmidhî 1/9; al-Fath al-Kabir Bidammi az-Zadiyyat ilâ Dschami as-Saghir 2/4, 2/322; Nawawî, al-Azkâr s. 103; al-Hâfiz Abdalqâdir ar-Rahawî, al-Arbaîn; Nasai, Sunan al-Kubra, 6:127, 128; Ibn Hibban, Sahih, 1:173, 174; Abdurrauf al-Manawî, Kunûz al-Hakaik 1/97, 2/39.
[3] Tiere, die Gott zum Segen der Menschheit geschaffen hat
[4] Naturalismus ist eine philosophische Richtung, die nur die Natur als die gesamte Realität akzeptiert. Die Naturalisten leugnen übernatürliche bzw. transrationale Wesen wie Gott, Engel etc. und wollen die Natur ausschließlich mit Naturgesetzen, Ursachen etc. (also nur systemimmanent) erklären ohne eine übernatürliche Instanz wie Gott mit in Betracht zu ziehen.
Said Nursi widerlegt in seiner "Abhandlung über die Natur" mit absoluter Gewissheit den Naturalismus. Das Design, die Komplexität, die Perfektion, das Verhalten der Lebewesen, das unendliche Macht, Wissen und Wille eines Schöpfers erfordern, können Naturalisten nicht erklären. (IAD)
[5] Um das Lesen zu erleichtern haben wir die Segensformel (Salawat) auf den Propheten Muhammad mit saw (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) und auf die übrigen Propheten mit sa (Allah schenke ihm Frieden) abgekürzt. Der Leser möge sich durch die Abkürzung daran erinnern. (IAD)
[6] Hiermit meint Nursi, dass die Pflanzen und Tiere mit ihrem "übernatürlichen" Verhalten einerseits und mit ihren wundervollen Eigenschaften und Fähigkeiten andererseits, sowohl den Naturalismus widerlegen, als auch auf die Existenz eines Allmächtigen, Allwissenden und Allweisen hinweisen, Der sie erschuf und mit erforderlichen Fähigkeiten ausgestattet hat. Die Lebewesen können sich nicht selbst erschaffen haben und auch zufällige Prozesse in der Natur können sie nicht zur Existenz gebracht haben. Folglich müssen sie mit all ihren Fähigkeiten und Eigenschaften logischerweise auf den Befehl (Sei!) eines Schöpfers, Der Wissen, Macht und Wille besitzt, zur Existenz gekommen sein. (IAD)
[7] Diese Aussage basiert auf folgenden Hadithe: Imam Suyutî, Tafsir ad-Durr al-Mansur 1/12, 2/103 (Ibn Abbas); Daylami, Musnad al-Firdaws, 2/74.
[8] Hadithe, die auffordern zur Beginn des Essens Bismillah zu sprechen, sind zahlreich, z.B. „Wer von euch was ist, soll in Gottesnamen beginnen.“. (Imam Nawawî, al-Azkâr s. 205-207; Abu Dawud; Hasan-Sahih nach Tirmidhî)
Und ein Vers der Gnade Allahs zu gedenken:
O ihr Menschen, gedenkt der Gnade Allahs gegen euch. Gibt es einen Schöpfer außer Allah, der euch vom Himmel und von der Erde her versorgt? Es ist kein Gott außer Ihm. Wie könnt ihr euch da (von Ihm) abwenden? [35:3]
[9] „Wer gegessen hat und daraufhin Alhamdulillah sagt (Gott dankbar ist)…“ (Mischqat al-Masabih 2/476, Hadith Nr. 3434) und siehe Sure an-Nahl, 16:114.
[10] As-Samad = Der Unabhängige, Der nichts und niemanden bedarf und dessen alle und jedes bedarf. Alles ist abhängig von Ihm, Er ist die eigentliche Ursache aller Wirkungen.
[11] Zum tiefen Nachdenken rufen neben zahlreichen Hadithen auch viele Verse auf, siehe z.B. Suren 25:62, 40:13. Der folgende Vers ist sehr beeindruckend:
Wahrlich, in der Schöpfung der Himmel und der Erde und in dem Wechsel der Nacht und des Tages, liegen wahre Zeichen für die Verständigen, die Allahs gedenken im Stehen und im Sitzen und (Liegen) auf ihren Seiten und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken (und sagen): "Unser Herr, Du hast dieses nicht umsonst erschaffen. Gepriesen seist Du, darum hüte uns vor der Strafe des Feuers. [3:190-191]
[12] Wassalam = Gruß und Wunsch beim Abschied. Man schreibt am Ende von Texten, Briefen etc. "Wassalam".
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Wie ist das Urteil über Nichtmuslime? Kommen alle in die Hölle?
vorerst möchten wir einmal unterstreichen, das der Mensch, welcher für das Jenseits und die Unendlichkeit entworfen wurde, nicht dieses Irdische und Vergängliche Leben fokussieren sollte. Das ewige Jenseits (Ahiret) kann nur durch den Glauben gewonnen werden. Aus diesem Grund kann es auf dieser Welt für einen Menschen nichts wertvolleres und nichts schöneres als den Glauben und das Gebet geben.
Deswegen muss man differenzieren zwischen der Belohnung die ein Gläubiger für seinen Glauben empfängt, und der Strafe die er erhält wenn es nicht seinem Glauben gemäß lebt. Jemand der den Islamischen Glauben annimmt, ist somit in der Islamischen Schule eingeschrieben. Auch wenn er schlechte Noten haben sollte, solange er die Schule nicht verläßt, ist er ein Schüler dieser Schule. Somit hat jemand der nicht in dieser Schule eingeschrieben ist, kein Recht auf Leistungen dieser Schule.
In anbetracht dessen, hat auch jeder Mensch unterschiedliche Bedingungen in seinem Leben. Je nach seiner Lage, Position und Voraussetzungen wird jede kleinste gute Tat und auch jede kleinste Fehltat in Gewichtung gestellt.
Gottes Gerechtigkeit, ob Muslim oder Nichtmuslim, ist für jeden gültig. Gott hat für jeden, egal welcher Religion er zugehört, das Ungerechte behandeln und Grausamkeiten verboten. Kann dieser Gott, der selbst den Menschen die Ungerechtigkeit verbietet, einen Menschen Ungerecht behandeln?
„Wer das Rechte tut, der tut es zu seinem Vorteil. Und wer Böses tut, tut es zu seinem Schaden. Dein Herr tut Seinen Dienern kein Unrecht.“ (Fussilat, 41/46). Aus diesem Vers wird ersichtlich, das niemandem, ohne die Religion zu unterscheiden, eine Ungerechtigkeit angetan wird, bzw. das für jedem die Gerechtigkeit gilt.
„Und wer Gutes (auch nur) im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen.
Und wer Böses (auch nur) im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen.” (Zilzal, 99/7-8) aus der Bedeutung dieses Verses wird ersichtlich, dass jede Tat, ob groß oder klein oder gut oder böse, in jedem Fall nicht ohne Konsequenzen sein wird.
„Zerra“ bedeutet die kleinste Einheit. Hiermit ist gemeint, dass selbst die jede kleinste Tat nicht ohne Verantwortung bleibt und das selbst die kleinste Tat in Gottes Angesicht nicht verschwinden wird.
Um uns genauer auf die Frage zu beziehen, werden wir dies in unterschiedliche Antworten aufteilen:
1.Antwort:
„Denn Glaube ist eine Beziehung, die den Menschen mit seinem erhabenen Meister verbindet.” (siehe Worte, 23.Wort-1.Kapitel) In jedem Spiegel welches die Sonne wiederspiegelt, ist das Licht, die Wärme und die 7 Farben der Sonne zu sehen. Somit steht jeder dieser Spiegel, mit der Sonne in einer Beziehung bzw. in einer Verbindung mit der Sonne. Wenn einer dieser Spiegel einen Verstand hätte und sprechen könnte, würde es folgendes sagen: Ich gehöre der Sonne an und das Licht, die Wärme und die Farben, welche ihr sehen könnt, ist nicht mein Besitz, sondern das der Sonne! Diese Aussage zeigt die Bindung des Spiegels zur Sonne.
Genau wie dieses Beispiel, ist die Rechtleitung wie die Sonne die in unser Herz dringt und uns sagen läßt: „Ich bin ein Kunstwerk des großen Künstlers(Sani), das Wesen des Erschaffers(Halik) und seine Barmherzigkeit bzw. seine Freigiebigkeit manifestieren sich in mir.“ Somit zeigt diese Persönlichkeit, seine Zugehörigkeit und Bindung zu seinem Erschaffer.
Der Unglaube trennt jedoch diese Bindung!
Ein Gottesleugner ist wie eine Uhr. Es zeigt die Uhrzeiten, und lehrt die Vergänglichkeit des Lebens. Doch der Uhr ist das nicht bewusst. Auch beim Ungläubigen manifestieren sich Gottes Namen (Esma-ul Husna). Ihm ist Gottes Gabe unbewußt, kennt seine Taten nicht und konzentriert sich auf sein eigenes Ego und fällt somit auf die Stufe der Niedrigsten der Niedrigen (Esfeli safilin). „So ruiniert der Unglaube das Wesen des Menschen und verwandelt einen Diamanten in Kohle.“
In einem schönem Museum zeigt ein wertvoller Künstler seine Kunstwerke und klärt die Besucher über alle Details auf. Die Beleuchtung in diesem Museum ist so eingerichtet, das die kunstvollen Verzierungen in den Gemälden schön zum Ausruck kommen. Gebe es diese Beleuchtung nicht würden sowohl die Gemälde selbst als auch die kunstvollen Pinselstriche nicht zu sehen sein. Und wenn man diese Verzierungen nicht erkennt, so werden auch die Fähigkeiten und Talente Eigenschaften des Künstlers nicht zum Vorschein kommen und somit werden zwischen dem Künstler und den Besuchern keine Sympathien entstehen.
Dieses Museum ist des Menschen Charakter und seine Eigenschaften. Der Künstler, von dem wir sprachen, ist Gott. Die Kunstwerke und ihre Verzierungen sind die Manifestationen der Gottesnamen. Die Beleuchtung durch die die feinen Kunstwerke erst zum Vorschein kommen ist das Licht des Glaubens(Iman). Die Liebe zum Künstler, welche durch die schönen Verzierungen zum Vorschein kommt, ist gleich der Liebe zum Erschaffer, die durch die Erkennung der Gottesnamen entsteht. In gewisser Hinsicht entspricht das dem Aufbau einer Verbindung zu Gott.
Wenn der Mensch sich durch den Glauben an Gott bindet, und er somit Gottesliebe empfindet, so steigt der Mensch auf in die höchste Stufe (ala-yi illiyin). Obwohl seine physische Existenz zeitlich vergänglich, sterblich und somit eigentlich von geringem Wert ist, wird er unter künstlerischen Gesichtspunkten, gleich einem antiken Kunststück, einen immensen Wert annehmen, welches uns die göttliche Kunst und die Ornamente der Gottesnamen, durch das Licht des Glaubens beobachten lässt. Durch die Dunkelheit des Unglaubens sinkt er hinab zum Niedrigsten der Niedrigen, denn nur noch der materielle Wert steht im Vordergrund, der hingegen ist jedoch nahezu wertlos.
2.Antwort:
Im Quran wird folgende Botschaft mitgeteilt: “Allah erlegt einer Seele nichts auf, außer was sie vermag.” (Baqara, 2/286.). Der Mensch bekommt nur so viel Belastung wie er nur tragen kann. Es gibt Sachen die der Mensch finanziell oder körperlich nicht tragen kann. Genau so, gibt es auch Wahrheiten, die der Mensch durch seinen Verstand nicht verstehen kann. All dies gehört zu den Umständen, welche dieser Vers beinhaltet.
Zum besserem Verständnis werden wir einige Beispiele auflisten:
-Jemand der so krank ist dass er nicht stehen kann, verrichtet sein Gebet im sitzen
-Sollte er auch nicht sitzen und sich nicht bewegen können, so kann er es im nachhinein tun
-Jemand der durch Vergessenheit etwas im Monat Ramadan isst, kann trotzdem weiter fasten, da der Mensch durch das Vergessene nicht zur Rechenschaft gezogen wird.
-Wenn einer Person etwas Unzuläßiges aufgezwungen wird, so ist diese Person von der Sünde befreit
-Armen Menschen ist die Zekat und die Hacc(Pilgerfahrt) keine Pflicht
Nach diesem Prinzip könnten wir noch weitere Fälle aufführen. All dies beweist dass bei Gott die vollkommene Gerechtigkeit gilt und auch das er uns Menschen keine Last auferlegt, welche wir nicht tragen können.
Da Gott aufgrund seiner Gerechtigkeit den Menschen körperlich und finanziell keine untragbare Last auferlegt, wird er auch deren geistige und psychische Umstände sowie Möglichkeiten berücksichtigen. Es gibt Sachen die der Mensch finanziell oder körperlich nicht tragen kann. Genauso belastet Gott den Menschensverstand nicht mit einer Last die er nicht tragen kann. Folgendes sollte einem bewusst sein:
Die eigentliche Aufgabe der Menschen ist es, Gotteserkenntnis zu erlangen und seinen Befehlen zu gehorchen. Aus diesem Grund ist es sogar dem kleinstem Verstand möglich, zu dieser Wahrheit zu gelangen. Diese Fähigkeit wurde jedem Menschen veranlagt. Ein beschränkter Verstand reicht zwar nicht aus um weltliche Angelegenheiten in angemessener Weise zu verrichten, doch er reicht um erkennen zu können das dieses Universum einen Schöpfer hat. Wenn jemandem eine Hand fehlen sollte, so wird dieser große Probleme bei einem Handwerk haben. Falls diese Person zusätzlich noch die andere Hand und die Beine verlieren sollte, wird ihm um Gott zu erkunden keine Fähigkeit fehlen. Nachdem er den König dieser Welten gefunden hat, wird er natürlich je nach seiner körperlichen Fähigkeit Gott dienen können.
Gott der Gerechte (Adil-i Mutlak) hat jedem Menschen einen Verstand gegeben, welcher ausreicht, um die Lebensprüfung zu bestehen. Ausgenommen von dieser Gruppe sind natürlich Kinder und geistig Behinderte. Diese sind von jeder Prüfung und Sünde befreit.
3.Antwort:
Jedem Kind was auf die Welt kommt ist der Glaube veranlagt. Das sogar ein einfacher Tisch, nicht aus dem Zufall entstehen kann, wird wohl jeder Mensch nachvollziehen können. Auch Götzenanbeter haben gewusst das es einen Erschaffer geben muss, jedoch haben sie Gott nicht richtig erkannt und sie haben ihn falsch angebetet. Jeder Mensch hat das Bedürfnis nach einem Gebet(Ibadet), jedoch haben die Götzenanbeter einen falschen bzw. leblose Wesen angebetet.
Nicht jeder der in einem muslimischem Umfeld oder in einer muslimischen Familie zur Welt kommt, hat die Garantie das er Muslim wird. Genau so, muss nicht jemand Ungäubig sein, der in einem Atheistischem Umfeld/Familie groß wird.
Außerdem wird uns im Quran mitgeteilt das Menschen die nie vom Islam gehört haben, obwohl sie das Verständnis bzw. die Fähigkeit haben die Wahrheit zu erfahren, vor der Hölle verschont bleiben. (İsrâ, 15) „Wer rechtgeleitet ist, ist nur zu seinem eigenen Besten rechtgeleitet. Und wer sich irreführen lässt, geht allein zu seinem eigenen Schaden in die Irre. Und keine beladene Seele trägt die Last einer anderen. Und Wir bestrafen nicht, bevor Wir einen Gesandten geschickt haben.“
Imam Gazali teilt die Leute die die Botschaft unseres Propheten gehört und nicht gehört haben, in 3 Gruppen ein:
1. Menschen die die Botschaft unseres Propheten(asm) nicht gehört haben und von ihm nichts wissen. Diese Gruppe von Leuten ist definitiv befreit und werden einen Platz im Paradies einnehmen.
2.Die 2.Gruppe sind die Leute die den Propheten Muhammed(asm) gehört haben, seine guten Eigenschaften und seinen Charakter kennen und welche die von seinen Wunder gehört haben. Diese Gruppe von Menschen welche trotz des Wissens, ihn nicht als letzten Propheten akzeptieren, werden zu einer Stafe verurteilt werden.
3. Diese Gruppe hat den Namen des Propheten gehört, jedoch keine weiteren Information erhalten außer die der Propaganda welche gegen ihn ausgeübt wird. Keiner hat ihnen die Wahrheit gesagt und ihnen das Richtige gezeigt. Keiner hat ihnen das Interesse am Islam erweckt, somit hatten sie aufgrund der Propaganda nicht das Interesse am Islam. „Ich vermute das diese Gruppe ebenfalls in den Himmel eintreten werden.“ (İmam-ı Gazali, İslâm'da Müsamaha, Übersetzer: Süleyman Uludağ), s. 60-61)
4.Antwort:
„In der heutigen Zeit (Endzeit) hat ein Vorhang der Gleichgültigkeit die Muslime erfasst, ähnlich der Menschen aus der Vorislamischen Zeit (fetret – Zeitraum zwischen der Versendung zweier Propheten, in denen den Menschen die Rechtleitung fehlt.). Des weiteren wird in der Endzeit die beherrschende Religion die wahrhaftige Lehre des Propheten Jesus (Friede sei mit ihm) sein, Schulter an Schulter mit dem Islam. Sicherlich werden dann Christen denen Gräuel wiederfahren, in der heutigen dunklen Zeit die dem der Vorislamischen Zeit (fetret) ähnelt, diese Gräuel zu einer Art Märtyrertum (sein Leben zu opfern um Gottes Wohlwollen zu erlangen) verhelfen.Insbesondere Alte, von Leiden geplagte, Arme und Schwache leiden unter der Gewaltherrschaft von tyrannischen Despoten. Mir wurde die Einsicht zuteil, dass sicherlich diese erlittenen Gräuel und Plagen, eine Buße für die unlauteren Vergnügungen und der Blasphemie der heutigen Zivilisation und Philosophien sind, und ihnen somit zum grossen Vorteil gereichen.
Sicherlich werden die leidgeplagten Menschen und die, die diesen zur Hilfe eilen und die die sich zum Wohle der Menschheit, um den Grundfesten des Glaubens willen, der Aufrechterhaltung der Gerechtigkeit unter den Menschen willen, bemühen, im Jenseits einen gewaltigen Lohn erhalten, so dass sie die erlittenen Plagen als einen Segen warnehmen werden.“ (Aus dem Buch „Kastamonu Lahikasi“ von Bediuzzaman Said Nursi.)
Obige Ausführungen spiegeln den Kern der Meinungen der meisten Gelehrten wieder. Aus diesem Grund erachten wir obige Ausführungen für ausreichend und haben daher keine Quellen aufgeführt. Wer sich ausführlicher mit der Thematik beschäftigen will, dem seien die folgenden Bücher ans Herz gelegt: 'Mezâhib-i Erbaa' von Abdurrahman Cezerî und die beiden Bücher 'Şerhu'l-Emâli' und 'Şerh alel-Fıkhi'1-Ekber' von Aliyyü'l-Karî.
Desweiteren gibt es für jemanden der in einer islamisch dominierten Region auf die Welt kommt, keine Garantie für den Eintritt ins Paradies. Jeder der sich mit der islamischen Geschichte beschäftigt wird wissen, das die unmittelbaren Nachbarn des Propheten Muhammed (asm), den Islam nicht angenommen hatten und statt dessen jüdischen Glaubens verblieben sind.
Obwohl zu Zeiten des Propheten Muhammeds (asm) der Islam seine dynamischste Phase hatte, gab es in Mekka Ungläubige und Götzendiener. Wenn man erwarten würde das jeder Mekkaner auch zwangsläufig Muslim hätte sein müssen, so hätte dies auch bei Ebu Cehil und dem leiblichen Onkel des Propheten Muhammed (asm) Ebu Leheb sein müssen. Wie man weiss, war der Vater des Propheten Abraham (as) ein Götzendiener Nimrods. Des Propheten Lots (as) Frau, und die Frau und der Sohn des Propheten Noahs (as) waren allesamt Ungläubige. Andererseits lebte der Pharao, der Gott verleugnete und sich selbst zur Gottheit ernannte, zusammen mit Mose (as) im selben Palast und zog diesen sogar groß. Die Frau des Pharao hingegen zählten zu den Gläubigen.
D.h. dass selbst wenn jemand im Schosse des Pharaos groß wird, er das Licht des Glaubens findet, wenn er denn nach seinem Schöpfer sucht und sich ihm zuwendet. Wenn ein jemand sich der Wahrheit gegenüber als blind erweist, so erettet es ihn auch nicht wenn er der Sohn bzw. der Vater eines Propheten wäre. Gibt es denn nicht auch heute noch viele islamische Länder in denen tausende Moscheen, Minarette, Gebetsrufe, islamische Traditionen und Grabsteine den Islam verkünden, und trotzdem eine Vielzahl von Menschen von Gott ahnungslos sind und ein Leben fern vom Islam leben?
5.Antwort:
So jemand wie Darwin der der Welt als Vermächtnis Zwietracht und Anarchie gebracht hat, und so jemand wie Thomas Edison der der Welt nutzbringende technische Erfindungen gebracht hat, sind sicherlich nicht auf dem selben Stand. Des Propheten Muhammed (a.s.m.) Erzfeind, Ebu Cehil, war ein Ungläubiger, und der Onkel des Propheten, Ebu Talib, der den Propheten beschützt und auf ihn aufgepasst hat, war ebenso kein Gläubiger. Wenn jene beiden, bedingt dadurch dass sie Ungläubige sind, in die Hölle gesandt werden, so erfordert es die göttliche Weisheit und Gerechtigkeit dass der Grad ihrer Strafe nicht die selbe ist.
Anbei die Antwort die Bediüzzaman Said Nursi auf die Frage „Wie lässt sich der ewige Verbleib eines Ungläubigen in der Hölle mit der Barmherzigkeit und Gnade Gottes vereinbaren?“ gegeben hat.
Es gibt für diese Ungläubigen zweierlei Möglichkeiten. Diese Ungläubigen werden entweder in das Nichts gehen oder in einer beständigen Strafe verbleiben. Der Urteilsfindung des Gewissens entsprechend ist ein Dasein, selbst wenn es in der Hölle sein sollte, immer noch besser als überhaupt nicht zu sein. Denn so, wie das Nichtsein das absolute Böse ist, so ist es auch das, worauf alles Übel und aller Ungehorsam zurückzuführen ist. Was aber nun das Sein betrifft, so ist es, selbst wenn es die Hölle sein sollte, dennoch das absolute Gute. Darüber hinaus ist die Wohnstatt der Ungläubigen (kâfir) die Hölle (Cehennem) und dort werden sie ewig bleiben.
Auch wenn die Ungläubigen mit Recht durch ihr Verhalten in diese Lage geraten sind, werden sie doch, nachdem sie die Strafe für ihr Tun verbüßt haben, eine Art Vertrautheit mit dem Feuer erwerben und vom Grimm der Anfangszeit befreit. Es gibt Hinweise in den Überlieferungen, dass diese Ungläubigen als Belohnung für alle guten Werke, die sie auf dieser Erde verrichtet haben, eine derartige Barmherzigkeit Gottes erfahren werden.(İşârâtü'1-İcâz, s. 90)
D.h. Menschen die obwohl sie vom Islam gehört haben, trotzdem nicht den Glauben annehmen, aber dafür der Menschheit in weltlichen Dingen einen großen Dienst erwiesen haben, werden, sei es auch in der Hölle für ihre guten Taten eine Belohnung wiederfahren. Gott wird deren Bemühungen nicht folgelos lassen. Die Belohnung könnte z.B. eine Milderung der ihm verordneten Strafe sein, oder so etwas wie wenn ein Gefängnisinsasse einen angenehmen Traum erlebt.
3
Wenn Gott alles erschaffen hat, wer hat dann Gott erschaffen?
diese und ähnliche Fragen resultieren aus der Wissens- und Glaubensschwäche. Mit Gott ist auch das immerwährende, ewigbestehende, einzig und alleine existierende, unabhängige und frei von jeder Form und Vorstellung seiende Wesen verbunden. Gott ist frei von der Erschaffung, weil alles Erschaffene im Nachhinein entstanden, damit vergänglich und in seinen Fähigkeiten begrenzt ist. In dieser Fragestellung werden die Eigenschaften von Geschöpfen gegensätzlicher Weise Gott zugeschrieben. Diese Frage ist Paradox.
Es gibt einige Fragen dessen Wurzeln weit in die Geschichte gehen, und diese ist so eine Frage. Einmal kam eine Gruppe von Ungläubigen zum Propheten (s.a.s.) und fragten Ihn:“ Oh Muhammad, Allah hat alles erschaffen, aber wer hat Allah erschaffen?“ Auf diese Frage hin hat der Erzengel Gabriel (a.s.) als Antwort die Sure „Ihlas“ überbracht. In dieser Sure werden alle Varianten der Vielgötterei und Ungläubigkeit entwurzelt und verworfen. Darin werden die Ebenen der Einheit Gottes in schönster Weise erläutert und bewiesen.
Gott ist Einzig. Sein Wesen und Seine Eigenschaften sind nicht mit denen der Lebewesen zu vergleichen. ER ist frei von Raum und Zeit, sowie frei von Entwicklung und Veränderung. ER ist der Eine ohne Gleichen. Gott ist unabhängig, während alle Geschöpfe in ihrer Erschaffung, Versorgung, kurz gesagt in all ihren Sachlagen und Umständen von Ihm abhängig sind. ER wiederum ist frei von jeder Form der Abhängigkeit. Gott ist weder geboren noch hat ER geboren. Diese Eigenschaften sind den Geschöpfen zugehörig. ER hat weder Anfang noch Ende. Gott war und außer Ihm war Nichts. Der Gedanke, dass der immerwährende und ewig bestehende Gott durch das Wirken anderer entstanden sei, ist unvorstellbar. ER ist ohne Gegenstück, ohne Gleichen und ohne Gegengewicht, weder als Schöpfer, Führer, Formgeber noch als Herrscher. Es gibt nichts, was man sich als Sein Gegenüber vorstellen könnte. Wer auch nur einen Hauch an Verstand besitzt, der weiß, dass man bezüglich dem Wesen Gottes solche widersprechende und zwiespältige Fragen nicht stellen sollte und auch nicht stellen kann.
Etwas das erschaffen ist kann nicht ein Erschaffer sein. Etwas Dessen Macht und Stärke unendlich ist, kann nicht durch die Wirkung anderer entstanden sein. Etwas das keinen Anfang hat, kann nicht im Nachhinein entstanden sein oder im Nachhinein werden. Die unendlich vollkommenen Eigenschaften eines Schöpfers und die grenzenlose Bedürftigkeit und Armut eines Geschöpfes können in Ein und dem Selben Wesen keinen Einklang finden. Eine andere Betrachtung dieser Thematik bezieht sich auf die Verkettung von Ereignissen. Die aufeinander abfolgende Verkettung der Ereignisse hat definitiv ein allererstes Ereignis, woran sich alle anderen Ereignisse anknüpfen.
1. BSP:
Stellen wir uns einen Zug mit 15 Waggons vor. Hierbei wird jeder der Waggons von dem Vorherigen Waggon gezogen. Letztendlich aber werden alle Waggons von dem ersten Glied im Zug, der Lokomotive gezogen. Kann man jetzt fragen: “Und wer oder was zieht die Lokomotive?“ Damit der Zug überhaupt fahren kann bedarf es einem Mittel, welches ziehen kann, aber nicht gezogen werden braucht, dies ist eben die Lokomotive.
2.BSP:
Fragten wir, wie ein Bonbon entsteht, antwortete man uns, dass es an Werkstischen in einer Bonbonfabrik hergestellt wird. Fragten wir jetzt nach der Herstellung der Werkstische, bekämen wir zur Antwort, dass diese in einer anderen Fabrik mit anderen Werkstischen produziert werden. Jetzt könnten wir natürlich auch hinterfragen, wer die Fabrik gebaut hat in der die Werkstische entstehen, und so weiter und so fort. Wenn man die Herstellung nicht einem Schöpfer zuschreibt, dann nimmt die Fragerei kein Ende und führt somit zur Unproduktivität.
3.BSP:
Ein Soldat empfängt seine Befehle vom Gefreiten. Der Gefreite empfängt seine Befehle vom Hauptmann, welcher wiederum seine Befehle vom Oberbefehlshaber empfängt. Der Oberbefehlshaber bekommt seine Anweisungen vom Sultan. Die Frage woher der Sultan seine Anweisungen erhält ist paradox, weil er kein Befehlsempfänger sondern der Befehlsgeber ist. Wenn der Sultan (von wem auch immer) ein Befehl annehmen würde, dann wäre er degradiert und somit kein Sultan mehr.
Die Erläuterungen stellen eindeutig klar, dass das Universum samt seiner Existenz, seinem Wesen, seiner Inhalte, Namen und Eigenschaften sich an einen immerwährenden Schöpfer anlehnt. Die Frage wer Gott erschaffen habe, ist verstandesgemäß nicht sinnig.
4
Warum hat Gott das Universum erschaffen?
Allah, der Erschaffer des Universums und allen Wesen in jenem, hat es für sehr ernste Ambitionen erschaffen. Der Quran verkündiet dies so:
"16. Und Wir erschufen den Himmel und die Erde und was zwischen beiden ist gewiss nicht zu Scherz und Zeitvertreib. " (21/16)
Alle Wesen huldigen und verheiligen den großen Schöpfer, in ihrer eigenen Ausdrucksweise. Den, ihnen auferlegten Aufgaben, erledigen sie mit großer Freude und Motivation. Selbst die Sonne, folgt den, für es formulierten Pfades, weiterhin, ohne dass eine Sekunde vergeht. Die Seen fließen, in das Meer voller Übermut. Die Tiere, die dem Menschen, Untertan sind, dienen ihn in vollkommener Unterworfenheit.
Außerdem, wenn das Universum nicht erschaffen wäre, wüsste man nicht um die Eigenschaften und Namen Allahs, sowie seiner endlosen Vollkommenheit und Schönheit. Dieses Wissen, wäre dann nur Allah vergönnt. Durch das Einwirken der Namen Allahs und seiner geistigen Schönheiten in seinen Werken, bezeugt er persönlich um seine Schönheit und Vollkommenheit und wünscht dass Engel, Menschen sowie Djins an dieser Güte teilhaben.
