FAQ Häufigsten Fragen zum Ramadan-Fasten

1 Ramadan-Wie beginnt man das Fasten?Was muss man beachten?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Der Muslim beginnt das Fasten indem er vor dem Schlafengehen bis spätestens zum Morgengrauen im Herzen die Absicht fasst, für Allah zu fasten. Er sollte dann, wenn er kann, vor dem Morgengrauen aufstehen und eine kleine Mahlzeit zu sich nehmen. Vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang verzichtet man nun auf Essen und Trinken sowie auf Beischlaf mit seinem Partner. Darüber hinaus soll der Muslim sich von allem fernhalten was Allah mißfallen könnte und gedenkt Allah wann immer er kann. Wenn die Sonne untergegangen bricht der Muslim sein Fasten und beginnt seine Mahlzeit im Namen Allahs. Im Idealfall sollte man sein Fasten mit ein paar Datteln brechen; wenn man keine Datteln hat, bricht man sein Fasten mit einen Glas Wasser; wenn man auch dieses nicht hat, nimmt man was immer einem als Nahrung oder Getränk zur Verfügung steht und in dem Fall in dem einen auch das fehlt, fasst man die Absicht sein Fasten zu brechen. Man sollte bei dem Essen Verschwendung vermeiden und auch nicht zuviel essen, auch wenn man den ganzen Tag nichts zu sich genommen hat. Im Idealfall sollte der Muslim seinen Magen mit 1/3 Nahrung, 1/3 Wasser füllen und das restliche 1/3 frei lassen so dass er sich angenehm satt aber nicht überfüllt fühlt.

 

Selam & Dua 

Fragenandenislam - Team

 

2 Kann man das Fest des Fastenbrechens als Zuckerfest bezeichnen? Woher kommt dieser Begriff?

Liebe Leserin, lieber Leser 


Man sollte das Fest des Ramadans so benennen, wie man sich das auch vorstellt. Beispielsweise sollte man Fest des Fastenbrechen sagen, damit daraus ersichtlich wird, dass man gefastet haben sollte.

Die Begriffe Ramadanfest, Fest des Fastenbrechens oder das Fastenfest عيد الفطرarab.)‎) sind unbedenklich, jedoch ist die Bezeichnung "Zuckerfest" inakzeptabel.

Wahrscheinlich hat sich dieser Begriff mit der Zeit entwickelt, da vor dem Eid Gebet etwas süßes gegessen wird. Diesbezüglich gibt es einen Hadith in Müsned (NI/232) der Sinngemäß wie folgt lautet: Der Prophet (asm) hat nicht gebetet, bevor er mehrere Datteln gegessen hatte.

Vielleicht hat sich das Zuckerfest aus dieser Handlung heraus entwickelt, jedoch sollte man diese Bezeichnung unterlassen, da sonst die wahre Bedeutung außer Acht gerät und die Menschen damit Kinder, Bonbons, Süßes Gebäck assoziieren. Somit wird das Fest des Fastenbrechens abgewertet und vereinfacht...
Selam & Dua
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3 Darf ich das Fasten für eine Klausur unterbrechen?

Liebe Leserin, lieber Leser


Der Islam erlaubt es die Pflichten der Praxis aufzuheben, oder auf ihr Nötigstes minimieren, sofern man zur Ausübung dieser (z.B. gesundheitlich) nicht mehr in der Lage ist. Dies gilt auch für Extremsituationen wie z.B. den Krieg. 


Wenn sie nun denken, dass diese Klausur bzw. diese Sachlage lebensnotwendige Wichtigkeit trägt und sie aus reinem Gewissen daran glauben, dass es zu großen Problemen kommen wird, wenn sie vor der anstehenden Klausur fasten, ist es ihnen freigestellt, das Fasten zu unterbrechen, um es später nachzuholen. 


Das reine Gewissen ist dabei sicherlich die beste Instanz, zur Beantwortung dieser Frage.


Selam & Dua

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4 Wann bzw. wie soll ich an Kandil Nächten fasten?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Die Kandil Nacht fängt ab der Zeit des Abendgebets an und dauert bis zum Anbruch des Morgengebets an. Es ist das Schönste, wenn man den Tag davor und den Tag danach fasten würde. Falls aber nur an einem Tag gefastet werden soll, wäre es tugendhafter, den Tag danach zu fasten.

Aus religiöser Sicht endet der gestrige Tag mit dem Sonnenuntergang und ein neuer Tag fängt an. Die Nacht kommt vor dem Tag. (Kurtubi, el-Cami’ li Ahkami’l-Kur’an, Riyad 2003, XIV, 15)
Mithin wird das Tarāwiḥ Gebet am Ramadan am Sonnenuntergang des letzten Tages des Monats Raǧab verrichtet, da somit der Monat Ramadan anfängt und am Sonnenuntergang des letzten Tages wird das Gebet nicht verrichtet, da dann der Monat Šawwāl anfängt.

Der Freitag beginnt auch mit dem Sonnenuntergang am Donnerstag und dauert bis zum Sonnenuntergang am Freitag an. Man versteht z.B. unter „dem ersten Freitag des Raǧab“ die Nacht, die den Donnerstag mit dem Freitag verbindet, also die Dauer vom Sonnenuntergang bis zum Morgengebet. Wieder ist z.B. die 15. Nacht des Raǧab, die Nacht, die den 14. Tag mit den 15. Tag verbindet und so weiter.

Man kann z.B. insofern die Nacht der Himmelfahrt auf die Nacht fällt, die den Freitag mit dem Samstag verbindet, Freitag und Samstag fasten. Das Tugendhafteste wäre nur Samstag zu fasten, da es Textstellen gibt, die es untersagen, lediglich am Freitag vereinzelt zu fasten (Vgl. Buhari, Savm, 62).

Da das Fasten ein segenreicher Gottesdienst ist, sollte man naheliegender Weise häufiger fasten, wenn man denn dazu in der Lage ist. Denn jeder Tag an dem gefastet werden kann und von dessen Segen berichtet wird, ist wie eine Tür, die uns den Weg zur Reinigung der Seele öffnet. Der eine Tag ersetzt oder entkräftet dabei den anderen nicht. Daher gibt es auch kein „besseres“ oder „schlechteres“ Fasten. Es gibt aber Tage oder Umstände, die ein Fasten nicht vorsehen oder nicht erlauben, diese gilt es auch zu beachten. Falls aber nur an einem Tag gefastet werden soll oder es nur so geht, wäre es tugendhafter, am Folgetag der Kandil Nacht zu fasten.  

 

Selam & Dua 

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5 Womit sollte man sein Iftar bzw. Fastenbrechen öffnen?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Laut einer Überlieferung sprach unser ehrenwerter Prophet (s.a.s.) folgendes aus:

Sofern einer von euch das Fasten bricht, soll er dies mit einer Dattel tun. Denn die Dattel ist segensreich. Falls ihr keine Datteln findet, dann nimmt Wasser, denn Wasser ist reinigend. (İbni Mâce, Sıyam: 24; Ebû Dâvud, Savm: 21)

Wie wir also in der Überlieferung sehen, entspricht es der Sunna, wenn man das Fasten mit einer Dattel oder Wasser bricht, wenn keine Dattel vorhanden ist.

Dass die Wahl beim Fastenbrechen auf Datteln und Wasser fällt, hat viele Weisheiten. Die Dattel hat als Frucht und als Zusatzstoff simultan gesunde Eigenschaften. Der entleerte Magen wird durch die nahrhafte Dattel eine Zeit lang genährt und der Darmtrakt wird durch die Dattel aktiviert. Wasser sorgt für körperliche und geistige Reinheit, es spült und entgiftet den Körper und entspannt somit auch den dürstenden Magen. Die positiven Eigenschaften von Datteln und Wasser sind damit noch nicht gezählt. Es gibt dabei noch weitere Weisheiten, die wir Menschen noch nicht kennen.

In einer anderen Überlieferung wird nochmal das Fastenbrechen des ehrenwerten Propheten (s.a.s.) geschildert:

Der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) brach sein Fasten vor dem Verrichten des Abendgebets mit einigen frischen Datteln. Falls es keine frischen Datteln gab, nahm er getrocknete Datteln. Falls es aber auch keine getrockneten Datteln gab, nahm er einige Schlücke Wasser. (Ebû Dâvud, Savm: 22, (2556); Tirmizî, Savm: 10)

Man findet nicht immer und überall Datteln, vielleicht auch nicht Wasser. Denn so wie es Fastende überall auf der Welt gibt, so herrschen überall auch eigene Umstände. Daher gehört es in so einer Situation auch zur Sunna, mit etwas anderem sein Fasten zu brechen.

Der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) mochte es sein Fasten mit drei Datteln zu brechen oder mit etwas was nicht vom Feuer berührt wurde. (et-Tergîb ve’t-Terhîb 2:142)

 

Selam & Dua 

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6 Lässt das Inhalieren von Sauerstoff bei Asthma das rituelle Fasten ungültig werden?

Liebe Leserin, lieber Leser

Künstlich verdichteter Sauerstoff ist kein Nahrungsmittel im Sinne von Essen und Trinken,
sondern eine Erleichterung und Sicherung für den Erkranken hinsichtlich seiner Atmung.

Das Atmen ist zum Überleben ist für alle Lebewesen ein selbstverständlicher Anspruch. Da der Asthmatiker in seiner physischen Konstitution und frei von anderen Krankheiten in der Lage ist und unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass der inhalierte Sauerstoff sich im Mund und Lunge auflöst, ihm somit das Atmen erleichtert wird, ist man zu der Meinung gekommen, dass das Sprühen von medikamentösem Sauerstoff in den Mund das rituelle Fasten nicht beeinträchtigt.

(Dieser Text wurde von dem Präsidium für Religionsangelegenheiten der türkischen Republik vorbereitet und übersetzt)

Selam & Dua
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7 Wird mein Fasten ungültig wenn ich brechen muss?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Abu Hurayra überlieferte folgenden Ausspruch des ehrenwerten Propheten (s.a.s.):

Wer von sich aus erbrechen muss, der muss das Fasten nicht nachholen. Wer aber willentlich erbricht, muss das Fasten nachholen. (Ebu Dâvud, Savm: 32; Tirmizî, Savm: 25; İbni Mâce, Savm: 16)

Den Mund füllend zu erbrechen, ob aus Zwang und Würgereflex oder aus eigenem Willen heraus, geschieht auf zwei Wegen. Zum einem wird das Fasten nach Konsens nicht aufgehoben, wenn jemand durch eine Krankheit sein Mund füllend Erbrochenes im Hals hat und dies aber sich wieder zurück zieht. Wenn aber durch die Absicht der Person dies geschieht (man es also bewusst schluckt), wird das Fasten nach Ansicht des hanafitischen Rechtsgelehrten Imam Muḥammad aufgehoben, nicht aber nach Ansicht des ebenfalls hanafitischen Rechtsgelehrten Imam Abu Yusūf.

Das den Mund füllende Erbrochene, das bewusst von der Person gereizt und hervorgerufen wurde, hebt das Fasten auf. Denn in dieser Situation wird höchstwahrscheinlich durch die Würgereflexe etwas vom Erbrochenem den Magen erreichen. Ein Fasten, das auf diese Weise aufgehoben wird, erfordert lediglich ein Nachholen. Falls aber das Erbrochene nur wenig ist im Mund/Hals und sich von alleine zurück zieht, wird nach Imam Muḥammad das Fasten aufgehoben, nicht aber nach Imam Abu Yusūf. Wenn aber das Erbrochene nach eigenem Willen geschluckt und wieder in den Magen geht, wird nach beiden Rechtsgelehrten das Fasten aufgehoben.

Wenn unbeabsichtigt aus einem Reflex Erbrochenes hochkommt oder das Erbrochene bewusst heruntergeschluckt wird und die Person sich dessen bewusst ist, dass damit das Fasten aufgehoben wurde und sie von dem Punkt an isst und trinkt, wird lediglich das Fasten nachgeholt.

Im wesentlichen Sinne gilt es zu sagen, dass insofern das Fasten durch einen Fehltritt aufgehoben wurde, es zwingend („wāǧib“) ist, trotzdem bis zum Fastenbrechen nichts zu essen und nichts zu trinken. Wenn man an dem Punkt jedoch isst und trinkt, so gilt es lediglich den Tag nachzuholen. Ein längeres Sühnefasten ist nicht notwendig.

Unfreiwillig Erbrochenes, auch wenn es den Mund/Hals füllen würde, lässt das Fasten nicht ungültig werden.

 

Selam & Dua

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8 Wieso wird das rituelle Fasten im Monat des Ramadans in der Zeit vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang durchgeführt?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

das rituelle Fasten beginnt nicht mit dem Aufgang der Sonne, sondern mit der Morgendämmerung. Das bedeutet das Fasten fängt an, wenn die Dunkelheit der Nacht in die Phase der Morgendämmerung tritt und es endet mit dem Untergang der Sonne. Denn das Gebot Gottes lautet den ganzen Tag zu fasten. Die Zeitzone des Tages definiert sich, beginnend mit der Morgendämmerung und sie endet mit dem Sonnenuntergang.

Wäre das Fasten pauschal auf die Zeit von 6 Uhr bis 18 Uhr begrenzt, würden imaginäre Fragen, wie: "Warum nicht von 7 Uhr bis 17 Uhr?" kein Ende finden. Denn der eigentliche Gegenstand ist das Gebot Gottes.

In allen Geboten sind unzählige Weisheiten enthalten. Gäbe es das Gebot dass der Mensch 24 Stunden fasten soll, so wäre es für den Menschen eine unerträgliche Last. Ein einfaches nächtliches Fasten, würde sich der Selbstdisziplin entziehen, da man nachts ohnehin schläft. Welchen Wert hat ein mit Schlaf und Traum verrichtetes Fasten?

Zurückblickend verbleibt die realistische Möglichkeit des rituellen Fastens am Tage. Nächtliches Aufstehen zum Essen vor der Morgendämmerung, das Verrichten der rituellen Gebete und das rituelle Fasten an kurzen wie langen Tagen, festigen die Disziplin, Selbstbeherrschung und bändigen das eigenwillige Ego des Menschen.

Aus diesem Grund ist es den göttlichen Weisheiten entsprechend, in einer Atmosphäre zu fasten in der sich Tag und Nacht erneuern.
So wie die Gebetszeiten auf solche göttliche Weisheiten schauen, so hat auch der Zeitraum des rituellen Fastens Seiten die auf die göttlichen Weisheiten, Veränderungen und Umbrüche schauen.

 

Selam & Dua
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9 kann ich fasten auch wenn ich schwanger bin?

Ohne Zweifel hat Allah (c.c.) das Fasten für den Reisenden aufgehoben und das Gebet auf die Hälfte reduziert. Allah (c.c.) hat auch das Fasten für Schwangere und Stillende aufgehoben. (Ebu Davud, Savm: 44, Tirmizi, Savm: 21; İbni Mâce Sıyam: 12)

Die Pflichten der Religion gelten verbindlich für alle, es gibt aber manche Umstände die einen anderen Umgang mit diesen Pflichten zur Folge haben können. So kann z.B. der Umfang der Pflichten verringert werden, die körperliche Ausführung der jeweiligen Pflichten kann erleichtert werden oder es können Ersatzleistungen getätigt werden wie z.B. die Zahlung der Fidya im Ramadan. Diese Umstände sind in den Büchern bzw. Quellen unserer Religion und unserer Rechtsfindung geschildert. Es gibt also legitime Umstände, die z.B. das Fasten aufheben und illegitime Umstände z.B. dass es einfach nach eigener Meinung sehr „anstrengend“ wird in den langen Tagen zu fasten, obwohl die Person, die dies sagt sich bester Gesundheit und Jugend erfreut.

Die Schwangerschaft ist eine äußerst sensible Zeitspanne für die Frau. Sie kann körperlich wie geistig sehr fordernd sein und ab dem Zeitpunkt wo die Frau merkt, dass sie schwanger ist, denkt und sorgt sie nach eigenen Möglichkeiten bestmöglich für das Wohlergehen von gleich zwei Personen. Sie muss also insbesondere zur Zeiten der Schwangerschaft sowohl ihre eigene Gesundheit, als auch die Gesundheit des heranwachsenden Kindes im Auge behalten. Wie wir in der Überlieferung sehen konnten sind Schwangere und Stillende vom Fasten ausgenommen, sie dürften also aus gesundheitlichen Bedenken und Sorgen (für sich selbst und das Kind) das Fasten auslassen.  

Falls die Frau Gebrauch von dieser Erlaubnis machen will, kann sie das Fasten also zur Zeit ihrer Schwangerschaft auslassen und zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. In jedem Fall sollte sie aber in den ersten und letzten drei Monaten nicht fasten. Eine gesunde und schwangere Frau, bei der die Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft, könnte sich entscheiden zu fasten, wenn der Ramadan zwischen dem 4. und dem 6. Monat der Schwangerschaft stattfindet. Ehe man diese Entscheidung trifft, sollte man aber auf jeden Fall einen vertraulichen Arzt aufsuchen und seine Fachmeinung heranziehen. Der Arzt kann am besten einschätzen, wie fordernd oder eben überfordernd das Fasten für die schwangere Frau und das heranwachsende Kind sein würde. Das selbe Maß gilt auch für Stillende. Ob das gestillte Kind ihr eigenes ist oder das Kind einer anderen Person ist, ist dabei unwichtig.

Das Stillen verletzt das Fasten mithin nicht, eine stillende Frau könnte also fasten, wenn sie sich gesundheitlich dazu in der Lage fühlt und gleichzeitig könnte sie auch das Kind stillen. Schwangere und Stillende holen das Fasten zu einem für sie geeigneten Zeitpunkt nach. Ein Ausgleich für das versäumte Fasten durch die Zahlung der Fidya ist nicht vorgesehen. Die Fidya ist nämlich eine Ersatzleistung für Jene, die keine Aussicht mehr auf körperliche Gesundheit haben und daher auch in absehbarer Zeit nicht fasten könnten. Bei Schwangeren und Stillenden ist dies nicht der Fall, da sie nur temporär körperlich eingeschränkt sind. Da sie später wieder fasten können, betrifft die Fidya sie nicht.     

 

Selam & Dua

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10 Kann das versäumte rituelle Fasten in den "drei besonderen Monaten" gleichzeitig als freiwilliges Fasten gezählt werden? Kann ich freiwilliges wie versäumtes Fasten zusammenfassen? Oder muss man das freiwillige und versäumte Fasten getrennt behandeln?

Liebe Leserin, lieber Leser

bei diesen gottesdienstlichen Handlungen ist eine ausschließlich der Belohnung wegen berechnende Absicht nicht richtig. Gottes Wohlgefallen sollte stets das angestrebte Ziel sein.

Das versäumte und freiwillige rituelle Fasten ist voneinander zu trennen und nicht zu vergleichen. Der gnadenreiche Lohn aus dem Nachholen einer versäumten Pflichthandlung ist im Gegensatz zu den freiwilligen Taten weitaus höher. Sein versäumtes rituelles Fasten in den besonderen drei Monaten nachzuholen, trägt eine eigene Schönheit und Belohnung mit sich.