Beim Thema ob alle Lebewesen erschaffen werden sollten oder nicht, hat Allah sich in seinem göttlichem Willen für die Schöpfung entschieden und diese Entscheidung stellt für alles Erschaffene eine endlose Barmherzigkeit dar. Denn, dass Allah, unter einem anderen seiner Namen auch Samed (Alles ist auf ihn angewiesen, er jedoch ist auf nichts angewiesen) das Universum aus der Not oder einem Bedürfnis erschaffen hat, ist undenkbar und frevelhaft.
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Frage: Vermag Gott ein Geschöpf zu erschaffen welches größer ist als er selbst?
wir erachten es als sinnvoll diese Frage in Form von 7 Punkten zu beantworten:
1. Hinter dieser Frage steckt ein Motiv:
Die Intention der Frage ist es den Glauben zu erschüttern, gutgläubige Menschen zu verwirren und das unschuldige Gehirn zu vergiften. Gleich dem Stachel eines Skorpions wird mit dieser demagogischen Frage versucht die Menschen zu vergiften.
Würde man die Frage Mit "Ja" beantworten, so wäre der Vorwurf das Gott schwächer ist, als das von ihm geschaffene Geschöpf.
Würde man die Frage mit "Nein" beantworten, wäre der Vorwurf dass Gott nur eine begrenzte Macht besitzt. In beiden Szenarien würde man Gott, Gott behüte, der Schwäche bezichtigen.
Die die solch eine Frage in den Raum werfen, betreiben offensichtlich Demagogie in dem sie von Gott, der keinen Teilhaber haben kann, erwarten das er eben diesen Teilhaber erschafft und dann, obwohl sie akzeptieren dass dieser ein Geschöpf ist, die Möglichkeit sehen dass dieses Geschöpf grösser als Gott sein könnte.
Diese Menschen sind sich nicht im Klaren darüber, dass Gott in seinem erhabenen Dasein in keinster Weise seinen Geschöpfen ähnelt. So wie ein Kunstwerk seinem Künstler nicht gleicht, genauso wenig ähnelt Gott den von ihm erschaffenen Geschöpfen.
Diese Tatsache nicht zu Wissen, ist ein Zeichen von Unwissenheit. Diese Menschen sind sich nicht bewusst darüber, dass Gott grenzenlos mächtig, die Geschöpfe hingegen unendlich schwach sind.
2. Bei der Frage wird etwas was lediglich theoretisch möglich ist, verwechselt mit etwas was auch verstandesgemäß möglich ist.
Verstandesgemäß möglich: Etwas was verstandesgemäß sein kann oder aber auch nicht. Z.B. kann jemand der verheiratet ist Kinder haben oder aber auch nicht.
Theoretisch möglich: Etwas dessen zu Stande kommen unmöglich ist, ohne jeden Anhaltspunkt und damit nur eine Einbildung (z.B. das der Atlantische Ozean in diesem Moment aus Zuckersirup bestehen würde). Dinge die lediglich theoretisch möglich sind, können nicht Basis für ein Urteil sein. Da sie sich nicht auf einen Beweis oder eine Wahrheit stützen, beschäftigt sich die Logik und Denklehre nicht mit Dingen die lediglich theoretisch möglich sind.
Der Begriff "theoretisch möglich" stützt sich lediglich auf 'könnte sein', 'möglicherweise' und derlei Wunschvorstellungen und Träume.
Bei der Frage ob Gott ein Geschöpf erschaffen kann, welches größer ist als er selbst wurden die Begriffe "theoretisch möglich" und "verstandesgemäß möglich" miteinander verwechselt. Diese Frage ist lediglich die Frucht einer unmöglichen Phantasievorstellung, welche sich nicht auf irgendwelche Wahrheiten stützt und daher absurd ist und für den Verstand nicht gangbar ist. Kein Verstand könnte je akzeptieren das irgend ein Geschöpf größer als Gott sein könnte.
3. Mit der Fragestellung wird Demagogie betrieben
In der Logik werden Vergleiche die auf irrealen Bedingungen basieren als Demagogie betrachtet.
Ein Demagoge der z.B. auf einer Mauer das aufgemalte Abbild eines Menschen sieht sagt: "Dies Bild kann sprechen. Denn es stellt einen Menschen dar. Denn da alle Menschen sprechen können, muss auch dieses Bild sprechen können." Und begeht damit einen schweren Fehler. Sich vorzustellen das ein von Gott geschaffenes Geschöpf größer bzw. mächtiger als Gott sein könnte, ist ein noch weitaus grösserer Fehler.
Basis der Fragestellung sind folgende Stadien:
1) Das Geschöpf wessen Erschaffung man sich vorstellt, existiert zuerst nicht.
2) Die Erwartung das Gott dies Geschöpf erschafft, und somit Gott der Erschaffer das Geschöpf das Erschaffene ist.
3) Neben der eigentlichen Erschaffung des Geschöpfes durch Gott, wird auch die Vergabe von Grösse, Kraft und Beständigkeit durch Gott erwartet.
Obwohl die Konsequenz der obigen Stadien, Gottes grenzenlose Grösse, seine Einzigartigkeit als Erschaffer, seine zeitlose Existenz (von Ewigkeit zu Ewigkeit) und seine absolute Allmacht ist, und für das Geschöpf die Bedürftigkeit der Erschaffung, Schwäche und Armseligkeit, wird gefragt ob dies Geschöpf grösser bzw. mächtiger als Gott sein könnte. D.h. die Fragestellung ist noch weitaus absurder als das weiter oben genannte Beispiel.
4. Die Fragestellung ist voll von Widersprüchen.
Der Vergleich der mit der Frage getätigt wird, beruht auf widersprüchlichen Annahmen. Deshalb hat diese Frage auch nicht die Eigenschaften einer Behauptung, und kann somit nicht Basis einer solchen sein. Z.B., basiert die Frage "Kann man eine Zahl niederschreiben die grösser ist als unendlich?" auf widersprüchlichen Annahmen. Daher hat sie auch keinen Wissenschaftlichen Wert. Denn per Definition kann es keine Zahl größer als unendlich geben, als dass so eine Frage einen Sinn ergeben würde. Wenn 'unendlich' für etwas steht was kein Ende hat und sich nicht übertreffen lässt, so findet sich keine Zahl die sich mit unendlich messen kann. Liese sich aber eine Zahl finden die grösser als unendlich wäre, so wäre es nicht 'unendlich' gewesen.
Da die Fragestellung so voller Widersprüche ist, hat sie weder in Puncto Logik noch unter wissenschaftlicher Hinsicht irgendeinen Wert.
Die Vollkommenheit eines Werkes ist eine Manifestation der Vollkommenheit desjenigen, der dieses Werk geschaffen hat. Weiterhin kann die Vollkommenheit eines Werkes dasjenige seines Meisters sicherlich nicht übersteigen. Das von einem Gelehrten verfasste Buch kann sicherlich nicht mehr Wissen beinhalten, als der Gelehrte besitzt. Und so kann auch ein Architekt kein Gebäude entwerfen, welches seine eigenen Talente und Fähigkeiten übersteigt. Ebenso ist es absurd anzunehmen die Sonne könnte einen Tropfen Wasser mit mehr Licht anstrahlen als ihr zu eigen ist.
Die Frage "Vermag Gott ein Geschöpf zu erschaffen welches größer ist als er selbst?" ist sinnlos wie die Frage ob Gott einem seiner Geschöpfe ein grösseres Maß an Vollkommenheit geben kann, als er selbst besitzt.
Die Frage beinhaltet so viele Unmöglichkeiten wie die Eigenschaften Gottes.
Anbei einige Beispiele:
Eine von Gottes Eigenschaften ist seine Macht und Stärke. Wenn wir die Fragestellung unter diesem Gesichtspunkt betrachten ergibt sich folgendes:
"Kann der Allmächtige Gott ein Geschöpf erschaffen welches Mächtiger ist als er selbst?"
Wer solch eine Frage stellt, hat den Begriff der Unendlichkeit nicht verstanden. Eine Macht größer als Unendlich kann es ja prinzipiell nicht geben, als dass die Frage einen Sinn ergeben würde. Der grenzenlose Weltraum und alles in ihm sind die Manifestationen seiner grenzenlosen Allmacht. Das Spiegelbild eines imposanten Berges hat nicht einmal das Gewicht eines Kieselsteins. Unzählbar viele Sterne und Galaxien sind allesamt Manifestationen seiner Namen. Es ist nicht vorstellbar das diese Manifestationen ihn schwächeln lassen. Selbst wenn er in jedem Augenblick Milliarden solcher Universen erschaffen würde, wäre das für seine Allmacht ein leichtes.
Betrachtet man die Frage im Hinblick auf die Eigenschaft des Willens so ergibt sich folgendes:
"Kann Gott der den absoluten Willen und Autorität besitzt eine Gottheit erschaffen die seinem Willen nicht untergeordnet ist und seiner Autorität Grenzen aufzeigt?"
Doch ist Gottes Wille absolut, unendlich. Ihm lassen sich keine Schranken aufzeigen. Es ist unmöglich das sich ein Geschöpf diesem Willen entziehen kann. Desweiteren ist etwas von Gott erschaffenes, sein Geschöpf. Ein Geschöpf unterliegt aber seines Schöpfers Willen. Mit der Fragestellung wird angenommen dass der Wille des Schöpfers begrenzt, der Wille des Geschöpfes hingegen unendlich ist, und somit den Widerspruch erzeugt dass etwas endliches etwas unendlichem Grenzen aufzeigt.
Betrachtet man die Frage im Hinblick darauf dass Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit existiert, ergibt sich folgende sinnlose Frage:
"Kann Gott ein Geschöpf erschaffen welches bereits vor ihm existiert und auch nach ihm noch existieren wird?"
Des Herrn von Ewigkeit zu Ewigkeit zweier Namen sind der 'Erste' und der 'Letzte'. Sowie es nichts vor ihm gab kann es auch nichts nach ihm geben. Ein 'zuvor' vor der Ewigkeit (in Bezug auf die Vergangenheit) kann es ebenso wenig geben, wie ein 'danach' nach der Ewigkeit (in Bezug auf die Zukunft). Daher ergibt die Frage auch keinen Sinn. Gemäß dieser Frage soll also ein Geschöpf welches von Gott, der von Ewigkeit zu Ewigkeit existiert, erschaffen wurde ebenfalls von Ewigkeit an existiert haben und auch in alle Ewigkeit existieren.
Analoges ergibt sich bei Betrachtung anderer Eigenschaften Gottes wie z.B. der Hörende bzw. der Sehende.
Es ist erstaunlich dass solche Fragen voller Widersprüche in der heutigen Zeit Menschen vom rechten Weg verführen können.
5. Mit der Fragestellung wird versucht Wahrheiten ins Gegenteil zuverkehren.
Es ist offensichtlich dass eine Wahrheit sich nicht in das Gegenteil verkehren kann. Weiterhin kann etwas sich nicht in sein Gegenteil verkehren und trotzdem sein Wesen und Charakter beibehalten. Z.B. kann die Sonne sich nicht in Wasser umwandeln und dabei den Charakter der Sonne beibehalten, oder der Mensch sich in einen Löwen verwandeln und trotzdem das Wesen eines Menschen beibehalten. Analog gibt es noch viele weitere Beispiele. Wenn doch bei Geschöpfen Gottes die Verkehrung in das Gegenteil zu solchen Unmöglichkeiten führt, so kann man sich vorstellen in welchem Grade es noch viel unsinniger wäre, würde man dies bei Gott annehmen.
Bei der Eingangsfrage wird bzgl. der grenzenlosen Eigenschaften Gottes deren Verkehrung in ihr Gegenteil angenommen. Der Fragesteller begeht die Unmöglichkeit bei dem zu erschaffenden Geschöpf welches durch Vergänglichkeit, Schwäche und Abhängkeit geprägt ist, dessen Verkehrung in ihr Gegenteil, der grenzenlosen Allmacht und Vollkommenheit, anzunehmen. Gottes absolute Vollkommenheit wird sich nicht in ihr Gegenteil der absoluten Unvollkommenheit, seine absolute Schönheit nicht in absolute Widerwärtigkeit und seine absolute Allmacht nicht in absolute Schwäche verkehren.
Der majestätische Herr ist grenzenlos geheiligt, die Geschöpfe hingegen unendlich minderwertig. Gott ist grenzenlos wissend und im Besitz der absoluten Autorität. Die Schöpfung hingegen ist unwissend und unterliegt seiner Herrschaft. Gottes Existenz ist aus sich selbst heraus zwingend erforderlich, und er existiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Die Existenz von allem was er erschaffen hat bzw. noch erschaffen wird, ist jedoch lediglich möglich nicht aber zwingend erforderlich und des weiteren vergänglich.
Gemäß der Vorstellung des Fragestellers, soll Gott, obwohl von Ewigkeit an existierend, erst ab einem Zeitpunkt existiert haben. Und das besagte Geschöpf, obwohl es erst an einem bestimmten Zeitpunkt erschaffen wurde, soll bereits von Ewigkeit an existiert haben. So dass man sich dann dies Geschöpf als 'größer' als Gott vorstellen möge.
Gott, obwohl Allmächtig, soll machtlos sein, und das Geschöpf welches darauf angewiesen ist von Gott erschaffen zu werden, soll Allmächtig sein.
Analog lassen sich weiter Beispiele finden.
6. Der Fragesteller weiß nicht um die verschiedenen Ebenen der Existenz
Um die Antwort auf die Frage zu verstehen, muss man über folgende 3 Begriffe im Bilde sein. Zwingend erforderlich, Möglich, Unmöglich. Weitere Alternativen zu diesen dreien kann es nicht geben.
An dem Beispiel einer schönen Skulptur lassen sich die 3 Begriffe wie folgt erklären:
Es ist zwingend erforderlich dass eine Skulptur einen Meister hat, der diese gefertigt hat. Denn ein Kunstwerk ist ohne einen zugehörigen Meister nicht vorstellbar.
Bevor die Skulptur gefertigt wurde, war für den Künstler die Fertigung möglich aber nicht zwingend erforderlich. D.h. er hätte sie anfertigen, oder es aber auch sein lassen können. Das die Skulptur vollkommener, geschickter und mächtiger als sein Künstler sein könnte ist hingegen unmöglich.
Analog kann man den Sachverhalt auch am Beispiel der Sonne erläutern:
Das die Sonne Licht ausstrahlt ist zwingend erforderlich. Denn die Sonne ohne ihr Sonnenlicht ist nicht vorstellbar. Würde man sich die Sonne beseelt und lebendig vorstellen, so wäre es möglich das sie dem den sie wollte ihr Licht spendet, oder auch nicht. Das jedoch das Abbild der Sonne in einem Spiegel die Größe und Temperatur der Sonne annimmt und obendrein die Planeten um sich Kreisen lässt, ist absolut unmöglich.
Wie in den obigen Beispielen erläutert, existieren 3 verschiedene Ebenen der Existenz: Zwingend erforderlich, möglich und unmöglich.
Die Existenz Gottes, unseres Schöpfers, ist zwingend erforderlich. Die Existenz alles bereits erschaffenen und allem was noch erschaffen werden wird ist möglich. Die Existenz eines Teilhabers bzw. jemanden der ihm gleicht oder ähnelt oder aber dass eines seiner Geschöüfe größer und mächtiger ist als er, ist hingegen unmöglich.
Die Existenz Gottes ist zwingend erforderlich. Er existiert aus sich selbst heraus. Seine Existenz ist von keinerlei Ursachen oder Bedingungen abhängig. Sein Dasein ähnelt in keinster Weise dem Dasein seiner Geschöpfe. In keinster Weise gibt es etwas, was ihm gleicht oder ähnelt.
Für Dinge deren Existenz möglich (aber nicht zwingend erforderlich) ist, ist die Existenz bzw. die Nichtexistenz gleichwertig. Es könnte existieren, es könnte aber auch nicht existieren. Weder die Existenz noch die Nichtexistenz sind unmöglich. Alles was erschaffen wurde oder was erschaffen werden könnte, ist möglich.
Z.B. ist für einen Schriftsteller die Niederschrift eines Buchstabens oder deren Unterlassung gleichwertig. Er könnte den Buchstaben schreiben oder aber auch nicht, d.h. für den Buchstaben sind beide Zustände relevant. Sowohl die Existenz als auch die Nichtexistenz. Die Alternative für die sich der Schriftsteller entscheidet wird sich realisieren. Entscheidet er sich für die Niederschrift so wechselt der Buchstabe von der Nichtexistenz in die Existenz. Entscheidet er sich dagegen so verbleibt der Buchstabe in der Nichtexistenz.
Alles was möglich ist, ist im Angesicht Gottes wie dieser Buchstabe. So wie das Universum durch seine Erschaffung durch Gott zum Vorschein gekommen ist, so ist auch seine weitere Existenz von seiner Macht, Leitung und Willen abhängig. Sowohl bei seiner Erschaffung als auch für ihr Fortbestehen ist es auf Gott angewiesen.
Es gibt nichts was im Bereich des Möglichen wäre, dessen Gott nicht gewachsen wäre. Gegenüber seinem Willen und seiner absoluten Macht ist alles gleichwertig. Ob gross oder klein, es macht keinen Unterschied. Dieser Macht gegenüber macht es keinen Unterschied ob alle Galaxien oder ein einzelnes Atom. Eine einzelne Blume oder aber der gesamte Frühling, ein Teil oder das Ganze, es macht keinen Unterschied.
Bei Dingen die möglich sind, gibt es zwei Seiten die es zu betrachten gilt, nämlich das Sein und das Nichtsein. Bei unmöglichen Dingen gibt es hingegen nur eine Seite, das Nichtsein bzw. die Nichtexistenz. Die Nichtexistenz ist eine dauerhafte Eigenschaft des Unmöglichen. Sich die Existenz etwas Unmöglichen vorzustellen ruft Wiedersprüche hervor. Z.B. kann eine ganze Zahl entweder gerade oder ungerade sein. Das eine ganze Zahl hingegen sowohl gerade als auch ungerade ist, ist nicht möglich. Es ist unmöglich das ein Mensch gleichzeitig steht als auch sitzt. Es ist unmöglich das eine Zahl größer als unendlich sein könnte. Ebenso ist es unmöglich das Gott einen Teilhaber hat oder irgend jemand ihm gleicht.
Etwas, dessen Existenz lediglich möglich ist, kann niemals größer sein als derjenige dessen Existenz zwingend erforderlich ist.
Es ist unmöglich, dass ein Geschöpf seinem Schöpfer überlegen ist.
Der Fragesteller versucht mit dieser demagogischen Frage das Unmögliche als möglich erscheinen zu lassen.
7. Der Fragesteller versteht den Begriff der Größe nicht.
Die Größe Gottes ergibt sich nicht durch den Vergleich mit seinen Geschöpfen. D.h. seine Größe ist Teil seines Wesens, und lässt keinen Vergleich mit seinen Geschöpfen zu. So wie sein Wesen keinem seiner Geschöpfe ähnelt, so lässt sich auch seine Grösse nicht mit denen seiner Geschöpfe vergleichen und seine Dimension nicht begreifen. Die Grösse der Geschöpfe hingegen ergibt sich durch den Vergleich zueinander.
Diese Wahrheit soll mit nachfolgendem Beispiel veranschaulicht werden. Man kann nicht die Grösse der Sonne mit ihren Reflektionen in Schneeflocken vergleichen. Denn alle Reflektionen beziehen ihren Glanz von der Sonne. Wie könnten sie da einen Vergleich mit der Sonne eingehen.
Analog wie im obigen Beispiel lässt sich die Grösse Gottes, dessen Wissen, Macht, Majestät und Herrlichkeit keine Grenzen kennt, in keinster Weise mit denen seiner Geschöpfe vergleichen. Denn alles erschaffene sind Reflektionen seiner Attribute und Namen. Deren Dasein ist nur durch seine Erschaffung, deren Leben bedingt dadurch das er Leben geschenkt hat. Deren Grösse ist lediglich in Bezug zueinander. Wenn eines von Gottes Geschöpfen, wie des Menschen Verstand oder des Menschen Phantasie, versucht sich das größte von größtem vorzustellen, so bleibt es doch nur etwas großes in Bezug auf die Geschöpfe. Gottes tatsächliche Grösse ist jedoch erhaben über das was sich der Verstand und die Phantasie vorzustellen vermögen.
Es gibt in der Mathematik den Begriff 'unendlich'. Jedwede Zahl ist unvergleich klein im Vergleich zu unendlich. Die Größe von Zahlen, abseits unendlich, ergibt sich durch den Vergleich untereinander. Gegenüber unendlich macht es keinen Unterschied ob 1 oder eine Million. Ob gross oder klein, macht im Vergleich zum Unendlichen keinerlei Unterschied. Würde man sich alle Zahlen als beseelt vorstellen, so könnten sie allesamt den Begriff des Unendlichen nicht begreifen. Ebenso vermang niemand die grenzenlose Grösse Gottes zu begreifen. Diese absolute grenzenlose Grösse kann nicht von einem begrenzten Verstand erfasst werden.
Von dem in der Fragestellung gesprochenen Wesen, wird a priori akzeptiert das es ein Geschöpf ist. Die Größe eines Geschöpf, wie groß es auch immer sein mag, gilt aber nur in Vergleich gegenüber anderen Geschöpfen und ist auch nur gegenüber diesen Vorstellbar.
Dass ein Kunstwerk seinem Künstler nicht überlegen sein kann, ist eine Tatsache die keiner Diskussion bedarf. Z.B. all die Vollkommenheit und Schönheit die sich in der berühmten Selimiye Moschee wiederfindet, ist der Vollkommenheit und dem Wissen des Architekten entsprungen. Was diese Steine zu einem Kunstwerk zusammen gebracht hat, ist die Feinheit des Geistes des Architekten Sinan, sowie die Tiefe in seinen Überlegungen und die Meisterschaft seines Handwerks. Der Applaus gilt Sinan, und die Anerkennung gebührt ihm. Angenommen Sinan hätte ewig gelebt, so hätte er noch viele weitere Moscheen gebaut, und andere Kunstwerke zustande gebracht. All diese Werke wären Beweis für seine Größe. Doch die Größe und Vollkommenheit der Kunstwerke, ließe sich nicht vergleichen mit der Größe und Vollkommenheit des Architekten Sinan.
Diese gewaltige Schule, auch Universum genannt, mitsamt der Erde, den Sternen und den unzähligen Galaxien sind Kunstwerke Gottes, sein Werk und seine Geschöpfe. Für jegliche Schönheit und Vollkommenheit die sich in ihnen findet, zeichnen sich die Namen und Eigenschaften Gottes verantwortlich.
Alles was es da gibt, bleibt einzig und allein durch Gottes Macht, Willen und Herrschaft bestehen. Von den Atomen bis zu den Galaxien ist alles und unter jedweden Umständen und zu jeder Zeit unter der Beobachtung seiner Herrschaft. Gegenüber seiner Herrschaft ist alles Untertan und gegenüber seiner Grösse alles klein und bedeutungslos.
So ist denn die Quelle für die Eingangsfrage die Unwissenheit bzgl. des Begriffs 'Größe' und die Unkenntnis über die Bedeutung von 'Schöpfer' und 'Geschöpf'.
6
Hat Allah das Schlechte erschaffen?
dem Islam zufolge ist der Schöpfer von alles gutem und schönem Allah, sowie auch der Schöpfer von alles schlechtem und hässlichem Allah ist. Es gibt nun Menschen die fragen: „Wie schafft Allah das schlechte?“.
Da Sie, wenn man ihnen selbst nach geht, die Schöpfung des Schlechten nicht zu unserem Herren passen würde. Obgleich dies eigentlich ein Zeichen seiner Größe ist.
Wenn ein Maler fähig ist sowohl schöne, als auch hässliche Figuren zu malen ist dies nichts anderes als der Beweis seiner großen künstlerischen Fähigkeiten.
Wäre Er hingegen unfähig gewesen besagte Abscheulichkeiten darzustellen, wäre dies die Manifestation einer unvollständigen Kunst. Dies kann nun als Beispiel auf die Frage nach der Schöpfung des Bösen projiziert werden.
Hinzuzufügen ist desweiteren, die Schöpfung des schlechten ist nicht schlecht, das schlechte zu tun ist schlecht.
Denjenigen die sagen: „Allah schafft das Schlechte nicht.“ sollte die Frage gestellt werden: „Wenn Allah das Schlechte nicht schafft, wer dann?“.
Jede Antwort auf diese Frage trägt Schirk in sich. Die Schöpfung ist nur Allah vorbehalten es gibt nichts was ihm gleicht oder gar ähnelt, er ist frei von Helfern und Teilhabern [an seiner Macht, Herrschaft und seinem Wissen]. Dies ist ein Aspekt der Fragestellung.
Auf der anderen Seite muss der Aspekt der Prüfung betrachtet werden. Wenn Allah nur das Gute geschaffen hätte, und es das Schlechte nicht gäbe, dann wäre auch eine Prüfung bedeutungslos.
Die Möglichkeit gegen Allahs Befehle zu handeln, Sünden zu begehen und Allah zu verleugnen wäre hinfällig geworden. Jeder wäre gezwungenermaßen einem Engel gleich. Dies ist nicht der Wille Allahs. Er, wünscht sich, das sein Diener aus freien Stücken das Gute bevorzugt, bzw. wählt.
Aus diesem Grund erschafft Er genau das, was der Diener selbst wählt.
Beispielsweise kann man mit seinen Beinen in eine Moschee gehen aber auch an einen unerlaubten Ort. Das erste ist gut, das zweite schlecht. Das Schöpfen richtet sich nach dem Wunsch des Menschen. Wenn jedoch die Beine der Menschen auf dem Weg zum Schlechtem versteinerten, die Augen welche Dinge die haram (verboten) sind betrachten erblindeten und die jenigen die das Gebet nicht verrichten erkrankten, gäbe es keinen freien Willen der Menschen.
Schlussendlich ist zu sagen: Um die Guten von den Schlechten zu trennen ist die Schöpfung des Schlechten neben dem Guten mehr als logisch und weise.
7
Warum können wir Gott nicht (in dieser Welt) sehen?
einer der Eigennamen Gottes ist „Das Licht“. Ausgehend von Lichtgestalten wie den Engeln, dem Sonnenlicht bis hin zu den Lichtstrahlen, die das Universum füllen, reflektiert alles jeweils nur eine Wirkungsform dieser Eigentümlichkeit. Das menschliche Auge vermag in dieser Welt nur das Reich der Materie zu erfassen. Es kann weder seine eigene Seele, noch irgendwelche Engel sehen. Bis auf wenige Strahlen kann das menschliche Auge die meisten der gegenwärtigen Strahlen gar nicht erfassen, wie z.B. Röntgenstrahlen, Radiowellen, Strahlen von Funkgeräten, wie Handy, schnurloses Telefon usw. Das menschliche Auge ist in seiner Sehfähigkeit eingeschränkt und kann nur 2,5 % der im Universum tatsächlich vorhandenen Strahlenarten wahrnehmen. Die Erwartung, mit solch einem begrenzten Sehvermögen den Erschaffer aller Lichtquellen sehen zu können, ist zu mindest den physikalischen Gesetzen gegenüber respektlos. Ein anderer Grund dafür, das wir Gott nicht sehen können ist, dass wir Menschen auf dieser Welt einer Prüfung unterzogen werden, wobei die Fähigkeit Gott sehen zu können diese Prüfung für sinnlos erklären würde. Die Tatsache, das wir Menschen mit unserem Seh-Organ den Augen Gott nicht sehen können, bedeutet nicht das Er nicht existiert, sondern es spricht vielmehr dafür das es Ihn gibt und Er mit Seinem Wissen und Seiner Machtherrschaft alles umfasst.
Beispiel:
Stellen wir uns vor die Sonne würde ebenfalls, wie die Atmosphäre die Erde umfasst, den ganzen Weltraum mit ihrem Licht (Helligkeit) umgeben. Dann wäre es auch nicht möglich die allumfassende Sonne mit den bloßen Augen zu sehen. Eben weil alles vom Sonnenlicht erfasst ist, wäre die Sonne folglich unsichtbar, aber gemäß unserem Verstand dennoch gegenwärtig. Weil es somit die Nacht, als Gegensatz und zum Vergleich der immerwährenden Helligkeit nicht gäbe, könnte man die Sonne nicht sehen und ihr Wesen somit auch nicht begreifen (weil es keinen Kontrast gibt). Jedoch käme es einer Unwissenheit gleich, die mit ihrem Licht alles umfassende und allgegenwärtige Sonne zu leugnen.
Anhand dieses Beispiels kann man Gott, der mit Seinen Namen und Eigenschaften alles umfasst, immerwährend, allgegenwärtig und mit bloßen Augen nicht sichtbar ist, jedoch mit dem Verstand sehen. Da Gott ohne Gleichen und ohne Gegenstück ist, wir aber das meiste erst durch das Gegenteil (Kontrast) zu begreifen im Stande sind, ist dies eine berechtigte Frage.
Im Jenseits ist das komplett anders. Die ins Paradies berufenen, deren Seelen werden gegenüber ihren Körpern (Trieb) triumphieren. Die im Diesseits nur als Schattenwesen bekannten Geschöpfe (Seelen), werden im Jenseits zu ihrer wahren Funktion befähigt. Der Mensch wird mit all seinen Seiten dem Paradies gebührend sein und von all den Gutheißungen genießend ins ewige Glück eintreten. Des Weiteren wird die ewige Glückseligkeit im Paradies zusätzlich mit einer so genannten, regelmäßig stattfindenden „Gottesschau“ gekrönt. Es heißt, daß die zur Gottesschau eingeladenen Paradiesbewohner, während der Gottesschau ein anderes, noch höheres Befinden erleben werden und dass dieses in einer eigens dafür bestimmten Atmosphäre (Ort) sich ereignen wird. Des Weiteren heißt es, dass die von der Gottesschau heimkommenden Paradiesbewohner von ihren Familienangehörigen nicht oder kaum wieder erkannt werden.
8
Wie kann der einzig und alleine seiende Gott alles gleichzeitig tun?
der sich selbst als Maßstab aller Dinge Sehende Mensch, der nicht zeitgleich in zwei Richtungen sehen, dessen Verstand nicht über zwei Themen zugleich (denken)sich besinnen kann, vermag einfach nicht die gesamte Leistung eines vollkommenen Gottes zu begreifen.
Diese Fähigkeit Gottes, die eigentlich der Bewunderung bedarf, wird durch das gemeinsame Bestreben des menschlichen Ego und des Teufels leider in Abrede gestellt. Folglich wird dadurch von der Wahrheit und somit von Gott irregeführt.