Wichtig ist es diese segensreichen Tage fastend zu verbringen. Das Versäumnis des rituellen Fastens ist nicht als geringwertiger anzusehen. Die angesehenste und lohnreichste Tat ist die, die ausschließlich um Gottes Wohlgefallen verrichtet wird. Zu fasten, lediglich des Lohnes Willen ist keine erstrebenswerte Absicht.

Versäumtes und freiwilliges Fasten sind voneinander zu trennen. Es ist nicht möglich zu fasten und dabei beides zu beabsichtigen, also an einem Tag sowohl freiwillig zu fasten als auch ein versäumtes Fasten nachzuholen.
Primär sollte man bereits versäumte Fastentage nachholen da sie verpflichtend sind bzw. waren. Es ist besser danach, also nach dem Erledigen der versäumten Pflichten weiterführend noch freiwillig zu Fasten.

Es ist wichtig die Bedeutung des Fastens zu erfassen und das Bewusstsein über seine Dienerschaft gegenüber Gott zu erlangen.

 

Selam & Dua

Fragenandenislam - Team

 

11 können sie uns etwas zum islamischen Neujahr und die Zeitrechnung sagen? Was macht den Monat Muharrem besonders?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Die Zeit der hiǧra fängt mit dem Auswandern des Propheten Muḥammad (s.a.s.) von Mekka nach Medina an. Als Anfang eines Kalenders bzw. einer Zeitrechnung wurde dieses Ereignis aber erst zu der Amtszeit von ʿUmar b. al-Ḫaṭṭāb etabliert. Davor hatten die Araber keine eindeutige Zeitrechnung. Manche wichtigen Ereignisse (wie z.B. das Jahr des Elefanten) wurden als Anfang der Zeitrechnung genommen.

16 Jahre nach der hiǧra wollte der damalige Kaliph ʿUmar b. al-Ḫaṭṭāb bei einer Sitzung in Medina eine Lösung für das Problem um die Zeitrechnung. Auf die Empfehlung von ʿAlī b. Abī Ṭālib, die von allen beherzigt wurde, nahm man die hiǧra als Anfang für die Zeitrechnung im Islam und der Monat Muḥarram wurde als erster Monat des Jahres festgelegt. Diese Einführung wurde an zwei Gesichtspunkten erklärt. Bei einer Vorlage einer Geldschuld konnte nicht festgestellt werden ob die Schulden zu dem Jahr oder dem vorherigen Jahr fällig waren. Zur selben Zeit hat der damalige Gouvernour von Basra in einem Schreiben mitgeteilt dass die vom Kaliphat entsandten Dokumente mit rechtlichen Bestimmungen nicht eindeutig bestimmbar waren, somit herrschte Verwirrung und er bat um die Erledigung dieser Problematik rund um die Zeitrechnung. So wurde dann die hiǧra als Anfang der Zeitrechnung festgelegt.  

Der islamische Kalender hat 12 Monate. Neben dem ersten Monat Muḥarram werden auch die Monate Raǧab, Ḏū l-qaʿda und Ḏū l-Ḥiǧǧa als „šuhūr al-ḥurūm" also als in etwa als "Monate der Ehre/Respekt" wahrgenommen und in diesen Monaten meidete man möglichst allerlei gewaltsame Ausschreitungen. 

Der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) hat empfohlen am neunten, zehnten und elften Tag dieses Monats zu fasten. Nach dem Fasten im Ramadan ist das am meisten gelobte Fasten, das was am ehrenvollen Monat Muḥarram getätigt wird (Riyazü's-Sâlihin, II, 504). In einer anderen Überlieferung wird beschrieben dass zum ereignisreichen Tag der ʿāšūrāʾ welche in diesem Monat verortet wird, das Fasten zur Gelegenheit wird, alle Sünden und Fehtritte im letzten Jahr durch die Vergebung Gottes zu reinigen (Riyâzü's-Salihin, II, 509).

Zu der Zeit von Yazīd ibn Muʿāwiya, dem zweitem Oberhaupt der Umayyaden fand die Schlacht statt in der Hz. Ḥusain, der Enkel des Propheten (s.a.s.) als Märtyrer gefallen ist. Mit vielerlei Gedichten und Erzählungen wird dieser Tag als ein trauriger Ausschnitt der muslimischen Geschichte in Erinnerung gehalten und so hat sich dieser Tag durch die Zeit großflächig als ein besonderer Tag des Gedenkens etabliert. 
Es wird mitunter überliefert dass am Tag der ʿāšūrāʾ, also der zehnte Tag des Monats Muḥarram viele wichtige Ereignisse stattgefunden haben darunter kann man mitunter diese zählen:

- Hz. Nūḥ ist mit der Arche in der Sintflut an diesem Tag auf den Berg aufgelaufen. Dies ist bekanntermaßen das Ereignis in der die Gläubigen mit Hz. Nūḥ errettet wurden, während die Ungläubigen vernichtet wurden.
- Hz. Ādam tut Buße
- Hz.  Ibrāhīm wird ins Feuer gestoßen und gleichzeitig aber mit Gottes Gnade vom Feuer geschützt.
- Hz. Yaʿqūb wird wieder mit seinen Sohn Hz. Yūsuf vereint.
- Andererseits wird am 16. Tag des Muḥarram die qibla festgelegt und am 17. Tag kamen die Gefolgsleute des Elephanten kamen (siehe Sura al-fīl). 

Der Monat Muḥarram wird auch zur Zeit der Osmanen besonders gehuldigt. Unter den Namen „Muharremiye“ gibt es eine Vielzahl an osmanischen Gedichten zu diesem Monat. Da dies auch das islamische Neujahr war stiegen die Regierungsleute in die Audienz des Sultans auf, gratulierten ihm und erhielten von ihm Geschenke unter den Namen „Muharremiye“. Im osmanischem Archiv wird dieser Monat als „Muharremü’l-Haram“ notiert (Mefail HIZLI - Şamil İslam Ansiklopedisinden).

 

Selam & Dua

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12 Sollte man bei erster Gelegenheit sein Fasten im Iftar brechen oder warten und erst beten?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Vom ehrenwerten Propheten (s.a.s.) wird überliefert:

Solange sich die Menschen für das Fastenbrechen beeilen, bleibt der Segen kontinuierlich auf ihnen. (Buhari, Savm: 45; Müslim, Sıyam: 48; Muvatta, Sıyâm: 6; Tirmizî, Savm: 13.)

Eine weitere Überlieferung besagt folgendes:

Eine der Taten des Propheten ist es, sich für das Fastenbrechen zu beeilen und das Frühmal vor dem Fastenbeginn („Saḥūr“) hinauszuzögern. (Muvatta, Kasru’s-Salât: 46.)

Wenn die Zeit zum Fastenbrechen eintraf, brach der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) umgehend sein Fasten, er zögerte das Fastenbrechen niemals hinaus. Er erinnerte an diese göttliche Überlieferung („Ḥadīṯ al-Qudsī“): „Unter meinen Dienern liebe ich diejenigen am meisten, die schnell und umgehend das Fasten brechen.“ In einer anderen Überlieferung wird besagt „Wenn ihr den Gebetsruf hört und dabei ein Glas Wasser in eurer Hand habt, legt dieses Glas nicht ab, ehe ihr es ausgetrunken und somit euer Fasten gebrochen habt.“

Diese Aussagen und Überlieferungen empfehlen uns somit im Ramadan das Fasten bei erster Gelegenheit umgehend zu brechen, sobald wir den Gebetsruf für das Abendgebet erhören.

 

Selam & Dua

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13 Wird das rituelle Fasten durch eine Waschung des Ohres aufgehoben?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Es befindet sich ein Kanal, zwischen Hals und Ohr. Das Trommelfell steht aber dazwischen und sperrt den Kanal ab, so wird ein Zufluss von Wasser oder Ähnlichem zum Magen z.B. durch eine Waschung verhindert. 

Würde sich ein Loch im Trommelfell befinden, wäre ein Zufluss z.B. durch ein Medikament über das Ohr bis zum Magen entweder gar nicht vorhanden oder so geringfügig, dass dies das Fasten nicht beeinträchtigen würde.

In dem Fall, dass das Trommelfell ein Loch aufweist, ist es möglich, dass eine Menge an Wasser während einer Waschung den Magen erreichen kann. Wenn in so einem Fall eine genügend große Menge an Wasser durch das Loch im Trommelfell in den Magen gelangt, so wäre der Zustand des Fastens aufgehoben. Daher müssten die Fastenden mit einem Loch im Trommelfell vorsichtiger sein beim Waschen.

 

Selam & Dua

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14 Ist es erlaubt seine Ehefrau zu küssen während man fastet?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Hz. Āʾiša (r.a.) berichtet: Der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) küsste im Zustand des Fastens eine seiner Frauen. (Hz. Āʾiša (r.a.) lächelte nachdem sie dies sagte) In einer anderen Überlieferung steht: Der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) hatte im Zustand des Fastens Kontakt, er beherrschte seine Triebe viel mehr, als ihr. (Buhari, Savm: 24, 23; Müslim, Sıyâm: 62-65; Muvatta, Sıyâm: 14; Ebu Dâvud, Savm: 33; Tirmizî, Savm: 31)

Abu Hurayra (r.a.) überliefert: Ein Mann fragte den ehrenwerten Propheten (s.a.s.) über seinen Kontakt mit seiner Frau im Zustand des Fastens. Der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) erteilte diesem Mann die Erlaubnis dazu. Danach kam noch ein Mann und er stellte die selbe Frage. Diesem Mann hat der Prophet (s.a.s.) den Kontakt verwehrt. Der Mann, der vom Propheten (s.a.s.) die Erlaubnis bekam war alt und der, der sie nicht bekam war jung. (Ebu Dâvud, Savm: 35)

Eine andere Überlieferung besagt: Hz. ʿUmar b. Al-Ḫaṭṭāb (r.a.)  kam eines Tages in Eile und sagte: Ya Rasūl! Ich habe heute einen großen Fehler begangen, ich habe im Zustand des Fastens meine Frau geküsst! Der Prophet (s.a.s.) sagte daraufhin: Während du fastest nimmst du innerhalb der Waschung für das Gebet doch auch Mund in den Wasser oder nicht? (Ein Überlieferer unter den Namen ʿĪsā bin Ḥamad überliefert:) Ich sagte: Diesbezüglich gibt es keine Einwände. Daraufhin sagte der Prophet (s.a.s.) Wieso verfällst du dann (wegen des Kusses) in Eile? (Ebu Dâvud, Savm: 33)

Der Kontakt, der hier angesprochen wird bedeutet, dass der Mann von seiner Frau profitiert. Dies wird hier als Profitieren vom Körper der Ehefrau verstanden, wobei der Geschlechtsverkehr ausgeschlossen und verboten ist.