Ungeachtet dessen, sollte der Mensch anstelle seiner selbst, die vielen anderen Geschöpfe bedenken, welche mit Gottes Erlaubnis unzählige Arbeiten zugleich verrichten. Besinnen wir uns auf folgende Tatsachen, erkennen wir zweifellos und gewiss, dass Gott wirklich alles gleichzeitig tun kann.
Beispiele:
1. Die Sonne, dessen Licht in die Augen aller Lebewesen
zeitgleich einstrahlt, alles erhellt und alles belebt.
2. Die Luft, die ebenfalls zugleich in Abermillionen
Atemwege und Blutkreislaufbahnen gelangt, um diese mit
Sauerstoff zu versorgen.
3. Die Schwerkraft, die auf alles Seiende synchron einwirkt.
4. Das Wort, welches zur selben Zeit in den Ohren der
Zuhörer ankommt, um sich selbst zu verkünden.
5. Die Gesetzmäßigkeit in den Bäumen, die dazu führt, dass
alle Blätter und Früchte ihre Versorgung zeitgleich erhalten.
6. Die Seele, die in jeder einzelnen Zelle wirkt, die
aber wiederum parallel den ganzen Körper umfasst.
Diese Gleichnisse, die nur einen Bruchteil der Fähigkeiten Gottes erahnen lassen, weisen darauf hin, dass Gott allerdings unzählige Dinge zur selben Zeit wissen, verrichten und beherrschen kann.
Das zeigt uns, dass es keine Zweifel gegenüber Gott als allwissenden und allwirkenden geben kann.
Weitere Beispiele:
1. Eine einzelne Person, die von Tausend Spiegel umstellt ist, scheint in allen Spiegeln zeitgleich zu Sein und zu Wirken. Hebt diese Person nun ihren Arm, so heben sich tausende Arme simultan mit. Schriebe diese Person einen Brief, schrieben alle anderen ebenfalls zur selben Zeit einen Brief.
2. Stellen wir uns diese besagte Person nun als Fernsehmoderator vor. Hierbei wird diese Person sogar in Ton und Bild wiedergegeben. Diese eine Person spricht in einem Augenblick (also Zeitgleich) zu allen Zuschauern, in ihren unterschiedlichen Heimatorten.
Das ist nur eine der Gott gegebenen Gesetzmäßigkeiten, von denen der Mensch Nutzen hat.
Die in den Spiegeln abgebildeten Erscheinungen, kann man in drei Arten einteilen.
1. Die erste Art ist endgültig, körperlich und lichtlos. Am Beispiel der von Tausend Spiegel umstellten Person versteht sich, dass diese Tausend Spiegelbilder nur eine leblose Kopie des Originals sind. Diese Kopien können aber nicht das Wesen und den Charakter der besagten Person wiedergeben. Sie können weder Sehen, Hören und Sprechen, noch Essen und Trinken.
2. Die zweite Art ist materiell, lichtvoll und reflektierbar, wie die Sonne. Stellen wir uns Tausend Männer vor, die ihre Spiegel in die Sonne halten. Die Sonne wäre in allen Spiegeln gleichzeitig zu sehen. Diese Erscheinungen sind nicht identisch mit der echten Sonne. Sie verfügen lediglich über ein paar sonnentypische Eigenschaften, wie die Helligkeit, die Wärme und die Spektralfarben. Verfügte die Sonne über ein Bewusstsein, könnte Sie mittels unserer Spiegel mit uns kommunizieren. Die zeitgleiche Verrichtung unzähliger Taten wäre für die Sonne kein Problem.
3. Die dritte Art wären die Seelen und Lichtgestalten ohne Materie, wie Engel oder Geister. Diese Erscheinungen sind lebendig, sie können sehen, hören (wahrnehmen), sprechen und besitzen ein Bewusstsein. Hierbei stellt sich die Frage, in wie weit ein herkömmlicher Spiegel das alles reflektieren kann.
Einer Überlieferung von dem Kalifen Ömer (r.a.) zufolge kam einst ein Geist in Gestalt eines alten Mannes Namens „Hame“ zum Propheten (s.a.s.) und legte das Glaubensbekenntnis ab und konvertierte zum Islam. Ein weiteres Ereignis ist die Erscheinung des Engels Gabriel (s.a.s.), der als „Sahabe“(Jünger) dem Propheten erschienen ist und Ihn nach dem Glauben und den Islam fragte. Dieses Ereignis, das sich in der Gegenwart der anderen „Sahabe“ vollzog, ist nur ein Beispiel über die gleichgeschalteten Erscheinungs- und Wirkungsmöglichkeiten der Engel. Einer anderen Überlieferung zufolge gab es ein paar Heilige, die ebenfalls über diese Fähigkeit der Projektion verfügten und an mehreren Orten zugleich gegenwärtig waren.
Gott ist „Das Licht“. Alle Gesetzmäßigkeiten, Geister, Engel und Seelen samt ihren Fähigkeiten hat ER erschaffen. Alle Lichter, Lichtquellen und Lichtwesen sind nur ein Schatten im Gegensatz zu Seinem unendlichen Licht. ER ist allwissend und allwirkend und Sein heiliges Wesen ist frei von Materie.
9
Wie bereiten wir uns auf den Tod vor?
der Tod ist seit jeher für viele Menschen ein problematisches Thema und viele suchen verzweifelt nach Wegen den Tod zu überwinden. Allah (c.c.) hat in seiner Offenbarung uns Menschen dies mitgeteilt:
(Er,) Der den Tod und das Leben erschaffen hat, damit Er euch prüfe, wer von euch die besten Taten begeht. Und Er ist der Allmächtige und Allvergebende. (Sura al-mulk 2)
Wir verstehen also, dass Allah (c.c.) in seiner unendlichen Weisheit und Macht sowohl das Leben als auch den Tod erschaffen hat und dass der Tod nicht etwa sinnlos oder willkürlich zu Stande kommt. Das Diesseits ist der Ort der Möglichkeiten und der Handlungen und das Jenseits ist der Ort der Abrechnung und Belohnung. Die Religion sagt dies, der Verstand bestätigt dies und die Muslime glauben dies.
Die Weisheit hinter dem Tod ist in der Prüfung des Menschen verborgen. Der Mensch wird die Quittung für all seine Taten, ob gut oder schlecht, bekommen. Dies wird aber nicht im Diesseits, sondern im Jenseits stattfinden. Entsprechend der koranischen Aussage hat der Tod bei Allah (c.c.) einen Zweck. Der Mensch, der aber fern von diesem Bewusstsein ist, kann diesen Zweck nicht erkennen und fürchtet den Tod, ferner schürt er seine Ängste weiter mit dem Tod seiner Verwandten und Bekannten.
Der eigentliche Grund warum die Menschen sich so sehr vor dem Tod fürchten liegt in dem Unwissen über das Wesen des Todes, dass der Mensch seine Ziele nicht mehr realisieren könnte und dass er von seinen Liebsten getrennt wird. Alle Offenbarungsreligionen haben, um den Menschen von dieser Situation zu retten, von einem Leben nach dem Tod Kund getan. Selbst die Einladungen der Propheten waren Einladungen zum Glauben an einen Gott und danach auch insbesondere Einladungen zum Glauben an und Vorbereitung für das Jenseits.
Allah (c.c.) gibt und nimmt das Leben und verkündigt, dass das Leben und der Tod mit einer vorbestimmten Dauer festgelegt ist und der Tod der Lebenden an seinen Willen und seiner Erlaubnis gebunden ist. So wie nichts sinnlos und willkürlich erschaffen wurde, so wird auch niemand sich vor dem Tod verstecken können. Mit dem Tod wird der Mensch Rechenschaft leisten und mit seinen Taten konfrontiert;
Du wirst gewiß sterben, auch sie werden sterben. (Sura az-Zumar 30)
Wer nun Gutes im Gewicht eines Stäubchens tut, wird es sehen. Und wer Böses im Gewicht eines Stäubchens tut, wird es sehen. (Sura az-Zilzāl 7,8)
Laut Imam al-Ġazzālī teilen sich die Menschen im Angesicht des Todes in vier Gruppen auf:
1. Personen die noch nicht realisiert haben, dass ihr Leben vergänglich und sie sterblich sind; Sie denken das Leben bestünde nur aus den weltlichen Genüssen. Für sie ist der Tod das Ende jeglichen Vergnügens und damit das befürchtete Ende. Ihre Furcht bzw. ihre Situation wird so ausgedrückt;
Sag: Gewiß, der Tod, vor dem ihr flieht -, gewiß, er wird euch begegnen. Hierauf werdet ihr zu dem Kenner des Verborgenen und des Offenbaren zurückgebracht, und dann wird Er euch kundtun, was ihr zu tun pflegtet. (Sura al-ǧumʿa 8)
2. Personen die sich über das Resultat ihrer Taten bewusst sind, Buße tun und nun auf den Pfad der Tugend und des Glaubens zurück wollen. Auch für diese Gruppe ist der Tod keine erfreuliche und wünschenswerte Angelegenheit. Denn sie sind noch nicht bereit. Es besteht die Gefahr, dass der Tod sie plötzlich ereilt. Sie ersehnen sich zwar die Nähe zu Allah (c.c.) aber auch, dass ihr Tod sich noch herauszögert.
3. Personen die um Allah (c.c.) wissen und mit Liebe im Herzen ihrem Schöpfer verbunden sind. Sie wollen tunlichst ihrem Schöpfer nahe sein und beklagen sich darüber, dass der Tod sie noch davon trennt.
4. Personen die sämtliches dem Willen Allahs (c.c.) überlassen. Ihnen zufolge ist der göttliche Wille und dessen Veräußerung liebens- und erstrebenswert.
Die Aufgabe des Dieners ist es den Tod nicht zu vergessen, sich darauf vorzubereiten und stets durch die Barmherzigkeit Allahs (c.c.) Hoffnung zu finden. Wie schwer auch immer die Ümstände zu sein scheinen, es ist nicht richtig sich den Tod herbei zu sehnen.
Der Tod ist im Wesentlichen kein Ausdruck von Bedrohung und Einschüchterung, da mit dem Tod nämlich ein ewiges und fortwährendes Leben beginnt, sollte man davor keine Angst haben. Da das Jenseits, welches für uns in jeglicher Hinsicht ein Segen und ein Glück inne hält, sich für uns erst über die Station des Todes eröffnet, ist der Tod selbst auch ein Segen. Denn die Ursache die den Segen hervorbringt ist in sich auch ein Segen.
Jeder Mensch wird in der Zeit die für ihn vorgesehen ist, von dieser vergänglichen und unbeständigen Welt abreisen und in seine eigentliche Heimat, das Jenseits reisen. Jedes Lebewesen, nicht einmal die Propheten ausgenommen, ist von dieser Regel betroffen;
Jede Seele wird den Tod kosten. Hierauf werdet ihr zu Uns zurückgebracht. (Sura al-ʿAnkabūt 57)
Wo immer ihr auch seid, wird euch der Tod erfassen, und wäret ihr in hochgebauten Türmen. (Sura an-Nisāʾ 78)
Jede Gemeinschaft hat eine (festgesetzte) Frist. Und wenn nun ihre Frist kommt, können sie (sie) weder um eine Stunde hinausschieben noch sie vorverlegen. (Sura al-Aʿrāf 34)
Obwohl dies die Wahrheit ist vergessen trotzdem viele den Tod und klammern sich an das irdische Leben, als ob sie unsterblich wären. Wobei auch schon in der prophetischen Überliferung beschrieben wird, dass die Erwähnung und das Reflektieren über den Tod das Vergnügen bzw. die Genüsse verkommen lässt und somit die Liebe zum Diesseits zu einem Wunsch nach dem Jenseits umlenkt. Jeder Muslim muss, solange er noch aktiv die Gelegenheit hat, unverzüglich seine Vorbereitungen treffen für das Jenseits, zu dem er auf jeden Fall übergehen wird. Der Muslim ist stets dazu beauftragt sich vorzubereiten, das könnte man exemplarisch auch aus diesem Vers entnehmen;
Und was ihr an Gutem tut, Allah weiß es. Und versorgt euch mit Reisevorrat, doch der beste Vorrat ist die Gottesfurcht. Und fürchtet Mich, o die ihr Verstand besitzt! (sura al-baqara 197)
Der Mensch wird im Jenseits das ernten, was er im Diesseits gesät hat. Wer im Diesseits seinen Trieben und Gelüsten folgte, seine Pflichten vergaß und entsprechend auch seine Vorkehrungen nicht traf, wird auf diese Weise beschrieben;
Wenn dann der Tod zu einem von ihnen kommt, sagt er: "Mein Herr, bringt mich zurück, auf daß ich rechtschaffen handele in dem, was ich hinterlassen habe." Keineswegs! Es ist nur ein Wort, das er (so) sagt; hinter ihnen wird ein trennendes Hindernis sein bis zu dem Tag, da sie auferweckt werden. (Sura al-Muʾminūn 99, 100)
Für keinen ist der Zeitpunkt des Todes bekannt. Daher gibt es neben denjenigen, die zu jedem Zeitpunkt des Lebens das Bewusstsein für den Tod gegenwärtig haben und vorbereitet sind, auch solche, die von Zeit zu Zeit in Achtlosigkeit verfallen. Am besten bereitet man sich vor indem man die verpflichtenden Gottesdienste erfüllt und sich von den Sünden schützend distanziert.
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Ich muss ein Abiturfach waehlen: ev./kath. Religionslehre oder Philosophie. Für welches kann sich ein Muslim entscheiden? Ist es akzeptabel Religionslehre zu wählen?
Liebe Leserin, lieber Leser
Ein Muslim kann alle möglichen Wissensbereiche studieren, solange dieses Studium bei ihm keinen Zweifel an den Glaubenswahrheiten verursacht. Dies gilt auch dann wenn Inhalte gelehrt oder gelernt werden müssen die dem Islam direkt widersprechen. Insbesondere wenn der erfolgreiche Abschluss an ein entsprechendes Pflichtfach wie christliche Religionslehre oder Philosophie gekoppelt ist sollte man sich nicht davon abschrecken lassen, dass eventuell bestimmte Lehrinhalte konträr zum Islam stehen. Bezüglich der Wahl zwischen den von Ihnen beschriebenen Fächern lässt sich sagen, dass man sich für das Fach entscheiden sollte welches ihm nützlicher erscheint bzw. welches bei ihm die wenigsten Zweifel an seinem Glauben verursachen wird. Sollten Sie noch keine Entscheidung in dieser Richtung getroffen haben würden wir das Fach ev. oder kath. Religionslehre vorschlagen, denn im Gegensatz zur Philosophie handelt es sich hierbei um von Allah herabgesandte Religionen. Es gilt aber auch zu sagen, dass jede wissenschaftliche Disziplin im Prinzip im Einklang mit dem Islam steht und zu Erkenntnis dienen kann, problematischer wird es allerdings, wenn das Lehrpersonal hier ihre eigenen Vorstellungen und Prägungen einfließen lassen und so das Lehrmaterial verzerren. Man sollte stets auf das Lehrmaterial selber achten, statt auf die Lehrer, dann wird man auch das Lehrmaterial einfacher mit den islamischen Glauben in Einklang bringen können.
Selam & Dua
Fragenandenislam - Team
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Was ist die eigentliche Aufgabe von uns Menschen in dieser Welt?
das Gewissen und der Verstand peitschen unablässig mit folgenden Fragen auf das Menschenhaupt ein:
• Wer bist Du?
• Woher kommst Du?
• Wohin wirst Du gehen?
Die Gedanken und das Verhalten, der mit diesen Fragen konfrontierten Menschen, sind nicht besonders konform. Einige von ihnen haben ihre individuelle Interpretation dieser Fragen. Andere wiederum verfolgen Fehldeutungen von irgendwelchen Dilettanten und beten deren Thesen und Aussprüche nach.
Sowie ein konkaver Spiegel die Tatsachen verkehrt wiedergibt, so ist auch ein ständig mit falschen Ansichten zugerichteter Verstand nicht im Stande die Wahrheit als solche zu erkennen. Durch die Angewohnheit der verkehrten Ansichten, resultiert folglich der feste Glaube daran, dass immer die anderen falsch liegen und auf dem Holzweg sind. Jedoch ist das Gewissen dieser Menschen nicht zufrieden gestellt durch derartige Besinnungen. Sie betrachten sich weiterhin als allein gelassene Waisen in der Savanne dieses Universums. Sie gelangen nicht in den Segen zu wissen, dass sie nicht herrenlos sind und erlangen auch nicht dessen Genuss. Ihr Gewissen und ihr Verstand wird sie immer unruhig stimmen. Die Schandtat und die Pein in ihren Seelen, läst irgendwie nicht nach.
Einige interessiert diese Art Fragen überhaupt nicht. Sie lassen die vom Verstand und Gewissen aufdrängenden Fragen außer Acht. Gleichwohl was die anderen sagen, diese lesen nur das was sie kennen. Sie verschwenden ihre (wertvolle) Zeit mit ausschweifenden Vergnügungen, täglichem Geschwätz (Klatsch) und ergebnislosen Streitigkeiten. Sie haben eigens einen Weg gefunden ihren geistigen Hunger zu umgehen. Der Grund ihrer mentalen Sättigung ist das Nichtgedenken ihres geistigen Hungers. Aber diese notdürftigen und hinfälligen Maßnahmen können und werden die Seele nicht im Geringsten zufrieden stellen.
Solche Menschen werden von kleinsten Unglücken schwer erschüttert und von kleinster Not schon erdrückt. Bei einer Konfrontation mit einem unheilvollen Schicksalsschlag, ist sofort ein Klageschrei von ihnen zu hören. Eigentlich fürchten diese Art Menschen nur das Nachdenken. Als könnte ihr Wohlbehagen abhanden kommen, wenn sie ein wenig ihren Kopf anstrengen und über das Leben, den Tod, das Diesseits und das Jenseits nachdenken würden. Diese Leute Sind scharf drauf sich selber zu täuschen, und wenn sie zusammenkommen gründen sie eine Gedankenschule. Sie sagen:„Sei unbekümmert; mach´ Dir keine Sorgen; ärgere Dich nicht; ach komm´ stell´ dich nicht an!“
Sie befinden sich auf einem 100.000 km/h schnellen, rasenden Planeten und sie kümmert es nicht wohin sie reisen oder gehen. Diese Sorglosigkeit wird dann „Lebensphilosophie“ genannt, daran geglaubt und sich angeeignet. Und wenn jemand ihre Lebensphilosophie anzweifelt oder kritisiert, so entgegnen sie folgendes:„Man lebt nur einmal!“ oder „In welchem Jahrhundert lebst du denn?“ Leider ist diese Weltansicht, wie ein Lauffeuer, in aller Munde. Sie versuchen mit Hohn und Spott die Wahrheit zu verdrängen und darin verbleiben sie. Sie lenken sich selbst ab und verharren in diesem Zustand. Sie überlegen nicht. Das einzige was sich ändert ist die Zeit und der darin sich befindende Mensch. Die Erde wird sich weiterdrehen und ihre Aktivität wird den gleichen Gesetzmäßigkeiten Folgeleisten, wie zuvor auch. Ein Blatt wird immer grün, der Schnee immer weis, der Löwe immer eine reißende Bestie und das Schaaf immer zahm sein. Das wissenschaftliche und industrielle Fortschreiten, lässt den heutigen Menschen leider sich selbst vergessen. Die den Menschen zum Menschen machenden Werte hätten gleichwohl bewahrt werden sollen, egal wie sehr sich die Wissenschaften entwickeln. Ethik und Moral waren zu jeder Epoche angesehene Tugenden, während schändliches Benehmen immer schon als abscheulich galt. Wieso auch immer, wird das heute nicht mehr so gebraucht.
Es existiert ein Verhältnis zwischen dem wissenschaftlichen Anstieg und dem moralischen Verfall. Je größer nämlich die wissenschaftliche Ausdehnung, desto niederträchtiger ist die moralische Ansicht und Lebensweise in der Gesellschaft.
Diese Lebensweise wird den Menschen (förmlich) hinterhältig als Richtig suggeriert und vorgelebt. Folglich resultierte daraus eine heutige Gesellschaft (Generation)von industriell Fortgeschrittenen aber moralisch Niveaulosen. Somit entstand eine Generation, die sich diese westlichen Tugenden aufgegriffen und angeeignet haben.
Eine weitere Gruppe von Menschen gibt es noch. Das sind Lesende, Nachsinnende, Fragenstellende, Lernende und am Ende auch begreifende Menschen. Weder die Menschen sind Herrenlose, noch ist diese Welt ohne Besitzer. Jedes Geschöpf ist Plan eines Schicksals und aus der Wirkung einer Kraft hervorgetreten. Das Auf – und Untergehen der Sonne, das Kommen und Gehen jedes Lebewesens, wird in einer vollkommenen Ordnung und mit unendlichem Wissen vollzogen. Die Sonne, der Mond und die Sterne sind Untertanen einer unendlichen Kraft. So ist auch der Mensch, wie die Nachtigal und die Rose untertan einer Anordnung. Es gibt Einen, der das Kommende bringt und alles Gehende versendet. Einen der die Sterne stillhält, die Planeten dreht, die Menschen führt und die Fische schwimmen lässt.
Das alles macht Er, der Wissen und Macht, Willen und Weisheit hat.
Diese letzte Gruppe von Menschen sind Diener Gottes, die aus der Seelenwelt auf die Erde herab gesandt sind, um die Prüfung zu bestehen, das Wohlwollen Gottes und das Paradies zu erlangen. Diese sind sich ihrer Aufgabe und Bestimmung bewusst, so bewegen sie sich in Richtung „Heimat des Friedens“. Diese sind glückselige Besucher.
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Warum gibt es im Koran kein Humor?
A) Der Qurʾān ist mit einem anderen Namen auch der Überbringer von großen Botschaften. Der Qurʾān stützt sich auf gewisse grundlegende Themen, nämlich die Einheit Gottes, die Prophetie, Das Auferstehen im Jenseits nach dem Tod, die Gerechtigkeit und den Gottesdienst. Alle weiteren Informationen finden im Qurʾān ihren Platz, um das Verständnis für diese übergeordneten Themen zu verbessern. All diese Themen zeigen, dass der Inhalt des Qurʾān von ernsten Themen geprät ist. Ein Buch welches solch ernste Themen beinhaltet würde die rhetorische Qualität durch humorvollem Inhalt, welches diese Ernsthaftigkeit auflöst eher verlieren.
B) Für Solche die glauben, dass der Qurʾān das Wort Gottes beinhaltet, kommt dies nicht in Frage. Aus der Perspektive von Ungläubigen, könnte man solch eine Verbindung hineinterpretieren. Denn wenn man davon ausgeht, der Qurʾān sei von einem Mekkaner geschrieben, ist es auch normal zu denken, dass der Qurʾān die Mentalität der Mekkaner reflektiert. Das Thema verhält sich also je nach Blickwinkel anders, also ob man daran glaubt, der Qurʾān ist das Wort Gottes oder das Wort der Menschen. Man kann nicht über Vermutungen und Schätzungen oder ähnliches erfahren, ob der Qurʾān das Wort Gottes ist oder nicht. Durch einen objektiven wissenschaftlichen Blickwinkel kann dies gelingen. Zu diesem Thema wurden hunderte von Büchern geschrieben. Ein Werk, welches wir auch oftmals verwenden ist das Gesamtwerk der Risale-i Nur. In diesen Werken wird sehr eindrucksvoll dargelegt, dass der Qurʾān ein Wunder, ein Wegweiser für die gesamte Schöpfung, eine unerschöpfliche Quelle des Wissens und das Wort Gottes ist, folglich also nicht von Menschenhand stammen kann.
C) Die Frage "Könnte Humor im Koran dazu führen, dass man den Koran nicht mehr als etwas göttliches ansieht?" macht es eher deutlich, dass der Qurʾān ein sehr ernstes Buch ist, welches von einer sehr ernsten Instanz, nämlich von Gott kommt und uns durch einen sehr ernsten Gesandten dieser Instanz erreicht. Während wir Humor in den von Menschen geschriebenen Büchern mit überaus ernsten Themen oder einem überaus ernsten Grundton nicht erwarten und auch nicht finden, wie können wir dann so etwas vom Buch Gottes erwarten? Wenn der Qurʾān humorvolle Inhalte hätte, würden Ungläubige dies sicherlich kritisieren und als eine Ausrede nutzen, um den Qurʾān anzufechten, mit solchen Aussagen wie etwa "Wie kann im Wort Gottes so etwas vorkommen?" Sie würden dies als Indiz verwenden, um den Qurʾān als ein von Menschen geschriebenes Buch zu einzuordnen.
Dadurch wird wieder deutlich, dass der Qurʾān das Wort Gottes ist, ein Wunder darstellt und nicht von einer menschlichen Feder abstammen könnte. Über den Qurʾān zu reden/diskutieren, ohne dabei dessen Stellenwert richtig verstanden zu haben, endet eher in einem eifrigen Rätseln.
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Und wenn man noch nie vom Islam gehört hat? Kommt dann etwa auch in die Hölle?
*Wir wollen in einigen kurzen Sätzen erläutern was der Begriff „Ehli fetret“ bedeutet: Unter Ehli fetret versteht man meist die Gruppe von Menschen, die in der Zeit zwischen zwei Propheten lebten. Dies könnte man als eine Art Pause oder Unterbrechung (der Offenbarung) sehen. Somit lebten diese Menschen zu einer Zeit wo die göttliche Offenbarung nicht offenkundig und eindeutig fixiert wurde. Wir werden im Text fortwährend den Begriff „Zwischenzeit“ hierfür verwenden.
Diese Information finden sie in dem Buch „Faysalü’t-Tefrika Beyne’l-İslâm ve’z-Zendeka“ unter dem Abschnitt „Toleranz im Islam“ übersetzt von Süleyman Uludağ, auf den Seiten 60 und 61.
Was geschieht mit denen die den Islam nicht kennen bzw. noch nie etwas darüber gehört haben? Was genau versteht man unter „den Islam nicht kennen“?
Bevor wir mit dem eigentlichen Thema beginnen, halten wir es für sinnvoll an folgende Wahrheit zu erinnern. Jemanden zur Rechenschaft zu ziehen ist ganz allein Gott vorbehalten. Die Schöpfung hat kein Recht Ihn Fragen zu stellen oder Ihn zu Rechenschaft zu ziehen.
Der einzige Eigentümer und Richter des ganzen Besitzes ist Gott der Allmächtige. Der König von Ewigkeit zu Ewigkeit kann sein Reich so verwalten wie er es vorsieht. Doch da Er ja der Allweise, Gerechte und der Allbarmherzige ist, verwaltet er sein Reich mit Weisheit, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Niemand außer Ihm selbst ist zu seinen Geschöpfen Barmherziger. Die Person die von den Fragestellern oben bemitleidet, aber in Wirklichkeit als Entschuldigung für ihre eigenen Sünden vorgeführt wird, ist ein Diener Gottes. Wir beziehen uns hier nur auf den Menschen. Derjenige, der ihn in der Gebärmutter als er noch ein Tropfen war, mit seiner Barmherzigkeit und seiner Gnade zum Menschen formte, der ihm ein Verstand gab und die nötigen Utensilien um in dieser Welt seinen Nutzen zu ziehen, ist einzig und allein Gott der Allmächtige. Wenn das aber so ist, dann ist niemand gütiger zu ihm als sein barmherziger Schöpfer.
Wenn man sich mit Themen wie dem Schicksal und der Gerechtigkeit befasst, darf man diese Wahrheit nicht außer Acht lassen. Jeder Mensch auf diesem Planeten, hat seine eigene kleine Welt, in Bezug auf seine Lebensbedingungen, seinem familiären Umfeld, den Herausforderungen bei der Sicherstellung seines Lebensunterhaltes und der Gesellschaft in der er sich befindet. Die vollkommene Weisheit die da hinter steckt wissen wir nicht, doch haben wir keinerlei Zweifel dass unser Schöpfer der „Gerechte“ ist und dass die Resultate aus diesem Leben uns im Jenseits zur Schau gestellt werden. Der folgende Vers gibt uns kund davon.
Wer nun im Gewicht eines Stäubchens Gutes tut, wird es sehen. Und wer im Gewicht eines Stäubchens Böses tut, wird es sehen. (Sura az-Zilzāl 8)
Viele Umstände (Reichtum, Macht, Gesundheit usw...) die wir hier auf der Erde für nützlich halten, werden für viele, auf der anderen Seite zu Last, denn sie tragen eine große Bürde. Und viele Umstände (Armut, Krankheit usw...) die wir hier für eine Last und Bürde halten, werden ein Grund „unter der Bedingung das wir Geduldig sind“ zur Vergebung unserer Sünden.
Am Auferstehungsplatz werden alle ihr zustehendes Recht bekommen. Sogar zwischen Tier und Mensch oder aber auch die Tiere untereinander. Selbst ein Ungläubiger wird, falls ihn ein Muslim sein Recht beraubt hat, sein Recht bekommen. So ein oberster Gerichtshof wartet auf uns. Der absolut Gerechte der selbst die kleinsten Rechte zwischen den Tieren mit einer empfindlichen Waage, deren Art wir nicht kennen, wiegt, wird selbstverständlich auch über den Menschen mit seiner absoluten Gerechtigkeit urteilen.
Die Einflüsterungen in Hinsicht auf das Schicksal und die göttliche Gerechtigkeit, die einige Menschen plagen, entsteht aus der Außerachtlassung jenes Tages des Obersten Gerichtes.
Ohne Berücksichtigung dieses Tages ist es sicherlich unmöglich zu begreifen wie sich die göttliche Gerechtigkeit in dieser irdischen Prüfung offenbart.
Man sollte nicht vergessen dass an jenem Tag an dem selbst das geringste Übel berücksichtigt werden wird, auch jene die Gottes Gerechtigkeit verleugnet haben, zur Rechenschaft gezogen werden. Die Weisheit erfordert es, die Themen die man nicht versteht zu lernen und zu erforschen, anstatt gegen sie Einwände zu erheben. Außerdem sind sie eine Form des Gottesdienstes. Ein Beispiel: Das Medizinische Niveau auf dem wir uns heute befinden ist eine Folge dessen, das wir wissen, dass der ewige Verwalter den Menschen und all seine Körperteile mit vollkommener Weisheit erschaffen hat. Jedes einzelne Körperteil hat seine Funktion. Ein Arzt der behaupten würde, dass ein Körperteil bei dem er nicht weiß was für einen Zweck er erfüllt, wäre sinnlos, würde somit lediglich seine eigene Unwissenheit zur Schau stellen. Seine Unwissenheit ist kein Beweis dafür, dass der Körperteil unnütz ist. Genauso ist derjenige der Zeugnis für die absolute Gerechtigkeit Gottes abgegeben hat, zum Glauben verpflichtet, dass sich in allen Geschehnissen die göttliche Gerechtigkeit vollzieht. Man sollte die Antworten auf die sich ergebenden Fragen unter diesem Verständnis suchen. Gott der Allmächtige sagt im heiligen Qurʾān:
Gott erlegt keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag. (Sura al-Baqara 286)
Somit mach Gott deutlich, dass Er seinen Dienern keine Lasten auferlegen wird, die sie nicht tragen können. Sowie es Lasten gibt die der Körper nicht tragen kann, so gibt es auch Wahrheiten die der Verstand alleine nicht erreichen kann. [….]