Während dies einem alten Mann erlaubt wird, ist es für einen jungen Mann unzulässig. Denn ein junger Mann hat erwartungsgemäß größere Schwierigkeiten sich zu zügeln und seine Gelüste unter Kontrolle zu halten, er könnte daher schneller in Situationen und Zustände verfallen, die sein Fasten aufheben und ihm zum Nachholen des Fastens zwingen.

 

Selam & Dua

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15 Wie haben wir den Ashura Tag wahrzunehmen? Was sollen wir am besten an diesen Tag machen?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

In der arabischen Sprache bedeutet ʿāšarā zehn und ʿāšir zehnte bzw. der zehnte Tag in diesem Kontext. So hat sich der Ausspruch ʿāšūrāʾ im Volk durchgesetzt als Benennung des zehnten Tages des Monats Muḥarram und daher sprechen wir auch oft vom ʿāšūrāʾ Tag.

Der Monat Muḥarram hat als Anfang/erster Monat des islamischen Kalenders eine besondere Stellung. Wichtige historische Ereignisse haben in diesem Monat stattgefunden und auch schon vor dem Islam haben die Araber u.a. diesen Monat als besonders wahrgenommen. Laut der Überlieferung von der Gattin des Propheten (s.a.s.) Hz. Āʾiša ist dies der Monat wo der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) nach dem Fasten im Ramadan am meisten fastete:

Nach dem Fasten im Ramadan ist das tugendhafteste Fasten das Fasten im Monat Muḥarram. (Müslim Siyam, 202-203)

Es gibt Überlieferungen die besagen dass das Fasten am ʿāšūrāʾ Tag die Sünden des vorhergehenden Jahres tilgen lässt.
Zu diesem Tag gibt es keinen Vers im Qurʾān. Im 36. Vers der Sura at-Tawba wird der Monat Muḥarram als eine der angesprochenen 4 besonderen Monate erwähnt.

Insbesondere den ʿāšūrāʾ Tag haben seit jeher viele Propheten in einem besonderen Maß wahrgenommen, da hier viele wundersame oder tragische Ereignisse stattfanden. Nach den Quellen hat dieser Tag seinen Namen dadurch erhalten dass Gott seinen Propheten 10 verschiedene Darbietungen und Segnungen zukommen ließ:

1. Durch ein Wunder Gottes hat Hz. Mūsā den See gespalten und entkam so dem Pharao und seiner Herde, welche im See begraben wurden.
2. Hz. Nūḥ ist mit der Arche in der Sintflut an diesem Tag auf den Berg aufgelaufen.
3. Hz. Yunus wurde an diesem Tag aus dem Magen des Waals errettet.
4. Die Buße von Hz. Ādam wurde an diesem Tag akzeptiert.
5. Hz. Yūsuf wurde an diesem Tag aus der Grube gerettet, in die er von seinen Brüdern gestoßen wurde.
6. Hz. ʿĪsā  kam an diesem Tag auf die Welt und stieg in den Himmel auf.
7. Die Buße von Hz. Dāwūd wurde an diesem Tag akzeptiert.
8. Hz. Ibrāhīm bekam an diesem Tag einen Sohn.
9. Hz. Yaʿqūb konnte nach der tiefen Trauer über den vermeintlichen Verlust seines Sohns an diesem Tag wieder seine Augen öffnen und sehen.
10. Hz. Ayyūb wurde an diesem Tag von seinen ihn plagenden Krankheiten erlöst. (vgl. Diyarbekri, Tarihu'l-hamis, 1/360; Sahih-i Müslim Şerhi 6/140)

Aus diesem Anlass gibt es in so gut wie allen islamischen Ländern zu Ehren dieses Tages eine besondere Süßspeise. Um diese historischen Ereignisse zu gedenken erlebt man somit freudenvolle Tage und man teilt diese Süßspeisen mit Freunden und Familie. Diese Tradition hat Bestand.

Aus islamischer Sicht gibt es keinerlei Befehl oder Verbot so eine Süßspeise an diesem Tag zu machen bzw. zu teilen. Man kann also keinen dafür kritisieren sie nicht zu machen und keinen dafür kritisieren sie gemacht zu haben. Die Süßspeisen die gemacht werden um Hz. Nūḥ zu gedenken, der die restlichen noch verbliebenen Getreide/Kornfrüchte gesammelt hat um daraus zum Zeichen der Dankbarkeit eine Süßspeise zu machen, würden wohl im Herzen des Gläubigen ein Wachrütteln und in dieser in Materialismus versinkenden Welt ein Lächeln erwirken. Sowohl für den Gaumen als auch für das Herz ist dies wohlbekommend. 

Als der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) nach Medina kam, sah er wie die Juden am ʿāšūrāʾ Tag fasteten und er fragte sie warum sie fasten. Sie antworteten:

Heute ist ein guter Tag. Gott hat die Söhne Israels an diesem Tag von der Tyrannei des Pharaos gerettet. Mūsā hat aus Dankbarkeit an diesem Tag gefastet. Wir tun dies auch. Der Prophet (s.a.s.) entgegnete das indem er sagte "Wir sind verbundener an die Sunna von Mūsā als ihr." So fastete er auch an diesem Tag und befahl seinen Gefährten dies ebenso zu tun. (Buhârî, Savm, 69; Tecrîd-i Sarih, VI/308, 309)

Basierend auf der Überlieferung von Hz. Āʾiša hat der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) auch in der mekkanischen Periode war an diesem Tag gefastet.

Zur Zeit des Unwissens haben die Quraiš am ʿāšūrāʾ Tag gefastet. Vor der hiǧra tat der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) dies ebenso. Er fuhr nach der hiǧra in Medina damit fort und befahl seinen Gefährten auch an diesem Tag zu fasten. Als im nächsten Jahr das Fasten im Ramadan befohlen wurde hat er das Fasten am ʿāšūrāʾ Tag (als Pflicht) unterlassen, wer wollte fastete an diesem Tag und wer nicht wollte konnte dies unterlassen. (Buhârî, Savm, 69; Tecrîd-i Sarîh, VI/307, 308).

Es herrscht eine allgemeine Meinungseinheit darüber dass das Fasten am ʿāšūrāʾ Tag eine Sunna und keine Pflicht darstellt. Bezüglich der Bestimmung zur anfänglichen Zeit des Islams sagt Abū Ḥanīfa dies sei verpflichtend, während Imam aš-šāfiʿī dies als eine andauernde Sunna des Propheten (s.a.s.) beschreibt. Nachdem das Fasten im Ramadan verpflichtet wurde, sah man das Fasten am ʿāšūrāʾ Tag als lobenswert an. Um den Juden nicht zu ähneln ist es schön wenn man mit dem zehnten Tag des Muḥarram auch den neunten oder elften Tag fastet. An diesem Tag wäre es angebracht und lobenswert neben dem Fasten auch andere schönen Traditionen und gute Taten wie etwa die Almosengabe aufleben zu lassen. Jeder teilt gemäß seiner Möglichkeiten Darbietungen mit Freund und Familie. Ohne Zweifel wird der Lohn dieser Taten vervielfacht, wenn man die Geschehnisse gedenkt die diesen Tag so besonders machen und von ihm berichten. Vor allem der Prophet (s.a.s.) hat den Gläubigen empfohlen an diesem Tag seiner Familie mehr Darbietungen/Geschenke zu machen als sonst zu einer Zeit.

Wer am ʿāšūrāʾ Tag seiner Familie und seinen Hausbewohnern Darbietungen/Geschenke präsentiert, dessen Güter werden von Gott auch das gesamte Jahr mit Segen und Wohl verschönert. (et-Tergîb ve'l-Terhİb, 2/116)

Zu dem was als Familie verstanden wird gelten hier Verwandte, Obdachlose, Verlassene und Nachbarn. Es ist allerdings nicht nötig für diesen Zweck große Mühen einzugehen und das Familienbudget zu strapazieren. Jeder kann dies im Rahmen seiner Möglichkeiten tun.

Neben der Reinheit und dem Glanz des ʿāšūrāʾ Tags ist auch die Trauer um die Tragödie von Kerbala zu vernehmen. Im 61. Jahr der hiǧra und am jeweiligen ʿāšūrāʾ Tag wurde der Enkel des Propheten (s.a.s.) Imam Ḥusain in Kerbala auf grausame Art und Weise massakriert. Hinter dieser schandhaften Gräueltat steckt der zweite ummayadische Kaliph Yazīd ibn Muʿāwiya. Dies ist ein Punkt der Geschichte, der das Herz der Gläubigen erschüttern lässt und auch der Prophet (s.a.s.) sprach ein halbes Jahrhundert davor von diesem künftigen Ereignis. Ḥusain ist als Märtyrer und Würdeträger in den Himmel Gottes aufgestiegen.

Zweifelsohne wird Gott die Gräueltäter und Tyrannen mit seiner unendlichen Gerechtigkeit bestrafen und die Märtyrer und Verfechter des Glaubens und der Gerechtigkeit sind im Himmel Gottes in die höchsten Stufen aufgestiegen. Jeder Gläubige der an das Schicksal glaubt und sich vor Gott verneigt, trauert über diese Geschehnisse aber er verliert sein Gutdünken, seine Nüchternheit und seine Besonnenheit nicht. Denn alles was geschieht ob traurig oder erfreulich anmutend, entspringt dem Urteil Gottes des Allmächtigen und seinem ewigem Urteil. Aus dieser Perspektive entspricht es nicht dem Verständnis der Ahl al-Sunna dies als eine Trauerzeremonie wahrzunehmen und zu beurteilen.   

 

Selam & Dua

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16 Was können wir tun um im Monat des Korans durch den Koran zu neuem Leben zu finden?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Selbst Solche, die das ganze Jahr über dem Qurʾān fern waren rennen in der tugendreichen und gesegneten Atmosphäre des Ramadans nahezu dürstend zum Qurʾān, um von der göttlichem Rede einige Tropfen zu erhaschen. Denn in diesen Monat der Vergebung ist auch eine weit verbreitete Tradition die überall ausgeführt wird zu nennen, nämlich die die “Muqābala”. 

Hz. Ǧibrīl suchte in jedem Jahr zum Ramadan und nach manchen Überlieferungen in jeder Nacht des Ramadans unseren ehrenwürdigen Propheten (s.a.s.) auf, um den Qurʾān in seiner von Gott herabgesandten Form zu bewahren, die Anordnung der Verse und Suren sicherzustellen und sie zu kontrollieren. Der Prophet (s.a.s.) hat Hz. Ǧibrīl die Verse des  Qurʾāns vorgelesen und später seiner Rezitation zugehört.

So betitelte man dass gegenseitige Rezitieren und Zuhören des Qurʾāns seitens Hz. Ǧibrīl und dem Stolz der Schöpfung, des Propheten (s.a.s.) als Muqābala.

Aufgrund der Darstellung von Respekt für das Andenken dieses heiligen Monats sowie der Herabsendung des Qurʾāns in diesem Monat und insbesondere der Botschaft der vielfachen Belohung des Rezitierens in diesem Monat haben es sich die Gläubigen zu einer schönen Tradition gemacht, den Ramadan begleitend in den Moscheen oder zuhause an der Muqābala teilzunehmen und den Qurʾān vollständig zu rezitieren. 

Die Gefolgsleute des Propheten (s.a.s.) haben es als unterste Grenze der Verbundnheit gegenüber unserem Propheten (s.a.s.) verstanden, wenn man den Qurʾān monatlich einmal vollständig rezitiert. Sie haben ausgedrückt, dass insofern man den Qurʾān monatlich nicht liest, man sich gegenüber dem Propheten (s.a.s.) nicht loyal verhalten und ihn letztendlich verlassen hat. Die ehrenvollen Tage des Ramadans aus diesem Blickwinkel wahrnehmend, sollten wir es uns zur Gewohnheit machen den Qurʾān zumindest einmal vollständig zu rezitieren. Dies soll für uns ein Anfang, gar ein Neuanfang sein und zumindest ab dem Punkt an sollten wir unsere Verbundenheit gegenüber der göttlichen Offenbarung in dieser Form zeigen.

Eigentlich müssten Jene, die den Qurʾān nicht gelesen oder verstanden haben umso mehr danach trachten und die Wissenden sollten ihr gesamtes Verständis und ihre Spezialisierung auf das richtige Lehren und Ausdrücken der Botschaft des Qurʾāns lenken und für die Verbreitung des Lesens und des Verstehens sorgen. So ist der Qurʾān zum Verstehen und Lehren das größte Geschenk  der Barmherzigkeit Gottes für den menschlichen Verstand.

Den Qurʾān zu verstehen und seine Botschaft zu begreifen ist zugleich eine Aufgabe und auch eine Frage der Loyalität. Den Qurʾān zu lehren ist ein Ausdruck von Verbundenheit und Respekt gegenüber den Seelen, die auf den Segen des Qurʾāns angewiesen sind.

Aus diesem Grund müssten wir, sofern wir den Qurʾān nicht lesen können, den Ramadan als eine Gelegenheit nutzen und nach Wegen suchen dieses Defizit zu beseitigen. Wenn wir die göttliche Offenbarung zwar lesen, aber nicht verstehen können sollten wir zu Übersetzungen greifen, die manche Verse auch erklären, schöner wäre es aber noch, eine wertvolle und ernste Interpretation des Qurʾāns zu lesen und zu besprechen, denn auf diese Weise wird der Monat des Ramadans auch als Monat des  Qurʾāns wahrgenommen. Um den Gefolgsleuten des Propheten (s.a.s.) Folge zu leisten sollten wir aus dem Innersten unseres Herzen uns dem Qurʾān zuwenden, der göttlichen Offenbarung gegenüber unser Herz endlos weit öffnen und eine der Heiligkeit des Ramadans gebührende Anstrengung zum Verständnis des im Qurʾān offenbarten göttlichen WIllen an den Tag legen.

 

Selam & Dua

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17 In den Überlieferung wird davon gesprochen, dass das Fasten ein Weg ist, sich vor den Teufel zu schützen. Wie geht das?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Das Fasten ist ein überaus wichtiger Gottesdienst. Das Fasten ist wie eine „Mauer oder ein Schutzschild“(1) gegenüber der Wollust, der Sünden sowie noch viele anderer zwanghafte Triebe der Seele. Es hat mithin eine Funktion, einen stärkere Willenskraft gegenüber den Teufel aufzubauen. In diesen Zusammenhang berichtet der ehrenwerte Prophet (s.a.s.), dass die Aktivitäten des Teufels in der Nacht der Bestimmung gedämmt sind und dass er keine Erlaubnis hat die Menschen zu Übel zu verleiten.(2)

Weiterhin berichtet der Prophet (s.a.s.), dass am Tag der ʿArafa, Gott den Menschen ihre großen Sünden vergibt und dass der Teufel sich in seinem Übel und seinem verachtenswerten Aufstand über den Segen Gottes aufregt.(3)

Der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) berichtet: „Wenn der Monat Ramadan kommt, öffnen sich die Tore des Paradies und es schließen sich die Tore der Hölle. Und die Teufel werden angekettet.“(4)

Wie aus den erwähnten Überlieferungen zu erkennen ist, werden im Monat Ramadan die bösartigen Geister sowie die Teufel angekettet. Aus diesem Grunde haben sie im Monat Ramadan weniger Einfluss auf die Menschen und können weniger Schaden anrichten, im Vergleich zu den anderen Monaten.

Wenn man den Zustand bedenkt, dass im Monat Ramadan ein Großteil der Muslime fastet, den Qurʾān rezitiert, das Tarāwīḥ Gebet verrichtet, für andere betet sowie noch viele andere freiwillige gottesdienstliche Handlungen ausübt, wird einem bewusst, dass in diesen Monat die Teufel angekettet sind.

(1) Buhari, Savm, 2, 9;
(2) Ahmed bin Hanbel, Müsned, V, 324.
(3) İmam Malik, Muvatta, Hac, 81/245.
(4) Buhari, Savm, 425; IV, 312; V, 411;

 

Selam & Dua

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18 Wird mein Fasten ungültig wenn ich für einen Moment vergesse dass ich faste und dann etwas esse oder trinke?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Nach der Überlieferung von Abu Hurayra (r.a.) hat unser ehrenwerter Prophet (s.a.s.) folgendes ausgesprochen:
Falls einer von euch vergisst dass er fastet, deswegen isst oder trinkt und sich dann wieder daran erinnert dass er fastet, so soll er sein Fasten nicht unterbrechen und fortführen. Denn Gott hat dich (in dem Moment) essen und trinken lassen. (Darimi, Savm: 23; Müslim, Sıyam: 171)

Gott macht die Menschen für Fehltritte die aus einem Moment der Vergesslichkeit hervorgehen nicht verantwortlich. Denn der Diener hat hier keine Einwirkung. Für das Fasten gilt dies auch. Wenn man im Moment der Vergesslichkeit isst bis man satt wird und voller Durst trinkt, ist das Fasten immernoch gültig. Sobald man sich erinnert dass man fastet, muss man sofort alles aus dem Mund nehmen.

So wie dieser Beschluss für das verpflichtende Fasten gilt, so gilt dies auch für andere Gelegenheiten an denen man als Gottesdienst fasten würde. Denn die Zustände die das Fasten gültig oder ungültig machen bleiben an der Stelle gleich.

Um dies weiter zu erläutern können wir diese Überlieferung heranziehen:

Ummu Isḥāk (r.a.) befand sich bei dem ehrenwerten Propheten (s.a.s.) Dem Propheten (s.a.s.) wurde etwas zu Essen in einer Schale gebracht. Der Prophetengefährte Zulyadayn (r.a.) war auch dort. Der Prophet (s.a.s.) reichte  Ummu Isḥāk (r.a.) ein Stück Knochen mit Fleisch. Er sagte: „Ya Ummu Isḥāk iss hiervon!“. Ummu Isḥāk sagte: ich hatte mich in dem Moment daran erinnert, dass ich faste. Meine Hände sind quasi erstarrt. Weder konnte ich meine Hand ausstrecken noch wegnehmen. Daraufhin fragte der ehrenwerte Prophet (s.a.s. „Was ist mit dir?“ Ich habe gesagt: „Ich faste, das habe ich vergessen“. Zulyadayn (r.a.) fragte „ist es dir eingefallen nachdem du satt wurdest?“. Daraufhin ordnete der Prophet (s.a.s.) an: „führe dein Fasten vollständig fort. Dies ist lediglich eine Gnadengabe die Gott dir geschickt hat. (Kütüb-i Sitte Muhtasarı Tercüme ve Şerhi, 9:457)

 

Selam & Dua 

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19 Wie gesund ist das Fasten für den Körper?