Lassen sie uns das Thema mit einigen Beispielen erklären:
– Einer der so Krank ist, das er nicht mehr auf den Beinen stehen kann, verrichtet das Gebet sitzend.
– Jemand der nicht sitzen kann oder nicht in der Lage ist sich zu bewegen kann sein Gebet zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.
– Jemand der während der Fastenzeit versehentlich was isst, muss nicht erneut fasten.
– Jemand dem man unter Zwang etwas verbotenes zu Essen gegeben hat, wird dafür nicht haftbar gemacht.
– Ein armer Muslim muss weder die Pilgerfahrt vollziehen, noch die Almosensteuer entrichten.
Es gibt noch viele weitere Beispiele die man hier aufführen könnte.
Dies sind alles Beweise dafür, dass Gott der absolut Gerechte ist und seinen Dienern keine Lasten aufträgt die sie nicht tragen können. Gott hat mit seiner absoluten Gerechtigkeit die Verantwortung des Menschen sowohl durch seine körperlichen und materiellen Gegebenheiten als auch durch seinen Grad an Verständnis der Glaubenswahrheiten und der islamischen Bestimmungen eingeschränkt. Das heißt, auch dem Verstand trägt Gott keine Lasten auf die er nicht tragen kann. Auch ist es erforderlich diese Wahrheit zu kennen:
Da des Menschen eigentliche Aufgabe in dieser Welt der Glaube an Gott und der Gehorsam ihm gegenüber ist, hat der freigiebige Schöpfer auch dem am niedrigsten entwickelten Verstand die Fähigkeit gegeben seine Existenz zu erkennen. Obwohl man mit wenig Verstand zwar die weltlichen Angelegenheiten nur schwerlich zu tun vermag, kann man trotzdem erkennen dass dieses Universum einen Schöpfer haben muss. Andererseits, wenn jemand der nur eine Hand hat und damit seine weltlichen Angelegenheiten nur zum Teil bewerkstelligen kann, auch noch die andere Hand und seine beiden Beine verliert, schränkt ihn das nicht im geringsten darin ein Gott zu erkennen und sich seiner Existenz bewusst zu sein. Nachdem sein Verstand realisiert hat, dass es einen Schöpfer für dieses Universum gibt, verrichtet er seine Gottesdienste in dem Grade in dem es sein Körper zulässt.
Gott der absolut Gerechte hat jedem genug Verstand verliehen um diese Prüfung auf der Erde zu bestehen. Psychisch Kranke oder diejenigen die die Pubertät nicht erreicht haben sind von der Prüfung befreit.
Nach diesen Erläuterungen kommen wir zu den vorhandenen Deklarationen zum Thema Zwischenzeit
Die Frage lautet: Wie wird die Gerechtigkeit bei der Prüfung zweier Personen gewahrt, wenn der eine an irgendeinem abgelegenen Ort der Welt oder in Gefangenschaft auf die Welt kommt und der andere in einem islamischen Land geboren wird und dort lebt? Dazu müssen wir erst einmal folgendes sagen: Gemäß Maturidi, einem Gelehrten der hanafitischen Rechtschule, ist eine wie oben beschriebene Person lediglich damit betraut zu erkennen und zu wissen das er selbst und diese Welt einen Erschaffer hat. Da er die anderen Glaubenswahrheiten und islamischen Bestimmungen mit seinem Verstand nicht zu erreichen vermag, ist er für diese nicht haftbar. Nach der Anschauung des Gelehrten Eschari, dem auch die meisten Anhänger der schafiitischen Rechtschule folgen, gehört so eine Person selbst wenn sie nicht an Gott glaubt zu den Erretteten. Doch folgen die meisten Gelehrten der Ansicht von Maturidi.
Der verstorbene Gelehrte Ömer Nasuhi Bilmen sagte zu diesen Thema folgendes:
Diejenigen die in der Zwischenzeit Zeit leben und die auch von Propheten nichts gehört haben, sind dennoch verpflichtet Zeugnis für Gottes Existenz abzulegen. Denn die Fähigkeit des Denkens und die Natur des Menschen führt ihn zu Gott und zur Einheit Gottes.
Jedoch sind sie befreit von anderen religiösen Verpflichtungen. Denn wenn diese nicht von einem Propheten verkündet wurden, vermag man diese nicht mit seinem Verstand zu ergründen.“
Zwischenzeit bedeutet so was wie Unterbrechung, eine Zeit zu der keine Propheten gesandt wurden und es eine Unterbrechung der göttlichen Offenbarung gab. Insbesondere wird der Ausdruck für die Zeit zwischen den Propheten Isa (as) und dem Propheten Muhammed (s.a.s.) verwendet. Zu diesen Menschen sagt man das sie in der Epoche der Zwischenzeit gelebt haben. Diejenigen die nach unseren Propheten zur Welt kamen, auf einem Berg lebend oder an einem abgelegenen Teil der Erde und die auch nichts vom Islam gehört haben, gelten ebenfalls als Personen der Zwischenzeit.“
„Da sie in dieser Hinsicht als entschuldigt gelten sind sie nicht mit den göttlichen Geboten bzw. Beschlüssen wie das Fasten oder das rituelle Gebet verpflichtet. Lediglich in Bezug auf die Verpflichtung an die Existenz Gottes zu glauben, gibt es Meinungsverschiedenheiten. Nach der Ansicht von dem Gelehrten Aschari reicht es nicht aus Gottes Existenz nur mit den Verstand wahrzunehmen. Er ist der Meinung, die Verpflichtung an Gott zu glauben muss mit der Religion gefestigt werden. Ungläubige aus der Zeit der Zwischenregierung würden daher nicht mit dem Feuer der Hölle bestraft werden. Folgender Vers bestätigt das:
„Wir strafen nicht eher, bis Wir einen Gesandten geschickt haben.“ (Sura al-Isrāʾ 15)
Jedoch sagen die meisten Gelehrten und Anhänger von Maturidi, an Gott dem Allmächtigen zu glauben ist eine Notwendigkeit. Jeder kann die Einheit Gottes mit seinen Verstand begreifen…
Egal wo auf der Welt und in was für einer Zeit sich ein Mensch befindet, es kann nicht zulässig sein, dass er gemäß seiner Vernunft die Existenz Gottes nicht schlussfolgern kann, wo doch fortwährend zu tausenden immer wieder die Pracht des Erschaffenen bzw. der Geschöpfe dem Menschen ins Auge stoßen und Zeugnis ablegen für den der alles aus dem Nichts erschafft.… Die in dem obigen Vers erwähnte Strafe, die nicht verhängt wird, bezieht sich auf das Diesseits nicht auf das Jenseits. Oder aber die in dem Vers nicht verhangene Strafe bezieht sich auf religiöse Handlungen und Verpflichtungen die nicht ausgeführt wurden, weil deren Verständnis für den Verstand unmöglich war. Wissen über unseren Schöpfer welches man mit seinem Verstand hätte erwerben können, aber nicht getan hat, umfasst es jedoch nicht.“
„Deswegen ist niemand mit einen Gesunden Verstand entschuldigt Gott nicht zu finden. Einigen Gelehrten zufolge gibt es drei Arten von Menschen die in dieser Zwischenregierung gelebt haben.
1. Diejenigen die obwohl sie in der Zwischenregierung gelebt haben, Gott und seine Einheit mit ihren Verstand gefunden haben. Diese Menschen werden ins Paradies eingeladen.
2. Menschen die Gott jemand (im Sinne eines Götzen) beigesellen. Sie werden in die Hölle verbannt.
3. Diejenigen die ihr ganzes Leben in Achtlosigkeit gelebt haben und ihren Geist und Verstand nicht beschäftigt haben Gott zu finden. Bzgl. dieser Gruppe gibt es unterschiedliche Auffassungen.
„Bediüzzaman“ Said Nursi sagt über die Menschen in der Zwischenregierung folgendes:
Doch nach dem Geheimnis der Ayah sind die Menschen, die in einer Zeit zwischen den Propheten (saman-i fetret) leben, gerettet. Und es wird allgemein bestätigt, dass sie für ihre kleineren Fehler nicht bestraft werden. Nach Imam Schafi und Imam Asch’ari sind sie selbst wenn sie dem Unglauben verfallen sind und sich nicht an die Grundlagen des Glaubens halten, dennoch gerettet. Denn die Verantwortung vor Gott erfolgt aus der Sendung (eines Propheten). Aus der Sendung erfolgt die Verantwortung durch die Erkenntnis. Da Gottvergessenheit und der Ablauf der Zeit den Glauben der vorhergegangenen Propheten verdunkelt hatte, war er für diese Menschen der Zwischenzeit nicht mehr beweiskräftig genug. Wenn sie dennoch gehorchen, empfangen sie ihren Lohn, falls nicht, werden sie doch nicht bestraft. Denn da (ihnen ihr Glaube) verborgen blieb, konnte er ihnen auch nicht als Beweis dienen. (28.Brief)
Hier könnte eine Frage in denn Sinn kommen.
„Was passiert mit den Menschen die den Namen unseren Propheten (s.a.s.) zwar gehört haben, aber jedoch immer mit negativer Propaganda?“
Diese Frage beantworten wir, indem wir aufzeigen wie der Gelehrte al-Ghazālī die Menschen klassifiziert. In dieser Klassifizierung nimmt der Gelehrte die Situation der in jener Zeit lebenden Christen und zu dem Zeitpunkt noch Nichtmuslimischen Türken zu Hand. Er sagt folgendes:
Nach meiner Überzeugung, wird Gott der Allmächtige insallah viele der zu unserer Zeit lebenden Griechen, Christen und Türken seine Barmherzigkeit zuteil werden lassen. Gemeint sind hierbei die in fernen Ländern lebenden Griechen und Türken, die noch nicht zum Islam eingeladen wurden. Wir unterteilen sie in drei Gruppen:
a. Die die noch nie den Namen unseres Propheten (s.a.s.) gehört haben.
b. Die Menschen die unseren Propheten (s.a.s.) sowie von seinen Eigenschaften und Wundern gehört haben. Dies sind Menschen aus benachbarten Regionen eines islamischen Landes, oder unter Muslimen lebende Menschen. Dies waren Ungläubige.
c. Die Menschen die sich zwischen diesen zwei Gruppen befinden. Auch wenn sie von unseren Propheten (s.a.s.) gehört haben, so haben sie nichts über seine Eigenschaften und Besonderheiten gehört. Genauer gesagt haben sie von Kindheit an nur schlechtes über unseren Propheten (s.a.s.) gehört wie z.B.: „Es ist >>Gott bewahre<< nur ein Lügner namens Muhammed der ein Anspruch auf ein Prophetentum will.“ Ganz wie in unserer Kinderzeit „el-Mukaffa“ der sich als Prophet ausgegeben hat. Nach meinen Befinden. Denn sie haben den Namen des Propheten (s.a.s.) stets im Zusammenhang mit dem Gegenteil seiner tatsächlichen Eigenschaften gehört. Dies wiederum verleitet den Menschen nicht dazu darüber nachzudenken und nach der Wahrheit zu forschen Toleranz im Islam, [übersetzt von Süleyman Uludag]
Heutzutage ist es möglich sowohl in christlichen wie auch in kommunistischen Ländern, auf Leute, wie sie der Gelehrte al-Ghazālī in der dritten Gruppe klassifiziert hat, anzutreffen. So wie es Menschen gibt, die in christlichen Ländern fern abgelegen von jeglicher Zivilisation und Möglichkeit die Wahrheit über die Religion zu finden, leben, so findet man auch Menschen die in kommunistischen Ländern in Gefangenschaft leben und fern davon sind je zu wissen was eine freie Welt bedeutet. Es ist offenkundig wie schwer es unter solchen Voraussetzungen ist den Islam, welcher die Religion der Wahrhaftigkeit ist, zu finden. Der Allweise Schöpfer in seiner endlosen Weisheit und mit seiner allumfassenden Barmherzigkeit wird diese Menschen natürlich den Bedingungen entsprechend behandeln.
Und es ist offensichtlich, dass die Verantwortung eines Komitees der Aufruhr und Defätismus, welches hinter dem Vorhang eines Regimes mit den Zweck des absoluten Unglaubens gegen die Religion, den Glauben und speziell den Islam Intrigen/Komplotte plant, nicht gleich zu setzen ist mit den vergessenden/unachtsamen und unterdrückten/leidtragenden.
In diesem Zusammenhang möchten wir „Bediüzzaman“ Said Nursi nochmal zitieren, der folgendes über unschuldige bzw. unter Tyrannei leidende Christen sagt.
Denn in dieser Endzeit hat sich ja zudem auch noch ein Vorhang der Gleichgültigkeit, eine Art Zwischenzustand (fetret) über die Religion (din) im allgemeinen und die Religion des Propheten (Din-i Mohammedi), über dem Friede und Gottes Segen sei, herabgesenkt. Doch wird in dieser Endzeit der wahre Glaube Jesu, mit dem Friede sei, wiederhergestellt werden, sodass sich mit Sicherheit sagen lässt, dass die z.Zt. noch im Dunkel dieses Zwischenzustandes (fetret) verharrenden Christen, welche unschuldig mit ins Unglück hineingezogen worden sind, Schulter an Schulter mit den Muslimen auch eine Art von Märtyrern genannt werden können. Besonders die Alten, vom Unglück geplagten, die Armen und Schwachen litten unter der Macht und Gewalt der großen Diktatoren und ihrer Grausamkeit. Sowie deren erlittenes Leid eine Sühne sein wird für die Sünden die herrühren aus ihrer der Kultur entsprungenen Wollust und dem Unglauben der fehlgeleiteten Philosophie, so wird es für sie ein hundertfacher Gewinn sein. Wenn nun aber diejenigen, welche unter dieser Katastrophe leiden, den Unterdrückten zu Hilfe eilen und sich für den Frieden der Menschheit, die Erhaltung der Grundlagen des Glaubens und all dessen, was dem Menschen hoch und heilig ist, und die Achtung der Menschenrechte einsetzen, dann ist das Ergebnis eines solchen opferbereiten Einsatzes für das innerliche Leben und im Jenseits umso größer. Das hat zur Folge, dass diese Katastrophe (musibet) für sie zu einem Grund wird, auf den sie stolz sein können (medar-ı şeref) und worüber sie sich freuen dürfen. (Bediüzzaman Said Nursi, Briefe aus Kastamonu, S.103)
Die obigen Aussagen sind eine kurze Zusammenfassung über die Ansichten der Gelehrten, der sunnitischen Gemeinde. Wir fanden die obigen Erläuterungen für ausreichend und haben nicht auf weitere Quellen zurückgegriffen. Wer zu diesen Thema mehr wissen will kann andere theologischen Bücher, insbesondere das Werk von Abdurrahman Cezerî "Mezâhib-i Erbaa" sowie das Werk von Aliyyü'l-Karî "Şerhu'l-Emâli und Şerh alel-Fıkhi'l-Ekber, lesen.
Nun möchten wir uns einen weiteren Aspekt der gestellten Frage ansehen:
Wenn jemand in einem islamischen Land zur Welt kommt, bedeutet es nicht zwangsläufig, dass er auch ins Paradies eingeladen wird. Diejenigen die sich ein wenig mit der islamischen Geschichte auseinandergesetzt haben wissen, dass unser Prophet (s.a.s.) jüdische Nachbarn hatte, die den Islam nicht angenommen und ihr ganzes Leben den jüdischen Glauben ausgelebt haben. Obwohl der Islam zu Zeit unseres Propheten (s.a.s.) seine lebendigste Zeit hatte, gab es in Mekka immer noch Götzenanbeter und Heiden. Wenn jeder Mensch der in Mekka zur Welt kommt Muslim werden müsse, dann müsste es erfordern, dass sowohl Ebu Cehil als auch Ebu Leheb, der Onkel unseres Propheten (s.a.s.) Muslim werden.
Wie bekannt ist, war selbst der Vater des Propheten Abraham ein Götzenanbeter. Auch die Frau des Propheten Lot oder aber Frau und Sohn des Propheten Noah gehörten zu den Ungläubigen. Auf der anderen Seite jedoch, haben wir den Propheten Moses, der im Palast ja auf dem Schoße eines gottesleugnerischen Pharao aufgewachsen ist. Und auch die Frau vom Pharao zählte zu den Gläubigen.
Das heißt, ein jeder der seinen Schöpfer sucht und sich ihm zuwendet, der wird rechtgeleitet. Selbst wenn er auf dem Schoße eines Pharao aufwächst. Wenn ein jener aber Blind gegenüber der Wahrheit ist, wird ihn sein Vater oder Sohn nicht retten können, selbst wenn dieser ein Prophet ist. Obwohl es in den Islamischen Ländern überall Moscheen, Minaretten, Gebetsrufe, islamische Bräuche ja sogar Grabsteine gibt, die auf den Islam aufmerksam machen, gibt es nicht dennoch eine Vielzahl von Menschen die fern vom Islam und fern von Gottes Geboten leben?
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Was argumentiert man gegen jemanden der nur an das glaubt was er sieht?
es steht fest, dass Existenz nicht auf die mit Sinnen erfahrbare Ebene beschränkt ist. Mit dem Auge kann der Mensch nur die sichtbare Welt erfassen, mit seiner Zunge nur die Welt der Geschmäcker, mit seinen Ohren nur die Welt der Töne, mit seiner Nase nichts als die Welt der Gerüche. Obgleich Dinge wie Elektrizität, Erdanziehung, Lichtwellen, radioaktive Strahlung und andere Existenzen weder mit dem Auge noch mit Ohr erfassbar sind. Trotzdem wird an diesen Existenzen nicht gezweifelt.
Jene Menschen die ihre Augen vor diesem Prinzip verschließen, und sagen Sie glaubten nur an das was Sie sähen, und den Kosmos nur als sichtbare Materie begreifen, sind in einem Trugschluss. Die Unsichtbarkeit einer Sache ist kein Beweis dafür, dass sie nicht existiert. Denn die sichtbaren Dinge werden in Unserem Kosmos von den unsichtbaren Dingen bei weitem übertroffen. Selbst im menschlichen Körper überwiegen jene unsichtbaren Dinge wie Verstand, Fantasie, Gedächtnis die Sichtbaren.
„Ich glaube nur an das was ich sehe“, bedeutet das Auge mit der Aufgabe des Verstandes zu betrauen. Dabei öffnet ein jeder Sinn dem Menschen ein Tür zu einer anderen Welt; kein Sinn kann die Aufgabe eines anderen übernehmen. Beispielsweise kann das Auge nicht die Aufgabe von Ohr, Zunge oder der Nase erfüllen. Der Mensch kann weder mit dem Auge eine Speise kosten, noch den Klang einer Nachtigall wahrnehmen, genauso ist das Riechen an einer Rose dem Auge nicht möglich. Sowie es dem Auge nicht möglich ist die Funktionen dieser Organe zu erfüllen ist es genau sowenig in der Lage, den Verstand zu ersetzen.
Es steht fest das der Verstand den Künstler erfasst, dessen Kunstwerk dem Auge sichtbar ist. Wer nun behauptet „Ich glaube nur an das was ich sehe“, würde den Künstler verleugnen. Genau wie in diesem Gleichnis ist jener Mensch der die grenzenlose Macht und das grenzenlose Wissen was diesem Kunstgegenstand dem wundervollen Kosmos betrachtet und dennoch seinen Schöpfer leugnet fern von Wissen und Verstand.
Wie wird so ein Mensch, Dinge wie Schöpfung Versorgung und Leben, die die Existenz Gottes wie eine Sonne zeigen erklären können?
„Der Verstand jener welche alles in der Materie zu finden glauben ist auf ihre Auge beschränkt, dem Geistigen ist das Auge allerdings Blind“
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Müssen wir unbedingt geprüft werden und leiden damit wir in das Paradies kommen?
der Mensch kommt auf die Welt um geprüft zu werden. Für das Wort Prüfung wird im diesen Sinne oft das arabishe Wort „imtiḥān“ benutzt und dieses Wort kommt aus dem Wortstamm „miḥna“, was als „Leid“, „Prüfung“ oder auch als „Zerreißprobe“ übersetzt wird. Daher ist das Leid und das Erdulden des Leids in der ein oder anderen Form ein essenzieller Bestandteil jeglicher Prüfung.
Damit die Menschen in einem gerechten Umfeld geprüft werden können, werden für sie zwei gegensätzliche Elemente erschaffen.
Einer dieser Elemente ist, dass der Mensch seine Dankbarkeit gegenüber den Gnadengaben Gottes wahrnimmt. Es ist das Gewissen und die dem Gewissen beiwohnenden heiligen Gefühle welches es ermöglicht, von der Gnadengabe also auf den Geber der Gaben zu schließen und ihn zu gedenken sowie ihn zu lobpreisen. Damit der Mensch in dieser Hinsicht geprüft werden kann, muss er mit den Gnadengaben Gottes auf diese Weise konfrontiert werden.
Das zweite Element ist die Triebseele, („nafs“) welches das Zentrum aller niederen Gefühle ist und bei Angesicht jeglicher Schwierigkeiten klagt und weint. Wenn die Geduld eine Tugend ist, dann ist die Triebseele des Menschen frei von dieser Tugend, denn in seiner niedersten und primitivsten Form - also wenn der Mensch sich komplett seinen Trieben hingibt - wird die Triebseele zu jeder Zeit immer nur nach seinem Vergnügen trachten und alles was ihn in dem Moment daran hindert wird zu einer Last.
So wie also die Antwort auf die Prüfung mit allen Gnadengaben und Schönheiten die Dankbarkeit ist, so ist auch die Antwort auf die Prüfung mit allen Schwierigkeiten Schicksalsschlägen die Geduld. Um stets die richtigen Antworten auf diese Prüfungen zu finden, muss man an Gott glauben, mit Verstand, Wissen und Herz. Damit dies gelingen kann muss der Mensch – mit seinem ganzen Selbst – an das Jenseits glauben und sich dem Jenseits verschreiben.
Die Notwendigkeit der Prüfung des Menschen wird auch aus diesen Versen ersichtlich:
Oder meint ihr, daß ihr ins Paradies eingehen werdet, noch ehe euch das gleiche widerfahren ist wie denen, die vor euch dahingegangen sind? Not und Leid berührten sie, und sie wurden hin und her geschüttelt, so daß der Gesandte und diejenigen, die mit ihm gläubig waren, dann sagten: Wann kommt die Unterstützung Gottes? Wahrlich, die Unterstützung Gottes ist nahe. (Sura al-Baqara 214)
Meinen die Menschen, daß sie in Ruhe gelassen werden, nur weil sie sagen: »Wir glauben«, ohne daß sie der Versuchung ausgesetzt werden? Wir haben schon diejenigen, die vor ihnen lebten, der Versuchung ausgesetzt. Gott wird gewiß in Erfahrung bringen, wer die Wahrheit sagt, und Er wird gewiß in Erfahrung bringen, wer die Lügner sind. (Sura al-ʿAnkabūt 2-3)
Was der Mensch nun konkret mit „Leid“ assoziiert und wie seine Erwartungen gegenüber dem Leben aussehen, ist eine Frage, die keiner konkret beantworten kann. Von Mensch zu Mensch könnte die Antwort ganz anders aussehen. Damit der Mensch aber geprüft werden kann, muss er sich gerade in diesen schwierigen Zeiten und unter dem Druk beweisen können. Das sehen wir immer wieder im Leben, im Alltag, in der Schule oder im Beruf. Unsere Fähigkeiten und unser Charakter werden unter Stress gesetzt, damit deutlich wird, aus was wir denn tatsächlich gemacht sind. Für manche Menschen kann diese Prüfung in Armut und der damit einhergehenden Not daherkommen, für manch andere Menschen wiederrum kann die Prüfung durch Reichtum und den damit einhergehenden materiellen Versuchungen daherkommen. Jeder Mensch wird aber zu ausgewählten Zeiten seines Lebens individuell geprüft. Sein Umgang mit diesen Prüfungen wird schließlich Auskunft darüber geben, was ihm im Jenseits erwarten mag.
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ist es nicht Gottes Schuld wenn er etwas Schlechtes erschafft? Warum soll ich dafür Verantwortung übernehmen wenn ich etwas Schlechtes tuhe?
eigentlich haben wir nicht das Recht Gott zu seinen Wirkungen und Schöpfungen in Rechenschaft zu ziehen (vgl. 21/23). Entsprechend unserer Menschlichkeit wollen wir, wie in allen anderen Angelegenheiten, auch in dieser Angelegenheit Zufriedenheit finden und das Angelegenheit für uns verständlich machen (vgl. 2/260). Daher fragt unser Verstand zwingend; Warum hat Gott dann das Böse und den Teufel erschaffen und uns damit auseinandergesetzt? Ist es denn nicht böse das Böse überhaupt erst zu erschaffen?
Wir fangen an mit dem Leitspruch; Das Übel zu erschaffen ist nicht schlecht sondern sich das Übel anzueignen ist schlecht. Gott erschafft nichts mit dem Ziel, dass es dem Übel dient. Alles von Gott erschaffene soll entsprechend seiner unendlichen Weisheit und Barmherzigkeit etwas Gutem und Schönem dienen. Wir nutzen jedoch diese Geschöpfe nicht gemäß ihrer eigentlichen Funktionalität und bewirken somit selbst, dass sie zu Übel für uns werden. Der Teufel ist aus Feuer geschaffen und überhaupt ist das Feuer ein Paradebeispiel für diese Angelegenheit. Die Erschaffung von Feuer und das somit reine Dasein von Feuer ist für uns kein Übel. Wenn wir aber blauäugig unsere Hand in das Feuer stecken, wird das Feuer zu unserem Feind. Wenn der Mensch die Beschaffenheit des Feuers versteht und es gemäß seiner eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten nutzt, kann er aus dem Feuer viel Nutzen für sich ziehen. Sofern er aber unüberlegt und leichtsinnig mit dem Feuer spielt, wird er sich verbrennen. Der Regen könnte auch als Beispiel dienen. Der Fall von Regen bringt viele ökologische Effekte hervor, die allesamt wichtig sind. Manch einer ist aber negativ vom Regenfall betroffen, weil er oder sie keine entsprechenden Schutzvorkehrungen getroffen haben. Sie können daher nicht behaupten, dass die Existenz von Regen schlecht ist.
Gott hat Engel erschaffen, die kein Potenzial zur Sünde haben und Tiere erschaffen, die kein ausgeprägtes Bewusstsein haben und daher auch nicht zurechnungsfähig sind. Daneben hat Gott mit den Menschen ein Geschöpf erschaffen, welches sogar die Engel in ihrer Perfektion übersteigen kann und auch das Potenzial hat, so niederträchtig zu sein, dass er selbst den Tieren untergeordnet wäre. Bezogen darauf hat Gott den Teufel als Anlass für die Entwicklung des Menschen erschaffen und ihm die Triebseele („nafs“) beigelegt, welches ihm immerzu zum Schlechten verleiten will.
Die Welt ist das Ackerfeld für das Jenseits. Die beiden Pforten des Jenseits in Form von Himmel und Hölle werden den Menschen gemessen an seinem Glauben und seinen Taten rufen. Der Mensch ist daher im Diesseits einer ständigen Prüfung unterzogen. Die Menschen, die ihr Leben im Wege des Glaubens und der rechtschaffenen Taten gestalten, werden vom Paradies gerufen. Wer die andere Richtung einschlägt wird von der Hölle gerufen.
Wenn der Mensch also alle Instrumente und Elemente im Diesseits, die ihn zum Übel verleiten können widerstehen kann, wird er spirituell empor steigen, anderenfalls fällt er sogar unter die Stufe der Tiere. Bestimmend ist also wieder die Absicht mit den man an Dinge herantritt und nicht ihre bloße Existenz. Der Mensch kann sich für seinen Willen Schlechtes und Verwerfliches zu tun, nicht entschuldigen. In jedem Gericht wird der Mensch zwar für die Konsequenzen seiner Tat zur Rechenschaft gezogen, aber insbesondere seine Absicht ist es, die hier befragt und ggbf verurteilt wird. Der Mensch kann also in gewissen Grenzen Fehler machen, er kann sich in einer Sache irren oder seinem Handeln fehlt z.B. die richtige Methodik. Aber erst die eigens gefasste und nicht fremdgelenkte Absicht des Menschen macht aus seinem Handeln eine Sünde.
Wie man weiß ähneln sich Diamanten und Kohle in der Zusammensetzung sehr. Im Grunde genommen sind beide Steine identisch aber sie befinden sich in verschiedenen Zustandsformen. So ähneln sich in etwa auch die Menschen. Alle haben materiell und spirituell in etwa die selben Anlagen und Potenziale. Die Nutzung dieser Anlagen und Potenziale macht den Unterschied. Der Teufel wird sich ganz unschuldig zeigen und den Menschen vorwerfen eben auf ihn gehört zu haben, wenn diese den Teufel im Gericht Gottes für ihr Verhalten beschuldigen wollen. Nach dem Prinzip, dass der Veranlasser dem Täter (in der Schuld) gleicht wird aber auch der Teufel seine Pein in der Hölle steigern, denn er ist ein Übeltäter und ein Tyrann. Seine Absicht ist getränkt in Hass und Verachtung. Somit wird seine Mission die Menschheit in das Verderben zu stürzen, schließlich auch sein eigenes Verderben, da er sich eine unendliche Menge an Sünden aufladet.
In einem Gericht wo der Mensch verurteilt werden soll, können also schuldmindernde Umstände analysiert und geltend gemacht werden. Das Strafmaß wird dadurch eventuell gemindert. Was aber bleibt ist die Frage der Schuld und diese Frage hängt an der Absicht des Menschen. Hier hat er sich ganz alleine schuldig gemacht und kann diese Verantwortung auch auf niemanden abwälzen.