Liebe Leserin, lieber Leser


Das Fasten, welches in vielen Religionen besonders im Islam als gottesdienstliche Praxis vollzogen wird, findet seit dem 20. Jahrhundert auch vermehrt Verwendung in der Medizin als prophylaktische Therapie. Damit steigt auch stetig die Zahl der Ärzte, die das Fasten beziehungsweise Heilfasten empfehlen.

In Dutzenden Kliniken allein in Westdeutschland werden Patienten mit dem Fasten therapiert. Das Fasten dient hierbei sowohl als Heilmethode als auch gesunde Möglichkeit bei Übergewicht abzunehmen. Für den renommierten Arzt und Autor Dr. Hellmut Lützner, der als Spezialist im Gebiet des Fastens bekannt ist, ist das Fasten die natürlichste und effektivste Möglichkeit den Körper von schädlichen Ablagerungen zu befreien und den Organismus somit zu entgiften.

Das Fasten erstreckt sich bis zur frühen Menschheitsgeschichte hin und ist bei allen Lebewesen vorzufinden. Wochen oder gar Monate lang ohne Nahrung auszukommen und somit in gewissermaßen zu fasten, ist in der Natur bei einer Vielzahl von Tieren und Lebewesen zu beobachten. Ohne diese Veranlagung würde ein Überleben bei Lebewesen nicht möglich sein.

Besonders in entwickelten Ländern leben viele Menschen in Reichtum und Luxus. Aufgrund ihrer Gewöhnung an einen wohlhabenden Lebensstil fällt es ihnen oft schwer auf Dinge zu verzichten und manchmal notwendige Kompromisse einzugehen, sodass in diesen Ländern Krankheiten, die durch schlechte und übermäßige Ernährung begünstigt werden, immer häufiger vorkommen.

Jede Kultur hat ihre eigene Auswahl an Speisen und Essgewohnheiten, welche bei vielen Anlässen dazu verwendet werden, Familie und Freunde an einem Tisch zusammenzubringen und auf diese Weise ihre Beziehungen zueinander zu stärken. Ebenso ist von einem Geschäftsessen die Rede, wenn das Kennenlernen von Geschäftspartnern oder Mitarbeitern bei einer gemeinsamen Mahlzeit beabsichtigt wird. So trägt das gemeinsame Fasten von Menschen mit Blick auf die zeitliche Einteilung der Mahlzeiten auf die gleiche Weise dazu bei, die sozialen Kontakte untereinander durch das Gemeinschaftliche zu optimieren.

Der Münchener Psychologe Dr. Jürgen Vom Scheidt beschreibt in Anlehnung dazu:

„Um die spirituelle Atmosphäre von religiösen Feiertagen in ihrer wahren Form zu erleben, bedarf es einer Vorbereitung durch das Fasten. Wenn das Fasten seinen kulturellen Stellenwert verliert, verschwinden auch die in ihm verborgenen Besonderheiten. Anders gesagt kann der Mensch nicht von der Spiritualität profitieren, wenn er sich zu sehr auf das Materielle konzentriert.“

Eine besondere Form des Fastens ist das sogenannte Heilfasten, welches dem Regenerationsprozess des Körpers bei Krankheitserscheinungen dient. Diese Art des Fastens ist vor allem daher effektiv, weil der Körper keine Energie durch den Verdauungsprozess verliert und sich somit auf die Regeneration und Genesung konzentrieren kann.

Der als Begründer des Heilfastens geltende Mediziner Dr. Otto Buchinger (1882-1970) verweist in seinen Lehren auf den Nutzen und die Wirksamkeit des Fastens. In seinem Werk über das Heilfasten beschreibt er seine eigenen Erfahrungen und gibt an, dass er als Reaktion auf seine zunehmende rheumatische Erkrankung welche mit Muskelschwund, einer Vergrößerung der Leber und einer Entzündung der Gallenblase einherging, eine Fastenkur begann. Durch das Fasten, welches er unter Aufsicht von Gustav Riedlin, dem Pionier des Heilfastens durchführte, schaffte es Buchinger seine Erkrankungen zu überwinden.

Buchinger fasst seine zahlreichen Untersuchungen wie folgt zusammen:

„Es gibt keine Krankheit die nicht durch das Fasten gemildert oder gar geheilt werden kann, mit Ausnahme von Krankheiten wie etwa der Hypotonie. Das Fasten ist eine Operation ohne Messer.“

Der Heilfasten-Spezialist Dr. Lützner merkt an, dass ein früherer Sportler im Alter von 54 seine beste Zeit beim 10.000 Meter-Lauf am 49. Tag seiner Fastenkur erzielen konnte.

Dr. Helgard Bühler, ebenfalls Spezialistin im Gebiet des Fastens, beschreibt den Unterschied zwischen „Hungerstreik“ und „Fasten“ wie folgt:

„Der einzige Unterschied zwischen ihnen besteht in der Absicht. Das Fasten ist eine positive und gewollte Praxis. Der Hungerstreik hingegen kommt durch Wut und Empörung zustande. Dies führt dazu, dass aufgrund der Wut und des dadurch hervorgerufenen Stresses die Säureproduktion im Magen steigt, was wiederum zu stärkerem Hungergefühl führt. So verspürt ein Fastender also wenig Hunger, während jemand im Hungerstreik deutlich mehr hungert.“

Durch das Fasten erlebt der Mensch auch eine Befreiung von Beschäftigungen rund ums Essen wie beispielsweise das Vorbereiten und Verspeisen einer Mahlzeit sowie dem Spülen des Geschirrs. Der Psychologe Jürgen Vom Scheidt sagt diesbezüglich Folgendes:

„Besonders für Menschen die sich an materiellen Gütern gebunden fühlen ist es wichtig, sich von diesen lossagen zu können. Dies kann durch das Freiheitsgefühl, welche das Fasten mit sich bringt ermöglicht werden, sodass bei psychotherapeutischen Behandlungen von Drogenabhängigen, Alkoholikern oder Menschen mit ähnlichen Problemen das Fasten von großem Nutzen sein kann.“

Dr. Lützner schreibt in seinem Buch „Wie neugeboren durch Fasten“:

„Die Hungerphasen des Fastenden sind im Eigentlichen seine Behandlungsetappen. In diesen Phasen der Hungererscheinung werden schädliche und teilweise giftige Stoffe im Körper abgebaut. Schweiß- und Mundgeruch während des Fastens sind also Folge der Entgiftung und Entschlackung des Organismus.
Das Fasten wird viel positiver aufgefasst, wenn folgende Vorteile die es mit sich bringt berücksichtigt werden:
Eine starke Psyche
Ein steigendes Interesse an Ihrem Körper und Ihrer Seele
Eine Stärkung des Gedächtnisses sowie der Vorstellungskraft
Ein stärkeres Selbstbewusstsein und eine nüchterne Entscheidungsfähigkeit
Eine Ausprägung des Geschmackssinns sowie eine bessere Ernährungsweise nach dem Fasten“

Das all dieser Nutzen durch das Fasten erreicht werden kann ist sehr beachtlich.

Den auftretenden Schwierigkeiten in den ersten Tagen des Fastens kann durch eine obstreiche Ernährung vorgebeugt werden, da auf diese Weise die Magenschleimhaut gefördert wird und somit Beschwerden wie Übelkeit und Kopfschmerzen verhindert werden können.
Um mit den Worten Buchingers zum Ende zu kommen: „Das Fasten ist eine Operation ohne Messer.“

 

Selam & Dua

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20 Was passiert wenn man das Fasten absichtlich versäumt?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Überliefert von Abu Hurayra (r.a.) hat unser ehrenwerter Prophet (s.a.s.) folgendes ausgesprochen:

Für den, der ohne eine gültige Entschuldigung wissentlich einen Tag des Fastens im Ramadan versäumt, würde nicht einmal ein ganzes Jahr Fasten genügen. (İbn-i Mâce, Sıyam: 14)

Anhand der Überlieferung verstehen wir, welch große Last es ist, das Fasten im Ramadan absichtlich zu versäumen und wie schwer es ist, diesen Fehler zu beheben.

Auch wenn jemand die Schuld für sein absichtlich versäumtes Fasten durch ein 60 tägiges Fasten begleicht, kann er den Lohn für das versäumte Fasten am Ramadan nicht mehr erreichen. Dieser Segen kommt abhanden. 

Wie auch schon unser ehrenwerter Prophet (s.a.s.) in der Überlieferung erklärt, sei das 60 tägige Fasten dahingestellt, denn nicht einmal ein ganzes Jahr würde ausreichen um den Segen des Fastens am Ramadan einzuholen.

Es gilt zu sagen, dass jeder Gottesdienst in der dafür vorgesehenen Zeit gemacht werden sollte und darin entfaltet sich der Segen dieser Gottesdienste. Zwar kann man gewisse Gottesdienste und Pflichten nachholen, aber das ersetzt sie nicht. Daher kann ein nachgeholtes Gebet niemals auch den Segen und die Tugend eines Gebets zur Gebetszeit erreichen. Deshalb sollte man sich stets bemühen, sofern man in der Lage dazu ist, die religiösen Pflichten zu der vorgesehenen Zeit vollständig zu erfüllen.