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Könnten Sie bitte folgenden Vers erklären: „Denken sie denn nicht sorgfältig über den Qur´an nach? Wenn er von jemand anderem wäre als von Allah, würden sie in ihm wahrlich viel Widerspruch finden.“ (Sura an-Nisa 4:82)
Denken sie denn nicht sorgfältig über den Qur´an nach? Wenn er von jemand anderem wäre als von Allah, würden sie in ihm wahrlich viel Widerspruch finden. (Sura an-Nisa 4:82)
Der gnadenreiche Qurʾān wurde innerhalb von 23 Jahren in verschiedensten Situationen und Umständen nach und nach offenbart. Inhaltlich ist der Qurʾān außerordentlich reich und vielfältig. Er behandelt eine Fülle von Angelegenheiten die den Menschen bzw. die Menschheit betreffen, wie z.B. moralische Wertvorstellungen und Normen, den Anfang und das Ende der Schöpfung, individuelle und soziale Aspekte des menschlichen Lebens, historische Ereignisse und auch pädagogisch motivierte Anregungen und Ratschläge. Erstaunlicherweise ist dieses breite Spektrum an Themengebieten kein Hindernis dafür, dass der Qurʾān auch auf literarischer, normativer und wissenschaftlicher Ebene einzigartig ist, sodass all diese Komponenten frei von jeglichen Widersprüchen und aufeinander abgestimmt sind. Dies führt bei einer Untersuchung des Qurʾān - ob durch einen Gläubigen oder Nicht-Gläubigen - zu dem Schluss dass der Qurʾān göttlichen Ursprungs sein muss.
Einige Aspekte des Qurʾāns die das menschliche Denkvermögen übersteigen und somit zunächst als Widerspruch wirken:
1) Während beim Menschen die Wiedergabe seiner Vorstellungen, Beschreibungen und Projektionen von Wirklichkeiten sich stets unzureichend, widersprüchlich oder verzerrt zur tatsächlichen Wirklichkeit verhalten, ist eine solche Problematik beim Qurʾān an keiner Stelle zu finden, was auf seine übermenschliche Herkunft hinweist.
2) Der Qurʾān überliefert Geschehnisse die der Prophet Muḥammad (s.a.s.) (als Vermittler des Qurʾāns) nicht gesehen oder erlebt hat und beschreibt historische Ereignisse die weit vor seiner Lebenszeit stattgefunden haben. Ebenso prophezeit der Qurʾān Dinge, die hunderte und tausende Jahre nach seinem Ableben stattfinden werden. Ferner werden im Qurʾān Sachverhalte, die während der Lebenszeit des Propheten geschahen aus einer Perspektive verkündet, wie sie als solche keinem Individuum möglich wäre, wie etwa die klare Offenlegung von Gedanken und Gefühlen der damaligen Menschen.
3) Es ist niemandem außer Gott möglich, eine widerspruchsfreie und systematische Darbietung von Glaubensgrundsätzen, soziologischen und ethischen Prinzipien sowie Völkerschaften samt ihrer Historie und Kultur so vorzunehmen, wie der Qurʾān es tut.
4) Die detaillierte Beschreibung von der Schöpfung und ihrer Eigenschaften wie etwa über die Erde, die Meere, die Himmel, die Gestirne und ihre systematische Ordnung, die Winde sowie über die Tier- und Pflanzenwelt liegt weit über dem Intellekt und den Fähigkeiten sowohl der Menschen zur Zeit der Offenbarung des Qurʾān, als auch der Menschen in der Gegenwart. Die zahlreichen Verse die sich auf die oben genannten Aspekte beziehen sind trotz ihrer hohen Anzahl widerspruchsfrei und einander ergänzend.
5) Der Qurʾān gibt Informationen über das Verborgene, über das Leben nach dem Tod und die jenseitige Belohnung bzw. Bestrafung der Taten des Menschen und auch über den Einfluss menschlichen Handelns auf seine eigene Seele.
Diese Art von Informationen sowohl auf inhaltlicher als auch sprachlicher Ebene zu analysieren und sie zu verstehen, ist seit der Offenbarung des Qurʾān bis heute eines der höchsten Ziele der Religionsgelehrten.
Des Weiteren ist es wichtig zu beachten, dass der Qurʾān unter anderem gewissen Situationen und Anlässen entsprechend sukzessiv offenbart wurde, sodass der Prophet (s.a.s.) seinen Gefährten (insbesondere denen, die den Qurʾān auch schriftlich festhielten) mitteilte, in welcher Sure der entsprechende Vers zu platzieren ist und welche Stelle er innerhalb der jeweiligen Sure einnimmt. Sowohl er selbst als auch die Prophetengefährten lernten auf diese Weise den Qurʾān Vers für Vers auswendig. Diese schrittweise Offenbarung war nicht nur vorteilhaft in der Hinsicht, dass die Menschen in entsprechenden Situationen eine Leitung erhielten, sondern auch dahingehend, dass die Menschen sich regelmäßig in ihrem Glauben bestätigt sahen. Der Qurʾān stellte also eine Beziehung zwischen dem Glauben, dem Wissen und der Realität der Menschen her, was vor allem bei der sozialen Organisation der Gesellschaft anhand von Qurʾānischen Prinzipien in der medinensischen Phase der Offenbarung deutlich wird.
Schließlich kann festgehalten werden, dass der Qurʾān durch seinen widerspruchslosen Einklang mit Wissenschaft, Realität und Transzendenz zur Rechtleitung des Menschen verhilft, sein Ego läutert, das Allgemeinwohl gewährleistet und sowohl im Diesseits als auch im Jenseits auf seine Glückseligkeit abzielt.
Wenn man nun aber dem Qurʾān seinen göttlichen Ursprung absprechen will und ihn als ein von Menschenhand geschriebenes Buch verstehen will, wird man in der Tat Probleme mit den diversen Versen des Qurʾāns haben. Denn kein Mensch kann eine Offenbarung auf diese Weise verfassen. In der Tat haben die damaligen Araber die in der Dicht- und Redekunst sehr geschickt waren, versucht etwas Ebenbürtiges zu verfassen um den Qurʾān und den Propheten (s.a.s.) zu entkräften. Ihnen gelang dies aber nicht. Auch das ist ein wichtiges Indiz für den göttlichen Ursprung des Qurʾāns.
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Weshalb ist Jerusalem auch für Juden und Christen von Bedeutung?
die heilige Stadt Jerusalem besitzt in allen drei monotheistischen Religionen eine wichtige Stellung.
Jerusalem im Judentum
In der Thora wird Jerusalem ein einziges mal unter dem Namen „Salem“ erwähnt (1. Buch Mose 14, 18). Es ist umstritten, ob es sich bei dem Berg Moriah, auf welchem Ishaq geopfert werden sollte, um den Ort handelt, auf dem der Tempel Salomos errichtet wurde. Zur Zeit von David wird die Stadt zum religiösen und politischen Zentrum des Königreiches. ( vgl. 2 Sam 6-7; 2 Sam 24, 18-25; 1.Chr 21, 18-22)
Zur Zeit des ersten Tempels wurde der Tempelberg auch Zion gennant, während der Begriff Zion auch für Jerusalem insgesamt verwendet wurde. Dass David eine ewige Herrschaft zugesprochen wurde, wird auch als Indiz für die Ewigkeit Jerusalems aufgefasst. (vgl. 2 Sam 7,13-16) Die Errichtung des Tempels zur Zeit von Salomo sowie die Annahme, dass der Tempel jederzeit Gott untersteht, trug ebenfalls zur Heiligkeit Jerusalems bei.
In den Psalmen (Psalm 132) wird die Stadt Davids (Zion), zu welcher die sogenannte Bundeslade gebracht wurde, nicht nur als die von Gott auserwählte, sondern auch als die von ihm bewohnte Stadt bezeichnet. Für den Propheten Jeremia ist Jerusalem „des Herrn Thron, das Land der Gerechtigkeit, der Berg der Heiligkeit“. (vgl. Jer 31, 23; vgl. Jer 33, 14) Außerdem wird Jerusalem als empor ragende „Freude der ganzen Erde“ (vgl. Psalm 48, 2) sowie als „Vollendung der Schönheit“ (vgl. Psalm 50, 2) bezeichnet.
„Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll mir die rechte Hand verdorren.
Meine Zunge soll an meinem Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein.“ (Psalm 137, 5-6) Auch im jüdischen Recht wurde Jerusalem aufgrund seiner Heiligkeit und Besonderheit anders als andere Städte betrachtet. So wird in der Tora vorgeschrieben, dreimal im Jahr - an Pessach,
Schawuot und Sukkot - nach Jerusalem zu pilgern: „Dreimal im Jahr sollen erscheinen all deine Männlichen vor dem Angesicht des Ewigen, deines Gottes, an dem Ort, den er erwählen wird, am Fest der ungesäuerten Brote, am Fest der Wochen und am Fest der Hütten. Man erscheine nicht leer vor dem Angesicht des Ewigen“. (5. Buch Mose 16,16)
Der Aufenthalt der Pilger, welche sich zur Zeit des Jerusalemer Tempels in Jerusalem aufhielten, prägte damals stark die kulturelle Lebenswelt der jüdischen Bevölkerung.
Als die von Gott erwählte Stadt hat sich Jerusalem als Symbol der größten Werte und Hoffnungen des Judentums etabliert. Bereits Propheten sprachen mit Lob von ihr. Jesaja spricht von „Stadt der Gerechtigkeit“ (Jes 1, 26) und gibt an: „von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem“ (vgl. Jes 2, 3). Ferner prophezeit Jeremia, dass man Jerusalem als „des Herrn Thron“ bezeichnen wird und sich dort alle Menschen versammeln werden. (vgl. Jer 3, 17) Im Talmud heißt es, dass man ohne Jerusalem gesehen zu haben nicht wissen kann, wie eine schöne Stadt aussieht. (vgl. Sukkot, 51b)
Dem Midrasch nach wurde Adam aus der Erde des Jerusalemer Tempels erschaffen und einer Überlieferung zufolge, begann die Erschaffung der Erde mit der Erschaffung Zions.(vgl. Genesis Rabbah, 14, 8)
In der Halacha (jüdische Normgebung) gilt das ganze Land als heilig, Jerusalem jedoch am heiligsten. In der jüdischen Normgebung sind Bestimmungen aufgelistet, die durch die sakrale Bedeutung Jerusalems bedingt sind. (vgl. J. Neusner: The Halakhah: An Encyclopaedia of the Law of Judaism, Leiden 2000, Bd. V, S. 15-16.)
Auch wenn es so scheint, als würde Jerusalem mit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n. Chr. im Leben der jüdischen Bevölkerung an Bedeutung verloren haben, so bleibt Jerusalem der heiligste Ort für Juden und stellt für sie ein spirituelles und normatives Symbol dar. So richten sich Juden während ihrer Gebete - unabhängig davon wo sie sich befinden und wann sie beten - in Richtung Jerusalem.
In täglichen Bittgebeten und Gottesdiensten wie dem Tischgebet oder dem Amidah-Gebet wird der Wunsch über die Rückkehr nach Jerusalems sowie die Neuerrichtung der Stadt zu Wort gebracht. Außerdem trauert man in Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems bzw. des Tempels. Jerusalems sakrale Bedeutung wird unter anderem auf die Messias-Erwartung zurückgeführt, wonach ein jüdischer Staat in Jerusalem durch einen Messias errichtet werden wird. Die Neuerrichtung Jerusalems und des Tempels sind ebenfalls Aspekte dieser Überzeugung. Der jüdischen Tradition zufolge gibt es ein Jerusalem am Erdboden und ein Jerusalem im Himmel („Neues Jerusalem“ oder auch „Himmlisches Jerusalem“). So heißt es im Talmud, dass die Menschen nicht ins himmlische Jerusalem eintreten werden, bevor nicht Gott in das irdische Jerusalem eintritt. Das „Neue Jerusalem“ soll demnach nach der Apokalypse, also nach dem
Vergehen der Erde herabkommen und das irdische Jerusalem ersetzen.
Um bei der Neuerrichtung Jerusalems und der Auferstehung der Toten dem Tempel nah zu sein, sich Leid und Zeit zu ersparen, wünscht man sich auf dem Ölberg begraben zu werden. Die Aussage “Nächstes Jahr in Jerusalem“ ist der traditionelle Wunsch am Schluss des jüdischen Sederabends (Vorabend des Pessach). (vgl. Dictionnaire Encyclopedique du Judaisme, S. 573)
Jerusalem im Christentum
Auch im Neuen Testament wird Jerusalem eine wichtige Bedeutung zugesprochen. So beginnt Jesus Christus dem Markus Evangelium zufolge im Gebiet Galiläa mit der Verkündung der Offenbarung, zieht sich jedoch aufgrund ablehnender und feindseliger Reaktionen des Volkes zurück nach Jerusalem. Nach Konfrontationen mit jüdischen Autoritäten prophezeit er die Bestrafung der Stadt und die Verunreinigung des Tempels. Als der christlichen Auffassung nach Jesus außerhalb der Stadt schließlich gekreuzigt wird, reißt unmittelbar danach tatsächlich der heilige Vorhang des Jerusalemer Tempels und es kommt später zur Zerstörung der Stadt durch die Römer.
In den anderen Evangelien sind noch weitere Angaben zu finden. Im Johannes Evangelium beispielsweise wird festgehalten, dass Jesus viele Male nach Jerusalem kam.
Den Evangelien nach hat Jesus Christus sein irdisches Leben in Jerusalem beendet und seine Jünger haben dort den „Heiligen Geist“ empfangen.
Jerusalem im Islam
Auch wenn Jerusalem im Koran nicht explizit genannt wird, gibt es Koranverse, die indirekt Bezug zu dieser Stadt nehmen. So wird beispielsweise die al-Aqsa-Moschee am Tempelberg erwähnt und ihre Umgebung als gesegnet bezeichnet (vgl. Sure 17:1), das Gebiet Jerusalems wird als heiliger Boden (vgl. Sure 5:21) und schöner, guter Ort beschrieben (vgl. Sure 10:93).
In den Hadithen wird die al-Aqsa-Moschee in Jerusalem als die zweite Moschee, welche nach der al-Haram-Moschee in Mekka erbaut wurde beschrieben. Ferner gehört die al-Aqsa-Moschee neben der Prophetenmoschee in Medina und der al-Ḥaram-Moschee zu den drei Gebetsstätten, welche im Islam eine hohe Bedeutung haben und von Muslimen besucht werden können. (vgl. Buḫārī, Faḍlu ṣ-ṣalāt fī masǧidi makka wa-l madīna, 6, Ḥaǧ, 26, Anbiyā, 8, 40; Muslim, Ḥaǧ, 288, Masāǧid, 2; Nasāʾī, Masāǧid, 3)
In manchen Hadithen des Propheten (s.a.s.) wird das Beten in dieser Gebetsstätte empfohlen. (vgl. Abū Dāwūd, Ṣalāt, 14)
In einigen Überlieferungen (außerhalb der kutub as-sitta) wird prophezeit, dass Jesus nach seinem Herabkommen und Wirken als Messias in Medina neben dem Propheten Muhammad (s.a.s.) oder in Jerusalem begraben werden wird.
Während der letzten zwei bis drei Jahre vor der Hiǧra (Auswanderung) soll der Prophet Muhammad (s.a.s.) sich bei seinen Gebeten in Richtung Jerusalem gerichtet haben. (vgl. Ibn Saʿd, I, 243; Qurṭubī, II, 150; Faḫr ad-Dīn ar-Rāzī, IV, 110)
Dies soll nach der Ankunft in Medina 16-17 Monate - es sind unterschiedliche Überlieferungen vorhanden - angedauert haben, bis schließlich die Kaaba als Gebetsrichtung vorgeschrieben wurde. (vgl. Buḫārī, Ṣalāt, 31, Tafsīr, 18; Muslim, Masāǧid, 11-12)
Dieses Vorgehen des Propheten Muhammad (s.a.s.) stellt einen der Gründe dar, weshalb Muslime Jerusalem als ein religiöses Zentrum betrachten und es ehren.
Hinzu kommt die Rolle Jerusalems bei der wundersamen Nacht- und Himmelsreise des Propheten (s.a.s.), bei der er von der al-Ḥaram-Moschee in Mekka zur al-Aqsa-Moschee in Jerusalem gereist ist und von dort aus in den Himmel aufgestiegen ist. (vgl. Sure 17:1)
Ferner ist Jerusalem insofern für alle monotheistischen Religionen von Bedeutung, als dass nach Abraham viele Propheten in Jerusalem gelebt und gewirkt haben, dort Salomo den Tempel erbaut hat und die Kinder Israels und die zu ihnen gesandten Propheten dort vieles durchleben mussten. (vgl. Abū l- Faraǧ ibn al-Ǧauzī: Faḍāʾilu l-Quds, S. 63-147; Harman: Kudüs, in TDV İslam
Ansiklopedisi, Bd. 26, S. 323-327)
19
Warum hat Allah den Menschen erst nach 13,7 Milliarden Jahren erschaffen?
Allah ist al-Ḥakīm, also der Weise und macht daher nichts Sinnloses oder Zweckloses. So wie in allem was er erschaffen hat zahllose Weisheiten, Nutzen und Zweckmäßigkeiten zu finden sind, sind auch mit Blick auf die Umstände der erschaffenen Dinge wie Zeit, Ort, Zustand und Entstehungsart vielerlei Bedeutsamkeiten, Nützlichkeiten und Relevanz zu finden. Was für uns zu tun bleibt, ist diese Weisheiten hinter dem Wirken Gottes zu erforschen und besser zu verstehen. Wir sollten dankbar für jede Weisheit und jeden Nutzen sein, den wir in Dingen zu erkennen vermögen.
Beispielsweise heißt es im Koran, dass Allah die Erde und die Himmel in sechs Tagen (gemeint sind sechs unterschiedliche Etappen) erschaffen hat. Die Entwicklung des Menschen als Embryo im Bauch der Mutter kann auch in sechs Stufen eingeteilt werden. Auch das Leben des Menschen auf der Welt, sein Leben im Grab (qabr), der Verlauf eines Tageszyklus, sogar die Existenzsequenzen von allen Dingen angefangen bei der Entstehung, der Vervollkommnung bis hin zum Alter, dem Sterben, dem Verwesen und dem Vergessenwerden, in all diesen Dingen sind sechs markante Stufen und Etappen zu erkennen. Dies lässt uns an Weisheiten und Zweckmäßigkeiten denken, die in derartigen Aufteilungen stecken könnten.
Gott hat mit seinem urewigen (schon immer da gewesenen) Wissen die Erschaffung von Lebewesen zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten als Schicksalsbestimmung (qadar) festgelegt. Da er erhaben über Raum und Zeit ist, also keinen zeitlichen und räumlichen Gegebenheiten unterliegt wie im Falle der Menschen beziehungsweise aller Lebewesen im Universum, ist bei ihm an keine zeitliche Entwicklung zu denken. Bei ihm ist nicht an zeitliche Begrifflichkeiten wie früher, gegenwärtig und zukünftig zu denken. Dennoch lässt er mit Blick auf zahllose Weisheiten und Zwecke die Menschen und Geschöpfe innerhalb einer Raum-Zeit-Sphäre leben, und wirkt von „außerhalb“ in dieser Sphäre. So sind 13,7 Milliarden Jahre viel Zeit aus unserer Sicht, aber aus einer Perspektive der Zeitlosigkeit kommt es einem Nichts gleich. Somit kann bei Gott nicht von einem „Warten“ die Rede sein. Diese zeitlichen Entwicklungen gelten nur für Geschöpfe, nicht aber für den Schöpfer. Nichtsdestotrotz stecken in der Milliarden Jahre alten Geschichte der Erde viel Sinn und Weisheit, auf welche die Menschen durch ihre wissenschaftlichen Forschungen immer stärker Bezug nehmen können.
Wir können niemals erfassen was das urewige Wissen (ʿilm azalī) und die urewige Weisheit (ḥikma azalī) Allahs beinhaltet. So zeigt der Vers:
„Sie sagten: »Gepriesen seist du! Wir haben kein Wissen außer dem, was Du uns gelehrt hast. Du bist der, der alles weiß und weise ist.« “ (2/32)
dass selbst die Engel begrenzt in ihrem Wissen begrenzt sind und dass Gottes Wissen und Weisheit niemals ergründet werden kann. Auch der Vers:
„Euch aber ist vom Wissen gewiss nur wenig gegeben.“ (17/85)
zeigt, dass der Bereich den wir mit unserem menschlichen Verstand und Wissen erfassen können, sehr eng und beschränkt ist.
Fragestellungen bezüglich derartiger Angelegenheiten, die für den Menschen aufgrund seines begrenzten Verstandes einerseits schwierig zu erfassen und zu verstehen sind, weil ihre Hintergründe lediglich Gott umfassend und tiefgründig vorenthalten sind, können häufig schädliche Verwirrungen und Zweifel hervorrufen, weshalb man oft von Einflüsterungen (waswasa) des Šaiṭān spricht. Andererseits haben derartige Angelegenheiten keinen Einfluss und keinen Nutzen, weder für unser irdisches noch für unser jenseitiges Leben. Vor diesem Hintergrund scheint es reine Zeitverschwendung zu sein ohne entsprechende Quellen und Referenzen zu spekulieren und zu grübeln. So ermahnt Allah uns wie folgt:
„Und verfolge nicht das, wovon du kein Wissen hast. Gewiss, Gehör, Augenlicht und Herz, - all diese -, danach wird gefragt werden.“ (17/36)
An dieser Stelle sei auch noch erwähnt, dass zeitliche Entwicklungen und die dahinter verborgenen Weisheiten (welche oft nur begrenzt vom Menschen erfasst und verstanden werden können) ein Charakteristikum des irdischen Lebens sind. All die Veränderungen, Entwicklungen und Vervollkommnungen auf der Erde und im gesamten Universum sind prägend und nehmen Einfluss auf uns als Lebewesen und Geschöpf. So durchlebt auch der Mensch eine Entwicklung von seiner Geburt bis zu seinem Ableben, welche essenziell für seine Lebensweise ist. Man stelle sich nur einmal vor wie es wäre, wenn alle Menschen im Reifealter von 40 Jahren auf einmal ein Leben auf der Erde beginnen würden. Viele Entdeckungen und Errungenschaften blieben verborgen, viele Entwicklungen unvollständig und in vielen Bereichen würden die uns nun vorhandenen Notwendigkeiten fehlen.
Hingegen wird im Jenseits die Belohnung des Menschen, seine Stufe und sein Lohn, ihm in einem Zuge zugeteilt, sodass der Mensch dort als vollkommen sein Leben beginnen wird und stets in Vollkommenheit leben wird. So wie einem Arbeiter die Entlohnung eines Monats als eine Gesamtzahlung ausgezahlt wird, wird dem Menschen sein Lohn im Paradies sofort als Ganzes zustehen. Der Mensch wird also befreit sein von zeitlichen Hindernissen, sodass das was er sich wünscht just in diesem Moment erschaffen wird. So wird er zur selben Zeit an mehreren Orten sein, verschiedenartige Dinge tun und Gaben speisen können. So wie eine Frucht eine gewisse Zeit braucht und Entwicklungen durchlebt bis sie aus einem Baum hervorgeht, so durchlebt der Mensch auch zeitbedingte Entwicklungen und wird letztendlich irgendwann ausreifen. Daran erkennen wir, dass Gott gewisse Dinge einer Intention folgend plant und erschafft. Gleichzeitig zeigen all diese Dinge jedoch auch, dass Allah erhaben ist und seinem Willen entsprechend tun und lassen kann was er will, wann er will und wie er will. Somit ist er an keine Zweckmäßigkeiten gebunden. Bemerkenswert ist es dennoch, dass vor diesem Hintergrund Gott kein Detail sinnlos und zwecklos erschafft, sondern seiner grenzenlosen Weisheit entsprechend handelt.
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Warum sollen wir Gott dafür dankbar sein dass wir existieren?
die Frage nach dem „warum?“ veräußert sich nicht im Tierreich und auch nicht im Pflanzenreich. Diese Geschöpfe gehen ganz routiniert ihrem alltäglichen Geschäft nach. Mit dem Menschen verhält es sich ein wenig anders, denn das Denken und das Vermögen zur Reflexion des Menschen geht wesentlich weiter. Alle Lebewesen sind von Gott erschaffen, darin gleichen sie sich. Der Mensch unterscheidet sich aber offensichtlich von anderen Lebewesen. Dieser Unterschied liegt vor allem in den Anlagen die den Menschen mitgegeben werden. Alle Lebewesen sollen Gott dienen. Während Tiere und Pflanzen damit scheinbar kein Problem haben, ist dieser Anspruch für den Menschen nicht immer so einfach nachvollziehbar. Das zeigt uns dass es noch Besonderheiten in der Beziehung zwischen Schöpfer und Mensch gibt.
In der Tat braucht Gott seine Schöpfung nicht, der Schöpfer hat also von uns keinen Nutzen. Das würde seiner Perfektion und Vollkommenheit widersprechen. Das Verhältnis zwischen Schöpfer und Schöpfung ist also nicht vergleichbar mit einer nutzenorientierten Partnerschaft zweier Geschäftspartner. Eine Beziehung zwischen Meister und Diener würde eher passen. Der Meister hat die Befehlsgewalt und der Diener beugt sich dieser Befehlsgewalt. Dies zu verstehen ist wichtig, denn auf eine törichte Weise denkt der Mensch oftmals, dass sich alles seinem Verstand und seinem Vorstellungsvermögen anschmiegen muss, damit er es auch akzeptiert. Tatsächlich passieren aber tagtäglich und zu jeder Sekunde außergewöhnliche Dinge, die sich unserer sinnlichen Wahrnehmung gänzlich entziehen und unser beschränktes Gehirn kann die Spektakel, die sich im Universum ereignen nicht erfassen. Je tiefer die Physiker in das Universum blicken, desto hypothetischer werden ihre Aussagen. Den Menschen gelingt es also nicht einmal diverse Facetten der Schöpfung gänzlich zu begreifen, woher kommt also der Anspruch den Schöpfer selbst in all seinen Facetten begreifen zu wollen?
Die göttlichen Offenbarungen und die Propheten helfen uns dabei Gott besser kennenzulernen. Wir verstehen das Wesen Gottes insbesondere durch seine schöpferischen Eigenschaften. Im Islam sprechen wir auch gerne an der Stelle von den „Namen/Titel Gottes“. Wie in jeder Disziplin ist es auch hier so, dass das Leistungsvermögen der Menschen variiert. Die einen verstehen mehr und die einen weniger. Die Gebote und Verbote Gottes sind aber so offen und zugänglich, dass die Religion niemals etwa ein Zirkel der Experten, Eliten oder Gelehrten ist. Gott adressiert alle Geschöpfe auf eine Weise, die ihren Kapazitäten entspricht. In diesem Sinne ist kein Mensch durch seine Veranlagung dazu disqualifiziert, Gott und seinen Willen zu verstehen.
Dankbarkeit verstehen wir zweierlei. Wir verstehen Dankbarkeit als ein Akt, in dem man seinem Gegenüber für eine Geste eine Form von Zuneigung und Anerkennung darbietet. Es existiert also ein Bedürfnis sich dem erkenntlich zu zeigen, der einem etwas zum Wohl getan hat.
Was hat Gott uns getan, was eine Form der Zuneigung und Anerkennung wert wäre? Es fängt sicher damit an, dass Gott uns das Leben geschenkt hat. Für manch einen liegt das Argument nun nahe zu sagen, man habe sich das Leben doch gar nicht gewünscht. Trotzdem lieben wir scheinbar das Leben. Tagtäglich stehen wir aus dem Bett auf und greifen den Tag an, mit allem was wir haben. Für jemanden der das Leben vermeintlicherweise sowieso nicht wollte und dem das Leben nichts wert ist, ist dieses Verhalten nicht ganz angemessen. Selbst Menschen die Selbstmord begehen und denen es dann doch nicht gelingt, versuchen danach wieder Fuß im Leben zu fassen. Konsequent wäre es ja, wenn sie es solange versuchen bis es geschafft wäre. Selbst Menschen die sich als unglücklich beschreiben würden, halten also instinktiv am Leben fest und wollen sich nicht davon trennen. Was wäre jedoch die Alternative zum menschlichen Leben? Entweder eine andere Lebensform oder die komplette Nichtexistenz. Nun stellt sich die Frage, ob der Mensch denn sich bei einer Neuwahl für etwas anderes entscheiden würde, nachdem er die Vorzüge der Menschlichkeit gekostet hat. Wenn wir quasi eine zweite Chance erhalten würden und man uns anhand eines Katalogs fragen würde, welche Existenz wir im zweiten Anlauf haben wollen würden, wofür würden wir uns da entscheiden? Hund, Katze, Maus, Ameise, Bandwurm, Kleeblatt, Stein? Unser menschliches Dasein erscheint gegenüber diesen Alternativen irgendwie attraktiver, nicht zuletzt spricht man ja auch gerne vom Menschen als die Krone der Schöpfung, dem Ebenbild Gottes, oder die Spitze der Nahrungskette. Mit dem Leben alleine endet die Zuwendung Gottes aber lange nicht. Gott hat uns auch mit unserer Erde einen äußerst fruchtbaren und schönen Planeten geschenkt. Die Dinge hätten sich auch so zutragen können, dass unsere Erde äußerst lebensfeindlich und bedrohlich sein könnte. Nur weil wir tagtäglich etwas erleben, heißt das noch lange nicht, dass es der simple Standard ist. Nichts ist selbstverständlich und alles ist vergänglich. Unser Planet ist voller Leben und unerschöpfter Schätze. Nach Jahren des intensiven Suchens finden Menschen immer noch gänzlich unentdeckte Dinge in unserem Planeten die für Faszination sorgen. Gott hat uns Sinne und einen Körper gegeben, der sich nahezu perfekt an alle Zwecke anpasst und unsere Sinne nehmen angenehmerweise immer genau das wahr, was der Körper ertragen kann. Stelle man sich vor, man könnte jedes Atom sehen und die Interaktion aller möglichen Wellen und Frequenzen in der Luft, so stünde unser Gehirn quasi täglich vor einer Zerreißprobe. Gott schenkt uns auch Emotionen wie Liebe, Hoffnung und Glück. Gott erlaubt es auch dass wir dies mit Freunden und Familie teilen. Es sollte klar geworden sein, dass Gott uns viel gegeben hat, wodurch ein Akt der Demonstration von Dankbarkeit angemessen erscheinen sollte. Jeder findet in seiner Biographie sicher Dinge oder Erinnerungen, die ihn mit Glück erfüllen und die irgendwie unverdient erscheinen. Wir behaupten nicht dass jeder ein perfekt idyllisches und harmonisches Leben lebt, aber wir sind uns sicher, dass jeder etwas im Leben hat, was einen Ausdruck der Dankbarkeit nahelegt. Was wäre eine angemessene Art Dankbarkeit zu zeigen? Das Befolgen von Geboten und Verboten ist an der Stelle auch eine klare Handlungsanweisung. Das heißt z.B. das Befolgen des Gebets wäre gleichzeitig die Erfüllung der Pflicht und Ausdruck von Dankbarkeit in diesem Sinne. Sicher könnte man noch viel schreiben, zu den Weisheiten und dem Nutzen der Gebote und Verbote für das menschliche Leben. Zum Ramadan gibt es z.B. viele Artikel die vom Nutzen des Fastens sprechen. Es geht hier aber lediglich das Verhältnis von Danksagung zu Geschenkt darzustellen. Das Gebet ist bei voller Ausführung und (großzügig) zusammengerechnet ungefähr des Äquivalent einer Zeitstunde im jeweiligen Tag. Vergleichbar mit 5 Raucherpausen, 5 etwas längeren Youtube-Videos oder 5 mal kurz Gassi-Gehen. In Relation zu dem was Gott uns tagtäglich schenkt ist dieser „Aufwand“, wenn man das überhaupt Aufwand nennen darf, verschwindend gering. Sich darüber zu beschweren, wäre vergleichbar mit jemanden der sich in Wut und Rage auflöst, weil jemand ihm ein Kaffee spendiert und dafür ein kurzes „Danke“ hören wollte. Selbst die kleinsten sozialen Interaktionen erzeugen beim Gebenden die Erwartung, dass der Genießende sich irgendwie erkenntlich zeigt, wenn es auch nur ein kurzes „Danke“ ist. Im Hinblick darauf erscheint es für uns einfach wunderlich, wenn jemand diskutieren will, warum man sich Gott gegenüber erkenntlich zeigen muss.