 

Selam & Dua 

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21 Wie hat der Prophet (s.a.s.) zum Iftar also zum Fastenbrechen gebetet?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) pflegte es, ein Gebet zum Fastenbrechen zu sprechen, dies taucht in einer Überlieferung auf. Muʿāz ibn Zuhr überliefert:


Es ist mir zugekommen, dass der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) beim Fastenbrechen dieses Gebet sprach:
“Allahümme leke sumtü ve alâ rızkıke eftartü.”

Ya Allah (c.c.) für dein Wohlwollen habe ich gefastet und mit deinen Gnadengaben breche ich nun mein Fasten. (Ebû Dâvud, Savm: 22)

Marwān ibn Ṣālim überliefert von Ibn ʿUmar:

Der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) sagte beim Fastenbrechen dies:

Der Durst ist gestillt, die Adern sind befeuchtet und mit Gottes Erlaubnis ist die Belohnung sichergestellt. (Ein Überlieferer fügte zum Anfang noch „Der Dank gilt Gott“ hinzu; Ebu Dâvud, Savm: 22)

ʿAbd Allāh ibn ʿUmar betete beim Fastenbrechen auf diese Weise: Ya Allah (c.c.) mit deiner den gesamten Kosmos umfassenden Barmherzigkeit, vergebe mir meine Sünden 

 

Selam & Dua 

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22 Lässt das Auftragen von Lidschatten, Kajalstrichen Wundsalben oder Vergleichbares das Fasten ungültig werden?

Liebe Leserin, lieber Leser

 

Wir finden die Antwort auf diese Frage in folgender Überlieferung:
Einst fragte ein Mann den ehrenwerten Propheten (s.a.s.): „Ya Rasūl, meine Augen schmerzen und obwohl ich faste trage ich etwas auf meine Augenlieder auf. Wird mein Fasten dadurch ungültig?" Der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) antwortete mit "nein".
(Tirmizî, Savm: 30)

 

Aus dieser Überlieferung können wir die unten aufgeführten Beschlüsse entnehmen:

1- Das Fasten wird durch das Auftragen von Farbe/Schattierungen auf den Augenlidern nicht ungültig.

2- Eine medikamentöse Salbe oder Vergleichbares, was auf eine Wunde im Kopf- oder Bauchbereich aufgetragen wird, lässt das Fasten nicht ungültig werden, solange diese Salbe nicht in den Körper eindringt.

 

Selam & Dua

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23 Gibt es Überlieferungen dazu dass man Leute zum Iftar einladen soll?

Liebe Leserin, liebe Leser


Zayd Ibn Ḫālid al-Ǧuhanī (r.a.) überliefert:

Der Gesandte Gottes (s.a.s.) sagte: Wer einen Fastenden mit Essen zum Fastenbrechen (Ifṭār) versorgt, dem wird der gleiche Lohn des Fastenden zuteil, ohne dass dabei etwas vom Lohn des Fastenden gemindert wird. 
(at-Tirmidhī, Ṣaum 82; Ibn Māǧa, Ṣiyām 40)

Mit dem Beginn des Ramadan vermehren sich Festmähler und Einladungen zum Ifṭār. So wie wir Freunde, Familie und Bekannte zum Fastenbrechen einladen, so kommen wir auch ihren Einladungen nach und speisen gemeinsam zu Ifṭār-Zeit. Diese Tradition stärkt sowohl die sozialen Bindungen zwischen den Menschen als auch ihren Sinn für Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit.

Leider werden derartige Einladungen häufig mit dem Anbieten vielfältiger und anschaulicher Speisen verbunden, sodass wir durch diese fehlerhafte Einstellung für eine Einladung zum Fastenbrechen manchmal unsere finanziellen Mittel ausschöpfen. Wir scheuen nicht davor, Mühe und Kosten auf uns zu nehmen, welche unsere Möglichkeiten und unser Budget übersteigen.

Für wohlhabendere Menschen ist dies natürlich möglich, jedoch gilt für Menschen mit einer eher durchschnittlichen Situation nicht dasselbe. Denn eine solche Art der Vorbereitung für Gäste wäre auf Dauer nicht tragbar und würde die Pflicht des Besuchens von Freunden und Verwandten nur erschweren.

Während wir durch einen Hadith dazu angeregt werden als Gastgeber jemanden beim Ifṭār zu speisen, werden wir in einem anderen Hadith von unserem Propheten (s.a.s.) darauf hingewiesen, dass selbst ein Schluck Wasser, ein wenig Milch oder eine einzige Dattel als Speise ausreicht, mit welcher man jemandem das Fastenbrechen ermöglicht.

So ist es also möglich, ohne Verschwendung und hohe Ausgaben jemanden zum Ifṭār einzuladen.  Jeder kann also seinen individuellen Möglichkeiten entsprechend eine Speise vorbereiten und servieren. Der Prophet (s.a.s.) verweist im erwähnten Hadith auf das Mindeste, mit dem man jemandem das Fastenbrechen ermöglichen kann und auch dadurch die versprochene Belohnung erlangt.

Auf diese Weise ist es uns möglich, ohne großen Aufwand den Kontakt zu Freunden und Verwandten zu pflegen und durch ein gemeinsames Fastenbrechen, zu dem man im Ramadan einlädt, vielerlei Nutzen zu erzielen sowie eine wichtige Sunna zu vollbringen.

Der Einladung eines Gläubigen zum Ifṭār nachzukommen und nach dem Speisen für diese Person zu beten, ist ebenfalls eine wichtige Sunna des Propheten (s.a.s.).

Einer Überlieferung zufolge berichtet ʿAbdallāh ibn az-Zubair (r.a.), dass der Prophet (s.a.s.) folgendes Bittgebet machte, nachdem er bei Saʿd b. Muʿāḏ (r.a.) den Ifṭār vollzogen hatte:


"أَفْطَرَ عِنْدَكُم الصَّائِمُونَ وَأَكَلَ طَعَامَكُمْ الْأَبْرَارُ وَصَلَّتْ عَلَيْكُمْ الْمَلَائِكَةُ"

ʾafṭara ʿindekumu ṣ- ṣāimūna wa-ʾakala ṭaʿāmakumu l-ʾabrāru wa-ṣallat ʿalaikumu l-malāʾika.

Mögen stets Fastende bei euch zu Ifṭār speisen, mögen Fromme von eurem Essen speisen und mögen die Engel für euch beten. (Musnad 3, 138)


Bittgebete der Engel für diejenigen, die andere zum Ifṭār einladen

Abū aš- Šayḫ berichtet in einer Überlieferung von Ibn Ḥibbān, dass der Prophet (s.a.s) sagte:

„Wer im Ramadan mit rechtmäßig verdienten Mitteln einem Fastenden den Ifṭār (das Fastenbrechen) ermöglicht, für denjenigen beten die Engel in jeder Nacht des Ramadan und der Engel Gabriel (Ǧibrīl) begrüßt ihn in der Nacht der Bestimmung (laylatu l-qadr). Derjenige der von Gabriel begrüßt wird, dessen Herz erweicht und seine Augen vergießen mehr Tränen.“

Der Überlieferer erzählt:

Als ich fragte:

„Oh Gesandter Allahs! Was soll er tun, wenn er nichts hat womit er einen Fastenden speisen kann?

antwortete er:

„Eine Hand voll Lebensmittel genügen auch.“

Als ich erwiderte:

„Und wenn er nicht einmal einen Happen Brot findet?“

sagte er:

„So kann er mit Wasser vermischte Milch anbieten.“

Als ich erneut fragte:

„Und wenn er selbst das nicht hat?“

sagte er:

„Dann einen Schluck Wasser.“

(at-Tarġīb wa-'t-Tarhīb 2, 431)


In Bezug auf die Bittgebete der Engel für die Menschen während des Ramadan, überliefert der Prophetengefährte Alī b. Abī Ṭālib folgenden Hadith:

Wenn der Ramadan beginnt, befiehlt Allah den Engeln, welche den Thron tragen: „Nun lasst eure eigenen Lobpreisungen (ḏikr) ruhen und betet um Vergebung für die Gemeinde (umma) von Muhammad. (Râmuzu’l-Ehâdîs, Hadis no: 584)

 

Selam & Dua 

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24 Kann man früher mit dem Fastenmonat anfangen wenn man den Mond schon sieht?

Liebe Leserin, lieber Leser,

unser ehrenwerter Prophet (s.a.s.) setze die Sichtung des Mondes beziehungsweise der Mondsichel (als Indikator eines Monatsbeginns) als Bedingung für den Beginn des Fastens. Man spricht in diesem Kontext auch vom Neulicht, welches kurz nach dem Neumond stattfindet. Diesbezüglich können folgende Überlieferungen beispielhaft genannt werden:

ʿAbdallāh ibn ʿUmar (r.a.) berichtet, dass der Gesandte Gottes (Frieden und Segen seien auf ihm) vom Ramadan sprach und sagte: „Fastet nicht bis ihr den Sichelmond (al-hilāl)seht, und dann esst nicht (d.h. hört mit dem Fastenmonat nicht auf)bis ihr den Sichelmond erneut seht. Wenn Wolken dazwischen kommen (eure Sicht einschränken), so schätzt den Monat ab.“ (Buḫārī, Ṣaum: 11; Muslim, Ṣiyām: 9; Muwaṭṭaʾ, Ṣiyām: 1; Abū Dāwūd, Ṣaum: 4; Nasāʾī, Ṣaum: 10, 11)

Unsere ehrenwerte Mutter ʿĀʾiša (r.a.) berichtet:

„Der Gesandte Gottes (Frieden und Segen seien auf ihm) berechnete von keinem Monat die Tage so genau, wie die Tage des Monats Šaʿbān. Wenn er dann die Mondsichel des Monat Ramadan (unmittelbar nach dem Neumond)sichtete, begann er mit dem Fasten. Wenn Wolken dazwischen waren (sodass er den Mond nicht sehen konnte), ging er von 30 Tagen (im Šaʿbān) aus und begann danach mit dem Fasten des Ramadan.“ (Abū Dāwūd, Ṣaum: 6)

Wie aus den Überlieferungen hervorgeht, ist die Sichtung der Mondsichel und damit des Neulichts ausschlaggebend für den Beginn des Ramadan. Der Mond und seine Bewegungsintervalle entsprechen einem bestimmten und von Gott festgesetzten Ablauf. Von dieser programmatischen Ordnung weicht der Mond nicht ab. In der heutigen Zeit können aufgrund des wissenschaftlich-technologischen Stands alle Phasen und Positionen des Mondes durch Berechnung (sogenanntes arithmetisches oder zyklisches Datum) und Beobachtung weit im Voraus präzise genannt und datiert werden, sodass anstelle der Sichtung des Mondes mit dem bloßen Auge die Informationen entsprechender Fachleute und Wissenschaftler genügen können.