Der zweite Aspekt unseres Verständnisses von Dankbarkeit hat viel mit Haltung zu tun. Wir verstehen Dankbarkeit auch als eine Form der Haltung. Damit der Mensch sich überhaupt erkenntlich zeigen kann und will, müssen gewisse Grundwerte verinnerlicht sein und gelebt werden. Wenn der Mensch sich selbst im Mittelpunkt des Universums sieht und denkt, dass sich alles um ihn herum dreht, dann wird er selbstverständlich auch gar nicht daran denken, dass jemand ihm in irgendeiner Weise helfen könnte. Wie ein Pharao wird er sich quasi zum Gott deklarieren und völlig realitätsfremd gegenüber dem Leben sein. Im Alltag haben wir zwar weniger Pharaonen unter uns aber Ähnliches können wir im kleineren Rahmen beobachten, wenn es um Jugendliche geht, die plötzlich gewisse Regeln und Werte nicht mehr nachvollziehen können, weil sie ihnen ja nichts bringen und keinen Spaß machen. Regeln funktionieren nur mit einem Grad an Unterwerfung. Man fügt sich den Regeln ohne jedes Mal diese zu hinterfragen oder in Diskussion zu stellen. Das heißt sicher nicht, dass der Mensch sich einfach blind unterwerfen muss oder soll. Innerhalb Momenten sozialer Interaktion wird es aber dazu kommen, dass gewisse Regeln in Kraft treten, die befolgt werden müssen, damit die soziale Interaktion gewahrt werden kann. Wenn der Verkehr eine soziale Interaktion ist, dann dient die Regel, bei der roten Ampel zu halten, der Wahrung der Sicherheit des Verkehrs. Die Regel hat nicht den Zweck mich auf persönlicher Ebene anzugreifen oder mich zu reizen. Sie gilt für uns alle und sorgt für ein Miteinander. In dem Beispiel würde ich mich und auch andere gefährden, wenn ich die Regel einfach ignorieren und losfahren würde. Es geht aber an der Stelle mehr darum, sich im sozialen Gefüge einzufinden. Wenn man dies nicht tut und so handelt wie man gerade Lust hat, folgen in der Regel Konsequenzen. Beim Beispiel mit der roten Ampel, müsste man mit einer polizeilichen Verwarnung und einer Geldstrafe rechnen. Am Anfang des Artikels sprachen wir über das Beziehungsmuster zwischen Gott und Mensch und haben dies mit der Beziehung von Meister und Diener gleichgesetzt. Der Meister setzt also die Regeln und der Diener fügt sich. Wir haben nämlich keine schöpferischen Qualitäten und wir sind auch nicht in der Positionen, Forderungen zu stellen. Unser Gegenüber ist nicht unser Geschäftspartner, der einen Grad von Abhängigkeit zu uns hat. Wenn dem so wäre, könnte man die Bedingungen mitgestalten. Wir sind aber vollends abhängig von unserem Schöpfer und können die Dinge, die unser Leben ausmachen bzw. erst ermöglichen wie Luft und Wasser, nicht selber in die Welt holen. Wir sind also grundlegend ohnmächtig und bedürftig. Im Grunde genommen ist jeder Moment unseres Lebens von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes durchtränkt. Warum fällt es uns als Menschen aber manchmal oder öfter schwer, so zu fühlen und zu denken? Die Antwort liegt in der hedonistischen Triebhaftigkeit des Menschen, dem „inneren Schweinehund“. Dem inneren Schweinehund die Hand zu geben gleicht in einen Güterzug einzusteigen, der bei voller Geschwindigkeit fährt und das ohne Bremsen oder Fahrer. Dieser Zug wird von alleine nicht halten, sicher nicht mit sich reden lassen und solange rasen, bis er entweder an ein unbewegliches Hindernis prallt oder entgleist und fahrunfähig wird. In beiden Fällen hat es eine fatale Kollision zum Ergebnis. Der innere Schweinehund kennt keine Kompromisse, Moderation oder Rationalität. Wenn man dem inneren Schweinehund fragen würde, jetzt 1000€ zu kriegen oder sich eine Woche zu gedulden um dann aber 10.000€ zu bekommen, wird der innere Schweinehund die sofortige Belohnung wählen. Ähnlich wie der Teufel kennt der triebgesteuerte Mensch nur eine Richtung: Konsum und Lust. Auch der Teufel würde niemals Einsicht zeigen und von seinem Irrweg abkommen, egal wie überzeugend man gegen ihn argumentieren würde. Gefühle und Triebe wirken meistens intensiver als rationale Argumente. Eine Triebhaftigkeit in diesem Sinne erdrückt eben auch alles an Werten und Normen die eine tiefe Dankbarkeit im religiösen Kontext ermöglichen. Denn der Teufel bildet die Opposition zu Gott. Die lasterhaften Triebe des Menschen folgen eher den teuflischen Einflüsterungen als der Stimme der Vernunft und der Tugend. Wenn man es also schafft, sich davon zu lösen oder Distanz zu diesen lasterhaften Zügen seines Daseins zu wahren, gelingt es uns auch besser unseren Platz im Universum zu sehen und zu sehen welche Bezüge und welche Beziehung wir zu unserem Schöpfer haben. Das erlaubt es uns auch erst zu sehen, wofür wir alles dankbar sein können.
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Zwischen Tradition und Moderne - Rechtsfindung im Islam
Religion hat vielerorts die Neigung sich mit dem was viele unter „Kultur“ verstehen zu vermischen. Das hat damit zu tun, dass der Mensch tendenziell eine Orientierung und ein System braucht um sein alltägliches Leben zu regulieren. So kann man häufig beobachten, wie Menschen eine Sitte oder einen Brauch als religiöse Pflicht verstehen und entsprechend auch nach außen darstellen, obwohl es dazu keine textlichen Belege gibt. Aus religionswissenschaftlicher Sicht ist dies kein unübliches Verhalten. Wenn das Neue auf das Alte trifft und dabei entsprechende Kompatibilitäten erkannt werden, kommt es nicht selten vor, dass diese Kompatibilitäten auch überleben oder überlebensfähig bleiben. Dies erkennt man auch an der Verbreitung des Islams aus historischer Perspektive. Die Offenbarungsgeschichte des Islams ist beispielweise keine komplett eigene und neue Geschichte, sie ist vielmehr die Weiterführung einer einzigen Offenbarungstradition, welche sich auch in frühen jüdisch-christlichen Quellen wiederfinden lässt. Mit der Entsendung und dem Wirken des ehrenwerten Propheten (s.a.s.) wurden verwerfliche Traditionen abgeschafft beziehungsweise reformiert, löbliche Traditionen hingegen beibehalten. Die Primärquellen des Islams sowie seine geschichtliche Entfaltung billigt prinzipiell also diesen Umstand. In unserer Gegenwart jedoch kann man leider häufig beobachten, wie der Begriff „Tradition“ (gemeint ist kulturelle Tradition, nicht die Tradition islamischer Wissenschaften) in diesem Sinne fehlinterpretiert wird. Tradition und Religion wird häufig auf eine falsche Art und Weise vermengt. In manchen Familien übt zum Beispiel der Vater teilweise extreme Restriktionen aus und beruft sich dabei vermeintlich auf seinen Glauben, in Wahrheit führt er jedoch lokal verbreitete Traditionen fort. In Hochzeiten von vielen jungen Menschen erkennt man neumodische Traditionen und Bräuche, deren Einhaltung der Wahrnehmung nach sogar über dem Einhalten von religiösen Pflichten zu stehen scheint. So stellt sich diesbezüglich die Frage, inwiefern derartige Phänomene sowie die Begriffe Tradition, Brauch, Sitte und Gewohnheit vor dem Hintergrund islamischer Quellen und Verständnisse zu betrachten sind. Auf diesen Aspekt soll im Folgenden detaillierter eingegangen werden, da derartig komplexe Themen facettenreiche Diskussionen ermöglichen und nicht mit monokausalen Erklärungen ausreichend erfasst werden können.
In Gesellschaften gibt es sowohl materielle als auch spirituelle Eigenschaften und Gewohnheiten, die mit der Zeit aufkommen und Akzeptanz finden. Es sind Handlungs- und Verhaltensweisen, welche von früheren Generationen übernommen werden und sich in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens etablieren. Zunächst kann nicht pauschalisierend jede von früheren Generationen übernommene Denkweise und Sitte als verwerflich oder definitiv nutzbringend bezeichnet werden. Während mancherlei Bräuche und Traditionen zu Degenerationen und zur Trägheit innerhalb einer Gesellschaft führen können, erweisen sich andere als nützlich für den Fortbestand und die Harmonie des sozialen Lebens.
In früheren Jahrhunderten wurden Gewohnheiten und Bräuchen eine größere Rolle beigemessen. Die Etablierung eines auf der geistigen und wirtschaftlichen Situation der Menschen abgestimmten Rechts- und Normensystems anhand normativer Prinzipien schien den Menschen erschwert, weshalb Gewohnheiten und Traditionen die Quelle für Grundsätze des sozialen Lebens bildeten. Deshalb machten unterschiedliche Zivilisationen sich bestimmte Traditionen zu eigen und richteten sich nach ihnen.
Bräuche und Gewohnheiten können folglich grundlegend sein und lassen sich in starker Abhängigkeit zu den Bedürfnissen, Werten und Kapazitäten der jeweiligen Gemeinschaft beziehungsweise Gesellschaft wahrnehmen. Sie sind dynamisch und entwickeln sich mit der Gesellschaft mit. Gleichzeitig können Gewohnheiten und Traditionen die Defizite und Lücken von Rechtssystemen kompensieren, weshalb Menschen sich in Angelegenheiten zu denen keine rechtlichen Bestimmungen durch die Justiz formuliert wurden, an den vorherrschenden Gewohnheiten und
Bräuchen orientieren. Daher wird das kulturelle Gewohnheitsverständnis häufig als Referenz und Quelle bei der Etablierung von Gesetzen betrachtet.
Vor dem Hintergrund dieser Charakteristika hat sich in der islamischen Normenlehre das sogenannte Gewohnheitsrecht unter der Bezeichnung „ʿUrf“ etabliert. Der ʿUrf gehört zu den sekundären Rechtsquellen und berücksichtigt die in einer Gesellschaft gegenwärtigen Gewohnheiten, Traditionen, Bräuche und Sitten. Zur Bezeichnung dieser werden häufig die Begriffe ʿUrf (dt. Gewohnheit) und ʿĀda (dt. Brauch, Sitte) verwendet, die in erster Linie synonym gebraucht werden. Nichtsdestotrotz unterscheidet sich der ʿUrf von der ʿĀda insofern, als dass ʿĀda jeden bei Individuen oder Gemeinschaften auftretenden Brauch und Usus bezeichnet. ʿUrf ist eine Form von ʿĀda und impliziert die Sitten und Bräuche eines Volkes beziehungsweise einer Gesellschaft in Wort und Tat.
(Vgl. Muḥammad Fārūq al-Nabhān, İslâm Anayasa ve İdare Hukukunun Genel Esasları, übers. von Servet Armağan, İstanbul 1980, S. 241-339)
Die islamischen Gelehrten definierten ʿUrf und ʿĀda sinngemäß etwa wie folgt:
„Regelmäßig praktizierte Dinge in der Bevölkerung, die dem gesunden Menschenverstand übereinstimmend entsprechen.“
Des Weiteren ist es beim ʿUrf wichtig darauf zu achten, dass er „der islamischen Normgebung und der Vernunft entsprechend gutartig ist und nicht als schädlich erachtet wird.“ (Vgl. Yusuf Kerimoğlu, Kelimeler Kavramlar, İstanbul 1983, S. 139)
Viele Bräuche und Sitten die während der Verbreitung des Islam in entsprechenden Bevölkerungen und Gesellschaften als Gewohnheiten etabliert waren, wurden sofern sie als gut und nützlich wahrgenommen wurden so belassen. Auf diese Weise führte es zur Berücksichtigung des ʿUrf in der islamischen Normenlehre. (Vgl. Osman Öztürk, Osmanlı Hukuk Tarihinde Mecelle, İstanbul 1973, S. 7)
Die während des Aufkommen des Islam in Arabien vorhandenen Sitten und Bräuche wurden kategorisiert, sodass je nach Entsprechung manche abgelehnt, manche reformiert und manche akzeptiert wurden.
Jedes Land beziehungsweise Volk hat eigene nationale Werte und Gewohnheiten. Mit dem Islam im Widerspruch stehende Gewohnheiten abzuwenden und den Grundprinzipien des Glaubens nicht widersprechende Gewohnheiten weiterzuführen, ist ein vom Islam begrüßter Aspekt.
ʿUrf
ʿUrf ist ein als Gewohnheitsrecht verstandener Begriff, der sich in der islamischen Normenlehre etabliert hat. Sprachlich werden folgende Bedeutungen darunter verstanden: Güte, Gutmütigkeit, Kenntnis, Bekanntschaft, das von Verstand und Glaube als gut erachtete; Pferdemähne; hohe Stelle; Welle, Geduld; mit Hilfe des Verstands bei Menschen Akzeptanz findende und der gesunden Vernunft entsprechende wörtliche und praktische Gewohnheiten. (Vgl. Abū Sunnah, al-ʿUrf wa'l- ʿĀda, Kairo 1947, S. 8; al-Ǧurǧānī, Kitāb at-Taʿrīfāt, Dersaadet 1283, S. 99)
Pluralformen von ʿUrf sind „Aʿrāf“ und „ʿUraf“. ʿUrf kann auch eine situationsbedingte Beurteilung und Handlungsweise bezeichnen, welche sich nicht zwangsläufig im Recht manifestieren muss. (Vgl. Âsım Efendi, Kamus Tercemesi, İstanbul 1305, III, S. 674; al-Muʿǧamu l-Wasīṭ, II, S.601)
Definitionen mancher zeitgenössischer islamischer Rechtsgelehrte sind wie folgt:
„ʿUrf bezeichnet allen bekannte Aussagen und Handlungen, welche mit der Tradition weitergetragen und praktiziert werden“ (Vgl. al-Hallaf, al-Masādir, Kuwait 1970, S. 145)
„ʿUrf bezeichnet die durch die islamische Bevölkerung akzeptierten, sich angewöhnten und täglich berücksichtigten Worte und Taten.“ (Vgl. Zaidān, al-Waǧīz, Bagdad 1967, S. 215)
„ʿUrf meint die mehrheitlich akzeptierten und zur Angewohnheit gewordenen Angelegenheiten und jene Aussprüche, bei denen man an nichts anderes denkt wenn man sie hört als an das, wofür die Aussage gewöhnlich verwendet wird.“ (Vgl. Zakiyyuddīn aš-Šaʿbān, Uṣūl al-fiqh al-Islamī, übers. von İbrahim Kafi Dönmez, Ankara 1990, S. 175)
Wie hervorgeht wird unterschieden zwischen Sprachbrauch (ʿurf qaulī) und Handlungsbrauch (ʿurf ʿamalī). Beispielsweise können unter ʿurf ʿamalī Dinge wie der Einkauf von Gegenständen (Brot, Zeitung, Zeitschrift usw.) verstanden werden, bei dem auch ohne Sprachgebrauch Geld bezahlt und im Gegenzug die Ware entgegengenommen wird. Ebenso zählt z.B. der Usus, dass man die Miete zum fälligen Datum vollständig bezahlt, zu einem ʿurf ʿamalī. Wenn zum Beispiel das Wort „Kind“, welches sowohl weibliche als auch männliche Kinder bezeichnet, in einer Gemeinschaft oder Kultur nur im Zusammenhang mit männlichen Kindern verwendet wird, also darunter nur „Junge“ verstanden wird, so spricht man hier von einem ʿurf qaulī.
Das Wort ʿĀda ist eine Substantivform aus der Wortwurzel „a-w-d“, was so viel bedeutet wie „zurückkehren von wo man kommt“. ʿĀda bezeichnet eine Handlung, welche regelmäßig ausgeführt wird und zur Gewohnheit geworden ist. So wird beispielsweise die Menstruation der Frau manchmal auch als ʿĀda bezeichnet, da diese in bestimmten Zyklen nach und nach auftritt. (Vgl. Mehmet Şener, İslâm Hukukunda Örf, İzmir 1987, S. 104-105)
ʿUrf und ʿĀda werden in der islamischen Normenlehre synonym verwendet. Die Begriffe Taʿāmul und Istiʿmāl werden ebenfalls in diesem Sinne gebraucht. ʿUrf und ʿĀda können im Allgemeinen folgendermaßen definiert werden: Es sind schriftlich nicht fixierte und als normativ erachtete Prinzipien, die in der Gesellschaft etabliert sind und seit jeher Anwendung finden, weshalb sie als bindend im normativen Sinne gelten. (Vgl. Zahit İmre, Medenî Hukuka Giriş, İstanbul 1976, S. 166).
Das Wort ʿUrf kommt zwei Mal im gnadenreichen Koran vor. Im Vers „gebiete mit ʿUrf“ (al-Aʿrāf 7:199) bezeichnet es das aus islamischer Sicht Gute und Vernünftige. Dies ist gleichzeitig auch eine Bedeutung von Maʿrūf. Des Weiteren kommt der Begriff im Vers „wa-l-mursalāti ʿurfan“ (al-Mursalāt 77:1) vor, welcher sinngemäß „Bei denen, die nacheinander (wie eine Mähne) gesandt werden.“ Bedeutet. (Vgl. Muḥammad ibn Manẓūr, Lisān al-ʿArab, IX, S.239)
Der Begriff ʿUrf kommt im Koran und den Hadithen eher in seiner Partizip-Passiv-Form „Maʿrūf“ vor. Diese bezeichnet die Güte sowie Jenes, was vom Glauben und der Vernunft als gut erachtet wird. In dieser Form kommt die Bezeichnung an 39 Stellen im Koran vor. (Vgl. M. Fuʿād ʿAbd al-Bāqī, al-Muʿǧam al-Mufahras fī Alfāẓ al-Qurʾān al-Karīm, Kairo 1958, Artikel „ʿUrf“)
In der islamischen Normenlehre und ihrer Methodologie (Fiqh und Uṣūl al-fiqh) werden Normen aus den vier kanonischen Rechtsquellen abgeleitet. Diese sind der Koran, die Sunna, der Konsens (al- Iǧmāʿ) und der Analogieschluss (al-Qiyās). Diese werden auch als al-adilla al-arbaʿa (vier Quellen) oder als adillatu l-aḥkām (Rechtsquellen) bezeichnet und stellen die sogenannten Primärquellen dar.
Zusätzlich zu diesen Quellen die als Hauptreferenzen zur Ableitung von islamischen Normen dienen, werden weitere Hilfsquellen herangezogen. Zu diesen Sekundärquellen gehören unter anderem: der Istiḥsān („Billigkeitserwägung“), der Istiṣlāḥ („Orientierung am Gemeinwohl“), das Sadd aḏ-ḏarāʾiʿ („Versperren der Mittel zum Verbotenen“), der Istiḥāb („Fortgeltung der Grundnorm“), der ʿUrf („Berücksichtigung von Gewohnheitsrecht“), šarʿu man qablanā („Normgebungen vor unserer Zeit“) und qawl aṣ-ṣahabī („Aussage eines Prophetengefährten“).
Demnach ist ʿUrf eine Rechtsquelle sowie eine Referenz im Islam. So sagte der verehrte Prophet (s.a.s.) sinngemäß: „Was die Menschen für gut halten, das ist auch bei Allah gut.“ (Musnad Aḥmad ibn Ḥanbal, I, 379)
In der Majalla (Mecelle-ʾi Aḥkām-ı ʿAdlīye), einer Kompilation normativer abstrakter Rechtssätze des osmanischen Reiches, zeigen folgende Rechtssätze die Relevanz des ʿUrf im intersubjektiven Umgang:
„Das durch ʿUrf etablierte gilt wie eine Bedingung.“ (Artikel 43)
„Festlegung durch ʿUrf ist wie eine Festlegung durch Textbeleg zu beurteilen“ (Artikel 45)
Kategorien des ʿUrf mit Blick auf ihre Verbindlichkeit:
Damit der ʿUrf als Gewohnheitsrecht eine normative Referenz darstellen kann muss er gültig sein. Daher spricht man vom gesundem, gültigen Brauch (ʿurf ṣaḥīḥ) und schlechtem, verwerflichen Brauch (ʿurf fāsid):
1. ʿUrf ṣaḥīḥ: Bräuche und Sitten die nicht im Widerspruch zum Koran und zur Sunna stehen und somit ihnen entsprechen werden dieser Kategorie zugeordnet. So wird beispielsweise bei Streitigkeiten zwischen Ehepartnern bezüglich der Fälligkeit der Entrichtung (bei oder nach Eheschließung; Gesamt- oder Ratenzahlung) der Brautgabe (al-mahr) ein Rechtsgutachten in Anlehnung an den vorherrschenden ʿUrf gegeben. (Vgl. al-Hallaf, al-Masādir, S. 146; Vgl. Zaidān, al-Waǧīz, S. 215; Hamdi Döndüren, Delilleriyle İslâm İlmihali, İstanbul 1991, S. 36)
2. ʿUrf fāsid: Jene Bräuche und Sitten die einem Koranvers oder einem Hadith widersprechen und somit als ungültig beziehungsweise verwerflich gelten, werden dieser Kategorie zugeordnet. Beispielsweise können Alkoholkonsum und Zinswucher zu einem verbreiteten Brauch in einer Region gehören. Ebenso das gemeinsame Feiern von sich fremden Frauen und Männern auf Hochzeitsfeiern, Verlobungsfeiern oder ähnlichen Veranstaltungen, sofern nicht auf entsprechende Bekleidungsvorschriften (tasattur) und Diskretion geachtet wird. Diese Gewohnheiten und Sitten stehen im Widerspruch zum Islam und sind somit verwerflich. Selbst wenn diese sich innerhalb einer gesamten muslimischen Gesellschaft ausbreiten würden, würden sie keine Gültigkeit und Legitimität erhalten. Jeder Gläubige hat sich und seine Umgebung vor solchen Gewohnheiten zu schützen. (Vgl. Ibn ʿĀbidīn, Našru l-ʿUrf, II, S.116; Zaidān, al-Waǧīz, S. 216)
Der in der islamischen Jurisprudenz als Referenz geltende ʿUrf ṣaḥīḥ wird mit Blick auf seine Verbreitung wiederum in zwei Kategorien unterteilt. Dem allgemeinen Brauch (ʿurf ʿāmm) und dem speziellen Brauch (ʿurf ḫāṣṣ):
1. ʿUrf ʿāmm: Gewohnheiten, Sitten, Bräuche und Traditionen, die keiner lokalen und sozialen Begrenzung unterliegen und in allen Regionen jahrhundertelang gegenwärtig für die Muslime waren, sind dieser Kategorie zuzuordnen, da sie nicht auf eine einzelne Gesellschaft oder Region zu begrenzen sind. Der seit den Prophetengefährten bis in die heutige Zeit berücksichtigte und von Gelehrten in ihren iǧtihādāt (pl. von iǧtihād; Bemühung zur Meinungsfindung) als Referenz betrachtete ʿUrf ist von dieser Kategorie. (Vgl. Ibn ʿĀbidīn, Risalātu l-ʿUrf, II, S.124; Ali Haydar, Dürerul-Hükkâm Şerhu Mecelletil-Ahkâm, İstanbul 1330, I, S.93-94)
Ein hierfür sehr bekanntes Beispiel ist der sogenannte ʿaqd al-istiṣnaʿ (etwa: handwerklicher Kundenauftrag). Seit früheren Zivilisationen gibt es bei den Menschen den Brauch, die Herstellung einer Sache in Auftrag zu geben. Somit schließt man einen Kaufvertrag mit beispielsweise einem Handwerker über die Anfertigung eines Gegenstands. Nun ist der Verkauf einer nicht vorhandenen Sache jedoch durch den Propheten (s.a.s.) untersagt worden. (Vgl. Abū Dāwūd, Buyūʿ, 68; at-Tirmidhī, Buyūʿ,19; an-Nasāʾī, Buyūʿ 60; Ibn Māǧa, Tiǧārāt, 20; Aḥmad ibn Ḥanbal, III, 402)
Obwohl die oben beschriebene Art des Verkaufes also einer allgemeinen Untersagung zu widersprechen scheint, wurde diese Art des Produktionshandels von der großen Mehrheit der Rechtsgelehrten unter Berücksichtigung des in diesem Falle vorliegenden ʿUrf als legitim betrachtet.
2. ʿUrf ḫāṣṣ: Bei Bräuchen, Redewendungen und Sitten die spezifisch in einzelnen Gesellschaften, Völkern oder Regionen gegenwärtig sind spricht man vom ʿurf ḫāṣṣ. Beispielsweise wurde der Begriff „ad-Dābbah“ (dt. Tier) im irakischen Kulturraum eher speziell für die Bezeichnung eines Pferdes gebraucht. Ebenso die regionalbedingte schriftliche Buchhaltung von Händlern statt des Heranziehens eines Zeugen als Beweismittel bezüglich eines Verkaufs oder Schulden kann in diesem Sinne als ʿurf ḫāṣṣ verstanden werden.
Im Koran und der Sunna gibt es Angelegenheiten die dem ʿUrf überlassen werden.
Beispiele zu Angelegenheiten im Koran:
1. Im Islam hat der Mann für den Unterhalt der Familie, also seiner Ehefrau und Kinder zu sorgen. Der Koran nennt diesbezüglich keinen konkreten Betrag und überlässt dies dem ʿUrf:
„Und demjenigen (Vater), der das Kind gezeugt hat, obliegt es, für die Versorgung und Kleidung der Mutter in sittlicher Weise/anerkannter Handhabung (bi-l-maʿrūfi) aufzukommen. Keiner Seele wird mehr auferlegt, als sie zu leisten vermag.“ (al-Baqarah 2:233)
„Der Wohlhabende soll entsprechend seinem Vermögen die Aufwendungen gestalten. Und wem der Unterhalt bemessen zugeteilt wurde, der soll von dem ausgeben, was Gott ihm hat zukommen lassen. Gott fordert von einem nur das, was Er ihm hat zukommen lassen. Gott wird nach der schwierigen Lage Erleichterung schaffen.“ (aṭ-Ṭalāq 65:7)
Hieraus wird ersichtlich, dass die Unterhaltszahlungen des Ehemannes den Bedürfnissen seiner Ehefrau genügen und der finanziellen Handhabung des Ehemannes entsprechen sollen. (Vgl. as-Saraḫsī, Kitāb al-Mabsūṭ, Beirut 1978, V, S.181; Uṣūl al-fiqh, I, S.237; al-Ǧaṣṣāṣ, Aḥkām al-Qur’ān, Istanbul, Istanbul 1947, I, S.404; Hamdi Döndüren, Delilleriyle İslâm Hukuku, İstanbul 1983, S. 294ff.)
Auch der Unterhalt der Kinder richtet sich nach dem ʿUrf. So fragte Hind bt. ʿUtba, die Ehefrau von Abū Sufyān b. Ḥarb, den Propheten (s.a.s.) danach, ob sie ohne ihren Mann zu fragen von seinem Besitztum nehmen und ausgeben darf, da dieser nicht genug Unterhaltsausgaben für sie und ihre Kinder vornahm. Der Prophet (s.a.s.) antwortete:
„Du darfst von seinem Besitztum nehmen wie viel für dich und deine Kinder dem ʿUrf entsprechend nötig ist.“ (Buḫārī, Buyūʿ, 95; an-Nasāʾī, Quḍāt, 31; Ibn Māǧa, Tiǧārāt, 65; ad- Dārimī, Nikāḥ, 54)
2. Die Entlohnung einer Amme beziehungsweise Nährmutter (für ihr Stillen eines Kindes) wird ebenfalls dem ʿUrf entsprechend getätigt. So heißt es in einem Vers:
„… Und wenn ihr eure Kinder (von einer Amme) stillen lassen wollt, so ist darin keine Sünde für euch, sofern ihr das, was ihr geben wollt, dem ʿUrf entsprechend aushändigt …“ (al-Baqarah 2:233)
3. Der Sorgeberechtigte eines Waisenkindes darf sofern er selbst in Armut lebt, vom Besitz des Waisenkindes (was ihm an Besitz hinterblieben ist) dem ʿUrf entsprechend ausgeben:
„Und prüft die Waisen, bis daß sie das Heiratsalter erreicht haben. Und wenn ihr dann an ihnen Besonnenheit feststellt, so händigt ihnen ihren Besitz aus. Und zehrt es nicht verschwenderisch und voreilig auf, bevor sie älter werden. Und wer nicht darauf angewiesen ist, soll sich enthalten; wer arm ist, soll in dem ʿUrf entsprechend davon zehren. Und wenn ihr ihnen dann ihren Besitz aushändigt, so nehmt Zeugen vor ihnen …“ (an-Nisāʾ 4:6)
Schließlich wird deutlich, dass der in den Koranversen verwendete Begriff „maʿrūf“ sich je nach Zeit, Lokalität und Gesellschaft ändern kann und sich auf die in einer Gesellschaft etablierten und akzeptierten Bräuche und die Sitten bezieht. (Vgl. Abū Sunnah, al-ʿUrf wa'l- ʿĀda, S.49)
Beispiele zu Angelegenheiten in der Sunna:
1. In einem Hadith heißt es sinngemäß:
„Was die Muslime für gut erachten ist auch bei Allah gut.“ (Aḥmad ibn Ḥanbal, I, 379)
Der berühmte Gelehrte Šams al-Aʾimma (Sonne der Imame) as-Saraḫsī legt diesen Hadith wie folgt dar: „Dem Analogieschluss (Qiyās) nach wäre es nicht erlaubt, eine Produktion auf Bestellung (ʿaqd al-istiṣnaʿ) zu beauftragen, da dies der Verkauf einer nicht vorhandenen Sache wäre, was wiederum untersagt wurde. Dennoch gibt es diesbezüglich einen Brauch (ʿUrf) der seit der Zeit des Propheten (s.a.s.) etabliert ist, weshalb wir statt des Analogieschlusses (Qiyās) den ʿUrf als Referenz nehmen und Verträge wie den ʿaqd al-istiṣnaʿ beziehungsweise Produktionsaufträge als erlaubt erachten. Dies geht aus dem Hadith „Was die Muslime für gut erachten ist auch bei Allah gut (Aḥmad ibn Ḥanbal, I, 379) hervor. (Vgl. as-Saraḫsī, Kitāb al-Mabsūṭ, XII, S.181; Uṣūl al-fiqh, II, S.203)
2. Die (bereits oben genannte) vom Propheten (s.a.s.) an Hind bt. ʿUtba, die Ehefrau von Abū Sufyān, gerichtete Antwort zeigt, dass sich die Unterhaltszahlungen eines Mannes an seine Ehefrau und Kinder nach dem ʿUrf richten:
„Du darfst von seinem Besitztum nehmen wie viel für dich und deine Kinder dem ʿUrf entsprechend nötig ist. (Buḫārī, Buyūʿ, 95; Muslim, ʿAqdiyya, 7; Abū Dāwūd, Buyūʿ, 79)
Es gibt zahlreiche weitergeführte Bräuche und Sitten aus der Zeit der ǧāhilīya, welche vom Islam überholt und reformiert wurden. Diese sind im beispielsweise Bereich des Handels, der Pfändung und Hypothek, der Ehe und der Erbschaft wiederzufinden. Bräuche die verwerflich und schädlich sind, wie etwa der Zinswucher, das Glücksspiel sowie das Töten weiblicher Kinder durch lebendiges Vergraben (aufgrund einer Abneigung gegenüber weiblichen Nachkommen) hat der Islam verboten und abgeschafft.
Änderung der Bestimmung durch Änderung im ʿUrf:
Bei einem Iǧtihād (Normfindung durch eigenständige Bemühung) den der Gelehrte auf eine ʿUrf- Referenz stützt, ist es offensichtlich, dass durch eine Änderung dieses spezifischen ʿUrfs (der dem Kontext des jeweiligen Gelehrten entspricht) der Iǧtihād seine Referenz verliert. So beschreibt Ibn ʿĀbidīn:
„Normative Angelegenheiten (Bestimmungen) stützen sich entweder auf einen klaren Textbeleg (Koranvers oder Hadith) oder kommen durch raʾy und Iǧtihād (Bemühung um eigenständige Urteilsfindung) zustande. Bei den meisten normativen Angelegenheiten dieser Kategorie orientierte sich der jeweilige Muǧtahid (zum Iǧtihād befugter Gelehrte) am ʿUrf seiner Zeit. Wenn dieser Muǧtahid in der Zeit des gegenwärtig vorherrschenden ʿUrf leben würde, so würde er eine andere, seiner vorherigen Ansicht widersprechende Meinung vertreten. Daher haben die Gelehrten es als eine der Bedingungen des Iǧtihād angesetzt, die Bräuche und Sitten der Menschen ihrer Zeit zu kennen. Mit dem Voranschreiten der Zeit ändern sich viele normative Bestimmungen. Würden diese Bestimmungen unverändert in ihrer vorherigen Form weiterbestehen, würden sie sowohl dem Volk Last und Schaden bereiten als auch den Prinzipien der islamischen Normgebung widersprechen, welche die Etablierung von Erleichterung und Ordnung sowie die Prävention von Beeinträchtigungen und Chaos zum Ziel haben. Deshalb haben die Gelehrten verschiedener Rechtsschulen ihren Vorgängern (in manchen Angelegenheiten) widersprochen. Denn sie wussten, dass die vorherigen Gelehrten ebenfalls wie sie gedacht hätten, wenn diese in der selben Zeit wie sie gelebt hätten. (Vgl. Ibn ʿĀbidīn, Risalātu l-ʿUrf, II, S.124)
Dass spätere Muǧtahidūn (pl. von Muǧtahid) mit Blick auf diese Tatsache in zahlreichen Angelegenheiten ihren Vorgängern aufgrund einer neuen ʿUrf-Wahrnehmung widersprochen haben, zeigt sich unter anderem in folgenden Beispielen:
1. Nach der hanafitischen Rechtsschule ist es nicht gestattet für gottesdienstliche Handlungen wie beispielsweise das Vorbeten als Imam, dem Unterrichten von Koranrezitation oder der Tätigkeit als Muezzin (Gebetsrufer) eine Entlohnung zu erhalten. Denn diese Dinge gehören zur Dienerschaft, also zu den gottesdienstlichen Handlungen gegenüber Gott. Diese normative Bestimmung (ḥukm) war der frühen Zeit der führenden Muǧtahidūn und der Rechtsschul-Imame (Formative Phase der islamischen Normenlehre) entsprechend, denn zu der damaligen Zeit war es so, dass diejenigen, die ihre Zeit für Dienstleistungen im Bereich religiöser Dienste opferten und währenddessen nicht gleichzeitig für sich selbst sorgen konnten, vom Bayt al-Māl (eine Art Staatskasse des islamischen Reiches) eine entsprechende finanzielle Unterstützung bekamen, sodass sie nicht abhängig von anderen waren. Später wurden derartige Unterstützungen unterbrochen, sodass die im Bereich derartiger freiwilliger Dienste tätigen Menschen teilweise gezwungen waren, ihre Zeit für den Verdienst ihres Lebensunterhaltes zu nutzen. Dies führte wiederum zu einer Vernachlässigung öffentlicher religiöser Dienste und Studien. Unter Berücksichtigung der Umstände, welche sich in dieser Angelegenheit mit Blick auf früher änderten, sprachen sich spätere hanafitische Muǧtahidūn für die Fatwā (Rechtsgutachten) aus, nach welcher die Entlohnung derer, die sich in öffentlich-sozialen religiösen Dienstleistungen (wie Imame, Muezzins und Koranschullehrer) engagieren, gestattet wird. In der schafiitischen Rechtsschule wurden diese Angelegenheit bereits von Anfang an als Dienstleistungen betrachtet, für welche eine finanzielle Entlohnung als erlaubt betrachtet wird. (Vgl. Zakiyyuddīn aš-Šaʿbān, Uṣūl al-fiqh al-Islamī, S. 179; Muḥammed Abū Zahra, Uṣūl al-fiqh S.276)
2. Theoretisch wird etwas Anvertrautes nur dann erstattet, wenn dies durch vorsätzliche Beschädigung oder fahrlässigen Umgang notwendig wird. Da jedoch mit der Zeit das Vertrauen einander gegenüber nachgelassen hat, Schädigungen sich vermehrt haben und das Vertrauen in dieser Hinsicht immer öfter missbraucht worden ist, wurde das Prinzip der Erstattung von Waren und Gütern etabliert, wonach derjenige Geschäftspartner oder unter Umständen auch Angestellter, der die Verantwortung für einen Verlust oder eine Beschädigung trägt, selbst für diesen aufkommen muss. Dies hat zum Ziel vorsätzlichen und fahrlässigen Missbrauch zu verhindern.
3. Laut Abū Ḥanīfa ist ausgehend vom Hadith des Propheten (s.a.s.) „Muslime sind einander gegenüber aufrichtig.“ (Vgl. Ibn Qaiyim al-Ǧauziya, Iʿlām al-muwaqqiʿīn ʿan rabb al-ʿālamīn, I, S.30.) die Prüfung der Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit von Zeugen (bei Zeugenaussagen) nicht erforderlich. Diese Beurteilung entspricht der Zeit Abū Ḥanīfas. So nahm in späterer Zeit das Lügen und Falschaussagen unter den Menschen zu, weshalb Abū Yūsuf und Muḥammad aš-Šaibānī (die Schüler Abū Ḥanīfas) sich dafür aussprachen, dass bei richterlichen Beschlüssen die Prüfung der Zuverlässigkeit von Zeugen eine Bedingung darstelle. (Vgl. Muḥammed Abū Zahra, Uṣūl al-fiqh S.266)
Tradition
Allgemein betrachtet wird unter Tradition in der Regel die in einer Gesellschaft, Gemeinschaft oder Kultur etablierte und weitertradierte Gesamtheit sprachlicher und nicht-sprachlicher Gepflogenheiten, Konventionen, Glaubensvorstellungen, Bräuche und Sitten verstanden, welche im Unterschied zu Instinkten in der Zeit auftreten und nicht angeboten sind. Im islamischen Verständnis wird ʿUrf ausgeprägter verstanden, da dieser Begriff stärker etablierte Traditionen und Sitten impliziert.
Traditionen und Sitten stellen gewisse soziale Handlungsmuster in verschiedenen Bereichen des Lebens dar. Diese von früheren Generationen aufgenommene und weitertradierten Gewohnheiten und Gedanken können nicht pauschal als schädlich oder nützlich bewertet werden. So führen manche von ihnen zu Konflikten und Degenerationen während manch andere nützlich für den Fortbestand und die Harmonie im gesellschaftlichen Leben sind.
In der westlichen Literatur wird die Tradition beziehungsweise die Gewohnheit häufig als „soziales Erbe, welches sich nur schwierig ändern lässt und eine Bindung zu früheren Gesellschaften darstellt“ beschrieben. Das Verhältnis zwischen Adaption an die Gegenwart und Orientierung am Usus früherer Generationen ist von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich. Manche Soziologen merken an, dass Revolutionen kulturelle Gewohnheiten einer Gesellschaft aufheben. Dennoch sieht man selbst nach den stärksten Revolutionen gewisse Traditionen und Sitten bestehen. (Vgl. H. Ziya Ülken, Sosyoloji Sözlüğü, Istanbul 1969, S. 115)
Eine in den modernen Gesellschaftswissenschaften allgemein behandelte Thematik ist das Phänomen der Entwicklung sozialer Wertevorstellungen. Dies bedeutet auch zwangsläufig einen Wandel in der Kultur. So beschreibt Maurice Duverger, wie traditionelle Werte einer Kultur mit jedem Tag stärker von neu auf die Kultur einwirkenden Gedanken, Handlungsweisen und Gestaltungen verdrängt werden. Da diese manchmal nur der bestehenden Kultur hinzugefügt werden, komme es in solchen Fällen zur schlichten Ansammlung. Doch in den meisten Fällen bedingen neue Werte das Ersetzen älterer Aspekte der Kultur beziehungsweise Tradition. Auf diese Weise sei ihm zufolge jede Kultur stetig in einem Entwicklungsprozess. (Vgl. Maurice Duverger, Siyaset Sosyolojisi, Istanbul 1975, S.124)
Derartige Vorstellungen führten zu pauschalisierenden und undifferenzierten Perspektiven in der westlichen Welt gegenüber kultureller Traditionen, was vor allem auch vor dem Hintergrund der mittelalterlich-christlichen Geistesgeschichte zu tun hat, welche besonders nach der Zeit der Aufklärung als Anlass dafür diente, die gesamte Vergangenheit des christlichen Europas zu verteufeln. In der islamischen Geschichte hingegen ist meistens zu beobachten, dass entsprechend dem islamischen Verständnis eine differenzierte Betrachtung kulturell-traditioneller Werte und Bräuche vorgenommen wurde, sodass aus nützlichen und vernünftigen Werten der Tradition profitiert wurde. Dies ist daran zu erkennen, dass die äußerst vorbildlichen Wertevorstellungen der Ära des Propheten Muhammad (s.a.s.) und seiner Gefährten über die Jahrhunderte versucht wurden aufrechtzuerhalten. So stellt der Islam und daraus resultierend auch die Vernunft für Muslime den Maßstab dafür dar, was aus kultureller Tradition auf einer Seite und der Moderne auf der anderen Seite als verwerflich oder aber als nützlich erachtet werden soll.
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In welcher Sprache wurde die Bibel geschrieben? Griechisch oder Aramäisch?
frühchristliche Schriftsteller berichten von der Präsenz der hebräisch-aramäischen Bibel, der sogenannten "Logia“, welches soviel wie Sprache, Aussprüche oder antike Textsprache bedeutet. Außerdem haben einige westliche Forscher, die ab dem 18. Jahrhundert begonnen haben, die Bibel zu studieren davon berichtet, dass es ein einzelnes Buch gab, bevor die gegenwärtigen vier Bücher erschienen. Die derzeitigen 4 Bücher basieren auf dieser früheren Bibel.
Der Forscher Lessing formulierte ab dem 18. Jahrhundert die These, dass es vor den vier Evangelien eine grundlegende Bibel gab, dass dessen Sprache aramäisch war und dass Matthäus, Markus und Lukas aus den Evangelien schrieben.
J. G. Eichon berichtet ebenfalls von der Existenz dieses ersten Originals. Laut J. Wellhausen gehört dieses erste Original zu Markus. Markus schrieb diese erste Kopie auf Aramäisch und er weitete sie aus, um sie folglich ins Griechische zu übersetzen. Ihm zufolge wurden die Bibeln von Matthäus und Lukas unter Vorlage dieser Texte verfasst. Laut Zahn ist diese Originalkopie nicht von Markus, sondern sie gehöre zu Matthäus.
L. Waganay sagt, dass das Originalmanuskript Marcus gehört und dass Marcus sich an den Predigten von Petrus orientierte. Seiner Meinung nach wurden spätere Editionen auf Basis von Marcus verfasst.
Nach einigen Bibelforschern, gab es vor den heute üblichen Bibeln bereits vereinzelte Texte, die von den Worten und Wundern des Propheten Jesus (Friede sei mit ihm) enthielten. Diese vereinzelten Texte dienten späteren Editoren als Vorlage.
Die Edition der Bibel, die den Originalmanuskripten am nächsten kommt ist die Barnabas-Bibel.
Es gab es auch in der Türkei Studien zu diesem Thema.
Das unveröffentlichte Buch von Abdurrahman Aygün mit dem Titel "İncil-i Barnaba ve Hz. Peygamber Efendimiz Hakkındaki Tebşîrâtı" wurde 1942 geschrieben. (Siehe Osman Cilacı, "Barnaba İncili Üzerine Bir Türkçe Yazma ", Diyanet Dergisi, Ekim-Kasım-Aralık,1983, cilt:19, sayı: 4, s. 25-35)
1984 wurde in einer Höhle in der Nähe Hakkaris, ein Buch in aramäischer Schrift und mit assyrischem Alphabet gefunden. Es handelte sich um die Barnabas-Bibel. Dieses Werk wurde von Behörden eingezogen nachdem Schmuggler den Versuch unternommen haben, das Werk aus dem Land zu schmuggeln. (vgl. İlim ve Sanat, Mart-Nisan 1986, sayı: 6, s. 91-94).
Darüber hinaus wurde unter dem Namen „Barnaba incili“ von Mehmet Yildiz ein Werk vom Englischen ins Türkische übersetzt. Diese Arbeit wurde 1988 vom Verlag "Kültür Basın Yayın Birliği" veröffentlicht.
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Zwischen Ehrfurcht und Hoffnung - Zwei essenzielle Kräfte im Glauben
Der Mensch, so wie er im Qurʾān angesprochen wird, hat sowohl Grund zur Freude als auch Grund zur Angst. An mancher Stelle wird ihm Entlohnung versprochen, während er an anderer Stelle bedroht wird. Angst und Hoffnung sind also zwei starke Triebfedern, die das Verhalten des Menschen formen. Angst und Hoffnung sind auch alltäglich. Menschen haben Angst vor Dunkelheit, verlassen zu werden oder vor Spinnen. Hoffnung kann auch viele Gesichter haben. Die Hoffnung auf einen neuen Job, Hoffnung dass die Liebe erwidert wird oder aber dass ein guter Film im Fernseher läuft. Angst und Hoffnung können also verschiedenste Formen annehmen doch lautet die Frage nun wie man Angst und Hoffnung im religiösen Sinne verstehen muss. Wie sieht Angst und Hoffnung bezüglich Gott aus?
Ḫauf und raǧāʾ sind die beiden Begriffe die man in religiösen Texten diesbezüglichen finden kann.
Ḫauf bedeutet "Angst, erschrecken, Ehrfurcht" und raǧāʾ bedeutet "Ambitionen, Hoffnung, Bitte, Wunsch".
Das ruhige Wasser ist nicht so schön wie das gewellte Meer. Die nach links und rechts schwingenden Äste zeigen mit dem Wehen des Windes eine schönere Aussicht als die ruhigen Bäume. Wir können den Wind nicht sehen, wenn wir ihn sehen könnten, könnten wir ihn wie ein welliges Meer beobachten.
Die harmonischen Schwingungen der Äste sind das Ergebnis der Winde die wie Wellen toben. Hier ist der menschliche Geist gleich dem welligen See, gleich dem Baum, dessen Äste schwingen. Engel sind wie ruhiges Wasser, stille Pflanzen. Der menschliche Geist ist den Wind ausgesetzt, welches eine Analogie zu seiner Prüfung im Diesseits ist. Das menschliche Herz ist unentschlossen, stets im Wandel.
Diese unaufhörliche Veränderung in der menschlichen Seele, diese intermittierende Fluktuation verleiht ihr eine gewisse Schönheit. Er bringt ihn zu einer Position über den Engeln. Die einzelnen Stoffe mit kontrastierenden Farben werden im Herzen zu einem einzigen Stoff zusammengenäht. Die Attribute des Schöpfers, Majestät und Schönheit zeigen sich im Herzen des Menschen und bringen das Herz und die Seele zur Vollkommenheit. Gewalt und Segen vereinen sich in ihm als Zustimmung.
Dieser Kontrast im Herzen führt zwei getrennte Schlüsse im Herzen hervor: Ehrfurcht und Hoffnung.
Eine art süße Angst: Das man vor Gottes Majestät, Gewalt und Größe Ehrfurcht empfindet... eine angenehme Hoffnung: Das man in Gottes Gnade, Segen und Darbietung stets hoffnungsvoll verbleibt...
Die Menschen, die die Weltliche Prüfung gewinnen, glauben an Gott mitsamt all seiner Eigenschaften, Handlungen und Namen. Während allgewaltige Namen Angst und Ehrfurcht in ihren Herzen erzeugen, erfüllen die wunderschönen Namen ihre Herzen mit Hoffnungen, Glückseligkeit und Zufriedenheit ...
Sie unterliegen einem doppelten Test, der als Gebote und Verbote bezeichnet wird. Gebot und Verbot kreuzen den Weg des Menschen und oft bleiben sie dabei zwischen Recht und Unrecht verunsichert. Gutes für Gott zu tun bildet eine rechtschaffene Tat, dem Bösen zu widerstehen bildet Frömmigkeit in Gottesfurcht. Wenn man rechtschaffene Taten vollbring öffnet sich das Tor zur Hoffnung, und wenn die Frömmigkeit in Gottesfurcht erlangt wird, öffnet sich das Tor zur Ehrfurcht. Beide Türen münden im selben Raum: im Paradies.
Ein Illustration aus der Schöpfung Gottes bringt uns diese Glaubenswahrheit näher:
In dem Mittelpunkt der Erde brennt das Magma wie ein Ofen. Oben wirft die Sonne meilenweit ihre Flammen. Und schließlich halten Menschen und Tiere, Meere und Wälder ihre Existenz zwischen diesen beiden Feuern aufrecht.
Der spirituelle Geist des Menschen verläuft auch zwischen den beiden Feuern: Triebseele („nafs“) und Satan. Angesichts dieses Bildes sollten die Menschen folgendermaßen nachdenken: Da mein Körper sein Leben zwischen Sonne und Magma fortsetzt; ist meine Seele immer noch gläubig, angesichts des Teufels und meiner Bösartigkeit. In diesem Fall gibt es keinen Grund, sich von Allahs Gnade die Hoffnung abzuwenden. Und da ich mich nichtmal für einen Moment von diesen beiden Feuern beruhigen kann, ist es unsinnig zu glauben, ich bin vor Gottes Pein immer sicher.
Ehrfurcht und Hoffnung sind die Eigenschaften der Gläubigen. Wenn es dem Geist entzogen wird, zeigt sich die Gefahr des Unglaubens. Eine Person, die keinen Angst hat, betritt einen Weg der Rebellion und das Ende dieses Weges ist die Gefahr, dem Unglauben ausgesetzt zu sein. Verminderte Hoffnung führt zur Verzweiflung. Und das ist eine anderer Weg, der letztendlich im Unglauben münden wird.
Einige der Verse im Qurʾān, sprechen von froher Botschaft und vom Paradies für die Gläubigen, während einige Verse die Ungläubigen mit der Hölle drohen und sie warnen. Wie das Herz im Rhythmus schlägt und still bleibt, erlangt der Mensch durch die Balance zwischen Ehrfurcht und Hoffnung Glückseligkeit.
Die Sure al-fātiḥa ist wie ein Index des Qurʾān, quasi eine Zusammenfassung oder Quintessenz des Qurʾān. Dort wird von Ehrfurcht und Hoffnung folgendermaßen gesprochen:
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. (Alles) Lob gehört Allah, dem Herrn der Welten, dem Allerbarmer, dem Barmherzigen, dem Herrscher am Tag des Gerichts. Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe. Leite uns den geraden Weg, den Weg derjenigen, denen Du Gunst erwiesen hast, nicht derjenigen, die (Deinen) Zorn erregt haben, und nicht der Irregehenden!
Der Geist eines Gläubigen, der diese Sure liest, wandert zwischen Ehrfurcht und Hoffnung, auch wenn er es nicht bewusst fühlt.
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Politik und Islam - Als Muslim angesichts heutiger Wahlperioden

Stehen wir in der Verantwortung als Muslime die Politik zu formen? Tragen wir Verantwortung für die Politiker?
Unsere Aufgabe ist es, für Menschen zu stimmen, von denen wir glauben, dass sie gute Absichten haben, Menschen, von denen wir glauben, dass sie nützlich sind für unsere Heimat. Bis hierhin und nicht weiter reicht unsere Verantwortung. Danach sind die gewählten Personen verantwortlich für ihr Tun und dessen Wirkung.
In der Wahlperiode erhält das Volk, die die Regierung stets kontrollieren und kritisieren muss, die Möglichkeit, ihre Regierung zu wählen. Die Menschen gehen also zu den Wahlen. Bei der Wahl versuchen wir, die besten Kandidaten auszuwählen. Unsere Absicht ist, dass sie unserem Staat mehr Nutzen bringen. Selbstverständlich tragen wir Verantwortung dafür, wenn wir bewusst ungeeignete, korrupte oder sonstig schlechte Kandidaten wählen. Für alles Weitere liegt beim Wähler keine Verantwortung.
Wir sehen, dass die islamische Religion keine bestimmte Regierungsform aufzwingt. Sie hat lediglich grundlegende Regeln und Prinzipien eingeführt. Das sind Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und das Beachten von Verboten in der Religon. Aus diesem Grund wird unsere Religion, die sogar anhält, während einer Reise einen Präsidenten zu wählen, sicherlich nicht gegen die Wahl der Menschen sein, die in die die Verwaltung der Nation übergehen.
Auf der anderen Seite wurden die ersten Kalifen immer gewählt. Es ist rechtmäßig für einen Muslim, für jemanden zu stimmen, von dem er glaubt, dass er seinem Land, seiner Nation und dem Sakrament seiner Wähler dienen wird. In der Tat ist es nicht richtig, vor solch einer Aufgabe davonzulaufen oder die Augen davon zu verschließen.
Ist es heute angemessen ist, Politik zu betreiben? Wenn ja, unter welchen Bedingungen?
Wenn wir in solch einem Verständnis sein vorangehen würden, wonach oberste Maxime es wäre der Religion und dem Volk zu dienen, wird der Eintritt in die Politik kein Problem sein. Ein Verbot ist für sich was anderes, als etwas in verbotener Weise zu benutzen. Die Werkzeuge wie Computer und Fernseher sind selbst Werkzeuge und dürfen nicht verboten werden. Man kann jedoch diese Werkzeuge für Gutes nutzen wie eben auch für Schlechtes missbrauchen.
Politik ist vergleichbar mit einem Werkzeug in diesem Beispiel. Wichtig ist also nicht das Werkzeug selbst, sondern wie man es benutzt.
Es gibt einige Vor- und Nachteile, wenn man mit einigen Bedingungen in die Politik einsteigt. Wir versuchen diese zu sortieren:
1. Die Dienstpflicht an der Religion und dem Volk sollte stets oberste Priorität haben.
2. Man sollte sich niemals bereit erklären zu lügen, egal welche Konsequenzen dies haben mag.
3. Im Namen einer Gemeinde zu stehen und dann zu versuchen, nicht mit seiner eigenen Gemeinde brüchig zu werden. Mit anderen Worten, man sollte als Individuum und nicht im Namen der Gemeinde In die Politik gehen. Anhänger sollen den Kandidaten als Individuum bevorzugen und wählen. Andernfalls wird er die Sympathie und Verbundenheit der Gemeindeangehörigen zur Gemeinde für sich ausnutzen. Das kann schnell zu Vorwürfen und Kritiken führen, daher ist davon abzuraten.
4. Immer denjenigen zur Seite stehen, die im Recht sind.
5. Man soll nicht Anhängern und Mitgliedern anderer Parteien übel nachreden, sie ungerechtfertigt kritisieren oder gehaltlose Vorwürfe formulieren.
Wenn man ein Umfeld aufbauen kann, welches nach diesen Prinzipien sowie nach den Geboten und Verboten der Religion funktioniert, kann man in die Politik einsteigen.
Wenn man jedoch durch den Eintritt in die Politik seine Gottesdienste signifikant vernachlässigt und in einem Umfeld fungiert, welches voller Sünde regelrecht aufquillt, sollte man sein Vorhaben zumindest ernsthaft in Frage stellen.
Selam & Dua
Fragenandenislam - Team
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Warum lässt Allah auch Unschuldige leiden?
ein Unglück oder ein Schicksalsschlag ist für die Gläubigen die Antwort für ihre Fehltritte im Diesseits. Allerdings können in solchen Momenten und Ereignissen auch Unschuldige und Leute ohne solche Fehltritte Schaden nehmen und ihr Hab und Gut kann verloren gehen.
Und hütet euch vor einer Versuchung, die nicht nur besonders diejenigen von euch treffen wird, die Unrecht taten. Und wisset, daß Allah streng im Bestrafen ist! (8/25)
Die Frage im Raum ist dann warum auch diese Menschen betroffen sind. Warum wird der, der sozusagen „nur daneben stand“ ebenso von der Strafe getroffen.
Die Frage berücksichtigt einen ganz wesentlichen Aspekt des Lebens im Diesseits nicht. Diese Welt und unser Leben darin ist eine Prüfung. Das Jenseits liegt solange man noch atmet im Verborgenen. Wenn also ein Unheil immer nur die Übeltäter treffen würde und es den Unschuldigen immer gut gehen würde, dann könnte man auch nicht mehr von einer Prüfung sprechen. Dann wäre für alle nämlich – völlig unabhängig vom Glauben – die Prüfung und das Ergebnis aufgelöst. Das wäre vergleichbar mit einem Lehrer, der seinen Schülern eine Klausur und die richtigen Lösungen zu den einzelnen Fragen zusammen aushändigt. So kann man nicht herausfinden, welcher Schüler gelernt hat und welcher nicht.
Zu diesem Thema hat „Bediüzzaman“ Said Nursi in seinem Werk eine Abhandlung. Wir bilden hier einen Teil ab (Anhang zum 14.Wort):
„»Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. wenn die Erde erschüttert wird und ihre Lasten von sich gibt, und der Mensch sagt: Was ist los mit ihr? An jenem Tage wird sie aussagen, was sie zu berichten hat, weil dein Herr es ihr so eingegeben hat...« (Sure 99, 1-5)
Diese Sure bringt mit Sicherheit zum Ausdruck, dass die Erde in ihrer Bewegung und wenn sie bebt, Offenbarungen und Eingebungen erhält, und dass sie durch einen Befehl erschüttert wird. Manchmal erzittert sie unter ihm.
Bezüglich des letzten Erdbebens sind mir von einer geistigen und wichtigen Seite sechs, sieben Fragen gestellt worden und die Antworten darauf mir gleichfalls innerlich in Form einer Ermahnung gekommen. Ich hatte oftmals die Absicht gefasst, ausführlich darüber zu schreiben. Doch wurde mir dazu nicht die Erlaubnis gegeben. Deshalb sei hier nur eine kurze und bündige Zusammenfassung wiedergegeben.
Erste Frage: Woher kommt es, dass bei diesen großen Beben zu dem materiellen Unglück noch der Schmerz, als ein inneres Unglück in Form einer Furcht vor einem erneuten Beben und die Verzweiflung, die den meisten Leuten in diesen Ländern die Nachtruhe raubt, als eine fürchterliche Qual hinzugegeben wird?
Dazu wiederum die innere Antwort, die folgendermaßen spricht: Wenn im heiligen Monat Ramadan, während des Teravih-Gebetes * im Rausch der Freude und Ausgelassenheit Gesänge voller Leidenschaft und manchmal die Stimmen der Mädchen in diesem gesegneten Zentrum des Islam in jeder Ecke aus dem Radio locken und überall zu Gehör gebracht werden, so hat dies die Strafe der Furcht zur Folge.
Zweite Frage: Warum kommen in den Ländern der Ungläubigen diese Schläge von oben nicht auf deren Häupter herunter? Warum kommen sie über die bedauernswerten Muslime?