In diesem Zusammenhang ist besonders folgende Überlieferung von Bedeutung:

ʿAbdullāh ibn ʿAbbās (r.a.) berichtet:

Ein Beduine kam zum Gesandten Gottes (s.a.s.) und sagte: 

„Ich habe den Hilāl (Neulicht des Ramadan)gesehen.“

Der Gesandte Gottes (s.a.s.) erwiderte: 

„Bezeugst du, dass es keine Gottheit außer Allah gibt?“

Als der Mann mit „Ja!“ antwortete, sprach der Prophet (s.a.s.): „Oh Bilāl! Verkünde den Menschen sie mögen morgen (beginnen zu)fasten!“ (Abū Dāwūd, Ṣaum: 14; Tirmiḏī, Ṣaum 7; Nasāʾī, Ṣaum: 8; Ibn Māǧa, Ṣiyām: 6)

Der Prophet (s.a.s.) akzeptiert das Zeugnis eines Beduinen bezüglich der Sichtung des Mondes. Wenn man bedenkt, dass der Prophet (s.a.s.) die Aussage eines Beduinen zur Grundlage nimmt, so scheint es sehr willkürlich und fragwürdig, dass heute manche Menschen die in diesem Bereich qualifizierten Wissenschaftler und Experten samt ihrer Erkenntnisse ignorieren. 

Darüber hinaus führen derartige Divergenzen zu Fitna und Disharmonie unter den Muslimen, sodass Zwiespalt und Konflikte zwischen den Gläubigen ermöglicht werden. Es sollte bedacht werden, dass der Koran in der Sure al-Baqarah die Fitna sogar als etwas schlimmeres als das Morden darstellt. (2:191)

Der Prophet (s.a.s.) betonte, dass Taten wie das Fasten im Ramadan sowie das Zelebrieren des ʿĪd-Festes gemeinsam und als gemeinschaftliche Ummah ausgeführt werden sollten, damit sie vollkommen und wahrhaftig sein können:

Es berichtete Abū Huraira (r.a.): 

Der Gesandte Gottes (Frieden und Segen seien auf ihm) sagte:

„Das Fasten ist am Tag an dem ihr (alle gemeinsam)fastet, das(wahrhaftige)Fastenbrechen ist am Tag an dem ihr gemeinsam euer Fasten brecht und das Opfern(am ʿĪdu l-Aḍḥā/Opferfest) ist am Tag an dem ihr (alle gemeinsam)opfert. (Tirmiḏī, Ṣaum 11; Abū Dāwūd, Ṣaum: 5)

Innerhalb dieser Thematik ist der Aspekt der variablen Anzahl der Tage des Ramadan auch von Bedeutung. So kann der Ramadan - wie es für die lunare Kalenderrechnung, welche sich am Lauf des Mondes orientiert, typisch ist - in manchen Jahren 29 und in manchen 30 Tage haben. Auf diese auch wissenschaftlich ergründete Gegebenheit wies auch der Prophet (s.a.s.) in den Überlieferungen hin.

Faktoren wie die Neigung der Erdachse und die elliptische Umlaufbahn des Mondes - welcher außer der Erdanziehungskraft auch der Anziehungskraft der Sonne und der übrigen Planeten ausgesetzt ist, womit seine Bahn merklich von einer reinen Keplerellipse abweicht – sorgen für variierende Distanzen die der Mond bei einem Umlauf zurücklegt, wodurch Unterschiede bei der Anzahl der Tage eines Monats entstehen können.

In den Überlieferungen in denen der ehrenwerte Prophet (s.a.s.) auf diese Variabilität hinweist, finden wir unter anderem folgende Aussagen:

ʿAbdullāh ibn ʿUmar (r.a.) berichtet:

Der Gesandte Gottes (s.a.s.) sprach: „Der Ramadan ist so, so und so.“ und dabei zeigte er beide seiner Hände zwei Male mit allen Fingern und einmal mit eingeknicktem rechtem oder linken Daumen.(Er zeigte somit die Anzahl der Tage anhand der Summe seiner gezeigten Finger)

In einer unter anderem in Buḫārī und Muslim verzeichneten Überlieferung heißt es:

Der Prophet (s.a.s.) sprach: „Wir sind Analphabeten. Wir wissen weder zu schreiben noch zu rechnen. Der Mond ist so und so.“ Dabei zeigte er einmal 29 und einmal 30. (Buḫārī, Ṣaum: 13; Muslim, Ṣiyām: 13-15; , Abū Dāwūd, Ṣaum: 4; Nasāʾī Ṣaum: 17)

Dementsprechend begann der Prophet (s.a.s.) das Fasten dann, wenn er das Neulicht beziehungsweise den Sichelmond (als Hinweis auf den Beginn des Monats, in diesem Falle den Monat Ramadan) und beendete den Fastenmonat mit der Zelebrierung des ʿĪd al-Fiṭr-Festes, sobald er das Neulicht beziehungsweise den Sichelmond des Šawwāl-Monats sichtete.

Er war sehr präzise bei dieser Praxis und regte alle zur Beobachtung des Mondes an. Wenn jemand das Neulicht sichtete, so ließ er das Fasten basierend auf seinem Zeugnis beginnen. Heute zu behaupten, dass die Sichtung des Neulichtes beziehungsweise der Mondsichel mit dem bloßen Auge zu erfolgen hat, gleicht einem Zwang und stellt eine unplausible Forderung dar.

Es kommt also darauf an, den Hilāl in den Abendstunden zu sichten. Da die Mondsichel am ersten Tag sehr schmal und fein ist, ist eine Sichtung nicht für alle möglich. Das Sichten und Beobachten des Mondes mit Teleskopen und anderen Hilfsmitteln der Astronomie ist selbstverständlicherweise nichts anderes als die Sichtung des Sichelmondes mit den Augen.

Die Aussage des Propheten (s.a.s.): „Wir sind (als Volk) Analphabeten, wir wissen weder zu schreiben noch zu rechnen.“ weist implizit daraufhin, dass eine Berechnung der Mondphasen theoretisch möglich ist.

Die Astronomie als Wissenschaft mit samt ihren Methoden und Erkenntnissen war zur damaligen Zeit nicht so weit ausgeprägt wie in der Moderne. Hingegen sind gegenwärtig Dinge wie die Beobachtung des Mondes und die Verifizierung des Beginns des Ramadan und des Šawwāl zu simplen Angelegenheiten für die Astronomie geworden.

So wie die exakte und sekundengenaue Berechnung von Ereignissen wie die Sonnen- und Mondfinsternis durch Astronomen erfolgt und diese Ereignisse tatsächlich den Berechnungen entsprechen, so ist die Berechnung der Mondphasen eine ebenfalls präzise Angelegenheit. Auch am Beispiel der Gebetszeiten sehen wir, dass diese zur Zeit des Propheten (s.a.s.) visuell identifiziert wurden wohingegen heute eine auf die Minute genaue Uhrzeit definiert werden kann.

All dies ist jedoch kein Widerspruch und kein Hindernis dafür, dass der Mond mit dem bloßen Auge beobachtet wird oder dass man die visuelle Sichtung gänzlich ersetzt.

Die oben erwähnte Überlieferung, in welcher der Prophet (s.a.s.) die Muslime dazu aufruft, gemeinsam zu agieren und auf das Gemeinsame zu achten, ist ebenfalls richtungsweisend in diesem Zusammenhang.

Folglich kann festgehalten werden, dass beide Arten der Sichtung zulässig sind. Mit Blick auf den Zweck des Ramadan und die Vermeidung von Zwietracht wird daher empfohlen, sich in Bezug auf Beginn und Ende des Ramadan an die örtliche Gemeinde beziehungsweise die Familie und das Umfeld zu orientieren.

 

Selam & Dua 

Fragenandenislam - Team

 

25 Lassen Zigaretten und Shischa das Fasten ungültig werden lassen?

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt einen Unterschied zwischen absichtlichen Inhalieren und unbeabsichtigten Inhalieren. Wer mit Absicht den Rauch inhaliert, hat sein Fasten gebrochen und müsste daher das Fasten nachholen sowie das Straffasten durchführen. 

Rauchbare Tabakerzeugnisse oder vergleichbare Stoffe (z.B. auch Morphium) die zum Genuss konsumiert werden, brechen das Fasten. Im Zustand des Fastens muss man sich daher vor diesen Stoffen hüten.

Wer unbeabsichtigt in Berührung mit dem Rauch/Dampf einer Zigarette oder Shischa kommt, bricht sein Fasten nicht. Da die Person sich nicht vor dieser Situation hüten konnte, wird sie nicht dafür belangt.

Selam & Dua 

Fragenandenislam - Team