Antwort: Während man schwere Vergehen und Verbrechen einer späteren Verhandlung überlässt in den großen Kreisstädten, die kleinen Vergehen aber in den kleinen Städten sofort verhandelt, so liegt auch eine bedeutende Weisheit darin, dass der größte Teil der Verbrechen der Leute des Unglaubens dem großen Gericht bei der Wiederversammlung überlassen wird, die Fehler der Leute des Glaubens aber zum Teil schon in dieser Welt bestraft werden. *
Dritte Frage: Was ist der Grund dafür, dass sich dieses Unglück bis zu einem gewissen Grade über ein ganzes, großes Gebiet verbreitet hat, während es doch die Schuld nur einiger weniger war?
Antwort: In Anbetracht dessen, dass ein allgemeines Unglück aus den Fehlern der Mehrheit erwächst, weil die meisten Menschen an den Handlungen der Übeltäter entweder durch Mittun oder durch Begünstigung oder durch Stillschweigen Anteil genommen haben, verursachen sie ein allgemeines Unglück.
Vierte Frage: Betrachtet man diese Katastrophe als eine Folge der begangenen Fehler und eine Buße für die Sünden, aus welchem Grund sind dann die Unschuldigen nicht verschont worden? Wie kann die Gerechtigkeit Gottes so etwas zulassen?
Dazu wiederum die innere Antwort: Da dieses Problem sich auf das Geheimnis der Vorausschau Gottes bezieht, verweisen wir auf die Abhandlung über die Vorausschau Gottes. Hier soll dazu nur so viel gesagt sein: »Und hütet euch vor einem Übel, das nicht ausschließlich die Frevler unter euch trifft.« (Sure 8, 25)
Das heißt: »Nehmt euch in Acht vor einer Katastrophe, die nicht auf die Frevler beschränkt bleiben wird, sobald das Unglück einmal da ist, sondern auch die Unschuldigen nicht verschont.« Das Geheimnis dieses Qur´an-verses ist folgendes:
Diese Welt ist ein Ort der Erfahrung und Prüfung, ein Haus der gesellschaftlichen Forderungen und der sozialen Bemühungen. Prüfungen und Erfordernisse aber machen es notwendig, dass die Realität verschleiert bleibt, sodass Persönlichkeiten wie Abu Baqr durch Wettbewerb und Anstrengung zur höchsten Höhe emporsteigen und solche von der Art eines Abu Djehil in die tiefste Erniedrigung hinabsinken. Blieben die Unschuldigen in solchen Katastrophen unversehrt, so würden sich Leute wie Abu Djehil denen wie Abu Baqr gleich auf Gott verlassen, das Tor der Bemühungen und des geistigen Fortschritts bliebe verschlossen und der Sinn der Prüfung wäre verfehlt.
So erfordert es denn die Weisheit Gottes, dass die Unschuldigen zusammen mit den Frevlern ins Unglück stürzen. Was aber ist dann in Anbetracht Seiner Barmherzigkeit und Gerechtigkeit der Anteil dieser armen Unschuldigen?
Auf diese Frage wurde mir folgende Antwort gegeben: Diejenigen, die unter den Zorn und die Wut dieses Übels geraten sind, empfangen auch ein Aufscheinen der Barmherzigkeit. Denn so wie die vergänglichen Güter dieser Unschuldigen für sie zu einer Spende und so zu einem ewigen Gut werden, so gewinnen sie auch durch eine Art Märtyrertum anstelle ihres vergänglichen Lebens ein ewiges Leben. Dieses Erdbeben, dessen Zorn nur vorübergehend und verhältnismäßig klein ist, sie aber dabei einen großen und immerwährenden Gewinn erwerben lässt, ist für sie zugleich mit dem Zorn auch eine Barmherzigkeit. (…)“
Ein Unheil vereinnahmt als Teil der Prüfung im Diesseits also alle ein, ob gut oder schlecht. Somit bleibt auch die Prüfung echt. Ansonsten würden die Menschen den Glauben nur vorheucheln um sozusagen auf der Seite der Gewinner zu sein. Sie würden also aus Profit heraus handeln.
Die Unschuldigen, die von einem Unheil getroffen werden, erhalten damit jedoch große Belohnungen. Ihre kleineren Fehltritte und Sünden werden getilgt, sie steigen im Rang auf und erlangen somit Gnadengaben, die sie sonst niemals erlangen würden. Wir sehen also, dass Allah stets mit Barmherzigkeit und Weisheit entscheidet.
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Warum ist Ehebruch bzw Unzucht verboten?
Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn eine Sache im religiösen Sinne als verboten deklariert ist, dann geschieht das durch den Willen Gottes. Es gibt keine anderen Gründe. Gott verfügt mit seiner Allmacht über Gebot und Verbot. Es kann darüber hinaus allerdings Gründe geben, warum etwas Verbotenes für uns schlecht sein kann. Gerne wird zum Verbot von Schweinefleisch erwähnt, dass besagtes Fleisch recht ungesund ist. Schweinefleisch wäre aber auch verboten, selbst wenn es gesund sein sollte. Die Beseitigung des möglichen Schadens einer Sache macht diese Sache also nicht erlaubt für uns. Als Menschen ist unser Verstand und unser Sehvermögen begrenzt, wir begreifen schlichtweg nicht welche weiteren Begleiterscheinungen einer Sache innewohnen. Wir würden auch nicht begreifen, welche Weisheiten einem Verbot und einem Gebot innewohnen.
Jedes Verbot schützt uns oder dient zur Vorbeugung. Wir können allerdings nicht immer erkennen, worum es sich dabei handelt. So hat man die gesundheitsschädlichen Eigenschaften von Schweinefleisch erst mit der Zeit ermitteln können, das Verbot durch den Islam existierte aber schon vorher. Demnach hätten ja Muslime bereits vorher gegen dieses Verbot rebellieren müssen. Sie hätten damit aber einen Irrtum begangen. Wir haben die Aufgabe Gottes Willen zu folgen. Mit den Entwicklungen der Zeit zeigt sich allerdings mehr und mehr, wie wertvoll und schützend die Verbote der Religion sind.
So kann man über den Ehebruch sagen, dass dieser Akt sehr schädlich ist für das gesellschaftliche System und das Miteinander. Wenn man von der Familie als Herzstück einer Gesellschaft ausgeht dann zerreißt der Ehebruch dieses Herzstück und zeichnet die einzelnen Mitglieder dieser Familie nachhaltig. Pädagogen und Psychologen sind sich darüber eins, dass eine Scheidung oder Ehebruch ein einschneidendes Erlebnis ist und mitunter eine Biographie intensiv prägen kann.
Und nähert euch nicht der Unzucht. Gewiß, sie ist etwas Abscheuliches - und wie böse ist der Weg (17/32)
Und die, die neben Gott keinen anderen Gott anrufen und den Menschen nicht töten, den Gott für unantastbar erklärt hat, es sei denn bei vorliegender Berechtigung, und die keine Unzucht begehen. - Wer das tut, hat die Folge der Sünde zu erleiden (25/68)
Selam & Dua
Fragenandenislam - Team
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Welche Weisheit kann hinter dem Unglück eines Kindes stecken?
das Unglück von Kindern ist für das Gewissen besonders verstörend, da doch Kinder die reinste Unschuld darstellen und die Barmherzigkeit eines jeden Menschen in der Regel erregen. Doch gibt es überall viele leidende Kinder und die Frage lautet nun; wie kann man das erklären?
Zunächst müssen wir das Problem lösen, indem wir es in zwei Teile aufteilen. Das Prinzip der Schöpfung wonach das Schicksal diejenigen peinigt, die dem Erbarmen der Natur der Schöpfung zuwider handeln: Dies gilt für die erste Frage und Vergleichbares. Die Bewertung des Kindes von alkoholabhängigen Eltern, welches regelmäßig körperlicher Gewalt ausgesetzt ist kann auch mit diesem Prinzip zusammen hängen, hängt aber tendenziell mit anderen Prinzipien der göttlichen Gerechtigkeit zusammen.
Nun wollen wir zuerst den ersten Teil des Problems erklären, das Prinzip der "Bestrafung durch Zuwiderhandeln gegenüber der Barmherzigkeit innerhalb der göttlichen Schöpfung", die auch Erwähnung findet im Werk „Harmonie des Lichts“ von „Bediüzzaman“ Said Nursi.
Die Aufmüpfigkeit des Kindes kann als ein Verhalten betrachtet werden, welches die Grenzen des natürlichen Fehlverhaltens und die Grenzen des elterlichen Mitgefühls überschreitet. In diesem Fall kann eine gemäßigte Reaktion sogar dazu beitragen, dass sich die innere Lebenswelt des Kindes entwickelt. Wichtig ist nur, dass die Reaktion der Eltern angemessen bleibt. Es gilt dabei auch zu erwähnen, dass das Kind letztendlich sich trotzdem nach der barmherzigen Umarmung seiner Eltern sehnt, obwohl es gerade von diesen bestraft wurde. Das Wichtigste für das Kind ist es nach der Strafe wieder auf den geborgenen Schoß der Eltern springen zu dürfen.
Andererseits sehen wir an anderen Beispielen der Schöpfung wie sich dieses universale Prinzip durchgehend manifestiert. Ein Tier, das sich seinem eigenen Kind erbarmt, attackiert die Nachkommen eines anderen Tieres um sich zu
ernähren. Diese Verletzung des Prinzips des Mitgefühls; die angegriffenen Tiere werden sich zu Wehr setzen. Natürlich gilt dieses Prinzip für Tiere, obwohl sie sich nach ihren instinktiven Codes verhalten; Damit das ökologische System bestehen kann muss es also immer eine entsprechende und angemessene Reaktion auf eine Aktion geben.
Da der Mensch gegenüber den Tieren vernunftbegabt ist, hat er auch eine etwas andere Beziehung zu diesem universalem Prinzip.
z.B. Das Kind, das seine Mutter übermäßig reizt, kann vielleicht auf einen kleinen Klaps des Mitgefühls stoßen. Oder; ein menschliches Wesen, das die Reinheit eines Kindes in seinem Herzen gefangen hat; kann von Gott aus vielleicht mit einer Sanktion rechnen aus Barmherzigkeit damit er gewarnt ist, wenn er eine Haltung hat, die andere lebende Kreaturen peinigt. Aber das sind nicht die ewigen und unumstößlichen Gesetze der Umsetzung dieses Prinzips für den Menschen.
der Schöpfer, der das irdische Leben der Menschen mit Weisheit und inbrünstigem Willen ausgestattet hat und sie so mit der Neigung zum Guten wie zum Schlechten ausstattet um die göttliche Prüfung zu erfüllen; entsprechend dieser Prüfungssituation wird nicht jeder Fehler sofort und offenkundig korrigiert und nicht jede Strafe wird sofort und offenkundig bestraft.
auf der Erde sind daher mörderische und grausame Menschen manchmal in der Lage, unschuldige Menschen zu quälen, sogar unschuldige Kinder und sie können äußerst Boshaftes tun.
In diesem Fall verletzen diejenigen, die dieses Böse begehen, nicht nur das Mitgefühlsprinzip des Schöpfers; eine sehr große Grausamkeit wird auch begangen. Aber manchmal können sie der Strafe im weltlichen Leben scheinbar entfliehen und der Gerechtigkeit der irdischen Gerichte entkommen.
Warum erteilt Gott dann nicht die Strafe für dieses Böse und was für Sünden haben die Unschuldigen, die verfolgt und getötet wird?
Hier ist die Antwort auf diese Frage; während wir versuchen, göttliche Gerechtigkeit zu verstehen; das Konzept von Zeit, Endlichkeit und Ewigkeit und inwiefern es uns gelingt diese zu verstehen. Weil eine Person, die glaubt, weiß; ein Prozent der Gerechtigkeit Gottes regiert im Irdischen und neunundneunzig Prozent Gerechtigkeit wartet darauf, im Jenseits veräußert zu werden. Die schlimmen und grausamen Verbrechen der Menschen werden ihre angemessene Sanktion im jenseitigen Gericht erhalten. viele Berichte im islamischen Kulturraum vermitteln; äußerst grausame Menschen kriegen ihre Strafe nicht im Diesseits weil Gott sich von ihnen abwendet. Eine kurze diesseitige Strafe wäre milde im Vergleich zu einer unendlichen Strafe im Jenseits. Daher wird ihr Urteil im Jenseits ausgesprochen mit viel größerem Ausmaß.
Es ist für den Menschen befriedigender eine kurzfristige Reaktion auszuschlagen wenn man dafür die Gelegenheit hat auf eine spätere jedoch viel länger wirkende Reaktion.
Angesichts der Verfolgung und des Leidens dieses kurzen, sterblichen weltlichen Lebens zum Beispiel wird Gott das unschuldige Kind im Jenseits begrüßen und entlohnen. Mutmaßlich wird das Kind welches solch ein schweres irdisches Leben hatte die Barmherzigkeit und Gnade Gottes im Jenseits so erregen, dass es unermessliche Gnadengaben erhält, die es sonst niemals durch Gottesdienste und Darbietungen des Glaubens hätte erreichen können.
Die Wahrheit ist, dass Gott keine von seinen Kreaturen vergisst oder vernachlässigt, die Er erschaffen hat. Gott verkündigt dass er als Hüter seiner Schöpfung auftreten wird und jede Gerechtigkeit wie auch Ungerechtigkeit, sei sie noch so klein wird im Jenseits entsprechend bewertet.
Wenn wir zusammenfassen; Folgende Situationen können wir im Fall eines Kindes erkennen, das von einem betrunkenen Vater willkürlich geschlagen wird:
Weil die Welt das Feld der Prüfungen ist; Gott erlaubt Menschen, im Unrecht zu sein und Unrecht zu tun. Kriege, Übergriffe, Morde etc. Dies sind Situationen in denen der Mensch zunächst frei handelt. Selbst die Propheten Gottes waren davor nicht gehütet und begegneten Übergriffen seitens boshafter Menschen. Es wäre ein Leichtes für Gott hier unmittelbar zu intervenieren, dann würde auch jeder, ob gläubig oder ungläubig sich aus Angst in die Huldigung flüchten. Das kann kein wahrer Glauben sein. Die Taten des Menschen werden daher ihre gebührende Sanktion im Jenseits erhalten und dann auch nicht mehr die Gelegenheit haben Einsicht zu heucheln.
Der Vater, der diese Übeltat begangen hat; entweder im irdischen Leben; wenn er die Strafe in der Welt nicht bezahlt hat und nicht würdig genug ist, im Jenseits errettet zu werden; im Jenseits wird er in einer gewaltigen Weise bezahlen und diejenigen die unter ihm gelitten haben werden sich nun im Jenseits unter der Gnade Gottes sonnen dürfen.
Die erlebten Übeltaten eines Menschen oder eines Kindes könnten die Bußen für spätere Übergriffe und Fehler sein. Während der kurzsichtige Mensch sich denkt warum er so sehr leiden musste wird er späte dafür so sehr entlohnt, dass er sich nun denkt womit er solch große Gnade von Gott verdient haben könnte. Vielleicht hätte dieser Mensch in einem anderen Szenario ein Leben voller Sünde gelebt und hätte Gott den Rücken zugekehrt. Somit ist er durch eine Art invasiven Eingriff vor größeren Schäden bewahrt worden und wird dabei gleichzeitig auch vielfach im Jenseits entschädigt.
Es ist wichtig sich stets daran zu erinnern dass die göttlichen und universalen Prinzipien nicht wie eine unumstößliche mathematische Formel funktionieren, nach der A und B immer C ergeben. So wie in einem juristischen Gericht jeder Fall für sich individuell wahrgenommen und bewertet wird, so geschieht dies auch in der Verwirklichung dieser göttlichen Prinzipien. Das Gesetz eines Staates ist auch in einem Buch abgebildet und eigentlich müsste auf dieser einheitlichen Basis doch jedes Gericht jedem Straftäter gegenüber das selbe Urteil aussprechen. Tatsächlich kriegen jedoch diverse Straftäter für die selbe Straftat unterschiedliche Sanktionen basierend auf z.B. diversen Faktoren die das Urteil in einem Fall beeinflussen. So wird auch Gottes Urteil in jedem Fall individuell ausgesprochen. Wir können also nicht für jeden Fall ein und die selbe Reaktion erwarten.
Das Ergebnis ist: Gott verwaltet mit unendlicher Gerechtigkeit. Dieses Wirken kann der kurzsichtige Mensch nicht vollends verstehen, da er kein Einblick in das Verborgene hat. Am Ende wird jedoch jede Tat, sei sie noch so klein im Jenseits geprüft und mit entsprechenden Konsequenzen versehen.
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Warum zerstört Gott nicht einfach alles Schlechte?
so wie Gott allmächtig ist, so ist er auch allwissend und allbarmherzig. Die Wirkung der Eigenschaften Gottes ist stets in Verbindung miteinander zu betrachten. Wenn man also eine Eigenschaft Gottes isoliert und unabhängig von den anderen Eigenschaften betrachten will, macht man einen Fehler. Das ist auch die Hauptproblematik an der Fragestellung.
Nachfolgend bilden wir den Großteil des Werkes von „Bediüzzaman“ Said Nursi ab, denn hier wird genau diese Thematik aufgegriffen;
Ein König trägt in den Ämtern seiner Regierung verschiedene Titel, unterschiedliche Bezeichnungen und Eigenschaften bei den Schichten seiner Untertanen und besondere Namen und Orden in den Stufen seiner Königsherrschaft. Zum Beispiel: Bei dem Amt für Justiz heißt er der gerechte Richter, am Katasteramt der König, bei dem Militär der Marschall, im Ministerium für geistliche Angelegenheiten der Kalif und so weiter... Wenn du nun auch noch mehr von seinen Namen und Titeln kennst, dann verstehst du, dass ein einziger König in den Ämtern seines Königreiches und auf der Stufenleiter seiner Regierung tausend Namen und Titel besitzen kann. Dieser König ist in jedem Amt dank der Ausstrahlung seiner Persönlichkeit, kraft seiner Anordnungen und durch seine Nachrichtenverbindungen anwesend und gewissermaßen gegenwärtig. Er befindet sich dort und erfährt (alles). Und auf jeder Sprosse (seiner Beamtenleiter) wird er durch sein Gesetz, durch seine Anordnungen, in seinem Stellvertreter gleichsam sichtlich zum Zeugen. Auf diese Weise sieht er alles und wird selbst sichtbar. Auf jeder Stufe sieht er durch seine Verwalter, durch seine Erlasse, durch seine Macht, durch sein Wissen, Kenntnisse, Kunde. Er lenkt und leitet und beobachtet.
Ebenso hat der König aller Ewigkeiten, welcher der Herr aller Welten ist, in den Ämtern Seiner Herrschaft unterschiedliche aber zueinander in Beziehung stehende Eigenschaften und Titel. In den Bereichen, in denen Seine Gottheit erkennbar ist, hat Er verschiedene aber ineinander erscheinende Namen und Orden, bei der Durchführung (der Anordnungen) Seiner Majestät verschiedene aber einander ähnelnde Erscheinungen, in Anwendung und Gebrauch Seiner Macht unterschiedliche aber aufeinander hinweisende Titel. Wenn Seine Eigenschaften aufstrahlen, tritt seine Heiligkeit auf verschiedene, jedoch gemeinsam auf sie hin deutende Weise hervor. In den Spuren Seiner Taten erkennt man Seine weisheitsvolle Lenkung und Leitung auf verschiedene, einander ergänzende Weise.In Seinen vielfarbigen, vielfältigen Kunstwerken erscheint Seine majestätische Herrschaft auf ganz unterschiedliche, doch zu einander geordnete Weise.
Darüber hinaus treten die verschiedenen Schattierungen eines Seiner schönen Namen (Esma-i Husna) in jeder Art und Gattung und in allen Universen des Kosmos in Erscheinung. Dieser Name ist in diesem Bereich vorherrschend. Seine übrigen Namen stehen dem untergeordnet, finden sich vielmehr in dessen Schatten.
Außerdem tritt Er bei allen Arten Seiner Geschöpfe unter dem Blickwinkel eines bestimmten Namens und einem bestimmten Aspekt Seiner Herrschaft, in einer beschränkten oder reichlichen Anzahl, in kleinem oder großen Umfang, im individuellen oder allgemeinen Rahmen in Erscheinung. Das heißt: obwohl dieser Name alles umfasst und allgemein gültig ist, erkennt man, dass er sich einem Ding mit einer solchen Absicht und Wichtigkeit zuwendet, als wäre dieser Name nur diesem einen Ding bestimmt. Darüber hinaus verbirgt sich der majestätische Schöpfer, obwohl Er allen Dingen nah ist, hinter siebzigtausend Lichtschleiern. Zum Beispiel: Mit Seinem Namen »der Schöpfer«, der dir gegenüber in Erscheinung tritt, kannst du vergleichen, wie viele Schleier vorhanden sind, angefangen von der kleinen Stufe deiner Erschaffung bis zu der großen Stufe und dem gewaltigen Titel als Schöpfer des ganzen Kosmos.
Das heißt, du kannst erst dann durch das Tor deiner Erschaffung zu den unendlichen Grenzen des Namens »der Schöpfer« schreiten und dich dem Bereich dieser Eigenschaft nähern, wenn du den ganzen Kosmos hinter dir lassen kannst. Da sich aber in den einzelnen Schleiern Öffnungen befinden, die hintereinander liegen und die Namen ineinander erscheinen und die Eigenschaften in Beziehung zueinander stehen und deren Schattierungen ineinander verwoben sind und die einzelnen Abstufungen miteinander assoziiert sind und einander wach rufen und die Manifestationen einander gleichen und die Ausführungen einander helfen und ergänzen und die verschiedensten Arten der Aufzucht und Ausbildung in Seiner Herrschaft sich einander helfen und unterstützen, ist es doch notwendig, während man Gott den Gerechten mit einem Seiner Namen oder Seiner Titel und Würden oder Seiner Herrschaftsbereiche kennt, dass man Seine übrigen Titel, Herrschaftsbereiche oder Eigenschaften dabei nicht leugnet. Vielmehr kommt der zu Schaden, welcher von der Erscheinung eines Namens nicht zu den anderen Namen hinüber gelangen kann. Zum Beispiel: Sieht man die Werke der Namen »der Allmächtige und der Schöpfer« und kennt aber den Namen »der Allwissende« nicht, kann man in den Irrtum der Gottvergessenheit und des Naturalismus verfallen. (24. Wort, erster Ast)
Die einfache Zerstörung einer Sache, mit Gewalt zu herrschen und zu unterjochen ist kein Verhalten, welches einem edlen Herrscher gut stehen würde. Wenn selbst Menschen solch ein Verhalten als Tyrannei verstehen, kann man von Gott doch nicht erwarten, so zu handeln. Dieses Verhalten kommt eher unter Menschen vor und ist ihrer Makel geschuldet. Gott ist makellos und agiert daher nicht wie die Menschen.
Zusammengefasst: Wenn wir über das Wirken und die Wesenseigenschaften Gottes denken, dann müssen wir das immer im Kontext und im Zusammenspiel betrachten. Anderenfalls kommen wir zu logischen Irrtümern.
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Wie unterscheidet sich göttlicher Wille von dem menschlichen Willen?
der allumfassende Wille ist die göttliche Eigenschaft, unendlich viele Dinge gleichzeitig zu wollen und zu erwirken.
Im Vergleich zum allumfassenden Willen Gottes, besitzt der Mensch nur ein teilhabendes/begrenztes Willensvermögen, nur eine begrenzte Anzahl an Dingen zu wollen, die er aber nicht selber erwirken oder leiten kann. Der Mensch kann also nicht wie Gott direkt nach eigenem Willen auf die Dinge wirken und auch nicht wie Gott alles gleichzeitig kontrollieren.
Der menschliche Körper besteht aus unzähligen Zellen, Organen, Gelenken und Knochen. All diese Elemente haben eigene Funktionen und funktionieren hochgradig komplex, ununterbrochen und gleichzeitig. Während der Mensch nicht mal der Herr/ Leiter über eine Funktion seines eigenen Körpers ist, wie sollte es möglich sein, dass derselbe Mensch eine vollständige Kontrolle über alle Vorgänge in seinem Körper hat? Demgemäß kann der Mensch also nicht Herr und Leiter über sich, sein Körper, sein Leben und seiner Existenz sein.
Sondern derjenige,
der über die Sachen und Ursachen,
der über die Natur und den natürlichen Geschehnissen,
der über all den Gesetzen
der über jede Existenz, beginnend vom kleinsten Teilchen im Mikrodimension bis hin zum gesamten Kosmos auf der Makrodimension,
einen allumfassenden Willen besitzt, kann nur der Herr (Rabb), Meister (San'i), Leiter (Müdebbir) und Einwirkende (Kadir) sein.
In diesem Fall ist und kann der Mensch nur der Diener Allahs (der Inhaber des allumfassenden Willens) sein.
Glückselige Menschen, die den Glauben finden denken folgendermaßen:
„Wenn also alles in meinem Körper nicht eigenwillig handeln kann, dann kann ich mit meiner Entscheidungskraft es auch nicht! Alle Dinge, die in meinem Körper passieren sind sinnvoll und wichtig. Also muss ich es gleichtun und Dingen aus dem Weg gehen, die weder für mein Diesseits, noch für mein Jenseits Sinn und Zweck tragen. So wie alle Zellen in meinem Körper gleich den Sternen in der Galaxie unter der Schirmherrschaft eines allumfassenden Willens stehen, so werde ich mich mit meinem teilhabenden Willen diesem unterordnen. Ich muss meine Pflichten im Gottesdienst makellos erfüllen.“
Wenn wir weiterdenken, sehen wir überall dieses Prinzip. Der Kosmos und die darin lebende Schöpfung wird ständig und gleichzeitig versorgt und verwaltet. Während der Baum von der Sonne versorgt wird, versorgt der Baum selbst die Tierwelt bis hin zu kleinsten Tierchen, die kaum erkennbar sind. Von der Mikroebene bis hin zur Makroebene wird alles im Kosmos perfekt versorgt. Leben und Tod finden gleichzeitig statt und das ökologische System wird ständig erneuert, erschaffen und gereinigt.
All dies weist darauf hin, dass es einen allumfassenden Gott geben muss, der über diesen Prozessen steht und über sie waltet.
Der Mensch ist das genaue Gegenteil. Er selbst steht in diesen Prozessen und nicht über ihnen. Er ist also von seinem Umfeld abhängig und kann ohne dieses nicht überleben. Hier kann man also nicht von Kontrolle sprechen. Der Mensch hat aber auch keine Wirkung auf alle Dinge, die in seinem Umfeld passieren. Er kann sich dazu entscheiden gesund zu leben, aber trotzdem kann er krank werden. Er kann sich dazu entscheiden eine Flasche auf dem Tisch anzuheben und wieder zu platzieren, aber nur wenn alle Bedingungen dafür bereits vorab existieren, wie z.B. Gesundheit, Willen, Intelligenz, Schwerkraft etc.
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Wie können wir mit Agnostikern und Philosophen umgehen, die sagen dass es keine klaren Beweise für Gottes Existenz gibt
erstens argumentiert die agnostische Haltung, dass der Glaube keinen Beweis haben kann, der seine Annahme obligatorisch macht. Es ist also wie bei einem halbwissenden Kind, das das Spiel des Agnostizismus spielt, das zur Nichtexistenz von etwas neigt, wenn es angeblich existiert, und zu seiner Existenz, wenn es angeblich nicht existiert.
Der Glaube ist jedoch bereits eine Tatsache, die zum Test gehört. Man kann ihn nur durch richtiges Denken und Willenskraft erreichen.
In dieser Hinsicht ist die Situation des Agnostikers wie die desjenigen, der zu demjenigen, der sagt: "Es gibt eine Sonne am Himmel", sagt: "Das kannst du nicht wissen, vielleicht spielen uns unsere Gefühle einen Streich."
Die Logik ist eine Reihe allgemeiner Regeln, die sich nicht von Mensch zu Mensch ändern. Ein subjektives Verständnis wie "meine Logik" hat in der Logik keinen Platz.
Da eine Behauptung wie etwa "Pflanzen geben uns Früchte" bedeuten würde, dass man der Pflanze das Konzept zuschreibt, etwas zu tun, würde dies dazu führen, dass wir Eigenschaften wie Wille, Wissen und Macht in der Pflanze vermuten, und diese Annahme würde uns dazu bringen, die Pflanze zu verehren, weil sie uns so schöne Früchte schenkt, weil sie mit so schönen Blumen nach unserem Geschmack geschmückt ist, und Steine, Bäume, Tiere und Menschen als ähnliche Dinge zu verehren.
Dieses Verständnis ist das Produkt einer primitiven und unentwickelten Logik. In Zeiten, in denen die Menschen weit von Wissen und Vernunft entfernt waren, entstanden solche Absurditäten als Formen des Götzendienstes.
Die allgemeinen Regeln und Prinzipien der Logik erfordern notwendigerweise die Existenz einer ersten und allumfassenden Ursache, eines Schöpfers. Aber dieser Schöpfer wird vom Glauben als der Herr der Person nur in der Weise subjektiviert, wie er sich durch die Offenbarung offenbart.
Eine der Grundvoraussetzungen, um Muslim zu sein, ist es, intelligent zu sein.
Ebenso ist jemand, der nicht an die Verwirklichung von 999 Billionen 999 Milliarden 999 Millionen 999 Tausend 999 Möglichkeiten in einer Quadrillion (99,9999%....) glaubt, sondern an die Verwirklichung einer einzigen ungewissen und irrationalen Möglichkeit (0,1111%...), zumindest behandlungsbedürftig.
Die Existenz des Jenseits wird uns in erster Linie durch die Offenbarung offenbart. Die Argumentation über sein Eintreten soll die Plausibilität dieser Verheißung demonstrieren. Daher können wir mit Vernunft und Logik die Existenz Gottes besser verstehen, aber wir diskutieren nicht darüber, ob er existiert oder nicht. Vernunft und Logik dienen an dieser Stelle als Fernglas, das uns Bedeutungen näher bringt, die uns fern sind. Wir verstehen die Existenz Allahs besser und begreifen die offenbarten Dinge besser. Für die Religion gilt immer der Grundsatz, dass sie durch Offenbarung kommt und durch die Vernunft verstanden wird. Wir nennen die Annahme der Offenbarung "Glauben", aber der Verstand allein kann nicht so weit gehen und den Schleier der Prüfung durchdringen. Denn die Offenbarung macht uns klar, dass es nicht darum geht, die Existenz Allahs als einen simplen Fakt zu erfassen, sondern Seinen Weg zu gehen und ein Diener zu sein, der Seiner würdig ist. Was wäre sonst der Unterschied zwischen dem Teufel und dem rechtschaffenen Diener, denn auch der Teufel weiß, dass Allah existiert und ist sich Seiner bewusst.